Naturschutzgebiet

Richtiges Verhalten in der Natur: Benehmt euch gefälligst!

Pipi-Taschentücher im Wegrand. Zigarettenkippen auf dem Waldboden. Grillkohlenreste am Seeufer. Dosen am hübschen Aussichtspunkt. Die leere Chipstüte gleich daneben. ES KOTZT MICH AN! Warum sind so viele Menschen offenbar nicht fähig, sich gesittet in der Natur aufzuhalten? Vorsicht, in diesem Bericht wird geschimpft und belehrt.

Problem Nr. 1: Müll in der Natur

Müll mitten in der Natur ist wohl das offensichtlichste Anzeichen dafür, dass sehr viele Menschen die Sache mit dem pfleglichen Umgang mit der Natur nicht verstanden haben. Ach was, lassen wir die Natur mal aus dem Spiel. Egal ob im Wald oder mitten in der Stadt, seinen Müll einfach dort fallen oder liegen zu lassen, wo man ihn halt gerade produziert hat, ist respektlos und asozial. Punkt. Nein, Ausrufezeichen!

Müll im Wald: 10 - 100 Jahre brauchen Aludosen zum Zerfallen

Müll im Wald: 10 – 100 Jahre brauchen Aludosen zum Zerfallen

So geht`s richtig: Nimm´s mit!

Da anscheinend dicker Nachhilfebedarf beim Umgang mit dem eigenen Müll herrscht, habe ich hier die wichtigsten Verhaltensregeln und -empfehlungen für eure Ausflüge in die Natur zusammengestellt:

  1. An erster Stelle steht immer die Müllvermeidung. Wo es geht, sollten wir im Geschäft schon auf verpackungsfreie bzw. verpackungsarme Artikel zurückgreifen.
  2. Wer wenig Müll mit auf den Weg nimmt, hat weniger zu entsorgen. Der Tagesproviant kommt am besten in Brot- und Frischhaltedosen, die sich nach dem Verzehr platzsparend ineinander stapeln lassen. Für die Getränke eigenen sich Trinkflaschen wie mein Favorit, die auslaufsicheren 720°DGREE-Flaschen*, die bei uns Groß und Klein im Einsatz haben.
  3. Unterwegs anfallende Kleinstabfälle wie Taschentücher und Kaugummis können in öffentlichen Mülleimern entsorgt werden. Bis dahin schafft ihr es, die 10 Gramm zu tragen – tschakka!
  4. Alles, was nicht Restmüll ist, sollte idealer Weise mit nach Hause genommen und dort getrennt entsorgt werden: Das Silberpapier vom Schokoriegel in der Gelben Tonne, die Keksschachtel im Altpapier, und die PET-Flasche kommt zurück zum Getränkedealer. Wir haben immer eine kleine Mülltüte zum Sammeln der Abfälle dabei.
  5. An alle Raucher: Frönt ruhig eurem Laster, aber packt verdammt noch mal eure Zigarettenstummel ein! Ein unheimlich schlauer Mensch hat für den Zweck Taschenaschenbecher* erfunden.
  6. Die Kür: Hebt noch ein Stück Müll auf, das euch unterwegs begegnet.

Das kommt davon: Auswirkungen des Mülls

Abgesehen davon, dass der hinterlassene Müll am schönen Aussichtspunkt den nächsten rastsuchenden Spaziergänger oder Wanderer extremst nervt, ist Abfall in der Natur sehr schädlich. Das betrifft nicht allein die Vermüllung der Weltmeere, was in der Presse präsenter ist, sondern auch den ganzen Müll im Wald.

So lange kämpft der Wald mit dem Müll

So lange kämpft der Wald mit dem Müll.
[Grafik mit freundlicher Genehmigung von SaarForst Landesbetrieb]

Die gerade genannten Kippen enthalten Gifte wie Nikotin, Formaldehyd und Cadmium, die die Erde und unser Grundwasser verschmutzen. Noch glimmende Stengel bergen außerdem ein (Wald-)Brandrisiko. Ach ja, ein Kleinkind, das sich allzu gerne Dinge in den Mund stopft, kann an einem verschluckten Zigarettenstummel sogar sterben (Quelle: BVKJ e.V.).

Zigarettenschachtel in der Natur

Schachtel leer? Hier gehört sie aber nicht hin.

Herumliegende Glasscherben sind zwar nicht – wie allzu oft behauptet – der Auslöser für Waldbrände (Quelle: n-tv), aber sie können Tieren gefährliche Schnittverletzungen zufügen (Menschen übrigens auch). Dazu haben sie dann auch noch 50.000 Jahre Zeit, so lange dauert es nämlich, bis die Erosion das Glas klein gekriegt hat. Plastikmüll, insbesondere Kleinteile, werden von Tieren verschluckt, führen zu Verstopfung und schädigen ihren Verdauungstrakt. In größeren Verpackungen wiederum können sich Wildtiere verheddern und qualvoll verenden, die Sixpack-Plastikringe sind da der traurige Klassiker. Bis Kunststoffabfälle zersetzt sind, kann es bis zu 450 Jahre dauern. Derweil geben sie giftige, unter anderem auch krebserregende Substanzen ab. s

Klingt alles nicht so geil? Richtig, und deshalb nehmt bitte alle brav euren Müll mit, statt ihn aus Faulheit in die Botanik zu werfen.

Fleißige Müllsammlerinnen!

Fleißige Müllsammlerinnen! Aber je weniger Müll in der Natur landet, desto weniger Müllsammel-Aktionen und Steuergelder sind nötig.


Wilde Müllkippen: Bitte melden!

So sehr mich das achtlose Wegwerfen von Abfall aufregt, richtig auf die Palme bringt mich das vorsätzliche Abladen von Müll in der Natur. Erst letztens sind wir bei einer Radtour über eine halbe Wohnzimmereinrichtung am Wegrand gestolpert. Ich bin mittlerweile großer Fan der Müll-Melde-App „Dreckpetze“, mit der wir hier in Dortmund solche wilden Müllkippen mit Ortsangabe und Fotos an den städtischen Entsorger melden können. Immer mehr Städte setzen solche Apps ein, schaut doch einfach mal nach, ob eure Stadt etwas Ähnliches am Start hat. Es gibt aber auch die Müll-weg-App, über die deutschlandweite Meldungen über wilde Müllkippen abgegeben werden können.

Problem Nr. 2: Pipi-Stellen

Wild-Pinkeln ist in Deutschland per se verboten. Es fällt unter „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ und kann mit empfindlichen Strafen geahndet werden. Innerstädtisch völlig nachvollziehbar, was aber ist, wenn ich bei einer Wanderung durch Wald und Feld irgendwann muss? Gesetzlich verboten ist es immer noch, meiner Blase ist das irgendwann aber schnuppe. Wichtig beim Outdoor-Urinieren sind die folgenden Dinge:

  1. Wie so oft gilt auch hier: Vermeide, was sich vermeiden lässt. Vor jeder Wanderung heißt es, Pipi machen nicht vergessen (gilt nicht nur für meine Töchter, sondern auch für Mutti).
  2. Unterwegs sollten nach Möglichkeit die Toiletten vom Hütten und Cafés angesteuert werden. Ja, auch wenn die Nutzung bei Nichteinkehr 50 Cent kostet!
  3. Fehlen Toiletten entlang der Route oder ist das Pinkel-Bedürfnis allzu hoch, dann suche man (oder Frau) sich bitte ein stilles Örtchen hinter einem Baum. Vorsicht: Tunkt dabei das Hinterteil nicht direkt in die Botanik, Zecken nutzen solche Gelegenheiten nur zu gerne.
  4. Hinterlasst bitte, bitte keine Taschentücher am Tatort! Das ist einfach der absolut wichtigste Punkt beim Wildpinkeln und mein persönlicher, dicker Appell an alle. Nehmt eure Tücher in einem Müllbeutel mit, oder schlackert einfach richtig gut ab (geht auch als Frau). Diese Taschentuch-Friedhöfe an viel genutzten Waldtoiletten sind einfach nur ekelig. Ein Tatort-Foto erspare ich euch.

Problem Nr. 3: Regeln einhalten

Regeln – igitt! Aber erstens haben Regeln meistens einen ziemlich guten Grund, zweitens sind sie unabdingbar für das Funktionieren einer Gesellschaft, und drittens sind alle Zuwiderhandlungen schlicht und ergreifend strafbar.

Was ist im Wald erlaubt, was nicht?

Das Bundeswaldgesetz erlaubt in §14, dass wir uns zur Erholung in den Wäldern aufhalten dürfen. Während Reiter und Radfahrer an das Wegenetz gebunden sind, dürfen sich Spaziergänger auch abseits der Wege aufhalten, beispielsweise zum Pilze oder Kräuter sammeln. Auch das Klettern auf Bäume ist gestattet, spätestens damit wird der Wald für Kinder der beste Spielplatz der Welt. Wichtiges Gebot für Groß und Klein: Nichts kaputt machen.

Der Hochstand ist Förstern vorbehalten.

Da hoch! Das hätte Leni jedenfalls gerne…


Gut zu wissen: So spannend Hochstände besonders für Kinder sind, sie dürfen jedoch nur von Förstern & Co. betreten werden. Ebenso ist das Klettern auf Holzpoltern, also aufgestapelten Holzstämmen, verboten (ups, das war mir auch neu).

Was ist im Naturschutzgebiet verboten?

Ganz anders sieht das wiederum in Naturschutzgebieten aus, die durch entsprechende Schilder gekennzeichnet werden. Hier müssen alle Besucher den ausgewiesenen Wegen folgen.

Naturschutzgebiet - Wege nicht verlassen!

Naturschutzgebiet – Wege nicht verlassen! Der Seeadler in grünem Dreieck zeigt`s an, anderswo wird ein Eulensymbol verwendet.


Warum eigentlich? Wohl kaum, um uns das Beste vorzuenthalten, sondern natürlich zum Schutz der hiesigen Pflanzen und Tiere. So sind beispielsweise bestimmte Wiesen nicht zugänglich, weil sich dort bevorzugt Bodenbrüter aufhalten. Auenlandschaften werden zur Erhaltung der Biodiversität abgezäunt. Dünen dürfen nicht betreten werden, weil sie einen wichtigen Erosionsschutz leisten. Dass das Pflücken von Pflanzen und Sammeln von Kräutern und Pilzen im Naturschutzgebiet verboten sind, sollte jedem bekannt sein. Und auch Hundebesitzer sollten wissen, dass sie ihre Vierbeiner im Naturschutzgebiet nur an der kurzen Leine mitführen dürfen – egal wie lieb der Hund sein mag. Weiterhin ist das steigen lassen von Drohnen, Drachen, Ballons etc. untersagt.

Dünenschutz ist Umweltschutz, auch in Dortmund

Dünenschutz ist Umweltschutz, an der Nordsee wie auch hier im Dortmunder Rombergpark

Leider sind den Besuchern die Verbote häufig nicht klar. Oder wenn doch, überwiegt allzu oft das persönliche Bedürfnis den Naturschutz. Absperrungen werden überklettert, um aus der ersten Reihe das perfekte Foto schießen zu können. Dabei wird nicht nur die geschützte Vegetation zertrampelt, sondern immer wieder bringen sich Fototouristen oder Selfie-geile Instagramer in (Lebens-)Gefahr. Es ging ja gerade wieder ein Fall groß durch die Presse.

Naturschutzgebiete machen gerade mal 4,16% der Fläche des gesamten Bundesgebiets aus, Nationalparks nur knapp 0,6% (Quelle: BfN). Wenigstens hier sollten sich wirklich ALLE am Riemen reißen!

Stopp! Badeverbot.

Sobald das Thermometer über 25° Grad klettert, werden Badeverbote gerne mal „übersehen“. Der einsame Waldsee oder z.B. dieser Canyon sind halt idyllischer als das überfüllte Freibad. Aber Leute, auch Badeverbote haben ihr Motiv! Bei Trinkwassertalsperren liegt der Grund auf der Hand. Andere Seen sind wichtige Rückzugsgebiete für bedrohte Tierarten, die ihr mit eurem Badespaß stört. Oft werden die Besucher mittels Infotafeln über die Besonderheiten eines Schutzgebietes aufgeklärt, aber wer hat schon die Zeit und Lust, sich lange Texte durchzulesen, wenn doch das kühle Nass oder das perfekte Foto rufen?

Lengericher Canyon

Im Lengericher Canyon ist der seltene Uhu zu Hause, der Ruhe zur Aufzucht seiner Jungen sucht. Die Wege sind abgesperrt, das Baden ist verboten. Eigentlich.

Grillen & Lagerfeuer in der Natur

Eine der größten Leidenschaften der Deutschen ist wohl das Grillen. Chillige Lagerfeuer oder Grillabende am Strand, Seeufer oder im Wald sind allerdings strengstens verboten und werden mit Bußgeldern belegt. Etliche Reste von Feuerstellen, schlimmstenfalls noch garniert mit reichlich Müll, zeugen aber leider von vielen Ignoranten. Auch hier geht es wieder nicht darum, den Jugendlichen ihren Spaß zu verderben. Offene Feuer sind schlicht gefährlich und können zu (Wald-)Bränden führen. Daher gilt: Bitte nutzt ausschließlich die offiziellen Grillplätze und Feuerstellen. Teilweise müssen diese vorab telefonisch reserviert werden, die Infos lassen sich leicht ergoogeln.

In den Stadtparks gelten regional übrigens sehr unterschiedliche Regelungen. Hier in Dortmund wird das Grillen in einigen Parks toleriert, aber natürlich gilt auch hier, Rücksicht auf andere Besucher und Anwohner zu üben und seinen Müll hinterher wegzuräumen. Das klappt leider auch nur bedingt…

Zum Abschluss…

Meinen Ärger über den immer stärken werdenden Natur-Vandalismus habe ich mir nun von der Seele geschrieben. Ich kann zwar von mir auch nicht behaupten, dass ich mich in meinem Leben immer zu 100% an alle Regeln gehalten habe. Insgesamt ist mein Gewissen jedoch rein genug, als dass ich mir diesen Mecker-Post rausnehmen darf.

Und nun wünsche ich euch viel Spaß im Grünen. Bleibt sauber!

Nehmt nichts mit außer Fotos.
Hinterlasst nichts außer Fußspuren.
Und bitte nur dort, wo es erlaubt ist.

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