Ostwestfalen-Lippe: Generalprobe vor der großen Tour

Ostwestfalen-Lippe: Generalprobe vor der großen Tour

Nichtmal eine Woche ist es mehr hin, bis wir unsere Camper-Tour nach Frankreich und Nordspanien starten wollen. Höchste Zeit also für eine Generalprobe! Am vorletzten Wochenende sind wir daher nochmals auf einen Kurztrip gegangen. Und wie es sich für eine Generalprobe gehört, sind einige Dinge mächtig in die Hose gegangen… Immerhin lassen sich daraus wertvolle Tipps fürs nächste Mal ableiten!

Kein Interesse an meinen Erfahrungen zum Reisen mit Baby? Dann geht’s hier direkt zum Sightseeing in Ostwestfalen-Lippe.

Wie man sich einen gemütlichen Campingplatz ergoogelt…

Da wir nur das reine Wochenende zur Verfügung hatten, suchten wir uns ein Ziel ganz in der Nähe aus: Die Externsteine. Was hat mich darauf gebracht? Unser Mineralwasser! Mich hatte das kleine Bildchen auf der Flasche „Externstein Quelle“ angelacht. Ich suchte also einen netten Campingplatz in der Nähe der Externsteine heraus. Wie? Ich rufe dazu immer simpel und einfach Google Maps auf und gebe als Suchbegriff „Campingplatz in der Nähe von xxx“ ein, in diesem Fall eben Externsteine. Von den angezeigten Campingplätzen schaue ich mir die Webseiten und, sofern vorhanden, Bewertungen der Plätze an, die am nächsten beim anvisierten Ziel bzw. zwischen unserem Wohnort und dem Wunschziel liegen. Bisher hatte ich immer ein glückliches Händchen mit dieser Methode, so auch dieses Mal.
Der Campingplatz am Furlbach nahe dem Örtchen mit dem klingenden Namen Schloss Holte-Stukenbrock hat alles, was man für einen kurzen oder auch längeren Aufenthalt benötigt: Er ist schön grün, hat große Stellplätze mit eigenem Wasseranschluss, saubere Sanitäranlagen (sogar mit Baby-Badewanne!), gleich zwei Spielplätze für die Kleinen, einen Shop mit Brötchen-Service, sehr freundliche Betreiber und diverse Ausflugsmöglichkeiten in der Umgebung. Uneingeschränkte Weiterempfehlung von meiner Seite!

Jan und Lotta auf der Nestschaukel

Schaukelspaß: Jan und Lotta auf der Nestschaukel.

Neues Camping-Equipment im Praxistest

Als wir in die Eifel gefahren sind, war unser Camper noch so ziemlich „nackig“. In den letzten Wochen habe ich daher meine Kreditkarte zum Glühen gebracht und unter anderem mit Hilfe der Tipps der drei Familienreiseblogs kidsontheroad, travelfamily und Outdoor-Zwerge unser (Camping-)Equipment aufgestockt.

Die beste Anschaffung war die Babymoov Sitzerhöhung*. Sie ist zwar nicht für den Einsatz beim Camping konzipiert, funktioniert dort aber ganz wunderbar: Lotta sitzt sicher und bequem, während wir sie füttern. Den Sitz können wir entweder simpel und einfach draußen auf den Boden stellen, auf die Rückbank im Nugget oder auf den Boden des Nugget vor der seitlichen Schiebetür. Im letzteren Fall sitze ich zum Füttern draußen auf einem Hocker. Perfekt fürs Camping ist zudem, dass sich der Tisch, die Armstützen und die Rückenlehne abnehmen bzw. zusammen klappen lassen, so dass sich der Sitz sehr kompakt verstauen lässt. Nach nur einem Einsatz-Wochenende bin ich schon ein echter Fan dieses Sitzes!

Faltbuggy

Camper-taugliches Faltmaß

Beim letzten Mal hatten wir noch den sperrigen Sportwagen mit, dieses Mal sind wir mit einem Faltbuggy von Hauck gereist. Das gute Stück lässt sich auf kompakte 26 cm x 30 cm x 108 cm zusammen falten, so dass wir den Buggy tagsüber unter dem Klapptisch und nachts unter dem ausgeklappten Bett verstauen können. Den Buggy haben wir übrigens zu einem fairen Preis gebraucht gekauft – bei H&M im Fahrstuhl. Ja, richtig gelesen! Eine Frau erzählte, dass sie ihren Buggy verkaufen wolle, weil ihre Tochter zu groß dafür geworden sei. Promt meldete ich Interesse an und bekam mitten im H&M eine Vorführung des Funktionsumfangs: Kompaktes Packmaß, Tragegriff, stufenlos verstellbare Rückenlehne, Sonnendach etc. Perfekt!
(Danke an Julia, dass sie ihren Buggy an Lotta weitergegeben hat!)

# Tipp 1
Die Gegenstände, die im Alltag unverzichtbar sind wie Hochstuhl und Kinderwagen, erleichtern auch den Reisealltag. Genauso wichtig ist ein kompaktes Packmaß, daher muss häufig Spezialequipment angeschafft werden. Manches lässt sich auf Flohmärkten, in Second-Hand-Läden oder über Kleinanzeigen gebraucht kaufen – oder im Fahrstuhl 🙂

Das Platzangebot im Camper ist beschränkt

Hochbett mit Fangnetz

Babyknast: Der einzig sichere Ort zum Krabbeln ist das Hochbett mit Fangnetz.

Bei früheren Roadtrips waren Jan und ich per Auto und Zelt unterwegs. Viele unserer Bekannten haben die Vorstellung, dass wir nun im Bus sehr viel mehr Platz haben. Dem ist ganz und gar nicht so! Zum einen sind wir nun zu dritt unterwegs, und die Kleinste unter uns hat das meiste und sperrigste Gepäck. Zum anderen fungierte unser Auto ausschließlich als fahrender Kleiderschrank, gewohnt haben wir im Zelt und gekocht haben wir draußen. Im Nugget spielt sich alles zusammen auf guten 9 m² ab. Das Platzangebot in den Staufächern ist begrenzt, und alles, was nicht in den Fächern untergebracht werden kann, muss ständig hin und her geräumt werden. Inklusive uns dreien. Vor allem bei länger anhaltendem Regen ist der Raum beengend, ganz besonders für ein agiles Kleinkind.

So lange das Wetter mitspielt, erweitern sich die 9 m² zusehends: Wir können draußen sitzen und essen, Lotta kann frei herumkrabbeln und Teile des Equipments können außerhalb des Campers zwischengeparkt werden. Argumente, die selbst einen Nordlandfan wie mich zu einer Reise in den wetterbeständigeren Süden bewegen. Die letzte Bestätigung brachte mir der Brei-Eklat. Ich hielt Lottas Getreidebrei in Händen, den wir wegen Regens drinnen füttern mussten. Jan wollte mir Platz machen und – schwupps – da flog auch schon die Breischüssel in hohem Bogen durch den Bus. Ich war voller Brei, der Bus war voller Brei, Jan war voller Brei und Lotta schrie vor Schreck – ein Traum.

# Tipp 2
Bei Schlechtwetter ist es sinnvoll, einen Campingplatz anzusteuern, der einen Aufenthaltsraum besitzt. Dort kann man dem Nachwuchs Raum zum Spielen, Krabbeln und Toben bieten.

Neben dem ganzen Geteste haben wir natürlich auch etwas unternommen und gesehen:

Paderborn: Historische Stadt in NRW

Altes Rathaus am Marktplatz von Paderborn

Altes Rathaus am Marktplatz von Paderborn

Auf dem Hinweg machten wir einen Zwischenhalt in Paderborn. Bei dem tollen Wetter wollte ich dort gerne ein zweites Frühstück einnehmen, etwas durch die historische Altstadt schlendern und vielleicht noch ein wenig meinem weiblichen Shopping-Bedürfnis nachgeben. Soweit der Plan. Jetzt korrespondieren Babies leider nicht unbedingt mit den Ideen der Erwachsenen. War Lotta bei unserem ersten Probelauf in der Eifel noch total sonnig drauf, so zeigte sie sich dieses Mal von ihrer nöligen Seite. Muss auch mal sein. Gefrühstückt haben Jan und ich nacheinander, während der jeweils andere mit Lotta durch die Gegend eierte. Von Paderborn haben wir – während Lottas kurzem nachmittäglichem Nap – lediglich ein paar historische Gebäude von außen beäugt und sind durch das Paderquellgebiet spaziert; den Dom beispielsweise haben wir gar nicht erreicht. Zum Glück ist Paderborn flott erreicht, so dass wir das Sightseeing einfach irgendwann einmal nachholen können. Dass es sich lohnt, Paderborn zu erkunden, können wir nach unserer Stippvisite bestätigen – immerhin zählt es neben Aachen, Köln, Münster und Soest zu den bedeutendsten historischen Städten in Nordrhein-Westfalen.

# Tipp 3
Das jeweilige Tagesprogramm muss an der Laune und dem Befinden des Kindes ausgerichtet werden, ansonsten wird es für alle Beteiligten einfach nur anstrengend. Im Zweifel muss eine Unternehmung halt verschoben werden.

Unsere neun Wochen Reisezeit erlauben uns zum Glück einiges an Flexibilität.

Einer von drei Programmpunkten hat übrigens noch geklappt: Ich habe (Frust-)geshoppt. Häufig gefällt mir meine Frust-Shopping-Beute am nächsten Tag gar nicht mehr soooo gut, dieses Mal gab es keine Ernüchterung. Nicht unschuldig daran ist der Vaude-Laden, in dem ich für die große Tour zwei chice und funktionale Shirts erworben habe.

# Tipp 4
Man muss auch den doofen (Reise-)Tagen immer etwas Positives abgewinnen!

Und was ist nun mit den Externsteinen…?

Die haben wir nicht gesehen, denn am Sonntag hat es leider geregnet. Da man die Externsteine schlecht mit dem Kinderwagen besteigen kann, wir aber für unsere Babytrage keinen Regenschutz hatten, fiel dieser Ausflug buchstäblich ins Wasser. Um aber wieder das Positive zu sehen: Ohne diesen Reinfall hätten wir auf unserer Tour ohne Regenschutz dagestanden. Den habe ich umgehend bestellt. Blöderweise ist das Babytragen-Raincover gestern einem Herrn in München zugestellt worden, während ich seine Reisehängematte geliefert bekommen habe. Super…

Schirm des Ford Nugget

Nugget-Schirm 🙂


# Tipp 5
Ein guter Regenschutz in allen Lagen ist auf Reisen verdammt wichtig. Regenjacken für die Großen, Raincover für den Wanderrucksack, Regenüberzug für den Buggy, Regenschutz für die Babytrage und vielleicht noch ein Regenschirm für den kleinen Regenschauer beim Stadtbummel (im Nugget ist der ja serienmäßig enthalten *hihi*).
 
 

 

Mehr Historik: Stadtbummel in Soest

Als Alternativprogramm haben wir einen kleinen Stadtbummel durch die Soester Altstadt unternommen, schließlich lag Soest ganz passend auf unserem Rückweg. Um die Nichtsoestkundigen vor einem Fettnäpfchen zu bewahren, sei gesagt, dass das „oe“ wie ein langes „o“, nicht aber wie „ö“ gesprochen wird.

Fachwerkhaus in Soest

Viele Fachwerkhäuser werden nach oben hin breiter.

Wahrscheinlich ist das kleine Städtchen mit seinen weniger als 50.000 Einwohnern nicht sonderlich über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus bekannt, im Mittelalter zählte Soest jedoch zu den bedeutendsten Hansestädten Europas. Das Stadtbild wird von engen Gassen, Kopfsteinpflaster und Fachwerkhäusern dominiert und versprüht ein verträumt-romantisches Flair. Über 600 Gebäude der Altstadt stehen unter Denkmalschutz. Besonders spannend fand ich die Häuser, die nach oben hin immer breiter wurden. Diese Bauweise brachte gleich mehrere Vorteile mit sich: Raumgewinn auf kleiner Grundfläche, Wetterschutz für das jeweils darunter liegende Stockwerk, optimale Lastenverteilung und Stabilität.

Besonders positiv sind mir einige Cafés und Kneipen aufgefallen, die echten Charakter besitzen. In Dortmund haben in den letzten Jahren leider so gut wie alle Traditionspubs dicht gemacht, weshalb ich auf Entzug und äußerst empfänglich für Gastronomie mit Charme bin. Ein dicker Tipp von mir ist das Café Grande: Bunt, stylisch, gemütlich, lustig, skurril, gegensätzlich, harmonisch – ideal für ein gemütliches Frühstück oder den Nachmittagskaffee.

Café Grande in Soest

Café Grande in Soest


Als Fan der gepflegten Gitarrenmusik ist mir beim Stadtbummel dann noch die Musikkneipe Pesel ins Auge gefallen. Sofort habe ich mich an meine heiß geliebte Dortmunder Stammmusikneipe Sacre Couer erinnert gefühlt (R.I.P. *schnief*). Irgendwann muss ich mal testen, ob das Pesel in der gleichen Liga spielt.

Musikkneipe Pesel in Soest

Musikkneipe Pesel in Soest

Einen Besuch in Soest kann ich nur jedem wärmstens ans Herz legen! Ich habe mir vorgenommen, spätestens zum Weihnachtsmarkt nochmals hin zu fahren, denn den stelle ich mir dort einfach urgemütlich vor.

Wart ihr schon mal in Paderborn oder Soest? Was sollte ich mir beim nächsten Besuch unbedingt anschauen? Und habt ihr noch weitere gute Tipps für das Verreisen mit Baby?

* Amazon-Partnerlink
Wenn euch meine persönliche Produktempfehlung überzeugt und ihr das Produkt gerne bestellen möchtet, freue ich mich, wenn ihr diesen Link benutzt. Ich bekomme dann eine kleine Provision, während ihr natürlich keinen Cent mehr bezahlt. Wenn ihr allerdings vermeiden wollt, dass Amazon weiß, dass ihr den Produkttipp von mir habt, dann meidet den Link.

Mehr lesen...

Interessant? Dann gerne teilen!   Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone