Ab an die Nordsee: Was mich immer wieder nach Ostfriesland zieht

Ab an die Nordsee: Was mich immer wieder nach Ostfriesland zieht

Wohin fahrt ihr in den Kurzurlaub? Ach, nur an die Nordsee, entgegne ich. Für uns Ruhrpöttler liegt Ostfriesland ja quasi „um die Ecke“. Deshalb, und weil meine Großtante in Hooksiel wohnte, habe ich schon mindestens zwanzig Kurzurlaube an der deutschen Nordseeküste verbracht. Aber was heißt hier eigentlich „nur“ Nordsee? Dadurch, dass ich Ostfriesland eher als zweite Heimat denn als Reiseziel wahrnehme, vergesse ich häufig, wie besonders diese Ecke Deutschlands doch ist.

Was macht den Reiz von Ostfriesland aus?

Lange Sandstrände wie an der niederländischen oder dänischen Nordseeküste sucht man hier vergebens. Und obendrein ist das Meer auch ständig weg. Was also bitte spricht für einen Ostfriesland-Urlaub? Eine ganze Menge, wie ich finde. Hier kommen meine persönlichen Gründe, die mich immer wieder an die deutsche Küste ziehen.

#1 Moin

Ich mag es einfach, dieses „moin“, das einem in Ostfriesland zu jeder Tages- und Nachtzeit entgegen schallt. Auch wenn sich dieser Gruß mittlerweile über halb Deutschland ausgebreitet hat, so klingt für mich nur ein „moin“ aus dem Mund eines Ostfriesen echt und richtig.

Fischerstatuen im Neuharlingersieler Hafen

Fischerstatuen im Neuharlingersieler Hafen

#2 Ostfriesisch Platt

Ich mag nicht nur das „moin“, sondern insgesamt das ostfriesisch Platt. In Ostfriesland fährt man nicht um Jever herum, sondern um zu. Wenn meine Großtante mich um den Kodder bat, wollte sie den Spüllappen haben. Und Lütte hört sich einfach viel schöner an als Kleine. Neben vielen plattdeutschen Worten gefällt mir vor allem die Melodie des Dialekts. Das Ostfriesisch klingt freundlich und ist ohne große Schnörkel „geradeaus“. Selbst wenn ein Ostfriese kräftig schimpft, so hört sich das irgendwie harmloser als in hiesigen Breitengraden an.

#3 Plattes Grün

Wohin das Auge blickt, sieht man grüne Wiesen mit grasenden Kühen, Schafen oder Pferden. Durchzogen von Entwässerungskanälen, Sielen und kleinen Flüsschen. Hier und da gespickt mit einer Gruppe Windräder. In dieser platten Landschaft kann man herrliche Rad- oder Paddeltouren unternehmen, wobei der Gegenwind manchmal fieser ist als so mancher Hügel. Sogar das Autofahren ist mit unseren Mädels im Norden kein Problem, schließlich gibt es genug „Zählbares“: Heute Kühe, morgen Schafe, dann mal Windräder.

Drahtesel

Mit dem Drahtesel die Küste entlang – super! Nur nicht bei Gegenwind.

#4 Meer, watt’n für’n Meer?

Auch wenn sich das Meer alle sechs Stunden aus dem Staub macht, bleibt noch genug Meer-Zeit übrig. Man sollte sich allerdings direkt bei Ankunft einen Gezeitenkalender an der Touristeninfo besorgen (meist liegt ein solcher auch schon in der Ferienwohnung bzw. im Hotel bereit, ansonsten weiß auch das Internet Rat). Im Übrigen ist auch – oder gerade – die meerlose Zeit sehr spannend, denn dann kann man durchs Watt stapfen. Und welches Kind liebt bitteschön keinen Matsch? Packt unbedingt Gummistiefel bzw. Aquaschuhe (Sommer) und eine Schaufel ein, so lässt es sich am besten im Watt nach Muscheln, Krebsen und Wattwürmern suchen.

Echte Wattwanderungen sollte man aus Sicherheitsgründen immer nur mit einem kundigen Führer unternehmen. Die Wattspaziergänge lassen sich in den Touristeninfos buchen. Es gibt unterschiedliche Touren, was die Länge und den Schwierigkeitsgrad angeht, auch spezielle Familienwattwanderungen werden angeboten. Ich selbst habe – trotz meiner unzähligen Nordseeurlaube – leider noch nicht eine einzige Wattwanderung mitgemacht. Bisher hat es nicht sollen sein (beim letzten Versuch ist die Tour mangels Teilnehmer abgesagt worden), aber das muss sich dringend ändern! Dass Wattwanderungen auch mit Kindern möglich sind, könnt ihr bei meiner Bloggerkollegin Angela nachlesen.

Geführte Wattwanderung

Wir beobachten eine geführte Wattwanderung – unsere eigene Wattwanderung ist leider ausgefallen.

#5 Ostfriesische Inseln

Der Besuch einer ostfriesischen Insel gehört quasi zum Pflichtprogramm, wenn man auf dem ostfriesischen Festland Urlaub macht. Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge – sieben Inseln, die jede für sich einzigartig und sehenswert sind. Im Gegensatz zum Festland, das nur wenige, meist aufgeschüttete Sandstrände besitzt, locken die breiten Strände an der Nordseite der Inseln im Sommer unzählige Badegäste an. Daneben haben die Inseln noch Vieles mehr zu bieten: Rad- und Wanderwege, Naturschutzgebiete, Dünenlandschaften, Salzwiesen, Wassersport, Strandbars und natürlich ein Inselörtchen mit allerhand Infrastruktur. Für einen Tagesausflug bieten sich die beiden Inseln Langeoog und Norderney perfekt an, da sie tideunabhängig erreichbar sind (man es dort aber auch länger aushalten). Spiekeroog und Wangerooge sind gute, jedoch tideabhängige Alternativen.

Für die anderen Inseln empfehle ich eher einen mehrtägigen Aufenthalt, wie es Nadine von Planet Hibbel im März mit ihrer Familie auf Juist und die Family4Travel auf Borkum gemacht haben.

#6 Jahreszeitenunabhängiges Reiseziel

Ich war nur äußerst selten im Sommer zur Hauptreisezeit in Ostfriesland. Vielleicht weil ich etwas Angst vor den Touristenmassen habe. Vielleicht aber auch nur aus Gewohnheit, weil wir früher meine Großtante Gerda zumeist in den Herbstferien besucht haben. Auf jeden Fall gefällt es mir, zur Nebensaison an die Nordsee zu reisen. Ich mag die Ruhe, den Wind, die kühle, salzige Luft.

Menschenleere Strände, Pastellfarben, Ruhe – die Nebensaison hat ihren besonderen Reiz!

Bei einem Nordsee-Urlaub gilt das Motto:

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.

Von daher: Friesennerz und Gummistiefel einpacken sowie Matschhosen für die Kinder, und los geht’s!

Strandbesuch im Winter

Strandbesuch im Winter? Aber klar doch!

Am liebsten suche ich mir übrigens eine Ferienwohnung mit Kamin für den abendlichen Kuschelfaktor. Da die gute Nordseeluft selbst meine aktiven Kinder ordentlich plättet, können wir Großen abends das flackernde Kaminfeuer ungestört genießen. Dicker Pluspunkt für die Nordsee!

#7 Ostfriesentee

Ich bin leidenschaftliche Teetrinkerin, Kaffee mag ich gar nicht. Seit Jahren trinke ich jeden Abend ein Kännchen Ostfriesentee, natürlich mit den leckeren Kluntje, die so schön knistern, wenn man den Tee einschenkt. Mein tägliches Stück Ostfriesland für zu Hause. Aber in Ostfriesland selbst schmeckt der Tee noch ein Stückchen besser – das liegt am leckeren, friesischen Wasser, hat meine Großtante immer gesagt.

Frische Getränke an Bord

#8 Krabben & Fisch

Wie eigentlich an jeder Küste wird in Ostfriesland Fisch auf den Speisekarten ganz groß geschrieben, und den darf man sich wirklich nicht entgehen lassen. Ich liebe Krabben, die ich entweder mit ein wenig Salz einfach so futtere oder auf einem Butterbrot esse. Ebenfalls sehr lecker ist Rührei mit Krabben. Unter den vielen Fischgerichten empfehle ich besonders, das Schollenfilet zu probieren, das meist mit Bratkartoffeln oder einem Kartoffelsalat serviert wird.

#9 Die Küstenorte

Welcher Ort ist der schönste an der Nordseeküste? Im Grunde ist so ziemlich egal, wo es euch hin verschlägt, die Orte haben alle ihren eigenen Charme. Hooksiel besitzt (neben Schillig) den längsten Sandstrand und dazu das Hooksieler Binnentief, auf dem man von Surfen bis Wasserski allerlei Wassersport treiben kann. An Carolinensiel liebe ich den schnuckeligen Museumshafen, von dem aus man an der Harle entlang in einer knappen halben Stunde zum Strand von Harlesiel läuft. Unterwegs kehre ich gerne im urgemütlichen „Tüdelpott“ auf eine Tasse Tee oder einen heißen Kakao ein. Besonders schön ist das „Cliner Straßenfest“ rund um den wunderschön beleuchteten Museumshafen, das immer am ersten Augustwochenende stattfindet.

Spaziergang entlang der Harle von Carolinensiel nach Harlesiel

Der Hafen von Neuharlingersiel ist etwas belebter und bunter, zur Einkehr empfehle ich das „Dattein“. Um zum Strand zu gelangen, muss man nur ein Mal über den Deich hüpfen. Nett ist auch der Blick von der Aussichtsplattform auf die ein- oder auslaufenden Spiekeroog-Fähren. Bensersiel finde ich nicht so gemütlich wie die anderen Küstenorte, dafür trumpft Bensersiel mit einem phantastischen Schlechtwetterprogramm auf, nämlich dem kostenlosen Indoorspielplatz Bennis Abenteuerland und der „Nordseetherme Bensersiel“. Ganz im Westen lockt Norddeich mit der unbedingt besuchenswerten Seehundaufzuchtstation und allerlei weiteren Annehmlichkeiten wie Spaßbad, kostenfreiem Kinderspielhaus, einem schönen Kurpark und natürlich einem Strand.

Am Strand von Harlesiel

Wer gerne alles auf einmal erleben möchte, der bucht am besten seine Unterkunft irgendwo in der Mitte. Wer die deutsche Nordseeküste häppchenweise erkunden möchte, entscheidet sich mal für den Westen, mal für den Osten, mal für die Mitte.

Unternehmungstipp rund um Neuharlingersiel findet ihr bei meinen Bloggerkolleginnen von Patotra (die beschriebene Radtour habe ich auch mal gemacht, die ist wirklich sehr schön!) und Reisemeisterei.

#10 Mein Tipp: Werdum

Um die Nordseeküste zu erkunden, muss man nicht zwingend in einem der Küstenorte residieren. Wir sind momentan von dem kleinen Werdum sehr angetan. Von unserer Ferienwohnung Huus Tide aus erreichen wir in wenigen Gehminuten den Haustierpark, in dem vom Aussterben bedrohte Haustierrassen gezüchtet werden. Unsere Kinder lieben den fast täglichen Besuch während unserer morgendlichen Brötchenrunde dort. Praktisch: Für Werdumer Gäste ist der Eintritt kostenfrei.

Die Werdumer Mühle samt Backhaus und alter Schmiede

Daneben bietet die Werdumer Mühle samt Backhuus und der historischen Schmiede allerhand Programm für Große und Kleine an (Mitte März bis Oktober): Man kann sein Müller-Diplom machen, Plätzchen im alten Ofen backen, dem Schmied bei der Arbeit über die Schulter schauen u.v.m. Die Küstenorte Neuharlingersiel, Bensersiel und Carolinensiel/Harlesiel liegen nur 10-15 Autominuten entfernt, so dass wir täglich eine Portion Meeresbrise schnuppern können.

#11 Städte (im Hinterland)

Besuchenswert sind im Übrigen nicht nur die Küstenorte, auch im Hinterland gibt es nette Städtchen. Die hübschen Gassen in Esens, Jever und Aurich laden zu einem Bummel ein, und dann gibt es natürlich noch die zwei großen Städte Emden im Westen und Wilhelmshaven im Osten.

#12 Kinderfreundlichkeit

Gefühlt ist das komplette Ostfriesland geradezu auf Familien mit Kindern eingestellt. An jedem Strand gibt es mindestens einen, meist mehrere Spielplätze, und zwar nicht so kleine Alibi-Spielflächen, sondern echte Abenteuerlandschaften. Auch die Gastronomie ist auf kleine Besucher vorbereitet: Es gibt fast überall Kindergerichte, Hochstühle und (teils feudale) Spielecken.

Packempfehlungen für Nordsee mit Kleinkindern

Zum Abschluss gebe ich euch noch meine persönlichen Packempfehlungen für einen gelungenen Nordseeurlaub mit Kleinkindern mit, und zwar auf die Saison gemünzt.

Sommer

Das Sommergepäck sollte neben T-Shirts und kurzen Hosen immer auch Kleidung für nicht so optimales Wetter und kühlere Abende beinhalten. Eine wärmende (Fleece-)Jacke und eine windabweisende, leichte Regenjacke gehören bei uns zur Standardausrüstung. Ansonsten packen wir das „Übliche“ für Sommerurlaube ein: Badeklamotten, für die Kids auch UV-Shirts, Aquaschuhe, Sonnenhut, Sonnenbrille, Sonnencreme und Aftersun für den hoffentlich nicht eintretenden Fall der Fälle.

Frühjahr, Herbst & Winter

Ganz wichtig: Wetterfeste und den Temperaturen angemessene Kleidung! An der Küste pfeift der Wind, und die gefühlte Temperatur liegt oft unter der gemessenen. Regenkleidung und Matschhose sind ein Muss, ab Spätherbst darf auch gerne der Schneeanzug ins Gepäck. Dazu brauchen die Kleinen (gefütterte) Gummistiefel. Mütze und Buff (oder gleich die schönen Schlupfmützen als 2-in-1-Variante) sowie Handschuhe vervollständigen das Kinder-Outfit, damit bei Spaziergängen und Strandbesuchen trotz Herbst- und Winterwetter nicht schon nach fünf Minuten alle durchgefroren sind.

Strandbuddelei bei Winterwetter

Strand geht immer! Die richtige Kleidung ist da das A und O.

Immer

Im Grunde nehmen wir nie viel Spielzeug mit auf Reisen. Ich achte bei der Buchung von Ferienwohnungen aber darauf, dass möglichst etwas Kinderspielzeug vorhanden ist. Was auf alle Fälle immer dabei ist, sind Pixi-Bücher und das Lieblingskuscheltier, neuerdings auch die Toniebox. Beim Nordsee-Urlaub dürfen außerdem Schaufeln, der Sandeimer und Stapelbecher (als Förmchen und Wasserspielzeug) nicht fehlen. Für den Kleinkindtransport schwöre ich (eigentlich immer, aber beim Nordsee-Urlaub besonders) auf eine Kraxe* statt Buggy, denn die gibt mir uneingeschränkte Bewegungsfreiheit, auch im Sand, auf den Deichen etc.

Dank Kraxe kommt auch Leni überall mit hin.

Und nu Butter bei die Fische: Wer war noch nicht an der deutschen Nordseeküste? Auf eure Ausreden bin ich mal gespannt ;-)

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Weiterhin mögen die Friesen es mir bitte verzeihen, dass ich sie in diesem Beitrag mit den Ostfriesen in einen Topf geworfen habe ;-)
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