Gondeln über dem Mer de Glace

Reisesplanung mit Hindernissen: Eine Anekdote.

Eigentlich hatte ich unser Sommerreiseziel 2021 im Juni festgelegt. Es sollte in die Schweiz gehen, genauer gesagt in die Region im Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau. Eine Woche vor Reisebeginn aber schmeiße ich die komplette Reiseplanung über den Haufen, und dieses Mal trägt nicht Corona die Schuld.

Angefixt von der Jungfrau-Region: Das Marketing hat funktioniert

Über GoogleMaps stolpere ich virtuell in die Region um Mönch, Eiger und Jungfrau. Die Fotos fixen mich direkt an. Ich klicke mich durch die Sehenswürdigkeiten und Landmarken und verzweige auf die zugehörigen Webseiten. Die wiederum tun, was sie sollen: Mich begeistern. Verzückt stelle ich fest, dass es reichlich Wandermöglichkeiten, herrliche Ausblicke und spannende Ausflugsziele gibt. Zudem scheint alles per Bus und Bergbahn gut erreichbar zu sein. Wir wollen ja den Camper vor Ort immer stehen lassen, weil die ganze Umbauerei so nervig ist. Das Ziel scheint perfekt. Da ich der Corona-Lage jedoch nicht traue, reserviere ich erstmal nur die Campingplätze. Das Feintuning vertage ich auf kurz vor Reisebeginn. Ich möchte ja nicht schon wieder eine Reiseplanung für die Katz machen.

Reiseplanung: Wie aus der Idee (k)ein Ziel wird

Eine Woche vor Urlaubsbeginn setze ich mich nun hin, um die Details auszuklamüsern. Schöne Wanderrouten finde ich flott, mit Komoot passe ich die Strecken für unsere Zwecke noch etwas an. Auch die Bus- und Gondelfahrpläne finde ich auf Anhieb, so dass ich die An- und Abreise zum Start- und Endpunkt der Wanderungen planen kann. Dann schaue ich auf die Preise…

Schweiz-Flagge

Schweiz-Flagge

Ja klar, die Schweiz ist teuer, das ist nicht überraschend. Die Campingplätze kosten das Doppelte, was wir sonst bezahlen. Auch die Ausflüge im Tal sind keine Schnäppchen: Für die Gletscherschlucht in Grindelwald müssten wir beispielsweise ca. 45 Euro Eintritt bezahlen. Die Preise für die Busse und Seilbahnen fegen mich allerdings komplett vom Hocker. Es fängt an bei einem Preis für uns vier von umgerechnet etwa 40 Euro und reicht bis hin zu 200 Euro. Pro Wandertag!
Die Top-Erlebnisse der Region sind hier übrigens noch gar nicht mit dabei. Eine Fahrt hoch aufs 2.970 m hohe Schilthorn kostet uns als Familie 250 Euro. Klar, in dem Drehrestaurant „Piz Gloria“ wurde 1969 schließlich der James Bond Klassiker „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ gedreht, das erklärt die majestätischen Kurse. Letztlich ist aber auch dieser Preis fast schon lachhaft gering in Relation zu den Kosten für eine Fahrt hinauf zum Jungfraujoch, auch als „Top of Europe“ betitelt. Vorsicht, festhalten: Für die Fahrt, immerhin hoch und wieder runter, müssten wir 450 Euro berappen!! Spätestens jetzt ist klar: Diese Region wird nicht unser Reiseziel sein.
Funfact: Alle Preise beziehen sich auf 2 Erwachsene und 1 Kind, die 5-jährige Leni ist dieses Jahr nämlich noch gratis.

Gondeln vor blauem Himmel

Durch die teuren Bus- und Bahnpreise hängen wir bei unserer Reiseplanung in der Luft.

Was aber dann?

Eine andere Gegend in der Schweiz? Oder lieber Österreich? Die Alpen an sich sind gesetzt – das hat sich Lotta gewünscht, und wir haben es ihr zugesagt. Ich überlege, was uns eigentlich wichtig ist. Dieses ganze Halligalli, was in der Jungfrau-Region geboten wird, ist eigentlich auch gar nicht meins. Ich möchte die „nackte“ Bergwelt genießen, megamäßige Aussichtsplattformen, einen schwindelerregenden Cliff Walk und sich drehende Bergrestaurants brauche ich nicht. Ich möchte wandern, in die Natur eintauchen, den Ausblick genießen – in Ruhe, ohne Menschenmassen. Wenn ich mir außerdem vorstelle, wie die Hauptzielgruppe für solche teuren und pompösen Ziele aussieht, setzt bei mir sofort der Fluchttrieb ein. Wir sind nicht kompatibel, „die“ und ich.

Wandern auf dem Stubaier Höhenweg

Die Bergwelt ist für mich Attraktion genug. [Bild vom Stubaier Höhenweg 2012].

So weit, so gut. Jetzt sind es nicht mehr nur die Preise, die mich aus der Region vertreiben, sondern auch mein Wunsch nach mehr Einfachheit, nach Natur pur ohne zusätzlichen Hokuspokus. Mit dem Gefühl, der Bonzen-Touri-Region noch mal knapp entkommen zu sein, starte ich voll durch mit der Reiseplanung 2.0.

Keine großen Experimente

Die verkorkste erste Planung hat Spuren hinterlassen. Die Corona-Zeit sogar Furchen. Ich bin urlaubsreif, und zwar so richtig. Obwohl ich sonst sehr abenteuerfreudig bin und lieber neue Orte entdecke, als bekannte Ziele anzusteuern, überwiegt dieses Mal der Wunsch nach Sicherheit. Ich möchte ein Ziel haben, an dem es mir garantiert gefällt. Bei dem ich mich nicht erst vor Ort informieren und orientieren muss, die Energie dazu habe ich derzeit nicht. Unter dieser Prämisse kommt eigentlich nur ein Reiseziel in Betracht: Chamonix. 2017 haben wir während unserer zweiten Elternzeit eine wunderschöne Woche in Chamonix verbracht. Damals waren wir in der Vorsaison dort, viele Bergbahnen hatten ihren Sommerbetrieb noch gar nicht aufgenommen. „Wir müssen unbedingt noch mal im Sommer wiederkommen“, habe ich gedacht.

Mont Blanc Massiv

Das wunderschöne Mont Blanc Massiv

Um weiteren Schockmomenten vorzubeugen, checke ich als erstes schnell die Preise für die Bergbahnen. Puh, Glück gehabt. Die Kurse sind erwartungsgemäß deutlich erschwinglicher: die teuerste Seilbahnfahrt kostet unter 80 Euro für die gesamte Familie. Dazu kommen der kostenlose Tal-Bus und die humanen Campingplatzpreise. Chamonix, wir kommen!

Natürlich bietet auch Chamonix mit der Fahrt zur Aiguille du Midi mit seiner Attraktion „Schritt ins Leere“ ein teures Top-Erlebnis an, das uns knapp 200 Euro kosten würde. Oder die Fahrt mit dem Zug hoch zum Gletscher Mer de Glace, in den man sogar hineingehen kann (knapp 110 Euro Familienpreis und wirklich absolut lohnenswert!).

Mer de Glace

Wanderung von der Montenvers-Zahnradbahn bis runter zur Eishöhle im Gletscher Mer de Glace.

Plan B nimmt Form an

Die Planung für Chamonix ist ein Selbstläufer. Natürlich auch deshalb, weil ich mich dort schon auskenne. Mit Komoot plane ich Wandertouren, die Bergbahnpreise und Ticketvarianten notiere ich dazu. Außerdem reserviere ich Campingplätze, wo möglich. „Nur“ Chamonix soll es aber bei drei Ferienwochen auch nicht sein. Da wir die letzten Reisetage bei Bekannten in der Schweiz verbringen wollen, rufe ich wieder GoogleMaps auf und durchleuchte die Strecke zwischen Chamonix und meinen Bekannten. Ich zoome in die Seitentäler und klicke wieder die Landmarken auf der Karte an. Da! Das sieht ja spannend aus! Ich klicke mich durch die Bilder einer bizarren, kraterartigen Gesteinslandschaft und weiß, dass ich die fehlende Station für unsere Reise gerade gefunden habe. Der Rest fügt sich wieder wunderbar. Unweit der Gondelstation, die uns hoch zur Rundwanderung durch die außergewöhnliche Landschaft „Gryden“ bringen soll, befindet sich ein netter Campingplatz. Zum See ist es nicht weit. Weitere spannende Wanderungen entlang von Wasserfällen oder durch eine Klamm sind fußläufig oder mit dem kostenfreien Tal-Bus erreichbar. Läuft.

Der neue Reiseplan steht

Nach kurzzeitiger Panik („so ein Scheiß“) und trotziger Resignation („pah, dann bleiben wir halt zu Hause, ist ja auch schön hier“) habe ich zum Glück schnell wieder in den konstruktiven Planungsmodus zurückgefunden. Nachdem nun fast alle meine Reservierungsanfragen bestätigt sind, bin ich guter Dinge und freue mich auf unsere Reise. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass Corona nicht irgendwie dazwischenfunkt.

Wie läuft denn eure Reiseplanung für diesen Sommer? Komplett rund oder auch eher so ruckelig wie bei uns?

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