Rosa Granitküste, Bretagne, Frankreich

Bretagne mit Kindern: Geballte Tipps zum Entdecken der Nordküste

Mit unserer Reise in die Bretagne ist ein lang gehegter Traum von mir in Erfüllung gegangen. Das Ergebnis: Ich will unbedingt so ein schnuckeliges Steinhäuschen mit blauen Fensterläden haben, täglich an der wilden, zerklüfteten Küste spazieren gehen, mir den Wind um die Nase wehen lassen, barfuß über den weißen Sand der karibisch anmutenden Traumstrände schlendern und meinen Mädchen beim Muscheln suchen zugucken.

Das Wetter in der Bretagne

Dabei hatten wir gar nicht mal das ganz große Wetterglück. Tagestemperaturen von 13° – 16° Celsius sind im Juni auch für die eher raue Bretagne etwas mager. Richtig fies war der Regen, der uns als Camper (zu viert im Ford Nugget!) ordentlich zugesetzt hat. Da mussten wir teils schon tief in die Trickkiste greifen, damit die allgemeine Laune nicht kippte. Zum Glück hat uns die Bretagne immer wieder mit ein paar Sonnenstrahlen versöhnt. Zum Abschluss unserer gut zwei Reisewochen durften wir sogar noch ein paar echte Frühsommertage genießen, das tat uns allen richtig, richtig gut.

Die herrliche Landschaft der Bretagne ist allerdings gar nicht an ein bestimmtes Wetter gebunden. Die wilde Küste wirkt bei Wind noch etwas dramatischer, und der Spaziergang durch die Farn- und Heidelandschaften hat bei Nebel sogar etwas Mystisches. Wie so oft steht und fällt der Reisespaß mit der richtigen Ausrüstung. Bei einer Reise in die Bretagne muss man für alle Extreme packen: Von der Badehose bis zu den Gummistiefeln, vom T-Shirt bis zur Fleecejacke, von der Sonnencreme bis zur Regenkleidung. Und falls etwas im Reisegepäck fehlt, steuert man einfach den nächsten Decathlon an, wo wir Lenis Regenoutfit vervollständigt haben. Im Übrigen ist das auch mein ultimativer Schlechtwetter-Tipp für Familien, denn die Kids können sich im Decathlon-Store prima austoben – Trampolin, Roller & Co. sei Dank.

Unsere Reiseroute

Bei der Auswahl unserer Reiseetappen haben wir wohl alles richtig gemacht, denn ich kann von keiner einzigen Station abraten. Liegt es an meiner brillanten Planung? Oder ist einfach jeder Fleck der Bretagne sehenswert? Vielleicht ja ein bisschen von beidem :-)

    Geheimtipp: Amiens

    Als Etappenziel auf dem Weg in die Bretagne habe ich Amiens ausgewählt, das etwa auf der Hälfte der Strecke liegt. Amiens war nicht nur unser rettender Anker, weil unseren beiden Mädels das Autofahren immer noch nicht so recht liegt, sondern auch ein echter Geheimtipp. Das eindrucksvollste Bauwerk ist unbestritten die Kathedrale. Sie entstammt der französischen Hochgotik des 13. Jahrhunderts und war bauliches Vorbild für den Kölner Dom und viel später die St. Patrick’s Cathedral in New York. Seit 1981 steht sie auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Während Amiens in beiden Weltkriegen schwer beschädigt wurde, blieb die Kathedrale verschont. Die Franzosen betrieben allerdings auch allerhand Aufwand zum Schutz des heiligen Bauwerks: Die reich verzierte Westfassade sowie das Innere der Kathedrale wurde mit unzähligen Sandsäcken verkleidet.

    Unser Kurzbesuch hat Lust auf mehr gemacht: In Amiens kann man gut und gerne auch ein paar Tage verbringen. Das Jule-Verne-Haus hätte mich beispielsweise noch sehr interessiert, die Innenstadt ist von mehreren Parks umgeben, und das St-Leu-Viertel hätte ich gerne noch weiter durchstreift.

    Tipp: Kostenfrei und zentrumsnah (10 min.) parken kann man auf dem Coliseum-Parkplatz (Boulevard Faidherbe).

    Dol-de-Bretagne

    Die kleine Altstadt von Dol war der perfekte Einstieg. Von null auf hundert, das kann ich nicht. Die ersten zwei, drei Tage einer Reise brauche ich zum warm werden, die Knaller spare ich mir lieber für später auf.
    Um Dol-de-Bretagne zu durchschlendern, reichte eine Stunde vollkommen aus. Die Hauptsehenswürdigkeit ist die „Grande Rue des Stuarts“, wo sich alte Fachwerkhäuser aneinanderreihen, darunter auch eines der ältesten Fachwerkhäuser in ganz Frankreich. Besonders auffällig ist die im Vergleich zum Ministädtchen gigantische Kathedrale St-Samson, die sich dadurch erklärt, dass Dol einst die erste und mächtigste bretonische Bischofsstadt war. Ansonsten wurden wir in Dol daran erinnert, wie teuer doch ein Eis in Frankreich ist, nämlich stolze 2,50 € für eine Kugel!

    Campingplatz-Tipp:
    Einfach, aber ungemein praktisch gelegen ist der Platz „Les Tendières“. Sechs Minuten zu Fuß bis in die Innenstadt, ein Netto gegenüber und ein genialer Kinderspielplatz drei Minuten entfernt. Dorthin haben wir am nächsten Morgen auch unser Frühstück verlegt. Flott beim Bäcker um die Ecke ein Baguette besorgt und dann ausgiebig in der Sonne gefrühstückt, während die Mädels sich ausgetobt haben. Ideal!

    Korsarenstadt Saint-Malo

    Dinard oder Saint-Malo? Englisches Seebad Flair oder lieber Piraten? Wir entschieden uns für letzteres. Saint-Malo ist zwar ein absoluter Touristenmagnet und die Parkplatzsuche (gerade mit Camper) eine Katastrophe, ABER der Besuch lohnt sich dermaßen!!

    Stadtmauer um die Ville Close von Saint-Malo

    Rundgang auf der Stadtmauer um die Ville Close von Saint-Malo

    In der Nähe des Fährterminals wurden wir fündig und stellten kostenfrei (Sonntag) unseren Camper an der Chaussée Eric Tabarly ab. Fünf Fußminuten später erklommen wir bereits die Treppenstufen hinauf zur Stadtmauer. Was ein Ausblick! Bei unserem Rundgang über die Stadtmauer bestaunten wir die Stadttore und Wehrtürme, die mächtigen Reederhäuser innerhalb der Ville Close, den Ausblick auf den Hafen und hinüber zum Seebad Dinard, die herrlichen Badestrände und die vorgelagerten Inselchen. Saint-Malo wirkt stolz und selbstsicher. Eine Stadt, die einfach alles zu bieten hat. Ich kann gut verstehen, warum seine Bewohner über Jahrhunderte hinweg betonten, sie seien weder Franzosen noch Bretonen, sondern Einwohner von Saint-Malo („Ni Français, ni Breton: Mallouin suis!“).

    Wer oder was sind eigentlich diese Korsaren?
    Korsaren waren so etwas wie legale Piraten. Mit einem königlichen Freibrief in petto kaperten sie feindliche Schiffe und forderten Lösegeld für Besatzung und Passagiere. So manch ein Korsar verdiente sich im 17. Jahrhundert eine goldene Nase.

    Naturparadies Cap Fréhel & Fort de la Latte

    Das Cap Fréhel wurde uns wärmstens empfohlen, daher hatte ich hier unsere erste Wanderung eingeplant. Sportliche 14 Kilometer um eines der beeindruckendsten bretonischen Kaps und vorbei am Fort de la Latte.

    Fort de la Latte

    Das Fort de la Latte diente schon mehrfach als Filmkulisse.

    Soweit die Theorie. In der Praxis hatte erst der angepeilte Campingplatz direkt an der Wanderroute saisonbedingt noch geschlossen, und schließlich fiel unsere Wanderung buchstäblich ins Wasser. Auch den bloßen Aufstieg auf den Leuchtturm am Kap ließen wir ausfallen – was bringt es, wenn man oben null Sicht hat?
    Die Regenpause am Nachmittag nutzten wir, um uns wenigstens das Fort de la Latte anzuschauen. Die Festung aus dem Mittelalter krallt sich förmlich an die Felsen und besitzt allerlei Finessen, die damals die Eroberer fern gehalten haben. Ein Fake-Tor an der Meerseite lockte beispielsweise Angreifer an, die mit ihren Schiffen dabei auf die scharfen Felsen aufliefen. Clever! Vom großen Wehrturm, dem Donjon, haben wir den Ausblick auf die Festungsanlagen und die (immer noch recht diesige) Küste genossen.

      5,70 € Erwachsene, 3,70 € Kinder von 5 – 12 J.,
           Schüler/Studenten/Arbeitslose mit Ausweis 4,70 € (Stand 2018)
       Infos, Öffnungszeiten & Preise auf der Webseite (französisch)

    Wanderung um das Cap d’Erquy

    Trotz durchwachsenen Wetters wagten wir uns endlich an unsere erste Wanderung. Es wurde auch Zeit, mir juckte es in den Füßen! Unser Mut zur Lücke hat sich dann auch gleich dreifach gelohnt: Der angesagte Regen blieb aus, das Wandern mit zwei Kleinkindern hat gut geklappt, und außerdem zählt die Wanderung um das Cap d’Erquy zu den landschaftlichen Highlights unserer Reise. Detaillierter Bericht folgt!

    Wanderung um das Cap d'Erquy

    Farn, Heide, wilde Felsküste, karibische Strände – die Wanderung um das Cap d’Erquy ist facettenreich.

    Die „Blumeninsel“ Île de Bréhat

    Nachdem wir einen weiteren Regentag mit einem ausgedehnten Decathlon-Besuch überbrückt haben, stand als nächstes die Île de Bréhat auf dem Programm. Die 3,5 Kilometer lange und 1,5 Kilometer breite „Blumeninsel“ lässt sich bequem per Tagesausflug erkunden. Wer mag, leiht sich direkt hinter dem Fähranleger ein Fahrrad. Wir haben das Eiland zu Fuß erobert. Am Leuchtturm Phare du Paon ganz im Norden drubbeln sich die Touristen zwar ein wenig, davon ab konnten wir die Inselidylle aber ganz in Ruhe genießen. Ein ausführlicher Bericht folgt!

    Wandern auf der Île de Bréhat

    Île de Bréhat: Die Inselidylle zu Fuß entdecken.


    Phare du Paon

    Phare du Paon: Leuchtturm auf der Île de Bréhat.

    Spontaner Stopp in Tréguier

    Tréguier hatte ich überhaupt nicht auf der Liste, trotzdem sind wir dort gelandet. Warum? Wir hatten Hunger, und am Flussufer des Le Jaudy lachte uns ein Picknickplatz an. Nach all dem Regen der letzten Tage machten wir es uns in der Sonne so richtig gemütlich. Beim anschließenden Verdauungsspaziergang durch Tréguier haben wir dann noch lokale Köstlichkeiten für uns und unsere Lieben daheim geshoppt. Mein Favorit: Die leckeren Karamellbonbons mit ihrer feinen Salznote – mmh!

    Plougrescant: Das Haus zwischen den Felsen

    Das „Haus zwischen den Felsen“ ist eines der bekanntesten Fotomotive der Bretagne. Das Castel Meur sucht zwischen zwei mächtigen Granitfelsen Schutz, während dahinter das Meer tost. Um den Kitsch perfekt zu machen, spiegelt sich die hübsche Szenerie im davor liegenden Salzweiher wider. Das wollte ich mit eigenen Augen sehen (bzw. durch den eigenen Sucher)!

    Castel Meur: Das Haus zwischen den Felsen.

    Castel Meur: Das Haus zwischen den Felsen.

    Da sich das Castel Meur in Privatbesitz befindet, darf man übrigens nicht so ohne Weiteres Bilder davon veröffentlichen. Die Besitzerin ist verständlicher Weise not amused über den Rummel um ihr Domizil. Nachdem sogar mal zwei Touristen auf das Dach des Hauses geklettert sind, um sich dort fotografieren zu lassen, geht die Besitzerin anwaltlich gegen die kommerzielle Nutzung von Fotos ihres Hauses vor. Schade, dass manche Touristen sich so respektlos verhalten…

    Vom Camping Le Varlen aus sind wir die Küste bis zum Castel Meur und dem Aussichtspunkt Le Gouffre entlang gewandert – eine schöne, einfache und abwechslungsreiche Tour. Nachdem wir bei Regen gestartet waren, klarte es zum Glück im Verlauf des Nachmittags auf. Bei sogar leichtem Sonnenschein legten wir dann eine ausgedehnte, chillige Pause am hübschen, weißen Sandstrand direkt beim Castel Meur ein.

    Unsere kleine Rundtour von etwa 5,5 Kilometern kann ich wärmstens empfehlen. Natürlich sind auch längere Varianten möglich: Der Rother Wanderführer* beschreibt eine 10-Kilometer-Tour, zudem liegen am Campingplatz und der Touriinfo kostenfreie Wanderpläne aus.

    Tipp: Das Camping Le Varlen ist klein und gemütlich, besitzt einen Kinderspielplatz mit großem Trampolin, die Betreiber sind sehr freundlich, und im Restaurant kann mehr richtig lecker speisen.

    Abends bin ich übrigens noch flott alleine die halbe Stunde bis zum Austernzentrum an der Landspitze Beg ar Vilin gelaufen. Bei Ebbe konnte ich die Austernbänke aus nächster Nähe betrachten. Interessant! Allerdings musste ich dazu erst an diesem, mir drohenden Kerlchen vorbei:

    Krabbe im Watt

    Dieser kleine mutige Kerl hat mehr als deutlich gemacht, dass ich hier nicht durchs Watt zu stapfen habe.

    Auf dem Zöllnerpfad die Rosa Granitküste erkunden

    Ein weiterer Höhepunkt auf unserer Bretagne-Reise waren unsere drei Tage in Trégastel und Ploumanac’h. Hier hat einfach alles gepasst: Der Sommer gab ein kurzes Gastspiel, wir haben die Rosa Granitküste an den drei Tagen „häppchenweise“ erwandert, und die Landschaft ist einfach der Kracher! Bizarre Felstürme ragen meterhoch aus den Fluten auf, rund gewaschene Granitbrocken liegen bei Ebbe versprengt im Sand herum. Ich erkenne Schildkröten, Wale, Flaschen und allerlei lustige Gesichter in den Felsen, dazu braucht es nicht mal übermäßig Phantasie. Der hübsche Leuchtturm Phare de Men Ruz, das Eiffel-Haus, das Märchenschloss Costa Costaérès und die Traumstrände Île de Renot und Grève-Blanche runden das Erlebnis Côte de Granit Rose ab. Auch wenn die Gegend deutlich touristischer ist als andere unserer Etappen, auslassen kann und darf man sie einfach nicht. Bericht folgt!

    Schloss Costa Costaérès

    Das Schloss Costa Costaérès ist übrigens der Zweitwohnsitz von Didi Hallervorden.

    Mittelalterflair in Dinan

    Der Urlaub neigte sich dem Ende entgegen, und wir mussten uns langsam wieder auf den Heimweg machen. Nicht allerdings, ohne uns noch eine der hübschesten Mittelalterstädte Frankreichs anzuschauen.
    Dinan thront auf einem Felsplateau hoch über der Rance. Wir haben unseren Camper auf dem Parkplatz beim Hafen abgestellt (von der Rue Général de Gaulle führt kurz vor dem Viadukt rechts die Rue du Port hinunter zum Parkplatz an der Rance). Von dort führt ein steiler Fußweg hinauf bis zur Stadtmauer, die Dinan noch fast komplett umgibt. Ganz wichtig: Schnell noch einen Abstecher auf den Viadukt unternehmen, um Port de Dinan von oben zu bewundern.

    Port de Dinan von oben

    Port de Dinan von oben. Besseres Wetter wäre für das Motiv nett gewesen…

    Anschließend haben wir Dinan kreuz und quer ohne großen Plan durchbummelt. Wir haben die Basilika, den Glockenturm Tour de l’Horloge, das Schloss, die windschiefen Fachwerkhäuser und die vielen, kleinen Lädchen erkundet. Den krönenden Abschluss bildete die Rue de Jerzual, die steil aus der Innenstadt bis hinunter zum Hafen führt. Gerne hätte ich mir die hübschen, restaurierten Fachwerkhäuser im Detail angesehen, allerdings musste ich mit Lotta die Kopfsteinpflastergasse hinunter rennen. Hatte auch etwas.

    Weltkulturerbe Mont-Saint-Michel

    Auf dem Hinweg haben wir den Mont-Saint-Michel noch links liegen lassen (für den Auftakt war mir der Klosterberg ein zu großer Programmpunkt), nun bildete das architektonische Meisterwerk den krönenden Abschluss unserer Bretagne-Reise. Trotz aller Touristenmassen kann ich den Besuch unbedingt weiterempfehlen! Mehr dazu in Kürze.

    Über die 720 m lange Passerelle erreicht man den Mont-Saint-Michel.

    Über die 720 m lange Passerelle erreicht man den Mont-Saint-Michel.

    Mehr Bretagne auf anderen Blogs

    Wenn ihr nach meinen geballten Nordküsten-Tipps schon im Bretagne-Fieber seid, dann solltet ihr die nachfolgenden Bretagne-Berichte nur wohl dosiert und unter Aufsicht eures Reisepartners konsumieren:

    • Nadine war mit ihrer Familie an der bretonischen Süd- und Westküste unterwegs. Da muss ich unbedingt auch noch mal hin!!
    • Meine Kinder werden für die Meersalzgewinnung zwar (noch) wenig Interesse aufbringen, aber ich möchte unbedingt mal die Salzgärten besuchen und mir alles bis ins letzte Detail zeigen und erklären lassen. Tanjas Reisebericht über die Salzgärten von Guérande macht Lust auf mehr!
    • Melanie war schon zig Mal in der Bretagne unterwegs und teilt auf ihrem Blog ihre Top 10 Tipps für die Bretagne.

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