Rheinfall Schaffhausen

Rheinfall bei Schaffhauen: Ein tosendes Naturschauspiel

Zum Hauptziel unserer Elternzeitreise hatten wir Frankreich erklärt, aber dort mussten wir mit unseren nicht ganz so autofahrbegeisterten Kindern erst einmal hinkommen. Wir steckten uns daher Zwischenziele in der Schweiz. Nr. 1: Luzern, dort wollten wir einen Freund besuchen. Nr. 2: Den Rheinfall, weil ich den schon immer mal sehen wollte, und nun lag er quasi auf dem Weg. Nr. 3: Die Aareschlucht, denn eine richtige Klammwanderung stand auch schon lange auf meiner Wunschliste.

Rheinfall: Daten & Fakten

Lange Zeit dachte ich, dass der Rheinfall sich in Deutschland befände. Nö, falsch. Auch wenn knappe 700 Kilometer des 1.232,7 Kilometer langen Stroms durch Deutschland fließen, so führen immer noch gute 160 Kilometer durch die Niederlanden und knappe 380 Kilometer durch die Schweiz. Und eben dort, wenn auch unweit der deutschen Grenze, befindet sich der Rheinfall. Über eine Höhe von 23 Metern und eine Breite von 150 Metern stürzen die Wasser des Rheins hinab – tosend, zischend und schäumend. Mit einer mittleren Wasserführung von 373 Kubikmetern pro Sekunde liegt der Rheinfall knapp hinter dem Dettifoss in Island auf Rang zwei in Europa, bemessen am Kriterium der Fallenergie. Mit anderen Worten: Die Wasserkräfte, die hier wirken, sind ein gigantisches Naturschauspiel!

Wassermassen des Rheinfall

Die tosenden Wassermassen sind schwer imposant, auch für Leni.

Praktisches: Parken & Preise

Am späten Vormittag erreichen wir unser Ziel und bekommen noch einen kostenfreien Parkplatz direkt beim Schloss Laufen (P5) am Südufer des Rheins (Adresse für das Navi: Areal Schloss Laufen, 8447 Dachsen). Perfekt. Die Tickets für den Zugang zu den Aussichtsplattformen auf den Wasserfall kosten 5 CHF pro Erwachsenem, unsere Mädels dürfen noch gratis mit (Kinder von 6 – 15 Jahren: 3 CHF, Stand 2017). Na dann, auf zum Wasserfall!

  Alles Wissenswerte zum Rheinfall findet ihr auf der offiziellen Webseite.

Auf zu den tosenden Wassermassen!

Durch ein Tor betreten wir den Innenhof des Schloss Laufen, dem ich zugegebenermaßen sehr wenig Beachtung schenke. Ich werfe stattdessen einen Blick über die Schlossmauer und blicke auf den breiten Rhein hinab, dessen türkisblaues Wasser von weißen, schaumigen Schlieren durchzogen ist. Eindeutig die Nachwehen des Wasserfalls. Am gegenüberliegenden Nordufer sehe ich das kleine Schlössli Wörth, vor dem einige bunte Ausflugsboote ankern.

Der zweitmächtigste Wasserfall Europas hat Spuren im Wasser hinterlassen.

Der zweitmächtigste Wasserfall Europas hat Spuren im Wasser hinterlassen.

Während Jan mit den Mädels im Fahrstuhl nach unten fährt, begebe ich mich – mit meiner Kamera bewaffnet – auf den Panoramaweg, der vom Schloss Laufen hinab führt. Ich genieße die verschiedenen Aussichten auf den Rheinfall und nutze die kurze Fotofreiheit, so ganz ohne drängelnde Mama-Rufe. Auch mal wieder schön. An der Besucherplattform etwas oberhalb des Wasserfalls treffen wir uns dann wieder und bestaunen gemeinsam den Rheinfall.

Für den Rückweg tauschen wir: Jan macht sich mit Lotta zu Fuß auf den Weg nach oben, während ich mit Leni den Fahrstuhl nehme. Aber was ist das? Hier geht es ja noch weiter nach unten! Ich rufe Jan, bimmle auf seinem Handy durch, alles ohne Erfolg. Was nun? Ich will doch nicht das Beste verpassen! Kurzentschlossen parke ich den Buggy, schnappe mir Leni und steige mit meiner Tochter auf dem Arm die Stufen hinab. Unten ist ein Durchgang in den Fels geschlagen, an dessen Ende die Wassermassen des Rheins laut tosend vorbei rauschen. Ich bin total begeistert und möchte furchtbar gerne meine Kamera zücken, mit Baby auf dem Arm aber ein Ding der Unmöglichkeit. Grummelnd mache ich mich auf den Rückweg, als ich entdecke, dass der Weg sogar noch weiter hinab führt. Für mich wohl kaum, ich kann Leni schon jetzt kaum noch stemmen. Verdammt.
Zähne knirschend kapituliere ich und kehre mit Leni zum Schloss Laufen zurück, wo ich Jan wegen des verpassten Erlebnisses erst mal anblaffe. Schwer konstruktiv, ja. Aus einer Mischung aus Geiz und Prinzipienreiterei will ich auch keine neuen Tickets kaufen. Ich kann ganz schön zickig sein, iss leider so. Vielleicht gelten unsere Tickets ja noch, wirft Jan etwas hilflos ein, und tatsächlich! Das Drehkreuz summt und gibt uns erneut den Weg zu den Aussichtsplattformen frei. Welch ein Glück!

Rheinfall, die Zweite

Ich freue mich wie ein Kind, als ich auf der untersten Aussichtsplattform, dem „Känzeli“, stehe. Der Lärm des Wassers ist ohrenbetäubend. Ein leichter Sprühnebel schwebt über der Plattform, unter der die Wassermassen hinweg tosen. Beeindruckend. Lotta nähert sich nur zögerlich dem Geländer; hoch heben darf ich sie nicht, zu groß ist ihr Respekt vor dem Wasserfall. Wir ziehen uns ein paar Meter zurück und setzen uns auf eine Bank, von der aus wir das Känzeli samt Rheinfall und Rheinfall-Felsen im Blick haben.

Boote zum Rheinfall-Felsen

Per Boot kann man zum Rheinfall-Felsen übersetzen und diesen besteigen.

Ich beobachte die Auflugsboote, die vom Schlössli Wörth zum Rheinfall-Felsen übersetzen, dem sprichwörtlichen Fels in der Brandung. Wie Nussschalen schaukeln die bunten Boote im rauschenden Rheinwasser. Mühsam kämpfen die Schiffe gegen die Strömung an, treiben etwas zurück, um dann mit neuem Schwung wieder in Richtung Wasserfall zu steuern. Sicherlich ist die Perspektive auf den Wasserfall vom Boot aus imposant, ich bin mit meiner Aussicht vom Ufer aber mehr als zufrieden.

Reinfall in den Rheinfall

Plötzlich geht ein Aufschrei durch die Besuchermenge. Ich traue meinen Augen nicht. Ein Mann stürzt vom Känzeli in die reißenden Fluten. Ein Unfall? Alle Augen sind gebannt und schockiert auf den Rhein gerichtet. Da! Sekunden später und einige Meter weiter flussabwärts taucht der Mann aus den Fluten auf. Allgemeines Durchatmen. Es dauert, bis ich begreife, was da passiert ist. Der Mann ist tatsächlich absichtlich in das tosende Wasser gesprungen. Wie verrückt kann man nur sein?

Besucherplattform am Rheinfall

Die Aussicht vom und auf das „Känzeli“ ist phantastisch.

Erst später erfahre ich, dass es noch mehr dieser Rheinfall-Springer gibt. Schon seit Jahrzehnten springen zumeist die Jugendlichen aus der Umgebung hier in die Fluten – ein gefährlicher Sport, der durch den kostenpflichtigen Zugang zum Rheinfall in den letzten Jahren wohl merklich zurück gegangen ist.

Spaziergang zum Nordufer

Auch nach dem vollständigen Südufer-Erlebnis haben wir noch nicht genug vom Rheinfall und beschließen, hinüber zum Nordufer zu spazieren. Rechts am Schloss Laufen vorbei führt uns der Weg hinab zur Eisenbahnbrücke, die uns über den Rhein bringt. Auf der anderen Seite genieße ich die neue Perspektive auf den Rheinfall, nun mit dem Schloss Laufen im Hintergrund, welches majestätisch über dem Fluss thront. Herrlich!

Panorama vom Nordufer auf den Rheinfall

Panorama vom Nordufer auf den Rheinfall samt Felsen, das Schloss Laufen und das Schlössli Wörth.

Mehrere Aussichtsbalkone säumen unseren Weg. Über eine lange Treppe steigen wir schließlich bis zum Rheinufer hinab, wo die schönste Aussichtsplattform des Nordufers auf uns wartet. Wie ein Steg führt sie in den Fluss bis zur oberen Abbruchkante des Rheinfalls. Die Aussicht ist ein Traum. Zum Glück habe ich mein Stativ mitgeschleppt, das ich viel zu selten ein- und noch seltener auspacke. Trotz nicht mehr ganz so fitter Kinder mache ich flott ein paar Langzeitbelichtungen vom Rheinfall, es ist einfach zu verlockend!

Rheinfall mit Langzeitbelichtung

Wasserfälle schreien geradezu nach Langzeitbelichtung – auch wenn die Wassergewalten des Rheinfalls mit kurzer Belichtung noch besser zur Geltung kommen.

Wir steigen noch die letzten Stufen bis zur Rheinuferpromenade hinab, die ich jedoch nicht übermäßig spektakulär finde, da man vom Wasserfall aus dieser Perspektive nur Bruchstücke sieht. Spannender finden Lotta und ich das große Mühlenrad, das fleißig vom Rhein angetrieben wird.

Nach einem kurzen Picknick an der Uferpromenade machen wir uns auf den Rückweg, die Geduld der Mädels schwindet nämlich merklich. Wir motivieren Lotta, die die gesamte Strecke selbst gelaufen ist, mit einem Stopp am Spielplatz, den wir auf dem Hinweg beim Schloss Laufen ausgemacht haben. Am Ende sind wir alle geschafft, von der Hitze, den Treppenstufen und den phantastischen Eindrücken.

Mein Fazit: Der Rheinfall ist Pflichtprogramm!

Ich bin hell auf begeistert von diesem Naturschauspiel und kann einen Besuch schwer empfehlen. Mindestens einen halben Tag sollte man in jedem Fall einplanen, aber die verschiedenen Wandermöglichkeiten zum oder rund um den Rheinfall rechtfertigen problemlos auch einen Ganztagesbesuch. Wer wie wir mit kleinen Kindern unterwegs ist, sollte unbedingt einer Tragehilfe den Vorzug vor dem Kinderwagen/Buggy geben. Auf der Südseite suggeriert ein Aufzug Barrierefreiheit, über diesen gelangt man jedoch nur zu einer Aussichtsplattform, die weiteren, inklusive dem imposanten Känzeli, sind wieder nur über Treppen erreichbar. Das Nordufer bietet zwar neben allen Treppen auch barrierefreie Umwege an, die Steigungen jedoch sind mit einem Kind im Buggy äußerst sportlich. Hätten wir im Vorfeld mal einen Blick auf die Infokarte geworfen, hätten wir uns so manche Schweißperle ersparen können.

Rheinfall-Berichte auf anderen Blogs

Ellen von Patotra genießt am Rheinfall quasi einen Heimvorteil. Ihre Fotos zeigen unter anderem den spektakulären Ausblick vom Rheinfall-Felsen. Anke von Moose around the world stellt die verschiedenen Bootstouren rund um den Rheinfall vor. Neben vielen Fotos könnt ihr bei André vom Reiseblögle die tosenden Wassermassen des Rheinfall auch per Video erleben.

Und? Schon dagewesen oder steht der Rheinfall noch auf der Liste?

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