Fußball mit der Schiffscrew

Floreana/Galápagos: Fußball mit der Schiffscrew

„You play football? You can play with us on Floreana.“ Da ließ ich mich nicht zwei Mal bitten! Jeden Donnerstag treffen sich die Crews der bei der Insel Floreana ankernden Galápagos-Boote zum gemeinsamen Kicken. Während die Touristen an Bord mit Mittagessen verköstigt werden, verbringen die Crew-Mitglieder ihre Mittagspause mit Fußball spielen.

Floreana: Ein bisschen Inselkunde

Floreana (auch Santa María oder Charles) ist mit 173 km² eine der kleineren Galápagos-Inseln, gehört dank ihrer beiden Süßwasserquellen aber zu den vier bewohnten Inseln des Archipels. In der einzigen Siedlung, Puerto Velasco Ibarra, leben ca. 100 Menschen. Die Landschaft ist abwechslungsreich: Weiße Strände, schwarze Lavafelsen, Lagunen inmitten von grünen Bodendeckern und Sträuchern bis hin zu üppiger Regenwald-Vegetation an den nebelfeuchten Berghängen im Inselinneren.

Fußball am Ende der Welt

Da mein erster Auslandseinsatz im deutschen Trikot doch sehr unverhofft kam, musste ich kleidungstechnisch improvisieren. Ich schlüpfte in Jans Badeshorts und lieh mir sein Deutschland-Trikot (Marke: billiges Werbegeschenk) aus. Los ging`s! Mit dem Dinghy-Boot schipperte Carlos die Schiffscrew, Jan und mich zur Insel. Der Fußballplatz lag nur ein paar Meter von der Küste entfernt, ein Sandplatz eingerahmt von grünen Sträuchern.

Fußballplatz auf Floreana

Fußballplatz auf Floreana: Der sandige Untergrund geht so richtig in die Waden!

Es war viertel vor zwölf. Die Sonne brannte und die Mittagshitze hing wie eine Glocke über dem Sandfeld. Ach ja, wir befanden uns ja auch direkt am Äquator! Ausgerechnet hier zur Mittagszeit Fußball zu spielen, war natürlich Wahnsinn pur.

Catamaran Galápagos Vision

Auf der „Galápagos Vision“ wohnen 10 Passagiere und 6 Crew-Mitglieder.

Für die Schiffscrews ist es jedoch die einzige Möglichkeit, ihrem Hobby nachzugehen. Die Männer arbeiten und leben teils mehrere Wochen am Stück auf den Kreuzfahrtschiffen, und das auf engstem Raum. Auf den kleinen Booten gibt es nicht mal eigene Kajütten für die Crew, so dass die Männer schichtweise auf der Sitzgruppe im Gemeinschaftsbereich schlafen. Die wenige Freizeit vertreiben sich die Crew-Mitglieder mit Kartenspielen, Zeitung lesen und dem Handy – und ein Mal in der Woche eben mit Fußball spielen.

Erinnerungen an die WM 2006

Wir wurden bereits von einer anderen Schiffscrew erwartet, die mich als Gastspielerin neugierig beäugte. „Normalerweise bin ich der Einzige hier im Deutschland-Dress“, schmunzelte ein Ecuadorianer, der im originalen Deutschland-Trikot daherkam. Mich überraschte beides, sein Outfit und sein flüssiges Deutsch. 2006 hatte er die ecuadorianische Nationalmannschaft während der WM nach Deutschland begleitet, erklärte er mir stolz. „Das letzte Gruppenspiel gegen Deutschland haben wir natürlich verloren, aber unsere Spiele gegen Polen und Costa Rica haben wir verdient gewonnen.“ Erstmals in ihrer Geschichte war die Mannschaft Ecuadors damit in die K.O.-Runde eingezogen, wo sie sich im Achtelfinale den Engländern knapp mit 0:1 geschlagen geben musste. Ein riesiger Erfolg für die Mannschaft aus Ecuador, den ich ohne diese Begegnung überhaupt nicht mehr auf dem Schirm gehabt hätte.

Anpfiff: Los geht`s!

Genug gequatscht, die Mittagspause war schließlich begrenzt. Die erste Partie wurde angestoßen. Nach wenigen Minuten war ich nass geschwitzt: Die Mittagshitze unterm Äquator, Laufen auf Sand und die fußballerisch echt fitten Ecuadorianer setzten mir doch ordentlich zu. Die erste Chance auf unserer Seite hatte der quirlige Djego, der passend zu seinem Namen im Argentinien-Trikot auflief. Sein wuchtiger Kopfball wurde jedoch von dem WM2006-Herren bravourös pariert.

Kopfball von Djego

Schöner Kopfball, gut gehalten: Schöne Szene von beiden Seiten.


Kurz darauf rappelte es dann zum ersten Mal, wir hatten einen Gegentreffer kassiert. Grummelnd verließen meine Mitspieler das Feld. Meine Verwunderung löste sich bald auf, als man mir erklärte, dass immer dann, wenn ein Tor fällt, die Verlierer-Mannschaft das Feld für das nächste Team räumen muss. Gut, ich pfiff ohnehin schon auf dem letzten Loch, eine Pause kam mir gerade recht.

Laufduell mit Lola

Laufduell mit Lola: Hier behalte ich die Oberhand.

Allzu lange währte die Pause nicht. Nach und nach waren weitere Crews eingetrudelt, darunter befand sich zu meiner Überraschung auch eine Frau. In Lola hatte ich allerdings eine äußerst hartnäckige Gegenspielerin bekommen.

Deutsche Torhüter

In einem der nächsten Spiele beorderte mich meine Mannschaft ins Tor. Nicht meine Lieblingsposition, aber jeder musste halt mal in den Kasten. Die Männer waren zum Glück gnädig: Sie zogen niemals voll ab, sondern suchten immer spielerisch den Weg zum Tor. Das wurde ihnen allerdings zum Verhängnis, denn ich hielt einfach alles. „Deutsche Torhüter waren schon immer gut“, lobte mich meine Mannschaft lachend. Dieses Spiel war übrigens das einzige, bei dem wir die vollen 10 Minuten auf dem Platz standen. Blieb eine Partie nämlich 10 Minuten lang torlos, wurden beide Mannschaften ausgewechelt.

Nicole hält

Mein Verteidiger Milton lag geschlagen am Boden, zwei Spieler liefen frei auf mich zu, aber ich hielt! Deutsche Torhüter 🙂

Zum Abschluss noch ein Teamfoto

Nach guten zwei Stunden waren alle Spieler k.o. und ausgepowert. Wir flüchteten uns unter die schattigen Büsche, wo meine Mitspieler noch ein Mannschaftsfoto forderten. Gerne doch.

Teamfoto

Teamfoto (v.r.): Milton, Djego, Nicole, (andere Crew), Renato, Capitano, Pablo, (WM2006-Herr)

Anschließend mussten wir flott zurück zum Schiff, die anderen Gäste warteten schon darauf, dass das nachmittägliche Ausflugsprogramm startete. Abends haben wir uns gemeinsam mit der Crew die Fußball-Fotos angeschaut, was nochmal für eine Menge Spaß gesorgt hat. Ein rundum tolles und einmaliges Erlebnis!

@Galápagos Vision Crew: Gracias por dejarme jugar contigo!!

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