Vaucluse

Vaucluse: Facettenreiches Reise- und Wandergebiet in Südfrankreich

Die Côte d’Azur kennt jeder. Von der Ardèche und dem Grand Canyon du Verdon haben die meisten schon mal gehört. Aber wer unter den Nicht-Frankreich-Profis kennt das Vaucluse? Anyone? Nein? Das werde ich dann jetzt ändern, denn das Vaucluse ist das perfekte Ziel für Aktivreisende, die ein abwechslungsreiches Reiseprogramm in einem mediterranen Klima suchen.

Die Landschaft des Vaucluse

Mit einer Fläche von 3.567 km² ist das Département Nr. 84 im Südosten Frankreichs ähnlich groß wie die Balearen-Insel Mallorca. Das Landschaftsbild des Vaucluse ist vielseitig: Gebirge, Hochplateaus, Schluchten, klare Wasserläufe, Höhlen und Wälder. Leuchtende Korn- und Lavendelfelder, weite Weinanbaugebiete, wilde Kräuter der Provence, Obst- und Gemüseanbau. Malerische Bergdörfer, verfallene Burgruinen, alte Kirchen und Klöster, römische Ruinen und antike Amphitheater. Eigentlich gibt es im Vaucluse nichts, das es nicht gibt. Das ist sicherlich auch der Grund, warum reiche Briten sowie Stars und Sternchen aus aller Welt einen Zweitwohnsitz hier haben, zum Beispiel John Malkovich (Bonnieux) und Ridley Scott (Oppède-le-Vieux). Letzterer drehte auch seinen Film „Ein gutes Jahr“ (2006) in dieser Region.

Gorges du Régalon: Die schmalste Schlucht der Provence

Eins meiner Highlights im Vaucluse war die Wanderung durch die Gorges du Régalon. Die Tour zählt eher noch zu den Geheimtipps und ist nicht großartig überlaufen, jedenfalls sind wir in knapp vier Stunden nur drei oder vier Mal auf Gegenverkehr gestoßen. Das Besondere an der Wanderung ist die Enge der Schlucht, denn die 40 Meter aufragenden Felswände lassen an der schmalsten Stelle nur einen Durchgang von einem Meter!

Gorges du Régalon

Gorges du Régalon, die schmalste Schlucht der Provence

Die knapp drei Kilometer lange Tour ist durchweg spannend für Groß und Klein. Zuerst führt der Weg durch einen Olivenhain, dann folgt die enge Schlucht mit ihren steilen Felswänden, niedrigen Durchgängen und steinzeitlichen Höhlen, bis die letzten Meter durch ein Wäldchen zu einem schattigen Picknickplatz führen, der gleichzeitig Wendepunkt der Wanderung ist. Die Tour ist an sich nicht sonderlich schwierig, einige Kraxelpassagen über größere Felsblöcke mit nur wenigen Trittstufen beinhaltet sie jedoch. Mit Kindern ab vier Jahren sollte der Weg mit ein wenig Hilfestellung (und bei trockenem Wetter!) ganz gut machbar sein.

Ist man allerdings wie wir mit kleineren Kindern unterwegs, stellen zwei drei Kletterpassagen etwas größere, wenngleich machbare Herausforderungen dar. Ich habe unsere knapp Einjährige in der Babytrage auf dem Rücken getragen. Beim Kraxeln musste ich schon aufpassen, dass ich ihre Arme und Beine nicht an den Felsen verletze. Unsere 2,5-Jährige war in der Kraxe zwar etwas besser geschützt, allerdings ist die große Rückentrage beim Klettern deutlich sperriger und hinderlicher. Mit Ruhe und Vorsicht haben wir die anspruchsvollen Teilstücke aber gut gemeistert. Unsere Große ist den Rückweg übrigens fast komplett selbst gelaufen! Natürlich mit unserer Unterstützung, vor allem bei den Kletterstellen.

Ausführliche Infos zur Wanderung gibt es im Familienreiseführer Provence mit Kindern*. Den Campern unter euch empfehlen wir das kleine Naturcamping Camping des Argiles. Die Régalon-Schlucht ist nur zwei Kilometer vom Platz entfernt, so dass man sie gut mit dem Fahrrad oder auch zu Fuß erreichen kann.

Feuchter Wanderspaß in der Gorge du Toulourenc

Eine Schluchtwanderung der ganz anderen Art führt durch die Gorge du Toulourenc. Hier wandert man direkt im Flussbett durch das teils knöchel-, manchmal fast kniehohe Wasser des Toulourenc. Bei 38 Grad Außentemperatur eine angenehme Erfrischung für alle Beteiligten!!

Wasserwandern durch den Toulourenc

Der Toulourenc windet sich durch mehrere kleine Schluchten, die zu aquatischen Wanderungen einladen.

Im Wanderführer Provence mit Kindern* ist der Einstieg in die Wanderung über einen Waldweg oberhalb des Flusses beschrieben, der war im Sommer 2017 allerdings zugewuchert. Ich empfehle aber ohnehin den direkten Einstieg in den Fluss, denn das ist ja schließlich der spannende Aspekt dieser Tour. Ein Geheimtipp ist die Gorge du Toulourenc übrigens nicht: Die Einheimischen frequentieren die Badestellen am Toulourenc verständlicherweise rege, was dem Spaß an diesem Erlebnis aber überhaupt keinen Abbruch tut.

An Equipment für diese aquatische Wanderung braucht ihr ganz dringend Trekkingsandalen oder andere wassertaugliche Schuhe. Für Lotta hatten wir beispielsweise diese Sandalen von Keen*, die uns bei all unseren Reisen gute Dienste erweisen. Außerdem solltet ihr eure Badesachen drunter tragen, Handtücher dabei haben und am besten auch ein Picknick. Für letzteres finden sich überall am Ufer lauschige Plätze. Wer unterwegs nicht baden möchte, kann das auch am Ende nachholen. Die Wasserbecken direkt beim Parkplatz bieten sich wunderbar für ein kleines Bad mit Kindern an.

Wasserspaß am Toulourenc

Wasserspaß am Toulourenc

Lauschige Badeplätze gibt es an den Flüssen der Provence übrigens zu Hauf, und mir persönlich gefällt es dort zig Mal besser als an den überfüllten Stränden der Côte d’Azur. Beim Entlangfahren an der L’Ouvèze sind wir beispielsweise über eine herrliche Badestelle an einem Stufenwasserfall gestoßen. Daher mein Tipp: Augen offen halten oder die Einheimischen fragen.

Ockerbrüche: Farbspektakel der Natur

Wer ins Vaucluse reist, darf sich auf gar keinen Fall die Ockerbrüche entgehen lassen! Die bekanntesten und meist besuchten sind die Ockerbrüche von Roussillon. Keine Frage, die skurrilen Formen und krassen Farben haben uns ordentlich staunen lassen. Auch das Städtchen selbst ist unbedingt einen Bummel wert. Insgesamt muss man sich allerdings im Klaren darüber sein, dass ein Ausflug nach Roussillon ein rummeliges Ereignis wird.

Ockerbrüche in Roussillon

Bizarre Formen, grelle Farben: Die Ockerbrüche in Roussillon sind ein spannendes Ausflugsziel.

Wer gerne etwas mehr Ruhe genießen und ein paar Meter mehr durch tolle Ockerlandschaften wandern möchte, dem lege ich die Ockerbrüche von Rustrel ans Herz. Auch hier tummeln sich am (Nach-)Mittag die Touristen, allerdings pilgern die nur flott zum Hauptaussichtspunkt der Ockerbrüche und machen sich dann wieder vom Ocker (haha, das Wortspiel konnte ich mir nicht verkneifen). Wenn man aber die große Runde läuft, hat man die phantastische Landschaft fast ganz für sich.

Ockerbrüche von Rustrel

Die Ockerbrüche von Rustrel sind twas weniger touristisch, aber nicht minder schön, außerdem viel weitläufiger.

Ein ausführlicher Bericht mit weiteren Fotos folgt!

Wandern durch Lavendelfelder

Wechseln wir von orange zu lila: Der südöstliche Teil des Vaucluse zählt noch zur Provence, von daher darf beim Reisen durch das Vaucluse auch eine Wanderung durch die endlosen lila Lavendelfelder nicht fehlen! Tipps zu den Lavendelmetropolen, der besten Reisezeit und viele Lavendelfotos findet ihr in meinem Loblied auf die Provence.

Lavendellehrpfad

Lavendellehrpfad: Eine Wanderung für alle Sinne.

Mont Ventoux: Der Riese der Provence

Er ist nicht zu übersehen, der 1.912 Meter hohe Mont Ventoux, der wie der einsame Berg bei Tolkiens „Hobbit“ markant aus der Landschaft hervor ragt. Seine weiße Spitze sieht von Weitem aus wie eine Schneehaube, ist im Endeffekt aber eine karge Steinlandschaft, die der starke Wind geformt hat. Eine Wanderung zum Gipfel kann ich mit kleinen Kindern nicht empfehlen, aber eine Fahrt mit dem Auto über den Mont Ventoux sollte man trotz allen Rummels nicht verpassen. Bei (einigermaßen) klarer Sicht ist die Aussicht vom Gipfel herrlich! Eine Jacke sollte man allerdings griffbereit haben, wenn man über die Steine zur Aussichtsplattform kraxelt, denn der Wind pfeift dort ordentlich.

Auf dem Mont Ventoux

Die Ausreisserbande auf dem Dach der Provence!

Auf der Fahrt zum und vom Gipfel passiert man weitere schöne Aussichtspunkte, die einen tollen Blick auf den Mont Ventoux selbst und natürlich hinunter ins Tal preisgeben. Für ein Picknick empfehle ich ohnehin einen der Pausenplätze entlang der Route, da es dort nicht so kühl und windig ist wie am Gipfel. Eine kleine Wandermöglichkeit gibt es übrigens bei der Auffahrt von Sault zum Gipfel. Haltet an, wenn ihr auf der linken Straßenseite einen metallenen Hirsch sichtet, dort beginnt ein kurzer Naturlehrpfad durch den Wald.

Bei der Autofahrt ist übrigens stete Vorsicht geboten, denn die Strecke ist stark von Radfahrern frequentiert. Weil die Tour de France über den Gipfel des Mont Ventoux verläuft, wollen sich Radsportfans aller Welt ebenfalls dieser besonderen Herausforderung stellen. Für mich Fahrradmuffel unvorstellbar!

Sorgue-Quelle in Fontaine-de-Vaucluse

Ein imposantes Naturschauspiel kann man in Fontaine-de-Vaucluse bestaunen: Aus einem Loch im Fels tritt die Quelle der Sorgue aus. Mit einem jährlichen Wasseraustritt von bis zu 700 Millionen Kubikmetern ist sie nicht nur die größte Quelle Frankreichs, sondern rangiert weltweit auf Platz fünf. Woher die Wassermassen genau kommen und wie tief die Quelle reicht, konnten Forscher und Taucher bis heute nicht ergründen. Wer mehr darüber erfahren möchte, dem empfehle ich diesen spannenden GEO-Artikel.

Bei unserem Besuch war der Wasserstand recht niedrig, so dass ich hinunter in die Höhle klettern und einen Blick in die unergründlich tiefe Quelle werfen konnte. Mit dem Hintergrundwissen war das spannend, ansonsten wirkt das Loch an sich eher unspektakulär. Zu gerne hätte ich beobachtet, wie das Wasser aus dem Quellteich überläuft, zu dieser Jahreszeit tritt die Quelle aber erst ein paar Meter tiefer aus. Imposant ist allerdings, wie schnell aus den Quellwassern ein breiter Fluss entsteht.

Vom kostenpflichtigen Parkplatz läuft man durch Fontaine-de-Vaucluse und dann immer an der Sorgue entlang, bis man nach einem guten Kilometer die Quelle erreicht. Der halbe Weg zur Quelle ist von Geschäften und Verkaufsständen gesäumt, entsprechend rummelig ist es hier. Das Örtchen an sich ist klein, durch die Lage an der Sorgue-Quelle aber extrem touristisch geprägt.

Camping-Tipp
Das Naturcamping La Folie befindet sich unweit von Fontaine-de-Vaucluse auf den weitläufigen Wiesen eines Bauernhofs. Meine Mädels haben sich riesig über die frei laufenden Hühner, Katzen und Hunde gefreut, und ich war von dem Hofverkauf (Gemüse, Obst, Saft, Wein…) begeistert. Weitere Pluspunkte: Saubere Sanitärs, ein selbst gezimmerter Kinderspielplatz und nette Besitzer. Den Tipp habe ich übrigens von einem Blogleser bekommen – DANKE!
Adresse: 1500 Route de Robion, 84800 Lagnes

Unsere Route durch das Vaucluse

    Unsere Route durch das Vaucluse betrug rund 270 Kilometer, für die man eine reine Fahrtzeit von ca. 6,5 Stunden rechnen kann. Hinzu kamen Wege und Zeiten für das Ansteuern von Campingplätzen, die hier etwas dünner gesät sind, sowie Zwischenstopps in Dörfern und Städtchen zum Essen und Bummeln. Bedenkt bei eurer Planung, dass ihr auf den eher kleinen, kurvigen Landstraßen nur langsam voran kommt.
    Da wir zeitweise etwas planlos unterwegs waren, sind wir in einen Zickzackkurs durch das Vaucluse gegondelt. Unsere Stationen hätten wir (rückwirkend betrachtet) sinnvoller in folgender Reihenfolge anfahren können: Mérindol – Lagnes/Fontaine-de-Vaucluse – Roussillon – Rustrel – Sault/Ferrassières – Mont Ventoux – Gorges du Toulourenc.

    Weitere Ziele im Vaucluse

    Mein übliches Problem: Ich hätte gut und gerne noch länger im Vaucluse bleiben können. Ich möchte mir unbedingt noch die Stadt Avignon (ihr wisst schon, sur le Pont d’Avignon…) angucken, der meine Bloggerkollegin Antje einen Kurzbesuch abgestattet hat. Auch die Stadt Orange steht ganz oben auf meiner Wunschliste, denn ich möchte das besterhaltene römische Theater der Welt besichtigen. Außerdem möchte ich die Gorges de la Nesque durchfahren und in der Schlucht wandern.

    An die Kenner: Habt ihr weitere Tipps für meinen nächsten Vaucluse-Besuch? Und an die Nichtkenner: Konnte ich euch für die Region begeistern?

    Interessant? Dann gerne teilen!

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