Rentierschlittenfahrt

Mit Rudi durch den Winterwald: Rentierschlittenfahrt

Heute stand unser erstes „richtiges“ und urtypisches Lappland-Erlebnis auf dem Plan: Eine dreistündige Rentierschlittenfahrt. Ein Fahrer hat uns morgens abgeholt und bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein zum Salla Rentierpark gebracht. Außer uns nahm noch ein finnisches Paar an dem Ausflug teil. Traumwetter und eine kleine Gruppe – perfekte Bedingungen für unsere Tour!

Das kleine 1×1 der Rentiere

Rentierfütterung

Rentierfütterung: Die Rener bekommen Birkenzweige.

Bevor es losging, wurden wir winterfest ausgestattet: Wir zogen dicke Thermo-Overalls über unsere Skiklamotten, und ich ersetzte meine Skihandschuhe durch wunderbar warme und kuschelige Fellfäustlinge. Anschließend erzählte unser Guide Upi uns etwas über die Rentiere. Das finnische Wort für Ren ist poro. Hier im poropuisto, dem Rentierpark, lebt ein Teil der Tiere in Gehegen, ansonsten ziehen sie in ihren Herden frei umher. Dabei handelt es sich jedoch keineswegs um Wildrener: Die großen Rentierherden Lapplands sind domestizierte Nutztiere, die häufig, in Norwegen und Schweden ausschließlich, von der samischen Urbevölkerung gezüchtet werden. Einmal im Jahr werden die Rener zusammen getrieben, um die Jungtiere zu markieren und Tiere für die Schlachtung auszuwählen.

Los geht`s

Upi teilte jedem von uns ein Rentier zu, meins hieß Kiela. Nach einer kurzen Schnupperphase führte ich Kiela zu einem der bereit stehenden Schlitten, wo der zweite Guide Arne mir half, das Ren einzuspannen. Als alle Gespanne bereit standen, erhielten wir eine kurze Fahreinweisung, und dann ging`s auch schon los! Ich machte es mir in meinem Schlitten gemütlich, gab mit den Zügeln das Startsignal und ließ mich von Kiela durch die Winterlandschaft ziehen. Zu beachten gibt es nicht viel: Die Leine darf nicht zu straff gehalten werden, aber auch nicht zu locker, denn sonst gerät sie zwischen die Beine des Rens und könnte es zu Fall bringen.

Rentierschittenfahrt

Ich sitze gemütlich in meinem Schlitten, während Kiela beim Zwischenstopp etwas Schnee nascht.

1. Stopp: Rentierfütterung

Einen ersten Halt legten wir bei einem Rentiergehege ein. Upi und Arne führten uns in das Gehege, wo wir die Rentiere mit Birkenzweigen füttern durften. Natürlich entstand ein munteres Gedränge um die Leckerbissen. Im Winter stehen hauptsächlich Moose, Pilze und Rentierflechten auf dem Speiseplan der Rentiere, eben das, was sich bei Eis und Schnee so finden lässt. Unsere Birkenzweige waren daher eine willkommene Abwechslung für die Tiere.

Birkenzweige für die Rentiere

YamYam: Die Rentiere freuen sich über unsere Birkenzweige.

Weiter ging`s. Wir fuhren durch verschneite Wälder und über vereistes Marschland. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie herrlich das war! Wir waren umgeben von einer Puderzuckerlandschaft, über die ein klarer, blauer Himmel gespannt war. Der Rest der Welt erschien mir weit, weit entfernt. In der Stille der Winterkulisse hörte ich einzig und allein das Trappeln der Hufe und das Knirschen der Kufen im Schnee. Manch einer macht Yoga, um seine ‚innere Mitte‘ zu finden, ich habe meine bei dieser Rentierschlittenfahrt gefunden.

Tannen in Schneelandschaft

Interessanter Kontrast: Eine grüne und eine kahle Tanne ragen aus der
Schneelandschaft auf.

Während Kiela gemütlich ihrem Vorgänger hinterher trottete, bewunderte ich das mich umgebende Winterwonderland.

Genial: Rentiere besitzen eingebaute Schneeschuhe

Kurvari legt eine Fresspause ein.

Kurvari legt eine Fresspause ein.

Die meiste Zeit blieben die Rentiere brav in der Spur, manchmal allerdings büchsten sie auch aus. Jans Ren Kurvari zum Beispiel war eine kleine Naschkatze: Wenn das Tier etwas Leckeres entdecke, blieb es einfach stehen und schmauste los. Aber auch unsere Guides waren nicht gefeit vor den Ausreißversuchen der Rener: Upis Ren sauste einmal los in den Tiefschnee, um ein paar grüne Zweige zu verputzen. Da die Schlitten nicht für Tiefschnee ausgelegt sind, musste Upi aussteigen und sein Ren samt Schlitten zurück in die Spur bringen. Die Hufe der Rentiere sind im Übrigen bestens an die Schneeverhältnisse angepasst: Sie sind elastisch und spreizen sich beim Aufsetzen, so dass die Rener durch die vergrößerte Auflagefläche nicht so tief im Schnee einsinken. Eingebaut Schneeschuhe – eine clevere Idee der Natur!

Fotostopp mit Rudi

Neben den unfreiwilligen Halten legten wir noch ein paar Fotostopps ein. Für ein Foto spannte Upi sein Ren aus und drapierte Jan und mich auf einem Rentierfell daneben. Sein Ren besaß ein schönes und mächtiges Geweih. Die Rener werfen ihre Geweihe ein Mal im Jahr ab, die Männchen im Herbst und die weiblichen Tiere im Frühling. Für gewöhnlich werfen sie nicht beide Geweihstangen gleichzeitig ab, meine Kiela besaß zum Beispiel gerade nur eine Geweihstange. Das sieht zwar etwas merkwürdig aus, ist aber eben völlig normal.

Jan, Ren und ich

Fotosession: Jan und ich posieren zusammen mit einem Rentier.

Mittagspause in einer Kota

Zur Mittagszeit kehrten wir in einer Kota ein, wo wir es uns um die mittige Feuerstelle herum gemütlich machten. Upi hatte allerhand Leckereien im Gepäck: Wir grillten Würstchen und Upi kochte in gusseisernen Kannen Kaffee und Tee über dem Feuer.

Kota

Mittagspause in einer Kota nach samischem Vorbild

Ursprünglich bestanden die Kotas aus Leder und Fellen. Die Samen lebten als Halbnomaden: Sie folgten ihren Rentieren durch die Wälder und schlugen ihre Kotas immer bei ihrer Herde auf.
Nach dem Essen überreichte Upi uns unsere Rentier-Führerscheine. Ja, ich bin stolze Besitzerin eines solchen Führerscheins. Sollte also in Zukunft die nächste Eiszeit über Deutschland hinweg rollen, ich bin gerüstet 🙂 Dazu erhielt jeder von uns eine Kette mit einem Anhänger aus Rentiergeweih – eine schöne Erinnerung an diesen Ausflug!

Ausklang eines märchenhaften Ausflugs

Nach knapp drei Stunden war unser Ausflug beendet, schade. Ich hätte noch stundenlang weiter durch die Märchenlandschaft fahren können. Wir beschlossen, das entspannte Gefühl und das Traumwetter noch weiter zu nutzen, daher verzichteten wir auf unseren Bringservice und gingen die 3 km zu Fuß zurück zu unserer Hütte. Kurzfassung des Spaziergangs: Tiefschnee, noch tieferer Tiefschnee, Schneeengel, Schnellballschlacht, Schneespaß pur!
Mein Zitat des heutigen Tages kommt von Ernst Ferstl:

Die Stille stellt keine Fragen, aber sie kann uns auf alles eine Antwort geben.

Milchkannem im Unterstand

Interessante Szene: Milchkannen in einem Unterstand mit dickem Schneedach.

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