Flugreisen mit Kindern

Fliegen mit Kindern: Sicher und entspannt in den Urlaub

Fliegen mit Kindern, da hat man ja schon so Einiges gehört. Von tiefen-entspannten Babys, die den kompletten Flug verschlafen, bis hin zu nervtötendem Dauergeschrei ist alles dabei. Wozu meine Mädels wohl gehören? Die bange Frage habe ich mir vor unserem ersten Flug gestellt, einem Mittelstreckenflug von 4,5 Stunden zu den Azoren. Überhaupt wirft das Fliegen mit Babys und Kleinkindern so einige Fragen auf, die ich hier aus meiner Erfahrung mit einer Zweijährigen und 7 Monate altem Baby beantworte.

Flugsicherheit: Wie schütze ich mein Kind am besten?

Viele Leute nutzen die ersten zwei Lebensjahre der Kinder aus, um noch mal günstiger in den Urlaub zu fliegen, denn Kinder unter zwei Jahren reisen – per Schlaufengurt am Gurt des Erwachsenen gesichert – kostenlos auf dem Schoß der Eltern mit. Das machen alle so. Das und nichts anderes verkaufen die (allermeisten) Reisebüros. Das muss also richtig sein. Eben nicht!

Am sichersten fliegen Babys und Kinder auf ihrem eigenen Sitzplatz in einem für Flugzeuge zugelassenen Kindersitz. Ich gebe zu, dass ich anfangs dachte, diese Forderung käme von über-protektiven Supermamis, die immer und ständig Angst haben, ihnen könne der Himmel auf den Kopf fallen. Dann habe ich die FAQ des TÜV Rheinland zum Thema ‚Fliegen mit Kindern‘ gelesen und meine Meinung flott mal revidiert.

Diese Form des Anschnallens gilt unter Fachleuten als lebensgefährlich für die Kinder. Im Notfall sind die Kinder völlig unzureichend geschützt und tragen schwere bis lebensgefährliche Verletzungen davon. Der Schlaufengurt hält das Kleinkind zwar auf dem Schoß des Erwachsenen fest, doch gleichzeitig sitzt das Kind im wahrsten Sinne des Wortes in der Falle: Es wird bei Zwischenfällen zum „Airbag“ für den Erwachsenen und das Kind trägt dadurch lebensgefährliche bis tödliche Verletzungen davon.
— Auszug aus den FAQ des TÜV Rheinland

Schluck! Mit diesem neu erworbenen Wissen konnte ich unmöglich ruhigen Gewissens mit meinem Baby auf dem Schoß in den Urlaub fliegen. Klar, Fliegen ist statistisch gesehen die sicherste Reiseform, aber erstens ziehe ich bei Statistiken gerne mal den Kürzeren, und zweitens geht es hier nicht um Flugzeugabstürze, wo der Gurt auch nicht wirklich hilft, sondern um Turbulenzen, Startabbrüche und Notlandungen, die durchaus häufiger vorkommen. Für uns Erwachsene enden diese Zwischenfälle oft nur mit einem Schrecken oder leichten Blessuren. Unzureichend gesicherte Babys und Kleinkinder hingegen können lebensgefährlich verletzt oder getötet werden.

Noch eine kleine Randnotiz:
Der Schlaufengurt war in Deutschland 14 Jahre lang verboten, weil er zu unsicher ist. Erst eine neue EU-Verordnung in 2008 hat den Loopbelt wiederauferstehen lassen. In den USA und Kanada ist er wegen seiner Gefährlichkeit weiterhin verboten.

Flugzeuge beobachten auf den Azoren

Flugzeuge beobachten auf den Azoren

Offizielle Infos zum Fliegen mit Kindern

Die Airlines bieten auf ihren Webseiten meist eine eigene Rubrik, in der sie ihre Services für Familien vorstellen. Ich empfehle Familien, unbedingt im Vorfeld einen Blick darauf zu werfen! Hier ein paar Links:

Ich bin positiv überrascht, dass mittlerweile vermehrt über die Möglichkeit informiert wird, dass und wie U2-Kinder während des Flugs in einem Autokindersitz gesichert werden können. Guter Trend – wenn es denn in der Praxis auch so funktioniert wie beschrieben.

Bei der mittlerweile insolventen airberlin war das alles etwas komplizierter, wie ihr nachfolgend lesen könnt.

Sitzplatzbuchung für U2-Kinder

Ich buche unsere Flüge immer online. Da Kinder unter zwei Jahren offiziell keinen Anspruch auf einen eigenen Sitzplatz haben, sehen sämtliche Buchungssysteme diese Möglichkeit auch nicht vor. Was tun? Ich habe bei der Buchung für unser Baby einfach ein falsches Geburtsjahr angeben. Im Anschluss habe ich mit der Airline telefoniert und das Geburtsjahr korrigieren lassen, was völlig unproblematisch verlief. Wer auf Nummer sicher gehen will, klärt dieses Vorgehen im Vorfeld mit der Fluggesellschaft ab, sofern die Webseite keinen Aufschluss über die Vorgehensweise bei der Buchung gibt (z.B. Buchung über das Service-Center). Beim Preis – beide Kinder mussten auf dem airberlin-Mittelstreckenflug von Düsseldorf auf die Azoren den vollen Erwachsenenpreis zahlen – habe ich leise gewimmert, aber letztlich ist die Sicherheit meiner Kinder unbezahlbar.

Kindersitze mit Flugzeug-Zulassung

Nächste Hürde: Wir brauchten Kindersitze, die für die Benutzung im Flugzeug zugelassen sind. Auf der Webseite des TÜV Rheinland gibt es eine Übersicht über alle Kinderrückhaltesysteme, die das Prüfsiegel „for use in aircraft“ erhalten haben. Die Airlines selbst führen auf ihren Webseiten auch häufig eine Liste der zugelassenen Rückhaltesysteme, die sich oft mit der TÜV-Liste deckt.
Unsere Babyschale* besitzt das Siegel, unser Autokindersitz für Lotta leider nicht. Jetzt gibt es mit dem Cares-Gurt* zwar eine nette und trotzdem sichere Alternative zum sperrigen Kindersitz, aber erstens ist dieser auch nicht bei allen Airlines erlaubt, und zweitens brauchten wir den Kindersitz für den Mietwagen vor Ort ohnehin. Wir haben daher im Bekanntenkreis herum gefragt und zum Glück einen Tauschpartner für die zwei Wochen gefunden. Achtung: Bei den meisten Sitzen benötigt man noch einen passenden Gurtverkürzer, ein kleines Metallteil, das für den geliehenen Kiddy-Sitz* 5 Euro gekostet hat.
Wer keinen Tauschpartner findet, sollte sich nach Leihmöglichkeiten umschauen. Ich habe selbst keine Erfahrung damit, aber es gibt verschiedene Verleihe, in manchen Orten bietet beispielsweise der Kinderschutzbund Sitze zur Miete an. Einfach mal Tante Google fragen.

Vorabanmeldung von Kindersitzen

Nun folgt der komplizierte Part: Die Kinderrückhaltesysteme müssen bei vielen Airlines im Vorfeld angemeldet werden. Wie und wo kann man in der Regel der Webseite der Fluggesellschaft entnehmen, bei airberlin war das beispielsweise unter Familienservice zu finden. Soweit die Theorie.
In der Praxis hat der Großteil der Servicemitarbeiter leider null Ahnung davon, wie man Kindersitze anmeldet oder dass das überhaupt möglich bzw. nötig ist. Kennt ihr die Odysee von Asterix und Obelix um den Passierschein A38? So erging es mir. Nach ganzen sechs Anrufen bei airberlin und unzähligen Runden in der Warteschleife hielt ich endlich die schriftliche Bestätigung über unsere beiden Kindersitze in Händen. Uff.
Andere Fluggesellschaften halten es so, dass die Kindersitze erst beim CheckIn angezeigt werden müssen. Ob das gut funktioniert und die Service-Mitarbeiter beim CheckIn wissen, was zu tun ist, kann ich leider nicht sagen. Wer damit Erfahrung hat, darf gerne unten einen Kommentar hinterlassen.

Kindersitze an Bord

Jetzt ist alles gut? Denkste! Das Bordpersonal hat leider genauso wenig Peilung. Sicherlich auch deshalb, weil nur eine Minderheit der Eltern diese sichere Art des Fliegens mit Baby praktiziert – auf unserem Flug waren wir die einzige von vier Familien. Natürlich kam es auch prompt zu der befürchteten Diskussion mit den Flugbegleitern. Ich wurde angewiesen, während Start und Landung mein Baby per Schlaufengurt auf meinem Schoß zu sichern. Trotz angemeldeter Babyschale und schriftlicher Bestätigung. Begründung: Der Kabinenchef wünscht das so – und leider ist das Flugzeug sein Hoheitsgebiet. Notgedrungen stimmte ich zu, aber als sich plötzlich keiner mehr für uns interessierte, beließ ich die Kurze einfach in ihrem Maxicosi. Später kam der Kabinenchef übrigens noch persönlich zu uns, ließ sich das TÜV-Siegel „for use in aircraft“ zeigen und entschuldigte sich tatsächlich für seine Unwissenheit. Resepkt! Außerdem gibt es nun einen Flugbegleiter mit Ahnung mehr. Auf dem Rückflug ging die Babyschale übrigens problemlos durch.

Baby und Kleinkind an Bord

Wie wahrscheinlich alle Erst-Flieger mit Kind hatte ich enormen Respekt davor, wie sich meine beiden Zwerge in der Luft schlagen würden. Das Fliegen mit Kindern soll ja sooooo easy sein, aber das wird auch über das Autofahren mit Kindern behauptet. Und mit meinen Kindern können Autofahrten mitunter enorm anstrengend und tränenreich verlaufen.
Ich behaupte, dass das Autofahrverhalten der eigenen Kinder ein sehr guter Indikator dafür ist, was man im Flieger von seinem Sproß erwarten kann. Wie beim Autofahren haben unsere Beiden im Flieger so gut wie gar nicht geschlafen. Jan und ich waren die komplette Flugzeit damit beschäftigt, die Mädels bei Laune zu halten. Die Möglichkeiten dazu sind bei so kleinen Kindern allerdings noch begrenzt. Während ich die Kleine mit Fingerspielen, Liedern, Babyspielzeug, auf den Schoß nehmen und Stillen beschäftigt habe, hat Jan unserer Zweijährigen regelmäßige, kleine Snacks in Form von Reiswaffeln, Früchteriegeln und Gummibärchen gereicht, ihr Pixi-Bücher in Dauerschleife vorgelesen und mit ihrem Kuscheltier gespielt (nö, an Tablet und TV hatte sie bis dato kein Interesse). Die Geduld unserer Töchter war jedoch endlich. Völlig übermüdet und überwältigt von den vielen Eindrücken wurden sie zum Ende hin immer nöliger und unentspannter, so dass ich erstmals in meinem Leben nach der Landung mit applaudiert habe ;-)

Druckausgleich bei Start und Landung

Ein großes Thema habe ich im Vorfeld immer wieder gehört und gelesen: Druckausgleich. Für Babys und Kinder kann der Druck auf den Ohren sehr schmerzhaft und natürlich Auslöser von Geschrei und Tränen sein. Was tun? Man muss den Nachwuchs zum Schlucken bringen, das mindert den Druck auf den Ohren.

Hilfsmittel für den Druckausgleich beim Fliegen

Saugen, Kauen, Schlucken – so wird der Druck auf den Ohren gemindert.


Bei Babys ist der Schnuller meist die rettende Lösung, da das oft geratene Stillen nicht in Frage kommt, wenn man sein Baby während des Starts und der Landung in der Babyschale lassen möchte. Schade, dass Leni den Schnuller ablehnt. Für sie hatte ich daher eine Nuckelflasche mit Wasser sowie ihre Veilchenwurzel dabei, auf der sie gerne herum kaut (Wer das nicht kennt: Veilchenwurzeln sind hervorragende Zahnungshilfen und ganz einfach bei DM erhältlich.). Wasser fürs Baby sowie Babynahrung geht übrigens problemlos durch die Sicherheitskontrolle durch. Außerdem füllt das Bordpersonal Babyfläschchen kostenfrei wieder auf.
Unsere Zweijähige hat während des Starts und der Landung Gummibärchen bekommen, unsere Allzweckwaffe für mehr Motivation und gegen Beschwerden. Außerdem haben wir beiden Kindern kurz vor dem Start abschwellende Nasentropfen verabreicht, den allgemein gängigen Tipp hat uns auch unsere Kinderärztin bestätigt.

Noch mehr Fakten, Infos & Tipps zum Fliegen mit Kindern

Sicherheit

Für Kinder bis zu einer Körpergröße von 1,25 Meter – also bis etwa sechs Jahren – sollten ein zusätzliches Rückhaltesystem im Flugzeug verwendet werden.

Kosten

Ja, ein eigener Sitzplatz für Kinder ist teuer. Bei Kurz- und Mittelstreckenflügen fällt oft der Erwachsenenpreis an, bei Langstreckenflügen gibt es eine leichte Ermäßigung (Abhängig von der Airline). Die Sicherheit meiner Kinder ist mir persönlich das Wert! Und manche Ziele steuere ich bei zu hohen Flugkosten schlichtweg nicht an, schließlich gibt es genügend andere tolle Ziele, die ich kostengünstiger (und umweltschonender) auf anderen Wegen erreichen kann.

Gepäck, Kinderwagen, Kraxe & Co.

Jedes Kind (auch ohne eigenen Sitzplatz) darf kostenfrei ein eigenes Gepäckstück mitnehmen (bei Tarifen mit inkludiertem Freigepäck), was wir schon rein aus logistischen Gründen gar nicht hätten in Anspruch nehmen können und wollen. Wir hatten zwei Koffer für uns vier Personen gepackt, das reichte völlig aus. Dazu kamen zwei Tagesrucksäcke mit Proviant, Windeln, Wechselwäsche & Co. für den Flieger sowie meiner Fotoausrüstung. Außerdem waren unser Kinderwagen für die Kleine und die Kraxe für unsere Große mit am Start. Im Gepäckfach der Kraxe haben wir zusätzlich die Babytrage für die Kleine verstaut. Kinderwagen und Kraxe sind gut verpackt* als Sperrgepäck mitgeflogen – kostenfrei. Und bis zur Gepäckaufgabe haben wir den Kinderwagen für den Gepäcktransport missbraucht.

Anreise zum Flughafen

Bahn? Oder doch mit dem Auto? Mit dem ganzen Gepäckhaufen plus Babyschale und Autokindersitz haben wir dieses Mal von der Bahnfahrt Abstand genommen, zumal unser Flieger sehr früh morgens ging. Wir sind mit dem Auto angereist, das wir auf einem relativ günstigen Parkplatz mit Shuttle-Service zum Flughafen abgestellt haben. Mit der Abwicklung, dem Service und der Sicherheit waren wir zufrieden, und die Kosten waren mit 48 Euro für 15 Tage absolut im Rahmen.

Vorabend-CheckIn

Wegen der frühen Flugzeit hatte ich kurz mit dem Gedanken an einen Vorabend-CheckIn plus Hotel-Übernachtung in Flughafennähe gespielt. Lohnt aber nicht! Oftmals kostet der Vorabend-CheckIn extra, bei airberlin beispielsweise 10 Euro pro Erwachsenem. Bei der Hotelsuche muss man ebenfalls höllisch aufpassen: Ich bin über mehrere Hotels gestolpert, die als Leistung „Shuttle-Service“ ankreuzen, damit aber den öffentlichen Nahverkehr meinen. Irreführung! Unterm Strich war die PKW-Anreise mit Parkplatz und Shuttle aus finanzieller Sicht ebenso wie vom Aufwand her vorteilhafter.

Fliegen mit Kindern: Mein Fazit

Fliegen mit Kindern ist anstrengend, eine lange Auto- oder Zugfahrt jedoch ebenso. Auch wenn Reisen phantastisch ist, An- und Abreisen ist doof – es führt aber nun mal kein Weg daran vorbei.
Eltern sind während der Anreise gleichzeitig Reiseleiter und Animateur, von dem Moment, an dem sie einen Fuß vor die Haustür setzen bis zur Ankunft am Zielort oder sogar bis die Kinder am Abend schlafen. Essentiell wichtig ist eine gute Organisation im Vorfeld. Alle Dokumente sowie Spielzeug und Knabbereien für die Kinder müssen stets griffbereit sein, zudem muss genügend Puffer fürs Windelnwechseln oder Bestaunen der spannenden Flughafenwelt eingeplant werden. Ganz wichtig: Die Kinder werden mit Sicherheit irgendwann mehr oder weniger nölig werden, und das ist völlig normal und ok! Es prasseln viele (neue) Eindrücke auf den Nachwuchs ein, die Kinder können ihren Bewegungsdrang nicht ausleben, und sie sind komplett fremd gesteuert. Meiner begrenzten Erfahrung nach sind die meisten Mitreisenden viel verständnisvoller und toleranter, als man es erwartet.

Gemütliches Warten auf den Flieger

Gemütliches Warten auf den Flieger: Genügend Pufferzeit macht’s möglich.

Lesetipp: Was Flug-Profis zum Fliegen mit Kindern schreiben

Jenny von den Weltwunderern fliegt regelmäßig mit ihrem Mann und ihren 3 Kindern buchstäblich um die halbe Welt. An Neuseeland hat die Familie ihr Herz verloren. Auch wenn gerade Langstreckenflüge für Familien teuer sind, bläst Jenny ins gleiche Horn wie ich: Kinder fliegen am sichersten im Kindersitz.

Welche Erfahrungen habt ihr beim Fliegen mit Kindern gesammelt? Weitere Tipps, besonders zu den verschiedenen Airlines, sind immer willkommen!

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