Mont Blanc, das Dach Europas

Chamonix-Mont-Blanc: Unternehmungstipps für Familien

Berge oder Meer – was ist euer Favorit? Ich bin ganz klar ein Berge-Mensch. Geworden. Beziehungsweise ich glaube, dass die Berg-Liebe schon immer tief in mir drin gesteckt hat, nur mangels Gebirge hier im Ruhrpott erst spät durchgebrochen ist. Seitdem gibt es jedenfalls kein Halten mehr. Berge sind meine persönliche Wohlfühlzone.

Demut gebietend und erhebend zugleich, kaum etwas in der Natur flößt uns soviel Ehrfurcht ein wie der Anblick von Bergen.
— Kofi Annan

Chamonix-Mont-Blanc: Wintersportort und Zentrum des Alpinismus

Der Mont Blanc stand schon lange ganz oben auf meiner Reisewunschliste. Nein nein, besteigen möchte ich den 4.810 m hohen Gipfel gar nicht zwingend. Ich gehe zwar liebend gerne wandern, eine Gipfelstürmerin bin ich jedoch nicht. Ich genieße einfach gerne den Anblick schöner Bergwelten, eben das bietet die Mont Blanc Gruppe par excellence. Nicht zuletzt deshalb, weil der relative Höhenunterschied zwischen Gipfeln und Tälern der höchste der Alpen ist.

Ausblick auf die Alpen von der Aiguille du Midi aus.

Ausblick auf die Alpen von der Aiguille du Midi aus.

Bei unserer Ankunft hielt sich der weiße Berg allerdings bedeckt. Egal, ich konnte warten. Wir bummelten erst mal gemütlich durch die Gassen von Chamonix, das sich uns überraschend gemütlich präsentierte. Bei einem der größten und bekanntesten Wintersportorte Frankreichs hatte ich zugegebenermaßen mit einem hässlicheren Stadtbild gerechnet. Tja, manchmal ist es halt gut, wenn ein Reiseziel nicht den Erwartungen entspricht.

In den Gassen der Innenstadt herrschte buntes Treiben. Eine feine Dame mit Hündchen in der Handtasche inspizierte kritisch die Auslage eines Hutgeschäfts. Davor begutachtete eine Gruppe grell gekleideter Bergsteiger auf dem Kameradisplay lachend die Fotos ihrer absolvierten Tour. Eine Mutter gab den lautstarken Bitten ihrer zwei kleinen Jungs nach einem Eis nach. Alles im bunten Sprachmix. Innerhalb kürzester Zeit sind uns gefühlt alle Sprachen der Welt begegnet. Chamonix, ich mag dich jetzt schon!

Horace-Benedict-de-Saussure-Monument

Horace-Benedict-de-Saussure-Monument

Mont Blanc, das „Dach von Europa“

Auch wenn sich der Mont Blanc immer noch hinter den Wolken versteckte, so wusste ich dank des Horace-Benedict-de-Saussure-Monuments nun, wo ich suchen musste. Der Schweizer Naturforscher Saussure war übrigens derjenige welche, der im Jahre 1787 bei einer wissenschaftlichen Besteigung (nur ein Jahr nach der Erstbesteigung!) belegte, dass der Mont Blanc der höchste Gipfel Europas ist. Sofern man den 5.642 m hohen Elbrus im Kaukasus nicht zu Europa zählt, denn die Definition der innereurasischen Grenze ist und bleibt ja schwammig. In jedem Fall ist der weiße Berg der höchste Gipfel Frankreichs und der Alpen. Bis der Mont Blanc uns seine große, weiße Schneehaube endlich zeigte, mussten wir allerdings noch drei Schlechtwettertage aussitzen. Mit Kindern im kleinen Nugget kein sonderlicher Spaß, aber am Ende war es das Wert!

Ausflugstipp: Gorges de la Diasaz
Den besten der Schlechtwettertage haben wir für eine kleine Wanderung in den Gorges de la Diosaz genutzt. Eine nette kleine Familienwanderung, die sich hervorragend für bedeckte Tagen oder im Hochsommer als schattige Alternative zum Bergprogramm eignet. Bericht folgt!
Mont Blanc Massiv

Endlich! Der Mont Blanc und seine Nachbarn zeigen sich in ihrer vollen Pracht!

Mer de Glace: Frankreichs größter Gletscher

Sonne! Endlich Sonne. Wir machten uns auf zur Station der „Chemin de fer du Montenvers“, die uns auf die 1.913 m hohe Aussichtsplattform Montenvers bringen sollte, zu dessen Füßen Frankreichs größter Gletscher, das Mer de Glace, lag.

Bahnstation der Montenvers-Bahn in Chamonix

Bahnstation der Montenvers-Bahn in Chamonix


Gut gelaunt nahmen wir in der Zahnradbahn Platz, die bald mit einem lauten Tuten los fuhr. Auf 5,1 Kilometern überwindet sie einen Höhenunterschied von 871 Metern. Lotta klebte während der Fahrt förmlich an der Fensterscheibe und war völlig fasziniert von den vorbeiziehenden Bäumen, der Aussicht auf Chamonix und den gegenüberliegenden Bergen. Es geht doch nichts über die Begeisterunsfähigkeit von Kindern!

Tolle Aussichten bei der Fahrt mit der Montenvers-Bahn.

Tolle Aussichten bei der Fahrt mit der Montenvers-Bahn.

Oben angekommen war ich keinesfalls begeistert. Eher entgeistert. Wo war jetzt gleich das riesige Meer aus Eis? Ich sah nur graues Geröll. Keine weiß glitzernden Eismassen, keine blauen Gletscherspalten. Enttäuscht vermutete ich, dass die weißen Schneefetzen ganz am Ende des Tals die kläglichen Überreste des einst gewaltigen Gletschers sein mussten.

Mer de Glace in Chamonix

Blick auf Frankreichs größten Gletscher, das Mer de Glace.


Weit gefehlt! Auch wenn das Eismeer einst noch deutlich größer und die Eisschicht dicker war, so misst der Gletscher heute immer noch 12 Kilometer in der Länge und 700 Meter bis knapp 2 Kilometer in der Breite. Diese Eismassen, die sich mit recht flotten 90 Metern pro Jahr Richtung Tal schieben, die transportieren natürlich auch eine Menge Geröll mit sich. Mit anderen Worten: Unter der grauen Oberfläche versteckte sich das bis zu 420 Meter dicke Eismeer. Wow, jetzt war ich doch beeindruckt.

Von der Montenvers-Station führt eine Gondelbahn hinunter zum Gletscher. Da mich aber die Wanderlust überkam, machten wir uns zu Fuß auf den Weg hinunter zum Eismeer. Gute Entscheidung. Wir ließen die Menschenmassen hinter uns und konnten in aller Ruhe das Bergpanorama genießen. Außerdem platze ich bald vor stolz, weil meine Große die komplette Strecke selbst lief. Meine kleine Nachwuchswanderin!

Meine 2,5-Jährige wandert selbst hinab zum Mer de Glace.

Meine 2,5-Jährige wandert selbst hinab zum Mer de Glace.

Unterwegs passierten wir immer wieder Hinweisschilder, die den Stand des Gletschers zu früheren Zeiten markierten. Seit 150 Jahren ist das Eis nun bereits auf dem Rückzug. Gute 6 Meter pro Jahr schmelzen im Bereich des Montenvers jährlich weg, gut zu erkennen daran, dass von der Talstation der Gondel noch aktuell 440 Treppenstufen hinab bis zum Eis führen. Die Stufenanzahl steigt jährlich, die verschiedenen Anbaustufen sind am Metallgerüst gut ersichtlich.

Treppe runter zum Mer de Glace

Die Treppe runter zum Mer de Glace muss jährlich verlängert werden.

Wir setzten Lotta, die ihr Tages-Soll mehr als erfüllt hatte, in die Kraxe und stiegen hinab. Ein kühler Wind wehte von unten hinauf und kündigte den Gletscher an. Kleine Rinnsale plätscherten hier und da unter dem Eis hervor. Und auf einmal war das Mer de Glace zum Greifen nah. Noch besser, wir konnten sogar in den Gletscher hineingehen! Eine künstliche Eishöhle macht’s möglich.

Blau schimmert das Gletschereis der Eishöhle im Mer de Glace.

Blau schimmert das Gletschereis der Eishöhle im Mer de Glace.

Das Gefühl, sich in einem Gletscher zu bewegen, war überwältigend. Erdgeschichte zum Anfassen. Das Eis um uns herum war Tausende von Jahren alt – sogar älter als Uroma, wie Lotta es auf den Punkt brachte.

Den Weg zurück zur Aussichtsplattform legten wir mit der Gondel zurück, die Lotta bei der Wanderung bereits entdeckt und eingefordert hatte. Ist ja auch ein Abenteuer für so ein kleines Wesen.

  31.50 € Erwachsene, 26.80 € Kinder (5 – 14 J.), 97.70 € Familienpreis
   Weitere Infos & Preise zum Montenvers-Ausflug

Paradis des Praz: Abenteuerspielplatz für Groß und Klein

Nächster Sonnentag, nächster Ausflug. Heute ging es für mich hoch hinaus, und zwar auf die 3.842 m hohe Aiguille du Midi. Allein. Kindern unter 3 Jahren ist die Auffahrt aus Gründen der Sicherheit und Gesundheit gänzlich verboten, bis zum Alter von 5 Jahren wird dringend davon abgeraten. Während ich mich also warm anzog für mein Gipfelabenteuer, packten meine Lieben ihre Badesachen ein.

Beladen wie ein Packesel machte Jan sich mit den Mädels auf zum Paradis des Praz, das eine knappe halbe Stunde Fußweg von unserem Campingplatz entfernt lag. Der wunderschöne Wasser- und Waldspielplatz bietet eigentlich alles, was man braucht, um seine Kinder einen kompletten Tag lang glücklich zu machen: Rutschen, Schaukeln, Wippen, Klettermöglichkeiten, natürlich Wasser, Sand und Matsch, und Eis gibt’s selbstverständlich auch. Der perfekte Ort für einen Strohwitwer, der erstmals für mehrere Stunden beide Kinder gleichzeitig versorgen und bespaßen durfte. Zur Belohnung habe ich dem Papa nach meinem Bergausflug auch einen wohlverdienten Kaffee spendiert.

Paradis des Praz

Im Paradis des Praz gibt es alles, was das Kinderherz begehrt. Plus Kaffee & Co. für die Eltern.

  Kostenfrei. Außerdem sehr humane Gastro-Preise!
   Weitere Infos zum Paradis des Praz

Merlet-Park: Bergzoo ohne Gitter und Zäune

Spätestens seit meinem Besuch im Polar Park in Nordnorwegen bin ich ein absoluter Fan von Wildparks, in denen man die typische Fauna der Region entdecken kann. Es ist doch irgendwie passender, sich in den Alpen Steinböcke und Murmeltiere anzuschauen als Giraffen und Elefanten. Wobei ich letztere dank Hannibal noch hätte durchgehen lassen.

Im familiengeführten Merlet-Park, der auf 1.500 Metern Höhe über dem Ort Les Houches liegt, wohnen mit Steinböcken, Gämsen, Mufflons, Damm- und Sikawild, Rehen, Murmeltieren sowie Lamas jedenfalls Tiere, die an das Leben in der Bergwelt angepasst sind. Durch die 21 Hektar große Weide-, Wald- und Felslandschaft führen verschiedene Spazierwege, von denen aus man die Tiere beobachten kann. Ohne Gitter und ohne Zäune. Abstand halten ist natürlich dennoch Pflicht!

Lotta beobachtet Lamas

Lamas sind als Nutztiere aus Südamerika eingeführt werden. Sie wurden als Lasttiere bei Wanderungen und Waldarbeiten eingesetzt.

Abgesehen von der Hauptsaison, wo ein Shuttlebus zwischen Les Houches und Merlet verkehrt, ist der Park nur mit dem Auto erreichbar. Wir legten unseren Besuch daher auf den Abreisetag. Von Les Houches schlängelt sich die Straße in mehreren Serpentinen fünfhundert Höhenmeter bergan, so dass uns direkt am Parkeingang bereits ein toller Ausblick auf den Mont Blanc und den Glacier des Bossons auf der anderen Talseite begrüßte. Okay, ein paar dicke Wolken spielten Verstecken mit den Gipfeln, aber das machte die Szenerie nur um so interessanter.

Aussicht auf das Mont Blanc Massiv

Tolle Aussicht! Das fand wohl auch der Steinbock, der sich einen Premiumplatz gesichert hat.

Wir befanden uns auf der Sonnenseite des Tals und nutzten das schöne Wetter, um gute zwei Stunden gemütlich durch den Park zu spazieren. Fast die ganze Zeit ist Lotta selbst gelaufen, kein Wunder, gab es doch so viel zu entdecken.

Lotta und Jan beobachten Rehe

Bambi! Nach meinem Ausruf brauchte es eine Weile, bis Lotta die Tiere Rehe und nicht mehr Bambis nannte 🙂

Lottas ganz besonderes Interesse galt den Murmeltieren, in die sie sich bei einer TV-Dokumentation in einer Infohütte des Parks verliebt hatte. So schnell geht das bei Kindern. Wir harrten eine ganze Weile vor dem großen Murmeltierhang aus, leider ohne durchschlagenden Erfolg. Zwar entdeckte Jan irgendwann zwei der Nager recht weit oben am Hügel, aber mit dem bloßen Auge waren sie wirklich schwer zu erkennen und mit dem kostenfreien Fernrohr kommt eine Zweieinhalbjährige dann doch noch nicht klar. Lotta sollte aber nicht ohne Murmeltier nach Hause gehen. Im Souvenirshop haben wir diesen knuffigen, kleinen Kerl erstanden, der uns auf der weiteren Reise begleitet hat und auch heute noch einer von Lottas Lieblingen ist.

Lotta und ihr Murmeltier

Das Murmeltier ist Lottas kuschelige Erinnerung an Chamonix und die Alpen.

  7 € Erwachsene, 4 € Kinder (4 – 14 J.)
   Weitere Infos zum Merlet-Park (englisch)

Praktische Infos für den Chamonix-Aufenthalt

  • Camping
    In Chamonix gibt es zahlreiche Campingplätze. Wir waren sehr zufrieden mit dem Platz Mer de Glace im Ortsteil Les Praz: Weitläufige, naturnahe Anlage im Wald (daher aber schlechtes Netz), ordentliche Sanitärs, Aufenthaltsraum (ein Segen an Regentagen!), Kinderspielplatz, freundliche Inhaber.
  • Kostenfreier Talbus
    Nicht nur umweltfreundlich, sondern außerordentlich praktisch: Im Chamonix-Tal verkehrt ein (für Übernachtungsgäste) kostenfreier Bus. Bis auf unsere Ausflüge zu den Gorges de la Diosaz und zum Merlet-Park am Abreisetag haben wir unseren Camper nicht bewegt. Kein Klappen, kein Packen, keine Parkgebühren – klasse! Und die Kids hatten obendrein noch Spaß am Busfahren.
  • Restaurant-Tipp
    Wir sind einem Tipp gefolgt und haben in dem gemütlichen Restaurant La Fine Bouche gespeist. Gute regionale Küche im mittleren Preisbereich. Das Essen war wirklich phantastisch, unsere Mädels nur leider nicht. Von daher empfehle ich das Restaurant absolut weiter, nur nicht unbedingt mit kleinen Kindern, da gibt es entspanntere Möglichkeiten.
  • Tourismusbüro
    Das Tourismusbüro in Chamonix ist sehr engagiert und hilfreich bei Fragen und Ausflugsplanungen. Als „geladener Gast“ lässt sich das natürlich einfach behaupten, aber erstens haben wir uns nicht bei jedem Besuch dort „geoutet“, und zweitens habe ich auch von anderen Reisenden nur Positives gehört.
  • Reisezeit
    Die Nebensaison hat sicherlich etwas für sich, vor allem wenn man die Haupttouristenattraktionen wie das Mer de Glace/Montenvers und die Aiguille du Midi besuchen möchte. Ich möchte gerne nochmal zum Wandern wiederkommen, dann aber etwas später im Jahr, wenn alle Bergbahnen in Betrieb sind (ca. ab Mitte Juni). Vielleicht kann ich ja irgendwann (ohne Familie natürlich) sogar mal die Tour de Mont Blanc laufen, eine 170 Kilometer lange Rundwanderung durch drei Länder rundum das Mont Blanc Massiv. Klingt anstrengend, aber herrlich!
Mont Blanc

Bei unserem Aufbruch gaben die Wolken noch einen letzten Blick auf den Mont Blanc frei. Tschüss, weißer Berg. Bis bald!

Offenlegung
Das Tourismusbüro des Chamonix-Mont-Blanc-Tals hat uns freundlicherweise zu allen Ausflügen eingeladen – ganz lieben Dank dafür! Alles Weitere (Unterbringung, Verpflegung & Co.) haben wir aus eigener Tasche finanziert. Meine Begeisterung für die Gegend hat jedenfalls keinen Preis!

Chamonix war eines unserer Top-Ziele der ganzen Tour, und wir werden ganz bestimmt wiederkommen. Wer war sonst schon mal da? Hat jemand Winter-Erfahrungen mit Chamonix?

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