Externsteine in Horn-Bad Meinberg

Zu Besuch im Land des Hermann (2): Highlights am E1 | R1

Ihr erinnert euch vielleicht, dass ich Anfang September im Land des Hermann unterwegs war. Dabei bin ich nicht nur dem Arminius zu Kopf gestiegen, sondern ich durfte auch Detmold und Umgebung kennen lernen. Wer bei Detmold jetzt nicht sofort „Klar, kenne ich!“ ausruft: Detmold liegt in Ostwestfalen-Lippe in Nordrhein-Westfalen und ist mit seinen niedlichen 75.000 Einwohnern die größte Stadt im Kreis Lippe. Bekannt ist Detmold vor allem für das Hermannsdenkmal, sein Freilichtmuseum und die nahe gelegenen Externsteine.

Freilichtmuseum Detmold

Jeder von uns hat sicherlich schon mal ein historisches Schloss oder eine Jahrhunderte alte Burg besucht. Die imposanten Unterkünfte des Adels werden geschützt und restauriert, um der Nachwelt einen Einblick in damalige Zeiten zu gewähren. Repräsentativ ist aber etwas Anderes. Schließlich lebte der Großteil der Bevölkerung nicht in solchen Prachtbauten und Festungen, sondern in einfachen Behausungen. Und genau die kann man in Freilichtmuseen besichtigen. Auf über 90 Hektar sind im Detmolder Freilichtmuseum etwa 120 historische Gebäude aus allen Regionen Westfalens zu finden. Und ja, da gibt es gewaltige Unterschiede! Fragt mal die Leute, wenn ihr in der Gegend seid 😉

Wisst ihr übrigens, woher die Idee stammt, ländliche Wohn- und Arbeitsformen in Freilichtmuseen zu zeigen?
– Aus Skandinavien.
Pferdekutsche im Freilichtmuseum Detmold

Mit 2 Pferdestärken werden wir ins Paderborner Dorf gefahren.

Wir zuckeln stilecht per Pferdekutsche vom Eingang bis ins Paderborner Dorf, das sich neben dem Sauerländer Dorf ganz am anderen Ende des Areals befindet. Während die historischen Fachwerkhäuser, Höfe, Wiesen, Äcker und Gärten langsam an mir vorbei ziehen, lausche ich gespannt den Erklärungen unserer Führerin. Ich fühle mich ein wenig wie zu Omas Zeiten, zumal alle Gebäude tatsächlich aus Omas Zeiten sind. Sie wurden an ihren Originalstandplätzen abgebaut und hier neu zusammen gesetzt.

Fachwerkhäuser im Paderborner Dorf

Fachwerkhäuser im Paderborner Dorf

Da! Eine Windmühle. Als Fan hüpfe ich innerlich vor Freude. Bei dieser handelt es sich um eine Bockwindmühle, dem ältesten Windmühlentyp Europas. Die gesamte Mühle steht auf einem Holzsockel, dem „Bock“, und lässt sich darauf in den Wind drehen. Was ein Aufwand! Im 16. Jahrhundert wurden sie daher von der Kappenwindmühle abgelöst, bei der sich nur die obere Kappe mit den Flügeln dreht. Weitaus praktischer. Eine solche Kappenwindmühle gibt es natürlich ebenfalls im Detmolder Freilichtmuseum zu sehen.

Historische Kappenwindmühle im Freilichtmuseum Detmold

Historische Kappenwindmühle: Ihre Haube lässt sich drehen.

Etwas verwundert bin ich, als ich eine Tankstelle erspähe. Sooo alt ist die schließlich nicht, aber bei der rasanten Entwicklung der letzten Jahrzehnte kommen selbst bei einer Tankstelle aus den Sechzigern nostalgische Gefühle auf. Passt also doch wieder ins Bild des Freilichtmuseums.

Tankstelle aus den Sechziger Jahren

Auch die jüngere Geschichte hat im Detmolder Freilichtmuseum Einzug gefunden. Nostalgie!

Nun müssen wir selbst Hand anlegen. Mit etwas Hilfestellung und Regieanweisung puzzeln wir uns im Team aus Einzelteilen ein Fachwerkhaus zusammen, das etwa halb so groß ist wie das Original. Jeder Balken besitzt Markierungen, die anzeigen, wohin er gehört. Wir sortieren, halten und stützen Balken, verbinden sie mit Holznägeln und bauen Kopfbänder ein. Eine wirklich spannende und lustige Erfahrung.

Fachwerkkonstruktion selbst gebaut

So sehen fleißige Häuslebauer nach getaner Arbeit aus.


   Weitere Infos & Preise zum LWL Freilichtmuseum Detmold

Wanderung auf dem E1: Vom Hermannsdenkmal zu den Externsteinen

Detmold liegt am Teutoburger Wald. Richtig, dass ist der Wald, wo die berühmte Varusschlacht stattgefunden hat. Unter der Führung von Arminius haben die zahlenmäßig deutlich unterlegenen Germanen drei Römer-Legionen besiegt, indem sie das unwegsame Gelände des Teutoburger Waldes ausgenutzt haben. Wo genau die Schlacht stattfand, ist bis heute allerdings immer noch nicht abschließend geklärt.

Klar ist dafür, dass man im Teutoburger Wald herrlich wandern kann. Der bis 446,4 m hohe Mittelgebirgszug besitzt ein ausgedehntes Wanderwegenetz, so zum Beispiel den 156 km langen Hermannsweg, den Eggeweg (mit dem Hermannsweg als Hermannshöhen beschildert), den Paderborner Höhenweg, die Viaduktwanderweg bei Altenbeken und den Hansaweg zwischen Herford und Hameln. Wir sind den Abschnitt des Hermannswegs vom Hermannsdenkmal bis zu den Externsteinen gelaufen, der an dieser Stelle parallel mit dem Europäischen Fernwanderweg E1 verläuft, der wiederum komplett durch Europa vom Nordkap bis nach Sizilien führt. Für die gut 8 km lange Etappe brauchen wir etwa 2 Stunden, inklusive vieler, vieler Fotostopps.

   Informationen zu Wanderungen im Teutoburger Wald erhaltet ihr beim Kompetenzzentrum Wandern WALK

Externsteine: Markantes Natur- und Kulturdenkmal

Unser Ziel, die Externsteine, habe ich als Kind mal besucht. Lang, lang ist’s her. Dieses Mal darf ich nicht nur von unten gucken, sondern auch hoch.

Externsteine bei Horn-Bad Meinberg

Externsteine bei Horn-Bad Meinberg

Zwei der Sandstein-Felsen sind durch Treppen im Gestein erschlossen. Über einen kleinen Metallbrückenbogen gelangt man auch auf den dritten Felsen, den markanten Turm in der Mitte, hinüber. Von oben genieße ich den weiten Blick über die umliegende Parkanlage, den kleinen Wiembecketeich und die Weiten des Teutoburger Walds. Schön!

Ausblick von den Externsteinen

Ausblick von den Externsteinen auf den umliegenden Park und die Schatten der Sandsteinfelsen

Um die Geschichte der Externsteine ranken sich fast noch mehr Mythen als um die Varusschlacht. Dienten sie früher den Germanen als Kultstätte? Waren sie eine mittelalterliche Sternenwarte? Alles Quatsch, erzählt uns Cornelia Müller-Hisje. Sie sind einfach nur eine wunderschöne Laune der Natur, die schon seit der Frühgeschichte von Menschen besucht werden. Leider hat der Mythos von der germanischen Kultstätte dazu geführt, dass die Nazis das heutige Natur- und Kulturdenkmal als Versammlungsplatz und Symbol für ihre Zwecke genutzt haben. Wir „benutzen“ die Externsteine, wie so viele andere Besucher, einfach nur als Ort der Erholung und als wunderschönes Fotomotiv. Fotografen sei allerdings geraten, entweder früh oder spät zu kommen, denn das Fotografieren gegen die Nachmittagssonne ist etwas problematisch.

   Wissenswertes zu den Externsteinen hält die Infoseite über selbige bereit

E-Bike-Tour zum Silberbachtal

Am nächsten Tag knüpfen wir erneut bei den Externsteinen an, denn die markante Sandsteinformation liegt nicht nur am Europäischen Fernwanderweg E1, sondern gleichzeitig auch am Europaradweg R1. Letzterer führt vom französischen Boulogne-sur-Mer über 3.500 Kilometer und durch neun europäische Länder bis zum russischen St. Petersburg. Hier in Horn-Bad Meinberg kreuzen sich beide Wege. Grund genug für uns ein Teilstück der Euroroute R1 zu fahren. Bevor wir uns auf unsere… ähem… E-Bikes schwingen, legen wir noch eine kleine Fotosession am neuen Wegekreuz von E1 und R1 ein.

Reiseblogger am Wegekreuz von E1 und R1  [Foto: Sandra Riegel Photography]

Reiseblogger am Wegekreuz von E1 und R1 [Foto: Sandra Riegel Photography]

Nun geht es aber los. Beschwingt radeln wir rüber ins Silberbachtal. Ja, beschwingt, denn so ein E-Bike macht das Radfahren wirklich schwerst komfortabel. Ein Teufelchen auf meiner Schulter flüstert mir ins Ohr: „Du bist doch eine Sportlerin. Das ist Schummelei, was du da tust.“ Schuldbewusst schalte ich den Unterstützungsgrad des Motors von ’sportlich‘ auf ‚eco‘ herunter. „Hey, du magst doch Radfahren gar nicht so. Jetzt kannst du mal Spaß dabei haben!“, hält der Engel dagegen. Und gewinnt.

Radfahren zwischen den Externsteinen

Ich kann machen, was ich will, sportlich sehe ich auf einem Rad nie aus 🙂
[Foto: Sandra Riegel Photography]

Fotostreifzug durchs Silberbachtal

Wir parken unsere E-Bikes an der Silberbachmühle und spazieren ins Silberbachtal hinein. Alle zücken direkt ihre Kameras, denn das idyllische Tal entlang des lustig plätschernden Silberbachs strotzt nur so vor Fotomotiven. Langzeitfotografie, um das fließende Wasser an den kleinen Wasserstufen einzufrieren, Makrofotografie, um Insekten, Pilze und Blätter ganz nah einzufangen, oder allgemeine Landschaftsfotografie – wir alle kommen voll auf unsere Kosten.

Spinne im Spinnennetz

Makro-Paradies Silberbachtal: Spinne im Spinnennetz


Fotowettwerb „E1|R1 photo award“

Jetzt müsst ihr mir bitte helfen. Seit dem 1. Dezember 2017 bis zum 31. März 2018 läuft die Einreichungsfrist für den Fotowettbewerb E1|R1 photo award. Bis zu zehn Fotos darf ich in der Amateur-Rubrik einreichen, wobei die vier Kategorien „Kultur und Landschaft“, „Mensch und Natur“, „Himmel und Erde“ sowie „Tier und Natur“ zur Auswahl stehen. Was meint ihr, welches Foto aus diesem Blog-Artikel sollte ich einreichen?

Wegekreuz E1 | R1

Wegekreuz E1 | R1

Wenn ihr auch mitmachen wollt, dann nichts wie los! Es können nicht nur Fotos aus der Region um Detmold und Horn-Bad Meinberg eingereicht werden. Alle Fotos, die nicht weiter als 10 km entfernt von den Wegen E1 oder R1 aufgenommen wurden, kommen als Kandidaten in Frage. Wer also war am Nordkap, in Århus, Flensburg, im Sauerland, Taunus oder Schwarzwald, am Gotthardpass, in Lugano, den Abruzzen, in Brügge, Den Haag, Berlin, Riga oder St. Petersburg? Kramt in euren Fotos und macht mit!

Offenlegung
Zu dieser Reise wurde ich von den Initiatoren des E1|R1 Photo Award eingeladen – herzlichen Dank!

Weitere Blogbeiträge zur Region

Meine mitgereisten Bloggerkollegen haben ebenfalls über unsere Wochenende im Lipperland geschrieben. Schaut mal vorbei!

Und? Lust aufs Lipperland bekommen? Oder auf Etappen des E1 oder R1? Und wer macht beim Wettbewerb mit?

Mehr lesen...

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