Fördermaterial Deutsch 1. Klasse
Down-Syndrom

Fördermaterial Deutsch 1. Klasse: Lernhilfen für Kinder mit Förderbedarf

Im vergangenen Sommer hat nun auch für unsere Jüngste das Abenteuer Schule begonnen. Und obwohl Deutschland beim Thema Inklusion noch dramatisch hinterher hinkt, haben wir uns dazu entschlossen, unsere Tochter auf eine Regelgrundschule zu schicken. Gemeinsam mit 25 anderen Kindern lernt sie die ersten Buchstaben und Zahlen kennen, bastelt tolle Kunstprojekte, turnt in der Sporthalle und probiert im Rahmen von JeKits Instrumente aus. Während ihres Schulalltags wird sie von einer Schulbegleiterin unterstützt. Neben dem Regelunterricht erhält sie außerdem drei individuelle Förderstunden wöchentlich (sofern die Sonderpädagogin keine Krankheitsvertretung übernehmen muss).

Zieldifferenter Unterricht

Natürlich lernt ein Kind mit Down-Syndrom langsamer als die Regelkinder. Meine Tochter braucht mehr Wiederholungen, um etwas zu verinnerlichen. Sie benötigt anschauliche Erklärungen, mit denen möglichst viele Sinne angesprochen werden (was natürlich für alle Kinder hilfreich ist). Auch ihre Hörschädigung beeinträchtigt ihre Lernergebnisse: Ähnliche Laute werden von ihr gleich wahrgenommen, was das Erlernen von Sprechen und Schreiben erschwert. Am Ende muss sie jedoch nicht die gleichen Meilensteine erreichen wie ihre nicht behinderten Klassenkameraden. Für sie werden individuelle Ziele festgelegt, die sich an ihren Einschränkungen und Möglichkeiten orientieren.

Unterstützendes Fördermaterial

Neben dem Standardlehrwerk setzt die Schule noch inklusives Zusatzmaterial ein, im Fach Deutsch beispielsweise den Differenzierungsblock Fördern und Inklusion. Für unsere Übungseinheiten zu Hause habe ich weiteres Fördermaterial zusammengestellt, um meine Tochter optimal zu unterstützen. Ich habe ganz viel im Internet recherchiert, mir Lehrmaterialen und Anregungen geholt, ausprobiert und teilweise für uns angepasst. Was sich bei uns bewährt hat, stelle ich euch nun vor. Vielleicht ist ja auch etwas für euch und eure Kids (mit und ohne Förderbedarf) dabei!

Basismaterial: Bildkarten

Mein wichtigstes Grundmaterial sind die vielfältig einsetzbaren Bildkarten. Da unsere Schule im Deutschunterricht mit den Niko-Materialen vom Klett-Verlag arbeitet, habe ich mir dort die Bildkarten Silben (unter „Downloads“) heruntergeladen. Weitere Niko-Bildkarten sind beim Niko Anlaut-Memory (ebenfalls unter „Downloads“) enthalten. Fürs Kind ist es immens hilfreich, in seiner bekannten (Begriffs-)Welt zu bleiben. Ein dickes Paket toller, bunter Bilder, das bei uns die Niko-Grundkarten erweitert, gibt es auf dem grandiosen Grundschul-Blog von Frau Locke. Alle Bildkarten habe ich ausgedruckt, einlaminiert und mit dem Trimmer zurechtgeschnitten.

Tipp
Die Anschaffung eines Laminiergeräts kann ich wärmstens empfehlen. Ich komme gut mit diesem zurecht.

#1 Silbentraining

Silben bilden die Grundlage für das Lesen- und Schreibenlernen. Das Klatschen der Silben hat unsere Tochter recht schnell verstanden. Schwierig hingegen war das Übertragen des Klatschens auf gezeichnete Silbenbögen. Af-fe. Zwei Mal klatschen. Viiiiele Silbenbögen. Wenn meine kleine Rakete in Fahrt kommt, dann ist kein Halten mehr. Dann werden keine zwei Silbenbögen geschwungen, sondern so viele, wie in das Feld passen – und darüber hinaus. Es wurde doch gerade eine Malaufgabe gestellt, oder etwa nicht?
Um meine Tochter auf Kurs zu halten, musste etwas Handfestes her. Ich habe mir einfach zwei Holzringe aus meinem Bastelfundus geschnappt, mittig durchgesägt, die Enden glatt geschmirgelt und fertig waren vier Silbenbögen zum Anfassen. Außerdem habe ich vier Karten laminiert mit einem, zwei, drei und vier Silbenbögen darauf. Diese liegen oben auf dem Schreibtisch. Ich nehme nun eine Bildkarte und frage meine Tochter, wie das Wort heißt. Dann lasse ich sie die Silben mitklatschen. Schließlich sprechen wir das Wort gemeinsam, Silbe für Silbe, und legen dabei je Silbe einen Silbenbogen raus. Am Ende muss sie die Bildkarte der richtigen Silbenbogenkarte zuordnen. Seitdem das Zählen klappt, nennt sie mir zusätzlich die Anzahl der Silben.

Silbentraining mit "Niko" Bildkarten
Vo-gel. Silbentraining mit „Niko“ Bildkarten

#2 Buchstaben und Anlaute erkennen

Ein großes (und bei uns langwieriges) Thema ist das Erlernen der Buchstaben, das wir direkt mit dem Trainieren der Anlaute verbinden. Unser wichtigstes Instrument ist dabei die Lauttabelle, mit der die Kinder auch in der Schule arbeiten. Ganz aktuell habe ich entdeckt, dass es auch eine Lauttabelle mit Lautgebärden gibt, die werden wir jetzt nach Rücksprache mit unserer Logopädin versuchsweise hinzuziehen (Erfahrungswerte folgen). Bisher arbeiten wir so, dass ich nach einem bestimmten Buchstaben frage und mir diesen in der Lauttabelle zeigen lasse. „Wo ist das M?“ Darauf sagt sie: „M, Mond“ und zeigt mir den richtigen Buchstaben. Bisher klappt das Buchstabenerkennen nur über das zugehörige Bild, das sie gut verinnerlicht hat. Für einige, nicht für alle Buchstaben. Wir werden uns daher wohl noch einige Zeit mit der Lauttabelle beschäftigen.

Um im wahrsten Sinne des Wortes ein Gefühl für die Buchstaben zu bekommen, lasse ich meine Tochter die abgefragten Buchstaben auch schreiben. Hierzu verwende ich die Niko-Buchstabenformen, die meine Tochter zunächst nur nachspurt (freies Schreiben ist das nächste Level). Die Nikogroßbuchstabenform und -kleinbuchstabenformen ausmalen findet ihr unten auf der Seite unter Downloads (ich habe je 16 Seiten pro Blatt ausgedruckt). Die allgemeine Empfehlung lautet ja, Buchstaben auf unterschiedliche Weise zu begreifen (wörtlich zu nehmen), z.B. Buchstaben ausschneiden, mit einen Wollfaden auf Klebeband legen oder mit dem Finger in Sand schreiben. Ich muss gestehen, dass mir so etwas in unserer kurzen Nachmittagszeit zu aufwändig ist (abgesehen vom Buchstaben-in-Sand-Schreiben, was wir beim Spielplatzbesuch manchmal einfließen lassen). Zum Glück macht die Sonderpädagogin der Schule in den wöchentlichen Förderstunden solche Übungen.

Buchstaben mit der Lauttabelle lernen
Buchstaben mit der Lauttabelle lernen

Damit es nicht zu langweilig wird, gehen wir von der Lauttabelle direkt zum Anlauttraining über. Dabei kommen die Bildkarten ins Spiel sowie die passenden Buchstabenkarten zur Niko-Lauttabelle (ich habe immer 9 auf einer Seite ausgedruckt, einlaminiert und mit dem Trimmer ausgeschnitten). Ich suche mir zwei oder drei Buchstabenkarten heraus und lege sie oben auf dem Tisch aus. Dann lege ich mehrere Bildkarten auf den Tisch, die alle mit einem der ausgelegten Buchstaben beginnen. Meine Tochter muss nun die Bilder benennen und zum passenden Anfangsbuchstaben schieben. Oft machen wir zwei, drei Runden hintereinander mit den gleichen Buchstaben und Bildern, denn Wiederholung festigt.

Anlaute hören: A, M und L
Anlaute hören: A, M und L (mit den Bildkarten von Frau Locke)

Ein flottes Anlauttraining für Zwischendurch ermöglichen die „Was passt nicht?“-Karten von Frau Locke. Je Zeile sind Bilder von Gegenständen mit dem gleichen Anlaut abgebildet. Ein Begriff beginnt mit einem anderen Buchstaben, und dieses Bild muss durchgestrichen werden. Fehlersuche bereitet meiner Tochter diebische Freude (den eingebauten „Klugscheißermodus“ haben doch alle Kinder irgendwie).

Finde den Fehler! Welcher Anlaut passt nicht in die Reihe?
Finde den Fehler! Welcher Anlaut passt nicht in die Reihe?

#3 Erste Silben lesen lernen

Leserutschen zum Silbenlernen (an unserer Magnetwand mit Montessori-Kalender)
Leserutschen zum Silbenlernen (an unserer Magnetwand mit Montessori-Kalender)
Weil die Buchstaben bei meiner Erstklässlerin noch nicht richtig sitzen, tut sie sich logischerweise mit dem Lesen von Silben noch schwer. Trotzdem binde ich die Leserutsche immer mal mit ein. Oben auf der Rutsche sitzt das L, unten wartet das e. Das L rutscht runter (*Llllll*) und trifft auf das e (*Llllll-e*). Meine Tochter macht das gerne nach. Auch wenn jetzt bei ihr der Groschen noch nicht recht fallen will, irgendwann tut er es. Geduld ist wie immer der Schlüssel.

Ikea-Hack
Ich habe hier übrigens auf unseren Schrank vom Möbelschweden geklebt und die einlaminierten Karten mit ausgestattet. Die Leserutschen funktionieren natürlich auch auf dem Tisch liegend, aber so macht es einfach mehr Spaß.

Da das Thema Silben uns noch länger beschäftigen wird, habe ich mich nach zusätzlichem Fördermaterial umgesehen, das Abwechslung und Spaß verspricht. Ein Fund sind diese süßen Monster, deren Namen man herausfinden muss. Man zieht zwei Silbenkarten, legt sie auf die Felder unter das Monster und liest gemeinsam den Phantasienamen ab. Bei monstermäßigen Monsterfans wie meiner Tochter funktioniert das gut.

Silbenübung: Monsternamen aus 2 zufälligen Silben bilden
Silbenübung: Monsternamen aus 2 zufälligen Silben bilden
Tipp am Rande,
wenn ihr auch Monsterfreunde seid: Das witzige (ab 5 Jahre) trainiert Beobachtungsgabe und Konzentration.

Außerirdische gehen fast als Monster durch, daher habe ich zusätzlich noch das Betzold Silben-Ufo günstig auf Kleinanzeigen geschossen und nach den Wünschen meiner Tochter angemalt. Aus seiner Untertasse sendet der Außerirdische zwei- bis dreisilbige Botschaften in seiner Sprache, die wir entziffern müssen. Sobald der Besucher aus der fremden Galaxy unsere Sprache gelernt hat, entstehen auch sinnvolle Wörter. Bei meinem Kleinanzeigen-Kauf waren die im Lieferumfang enthaltenen Silbenstreifen nicht dabei, ich hätte sie jedoch eh ausgetauscht bzw. um eigene erweitert. Bei meinen Silbenstreifen habe ich mich wieder an den ersten Silben des in unserer Schule eingesetzten Niko-Lehrwerks orientiert.

Lustiges Silbenlesen mit dem Betzold Silben-Ufo
Lustiges Silbenlesen mit dem Betzold Silben-Ufo

Bis zum Silbendomino, das als kostenloser Download beim Klett-Verlag zur Verfügung steht, ist es vielleicht noch etwas hin. Wenn es soweit ist, werde ich mit einem einfachen Modus beginnen: Neben der Startkarte mit z.B. dem Buchstaben O würde ich zwei weitere Dominokarten „ma“ und beispielsweise „se“ auslegen. Das entspricht den Übungen im Lehrwerk, bei denen die zusammengehörigen Silben mit einer Linie verbunden werden sollen. Die Kartenlösung ist noch etwas „greifbarer“, weil das Kind die Karten zusammenschieben und so das entstehende Wort direkt ablesen kann. Soweit die Theorie, mal sehen, was irgendwann die Praxis bringt.

#4 Schreibübungen

Wie beim Down-Syndrom typisch, hakt es bei meiner Tochter an der Feinmotorik. Um die zu trainieren, machen wir immer mal wieder Schwungübungen, beispielsweise in diesem Vorschulblock*. Allzu lange kann ich sie dafür leider nicht mehr begeistern. Sie möchte Worte und Sätze schreiben. Schon vor Schuleintritt brachte sie regelmäßig Hieroglyphen aufs Papier und las mir vor, was sie dort geschrieben hatte. Wunsch und Können klaffen beim Thema „Schreiben“ leider immens auseinander. Manchmal kann ich ihr den schmackhaft machen. Die eingestanzten Buchstaben helfen beim „in der Spur bleiben“. Wenn ich sie allerdings zu lange mit dem repetitiven Schreiben desselben Buchstabens quäle, wirft sie die Brocken hin (im wahrsten Sinne des Wortes). Daher habe ich mir eine Methode überlegt, die ihren Schreibwunsch in sinnvolle Bahnen lenkt. Oder besser: Linien.

Schreiblernübung: Wörter nachspuren
Schreiblernübung: Wörter nachspuren

Ich habe mir die bunten Zeilenhäuser von Frau Locke geschnappt, die Zeilen etwas verlängert und mit gepunkteter Schrift Worte in die Linien geschrieben. Die Wortkarten habe ich ausgedruckt und einlaminiert. Mein schreibambitioniertes Mädchen darf nun Wörter auswählen und diese mit einem abwischbaren Stift auf der Karte nachschreiben. Auf jedes geschriebene Wort ist sie stolz wie Bolle! Und wenn die Wörter am Ende einen Minisatz ergeben, umso mehr.

Download meiner Wortkarten
Mit freundlicher Genehmigung von Frau Locke, der Erstellerin der chicen, farbigen Zeilenhäuser, darf ich meine Wortkarten hier zum kostenlosen Download anbieten.

#5 Anton-App

Unsere Schule arbeitet mit der Anton-App, die beide Töchter gerne nutzen. Einige Übungen klappen auch bei meiner Erstklässlerin super, andere Aufgabenstellungen sind zu komplex, die überspringe ich einfach. Ich bediene mich sowohl bei den Übungen für die 1. Klasse als auch bei den Vorschul-Aufgaben. Grundsätzlich gefällt es meiner Jüngsten, wenn sie wie ihre große Schwester am Tablet arbeiten darf. Natürlich springt sie auch sehr auf das Belohnungssystem an: Grüne Markierung der korrekten Antworten, Sternesystem am Ende eines Übungsblocks (sie ist so stolz, wenn sie drei volle Sterne plus Krone erreicht!) und Münzen für fleißiges Üben. Sobald ich merke, dass sie nur noch wahllos irgendwelche Antworten anklickt, beende ich die Anton-Session sanft.

Lerngrundsätze

Ganz wichtig ist für mich, die Eigenmotivation meiner Jüngsten zu nutzen und sie selbst entscheiden zu lassen, was sie heute gerne üben möchte. Auf diese Weise ist bei uns der Lernerfolg am größten. Im Hintergrund steuere ich das schon ein wenig. Wenn ich beispielsweise Zahlen mit ihr üben möchte, hole ich nur die Mathe-Materialien raus und lasse sie aus dem Fundus eine konkrete Übung auswählen.

Ebenso wichtig finde ich es, eine gute Balance zwischen regelmäßigem Lernen und Freizeit zu halten. Nach der Schule und Nachmittagsbetreuung haben wir aktuell noch zwei fixe Termine: Reittherapie und Logopädie. An diesen beiden Tagen üben wir nicht mehr zu Hause. Zu den Fixterminen kommen noch viele weitere, unregelmäßige Termine (HNO, Pädaudiologie, Hörakkustiker, Sehschule, Optiker), nicht zu vergessen die ganz normalen Termine wie Frisör, Zahnarzt & Co. Außerdem gibt es ja auch noch Freizeittermine (Freunde treffen, Spielplatzbesuche, Ausflüge), und manchmal möchte ein Kind ja auch einfach nur in seinem Zimmer spielen. Von daher muss ich ganz realistisch sagen, dass wir oft nur zwei Mal wöchentlich so wirklich zum Lernen kommen, eher selten schaffen wir es auf drei bis vier Übungseinheiten pro Woche.

Falls mich mal wieder das schlechte Gewissen plagt, meine Tochter nicht genug zu fördern, so rufe ich mir ins Gedächtnis, dass Lernen schließlich auch nebenbei im Alltag stattfindet. Wir zählen beim Einkaufen die Saftpackungen. Im Fahrstuhl will die richtige Zahlentaste gedrückt werden. Ich spreche meiner Tochter beim Einkaufen Worte inklusive Lautgebärden vor, die sie versucht, deutlich nachzusprechen. Ich bitte sie, mir einen bestimmten Buchstaben auf einem Schild zu zeigen. Sie erkennt immer besser unsere Namen und ordnet die Post aus dem Briefkasten den richtigen Empfängern zu. Im Prinzip muss man sich im Alltag einfach nur etwas mehr Zeit für das Alltägliche nehmen und kreiert genau damit ganz viele Lernsituationen, ohne dass das Kind merkt, dass es gerade lernt.

Wenn ihr noch weiteres Fördermaterial für den 1. Klasse Deutschunterricht empfehlen könnt, scheibt mir eure Tipps gerne in die Kommentare!

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