19 Motivationshilfen für das Wandern mit kleinen Kindern

19 Motivationshilfen für das Wandern mit kleinen Kindern

Wir haben Glück: Unsere Große wandert gerne. Noch jedenfalls, man weiß ja nie, was noch so kommt. Die Kleine ließ sich bislang auch immer ohne zu Murren in der Kraxe durch die Gegend schleppen. Mal sehen, wie das in Zukunft aussieht, nun da sie selbst läuft (bzw. tapst). Doch trotz aller Wanderbegeisterung unserer Großen kennen auch wir Quengeleien, und daher auch einige Tricks, wie man das quengelnde Kind ablenkt oder neu motiviert. Die meisten Tipps funktionieren übrigens nicht nur beim Wandern, sondern auch bei Städtetouren oder einfachen Spaziergängen.

Warum quengelt mein Kind?

Die Frage ist essentiell. Denn wenn ich weiß, was genau mein Kind gerade stört, kann ich das beste Mittel dagegen auswählen. Hat es Hunger oder Durst, packe ich einen Snack oder die Wasserflasche aus. Ist meiner Tochter kalt, bekommt sie ihre Matschhose und/oder Regenjacke übergezogen. Ist sie k.o., legen wir eine Pause ein oder tragen sie ein Stück. Soweit alles recht einfach und selbstverständlich. Bei uns ist der häufigste Quengelgrund allerdings Langeweile. Während unsere Große bei „echten“ Wanderungen wie ein junger Steinbock über Felsblöcke klettert, jammert sie auf den einfachsten Forstwegen herum. Klar, ich finde Forstwege auch unspannend. Von daher versuchen wir, bereits bei unseren Planungen Wanderungen ausfindig zu machen, die (für Kinder) spannend und abwechslungsreich sind. Doch selbst die interessantesten Wanderungen beinhalten mal eine „Durststrecke“, die es zu überwinden gilt.

Lotta hat gerade keinen Bock

Lotta hat gerade keinen Bock

Planung von „interessanten“ Wanderungen

Was genau findet mein Kind spannend? Ihr kennt eure Kinder am besten, von daher zähle ich einfach auf, was bei uns funktioniert und angesagt ist. Ihr müsst das dann gegebenenfalls auf eure Kids anpassen.

Wie schon gesagt, schlagen alpine Wanderwege bei uns die Forstwege um Längen. Lotta nimmt selten den einfachen Weg. Liegen Steinblöcke auf dem Weg, klettert sie hinüber, anstatt nebenher zu gehen. Wenn wir in den Bergen wandern gehen, erkundigen wir uns daher nach kurzen Wanderungen mit alpinem Charakter, gerne mit einem Ziel wie einer Alm oder einem schönen Gipfel/Aussichtspunkt. Übermäßige Höhenmeter versuchen wir allerdings zu vermeiden, da befürchte ich, dass unserer Flachland-Tochter dann doch zu schnell die Puste und Lust ausgehen würde.

Aus diesem Grunde hat sich bei uns das Wandern entlang der Küste bewährt. Die Wege sind felsig, die Höhenmeter überschaubar, es gibt immer herrliche Ausblicke auf das Meer und die Brandung, zudem bieten Buchten, Strände oder Kaps herrliche Pausenplätze. Die Kinder können im Sand buddeln, Muscheln suchen, die Füße ins Wasser halten oder einfach neugierig die Umgebung inspizieren. Beim Wandern an der Küste finden sich häufig schöne Etappenziele wie Häfen, Leuchttürme, Burgen oder Ruinen. Unsere (mit Kids getesteten) Favoriten sind bislang die Bretagne und die nordspanische Küste, ich kann mir aber auch Irland und Wales wunderbar vorstellen, die beide noch auf meiner Wunschliste stehen.

Küstenwandern in der Bretagne

So schöne Pausenplätze bringt das Wandern entlang der Küste mit sich.

Hüpft doch gerne auch zu meinem Beitrag Tipps zum Wandern mit Kleinkindern rüber. Dort habe ich verschiedene Tipps zum Beispiel zum Equipment oder der möglichen Streckenlängen zusammen gestellt.

Stimmungsaufheller für gelangweilte Nachwuchswanderer

Jetzt aber endlich zu den Tipps gegen Durststrecken. Selbst die spannendste Wanderung beinhaltet mal eine Passage über eine asphaltierte Straße, ein Wegstück mit starkem Gegenwind oder eine gefühlt ewig lange Zielgerade. Hier kommt nun mein persönlicher Griff in die Trickkiste, um auch diese Wegabschnitte zu meistern.

#1 Sammeln

Kinder sind Jäger und Sammler. Lotta sammelt unterwegs immer gerne Steine und ist damit super beschäftigt und glücklich. Nachteil: Man schleppt am Ende zusätzliche Kilos in Form von Steinen mit sich herum. Ich ziehe daher immer eine kleine Steinspur hinter mir her, möglichst diskret natürlich, damit das Kind nichts merkt. Einige Steine drücke ich auch Leni in die Hand, damit sie in der Kraxe ebenfalls eingebunden ist.

#2 Suchen und zählen

Kleinkinder, die zählen lernen, sind alle irgendwie kleine Graf Zahls. Und zum Zählen findet sich beim Wandern immer etwas: Wegmarkierungen (Punkte, Striche, Flaggen), bestimmte Bäume oder Pflanzen, Pausenbänke, entgegen kommende Leute…

Wir zählen Österreich-Flaggen, die unseren Weg markieren.

Wir zählen Österreich-Flaggen, die unseren Weg markieren.

#3 Beeren pflücken

Diese Kinderbeschäftigung ist noch dazu lecker. Am Wegrand, zum Beispiel von langweiligen Forstwegen, findet man manchmal Walderdbeeren, Himbeeren oder Brombeeren. Wer findet den nächsten Strauch? Unsere Tochter ist immer eifrig bei der Suche. Beim Mampfen natürlich auch, was mich wiederum freut, denn Vitamine nimmt sie selten so freiwillig zu sich wie in diesem Fall.

#4 Balancieren

Welches Kind balanciert nicht gerne? Ist das einfache Geradeausgehen zu langweilig, sind kleine Mauern, Randsteine, Linien (Wegbegrenzungen) oder herumliegende Baumstämme rettende Helfer.

Balancieren kommt immer gut an!

Balancieren kommt immer gut an!

#5 Hüpfen und Springen

Unterschiedliche Pflasterfarben, kleine Schlaglöcher oder auch kleinere Steine – über Hindernisse hüpft unsere Große gerne drüber. Manchmal spinne ich noch eine kleine Story drumherum: Ein Schlagloch ist ein Sumpf, in dem man versinken würde, wenn man hinein fällt. Lotta hat reichlich Phantasie und spielt sofort und gerne mit: Achtung, Mama, da vorne ist wieder ein Sumpf!

#6 Das Gehen auflockern

Es gibt verschiedene Arten, das reine Gehen lustiger zu gestalten. Die Kids können in die Fußstapfen der Eltern treten (in dem Fall wörtlich zu nehmen). Alle können im Gleichschritt laufen (die Großen müssen natürlich Tippelschritte machen oder die Kids Elefantenschritte). Die ganze Familie kann beim Gehen eine lange Kette bilden, sich also an den Händen fassen. Auch eine Polonaise sorgt auf ein paar Metern für Spaß. Eine andere Variante ist das Verfolgen: Das Kind läuft vor, natürlich nicht einfach geradeaus, sondern in Schlangenlinien und auch mal einen Kreis, und ein Elternteil muss diesem Weg folgen. Später wird gewechselt. Auch Leni amüsiert sich bei diesen Spielchen oben in ihrer Kraxe, auch wenn ich nicht wissen möchte, was sie wohl so über uns denkt ;-)

#7 Wanderstöcke verwenden

Kinder wollen gerne wie die Großen sein. Lotta liebt es, mit meinen Wanderstöcken zu gehen. Ich schiebe die Stöcke dazu fast ganz zusammen, so dass die Länge für meine Tochter passend ist. Und weiter geht’s, und zwar profihaft.

Lotta mit Wanderstöcken

Im Gelände bekommt Lotta nur einen Stock, aus Sicherheitsgründen, auf Forstwegen darf sie auch beide haben.

#8 Abdrücke machen

Auf trockenen Wegen, die mit Pfützen gespickt sind, kann man herrlich Abdrücke machen. Man nehme dazu einen Stock oder auch den Wanderstock, tunke ihn in die nächste Pfütze und stempelt Punkte auf den Weg. Natürlich kann man auch einfach mit den Füßen hinein stiefeln und Fußspuren auf dem Weg hinterlassen. Bei der Advanced-Variante kreiert man lustige Spuren, zum Beispiel mit überkreuzten Beinen, so dass der linke Fuß rechts und der rechte links ist. Oder man hinkelt zwischen drin, so dass man zwei rechte und einen linken Fußabdruck hinterlässt. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

#9 Spuren legen

Angelehnt an Hänsel und Gretel kann man mit den Kindern zusammen Spuren legen, um den Weg im Notfall wieder zurück zu finden. Man kann Steinmännchen bauen, Symbole oder Pfeile in den Waldboden ritzen oder welche aus Steinen legen.

#10 Wettrennen

Lotta ist immer für einen kleinen Wettkampf zu haben. Wer als erster bei der nächsten Laterne ist! Wer zuerst Papa eingeholt hat! Wer kommt in meine Arme? Das funktioniert natürlich nur, wenn das Kind wirklich aus Langeweile quengelt, nicht wenn es erschöpft ist.

Wer kommt in meine Arme?

Wer kommt in meine Arme?

#11 Weitwerfen/Zielwerfen

Ein nettes Spielchen, das fast überall funktioniert, ist Weitwerfen bzw. Zielwerfen. Wurfgegenstände lassen sich beim Wandern leicht finden: Steine, Tannenzapfen, Eicheln, Kastanien. Wir werfen zum Beispiel Steine ins Wasser, das platscht so schön. Mit Tannenzapfen, Eicheln oder Kastanien versuchen wir, einen bestimmten Baumstamm zu treffen. Ganz wichtig: Immer nur dorthin werfen, wo nicht versehentlich Menschen oder Tiere getroffen werden können.
Bei Wurfspielchen kann das Geschwisterchen in der Kraxe auch wieder super eingebunden werden. Leni wirft gerne Dinge durch die Gegend und bejubelt sich selbst dafür.

#12 Natur bestaunen

Bei uns klappt es ganz gut, Lotta für die Natur zu begeistern. Vielfach entdeckt sie selbst Dinge, die sie spannend findet. Schöne Blumen, knorrige Bäume, Schmetterlinge, Raupen, eine Ameisenstraße, skurrile Felsformationen, weiße Gischt. Ansonsten machen wir sie auf diese Dinge aufmerksam. Wir zeigen ihr eine Pflanze, verraten ihr, wie sie heißt und wofür man sie verwenden kann. Wir machen auf Grashalmen Musik, wir bewerfen Papa heimlich mit Kletten, wir springen gemeinsam in Pfützen, wir demonstrieren, wie Bimssteine schwimmen, wir malen mit (Kreide-)Steinen.

Sieh mal, Mama, eine Raupe!

Sieh mal, Mama, eine Raupe!

#13 Sehenswürdigkeiten & Erklärtafeln

Kommen wir unterwegs an interessanten Bauwerken, historischen Stätten oder kulturellen Highlights vorbei, zeigen wir sie unseren Kindern. Ich habe das Glück, dass mein Mann für sein Leben gerne alle Erkärtafeln durchliest (manchmal ist es auch ein Fluch). Anschließend schaltet er in den Erklärbar-Modus und erzählt Lotta (und mir) in kindgerechter Art und Weise, was es mit dieser Sehenswürdigkeit auf sich hat. Mit dieser Masche hat er mich schon immer gekriegt, und Lotta springt genauso darauf an.

Planetenlehrpfad in Terfens, Tirol, Österreich

Das Thema war zwar noch sehr abstrakt, trotzdem hat Lotta begeistert den nächsten Planeten auf dem Planeten-Lehrpfad gesucht.

#14 Ich sehe was, was du nicht siehst

Das Spielchen ist und bleibt ein Klassiker. Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist rot. Nun können alle mitraten. Ich finde allerdings, dass sich dieses Spielchen schneller abnutzt als so manch andere Ablenkungsmaßnahme. Wir setzen es daher eher selten ein, meist gar nicht beim Wandern, sondern lieber beim Autofahren.

#15 Rate, was ich in meiner Hand habe

Ratespiele findet Lotta gerade großartig. Bei kleinen Kinderhänden sind die Möglichkeiten natürlich beschränkt, für ein Weilchen taugt das Spiel aber dennoch. Steine, Muscheln, Eicheln, Blätter, Blumen, Zapfen, Verpackung vom Snack, Mütze, Sonnenbrille – was zu groß für eine Kinderhand ist, kann ja auch hinter dem Rücken gehalten werden.

#16 Papa erschrecken

Kinder sind naturgemäß für jede Art von kleinen Ärgereien zu haben. Pssst, mache ich, nehme Lotta bei der Hand und verstecke mich mit ihr hinter einem Baum nach der nächsten Kurve. Dort warten wir auf Papa und Leni, springen heraus und überfallen die beiden mit einem lauten „Buh!“ Natürlich muss Papa sich immer brav und ordentlich erschrecken, daher zieht dieses Spielchen auch nur bei entsprechend kleinen Kindern. Auch aus der Kraxenposition heraus ist dieses Spielchen unterhaltsam, Leni freut sich jedenfalls immer einen Keks dabei.

#17 Das Tiere-Spiel

Bei Kindern, die schon lesen können, kommt das Tiere-Spiel gut an. Einer sucht einen Buchstaben aus, anschließend müssen alle Mitspieler der Reihe nach ein Tier mit diesem Buchstaben benennen. Wem keines mehr einfällt, der erhält einen Minuspunkt. Dieses Spielchen hat uns Erwachsene damals auch durch die Lavawüste in Island gebracht ;-)

#18 Lieder singen

Es muss nicht zwingend „Das Wandern ist des Müllers Lust“ sein. Singen macht aber den meisten Kleinen Spaß. Ich fange einfach an, ein Lied aus der Kita oder von unseren CDs zu trällern, und Lotta stimmt meist von alleine ein. Leni, die noch kaum spricht, dirigiert den Takt dazu.

#19 Phantasiegeschichten

Quatsch erzählen, Geschichten erfinden – das kann ich gut! Allerdings nicht auf Knopfdruck. Wenn ich einen Lauf habe, fange ich an, eine Geschichte zu spinnen und Lotta damit in den Bann zu ziehen. Finden wir einen merkwürdigen Abdruck auf dem Weg, rätsele ich, ob es sich um eine Bärenpfote handeln könnte. Hast du gerade auch das Brummen gehört? Kam es nicht von da vorne, aus dem Dickicht der Fichten? Auch geheimnisvolle Schätze eignen sich für Räubergeschichten. Oder vielleicht wohnt in diesem verlassenen Blockhaus im Wald eine Hexe?
Manchmal sind meine Geschichten auch situationsbezogen. Auf dem Foto ganz oben war Lotta mies drauf, weil sie zwei Mal auf nassen Wurzeln ausgerutscht ist. Ich habe ihr dann erzählt, dass nasse Wurzeln und Steine sich einen Spaß daraus machen, uns zum Stolpern zu bringen. Aber wir werden uns von den bösen Steinen und Wurzeln ja wohl nicht unterkriegen lassen. Ha, du Wurzel, mich hast du nicht umgeworfen! Lotta war ganz schnell an Bord, hat ab da bei Wurzeln und Steinen besonders aufgepasst und unsere bösen Gegner immer wieder wissen lassen, dass sie die Competition nicht gewinnen, sondern wir!

Bergwandern mit Kleinkind in Tirol

Wir gegen die rutschigen Steine – wir haben gewonnen!

Welche Ablenkungsmanöver gefallen euch am besten? Welche klappen bei eurem Nachwuchs nicht? Kennt ihr vielleicht noch weitere? Immer her damit!

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