Strand von Rørvik

Lofoten: Dramatische Bergkulissen & karibische Strände

Berge, die aus dem Meer wachsen: Wild, schroff, steil, Respekt einflößend. Dazwischen verbreiten weiße Sandstrände und türkisblaues Meer karibisches Flair. Die Landschaft der Lofoten ist in ihrer Dramatik kaum zu überbieten, auch – oder besonders – bei dunklen Wolken und Sturm. Nachdem wir auf den Vesterålen wettertechnisch hochgradig verwöhnt wurden, zeigten sich die Lofoten die meiste Zeit von ihrer rauen Seite. Ach ja, es war ja auch erst Anfang März, da sind Winterstürme durchaus erlaubt.

Nähe Melbu, Vesterålen: Blick auf die Lofotenwand in der Abenddämmerung

Nähe Melbu, Vesterålen: Blick auf die Lofotenwand in der Abenddämmerung

Von Svolvær nach Å: Unsere Reiseroute

Wir verbrachten insgesamt fünf Tage auf den Lofoten. Von Svolvær aus haben wir uns stückchenweise die E10 in Richtung Süden vorgearbeitet, natürlich nicht ohne lohnenswerte Abstecher zu malerischen Stränden, pittoresken Fischerdörfern oder interessanten Museen zu machen.

Lofoten-Route
Unsere Lofoten-Reiseroute  (WERBUNG: Eigene Landkarten auf stepmap.de erstellen.)

StepMap

Lofoten-Route

Für die Erkundung der Insel Austvågøy nutzten wir für zwei Nächte das Lofoten Feriesenter in Svolvær als „Basislager“. Von dort aus fuhren wir weiter zur eher „vesterålig“ anmutenden Insel Vestvågøy, wo wir für eine Nacht Station bei Anne Gerd im sicherlich schönsten B&B der Lofoten gemacht haben (Reservierung erforderlich!). Tipp: Eine Nacht reicht bei Weitem nicht! Anne Gerd hat unzählige Tipps für Wanderungen und Ausflüge parat, so dass man auch gut eine Woche bei ihr bleiben kann. Wohlfühlfaktor garantiert! Uns hat sie außerdem ein regionales Fischrezept samt Zutaten mit auf den Weg gegeben, das wir natürlich ausprobiert haben.
Weiter ging’s über die Insel Flakstadøy nach Hamnøy auf Moskenesøy. Nirgendwo anders erlebt man die Dramatik der Lofoten so hautnah wie hier! Von unserer Fischerhütte bei Eliassen Rorbuer, wo wir uns für zwei Nächte einquartiert hatten, genossen wir atemberaubende Aussichten auf die über 800 m aufragenden Zackenfelsen der Lofoten.

Eliassen Rorbuer in Hamnøy

Ausblick auf Eliassen Rorbuer mit seinem imposanten Bergpanorama

Bootsfahrt am Fuße der Lofotenwand

Wer Berge liebt, muss zu den Lofoten reisen! Auf dem Archipel reihen sich, wie aufzogen auf eine Perlenschnur, ein imposanter Gipfel an den nächsten noch spektakuläreren. Die Lofotenwand, wie der mächtige Gebirgszug im Süden der Lofoten genannt wird, erstreckt sich über 110 km von Moskenes bis zum Raftsund. Die höchsten Gipfel liegen auf Austvågøy, allen voran der 1.161 m hohe Higravstindan. Die wildesten Bergpanoramen trifft man auf Moskenesøy und Flakstadøy an, eingerahmt von schäumender Meeresbrandung und schmalen Fjorden.

Ausblick in Hamnøy

Blick von Hamnøy auf die etwa 800 m hohen Felswände der Lofotenwand


Wetterbedingt konnten wir leider keine großartigen Wanderungen auf den Lofoten unternehmen; Regen und Sturm sorgten für gefährliche Wegbedingungen. Um aber dennoch ein paar Blicke auf die wunderschöne Bergwelt zu erhaschen, haben wir mit dem lokalen Versorgungsboot eine Rundfahrt über den Reinefjord unternommen (120 NOK p.P.). Im Winter scheinen nicht viele Touristen Gebrauch von dieser Bootsfahrt zu machen, jedenfalls reagierten die beiden etwas brummeligen Bootsfahrer überrascht ob unserer Anfrage. In einer Mischung aus norwegisch und englisch beantworteten sie mir während der Fahrt aber geduldig alle meine Fragen.
Die Fähre steuerte drei kleine Dörfer an, die allesamt nicht über Straßen erreichbar sind. Im ersten Dorf wartete bereits ein Mann am Bootsanleger, um ein Versorgungspaket entgegen zu nehmen. Ganze fünf Personen leben hier im Winter, im nächsten Dorf sogar nur zwei. Ich versuchte mir vorzustellen, wie ein Leben in solch völliger Abgeschiedenheit wohl aussehen mochte. In meine romantisch verklärten Assoziationen von Idylle, Ruhe und Naturverbundenheit mischten sich recht schnell pragmatische Gedanken an Arbeit, Einkäufe und Arztbesuche. Was überwiegt, findet man wohl nur heraus, wenn man (zumindest eine Zeit lang) dort verbringt.

Reinefjord und Bergwelt

Ausblick von der Passagierfähre auf den Reinefjord und seine Bergwelt

Als der Regen aufhörte, nahmen wir an Deck Platz. Jetzt konnten wir ungehindert den Ausblick auf die zackigen Berge rings um den Reinefjord genießen, deren Gipfel sich teils in den tief hängenden Wolken versteckten. Der höchste Berg dieser Gegend ist der 1.029 m hohe Hermannsdalstinden. Liebend gern wäre ich in dieser wilden Bergwelt gewandert. Oder mit dem Kayak über den Fjord und entlang der Küste gepaddelt. Ein weiterer Lofoten-Urlaub ist wohl unvermeidlich 🙂

Südseestrände im Nordland

Die Lofoten haben aber nicht nur Berge zu bieten, sondern auch unzählige weiße Traumstände. Fast könnte man sie der Südsee zuordnen, wären da nicht die schneebedeckten Berge im Hintergrund. Über einen dieser Traumstrände sind wir direkt an der E10 am Abzweig Richtung Hennigsvær gestolpert. Ein Paradies für jeden Fotofan. Memo an mich selbst: Nächstes Mal unbedingt Handschuhe anziehen, wenn ich wieder vorhabe, stundenlang Eiskunst abzulichten. *bibber*

Strand Rørvik

Rørvik: Der schöne Strand befindet sich direkt an der E10, am Abzweig nach Hennigsvær.


Die meisten Strände liegen an der Nordwestseite der Lofoten, dort, wo das offene Meer mit seiner ganzen Wucht gegen die Küste peitscht. Um einen dieser rauen Nordstände zu erleben, legten wir einen Abstecher nach Uttakleiv ein. Auf dem Weg dorthin passierten wir Haukland, wo zwei breite, weiße Badestrände geschützt in einer Bucht liegen, umgeben von grünen Hügeln. Durch einen Tunnel gelangten wir auf die Nordseite zu dem abgeschiedenen Örtchen Uttakleiv.

Sonnenschein ist köstlich, Regen erfrischend, Wind fordert heraus, Schnee macht fröhlich; im Grunde gibt es kein schlechtes Wetter, nur verschiedene Arten von gutem Wetter.
—  John Ruskin

Wir spazierten die alte Küstenstraße von Uttakleiv in Richtung Haukland entlang, begleitet von Sturmböen und tosender Brandung. Ich genoss die raue Meeresseite der Lofoten, zumindest so lange, bis der Wind die Regentropfen wie kleine Wurfgeschosse in mein Gesicht feuerte. Kapitulation. Durchgefroren und durchnässt kehrten wir zum Auto zurück, allerdings nicht ohne vorher noch flott die wuchtige Brandung am Strand zu fotografieren.

Auf unserer Weiterfahrt in Richtung Süden passierten wir die Traumstrände von Flakstad und Ramberg, beide liegen direkt an der E10. Vor allem der Strand von Ramberg bietet durch die Gebirgskulisse im Hintergrund tolle Fotomotive. Wir hatten Glück: Die Sonne bahnte sich immerhin für ein paar Minuten ihren Weg durch die dicken Gewitterwolken. Für unsere geplante Wanderung zur „Walbucht“ Kvalvika reichte es allerdings nicht. Im Hinblick auf das aufziehende Unwetter fuhren wir stattdessen einen kleinen Schlenker zum Künstlerdorf Vikten. Die hiesige Glasbläserei hatte im Winter zwar geschlossen, dafür gaben die Skulpturen im Außenbereich nette Fotomotive vor der tosenden Meeresbrandung ab.

Geschichte zum Anfassen im Wikingermuseum

Ein Besuch des Wikingermuseums in Borg ist unbedingter Pflichtbestandteil eines Lofoten-Urlaubs. In den 80er Jahren wurden in Borg die Überreste einer alten Wikingersiedlung entdeckt, die etwa von 700 bis 1160 bewohnt war. Das interaktive Museum gewährt den Besuchern spannende Einblicke in die damalige Zeit.

Langhaus, Wikingermuseum Borg

Nachbildung des Langhauses der Wikingersiedlung von Borg.


Zur Winterzeit hat das Museum nur sehr eingeschränkte Öffnungszeiten: Mittwochs und samstags von 12 – 15 Uhr. Wir hatten uns bei der Fahrtzeit und den Zwischenstopps leider gründlich verschätzt, so dass uns nur eine gute halbe Stunde für den Museumsbesuch blieb. Schade, aber besser als nichts.
Wir starteten mit dem 12-minütigen Kurzfilm, der die Geschichte der hier lebenden Wikingerfamilie erzählt. Die tollen Bilder mit der passenden musikalischen Untermalung hatten mich im Nu gedanklich in die Wikingerzeit zurück katapultiert. In der Ausstellung erfuhren wir dank modernster Audioguides (mit Scan-Funktion, sehr cool!) viel Wissenswertes über die Geschichte des Hofes und die Ausgrabungsfunde. Zum Abschluss führte uns unser Guide Christian, der stilecht in Wikingertracht gekleidet war, durch das nachgebildete Hauptgebäude der Wikingersiedlung. Spannend! Gerne hätten wir an einem der abendlichen Wikingerfeste teilgenommen, aber ausgerechnet heute fiel das Fest mangels Teilnehmern ins Wasser.

Als das Museum seine Pforten schloss, besichtigten wir noch das riesige Außengelände. In der Nähe des nachgebildeten Langhauses waren Umrisse von weiteren ehemaligen Gebäuden mit Holzpflöcken abgesteckt. Auf diese Weise bekam ich eine sehr gute Vorstellung von den Dimensionen des Wikingergehöfts. Ein Weg führte uns hinab zum Wasser (ca. 15 min.), wo man während der Sommersaison ein nachgebildetes Wikingerschiff besichtigen und sogar rudern kann. Das Museum bietet im Sommer zudem eine Vielzahl von Wikinger-Aktivitäten zum Ausprobieren und Mitmachen an (Axtwerfen, Bogenschießen…), sicherlich eine spannende Angelegenheit, vor allem für Familien. Weitere Gründe, um wiederzukommen.

Skulpturlandskap Nordland

Während unserer Rundreise sind wir häufiger über die Ausschilderung „Skulpturlandskap“ gestolpert. Neugierig wie wir waren, sind wir den Schildern gefolgt und dabei auf ein paar interessante Kunstwerke gestoßen.

Skulptur 'Epitaph'

Skulptur ‚Epitaph‘ in der Kommune Flakstad, an der Straße nach Skjelfjord


Die Skulpturen sind Teil der großen, internationalen Freiluftkunstausstellung Skulpturlandskap Nordland. 33 verschiedene Künstler aus 18 Ländern haben die Kunstobjekte für die Dauerausstellung in der Natur geschaffen. Die Skulpturen und die Umgebung gehen dabei Hand in Hand: Die Kunst fügt sich in die Landschaft ein, während sie ihr gleichzeitig eine neue Dimension verleiht. Auch der Mann vom Meer, den wir auf den Vesterålen gesehen haben, gehört zum Skulpturlandskap-Projekt.

Winterprogramm auf den Lofoten

„Was wollt ihr denn ausgerechnet im Winter auf den Lofoten“, wurden wir vielfach gefragt, als wir unsere Reisepläne verkündeten. Nordlichter natürlich. Und tagsüber eine traumhafte, weiß gepuderte Landschaft, die wir bei Schneeschuhwanderungen erkunden wollten. Ok, der Plan ist nicht ganz aufgegangen, aber wer konnte schon damit rechnen, dass Frau Holle dieses Jahr in den Dauerstreik treten würde. Immerhin sind wir in den Genuss von Nordlichtern gekommen, mehrfach sogar, aber dazu gibt`s noch einen eigenen Beitrag.

Nordlicht über Austvågøy

Nordlicht über Brenna, Austvågøy (von Gimsøy Kirke aus fotografiert)

Der Vorteil eines Lofoten-Besuchs im Winter ist ganz klar, dass die nordnorwegische Inselgruppe dann nicht überlaufen ist. Wie immer gibt es eine Kehrseite der Medaille: Außerhalb der Saison werden die Bürgersteige hochgeklappt. Museen haben (sehr) eingeschränkte Öffnungszeiten, so dass eine gute Zeitplanung unerlässlich ist. Gleiches gilt für die Cafés: In Henningsvær wollten wir uns bei einer Tasse Tee aufwärmen, waren aber am falschen Wochentag dort. Wir griffen fortan zu Thermokanne und Keksen, das ging auch.

Aquarium in Kabelvåg

Ausblick vom Aquarium in Kabelvåg

Auch wenn man im Winter ob des reduzierten Freizeitangebots besser planen muss, so gibt es dennoch genügend Interessantes zu entdecken. Wir haben beispielsweise dem Lofot-Aquarium in Kabelvåg einen Besuch abgestattet. Den Lofoten-Imagefilm, der dort gezeigt wird, kann man sich getrost sparen, aber die Meerestiere haben mir gefallen. Besonders spannend fand ich die Fütterung der Seeanemonen, die ich zufällig beobachtet habe. Die Blumentiere griffen mit ihren Tentakeln ziemlich gierig nach den ihnen gereichten Fischstückchen.

Magic Ice

Magic Ice: Jan und ich sitzen unter einem Eis-Fischgestell

Abends haben wir uns in Svolvær die Eisskulpturen-Ausstellung Magic Ice angeschaut. Typisch nordische Tiere, Gegenstände und Szenen sind dort in Form von lebensgroßen Eisskulpturen ausgestellt. Passende musikalische Untermalung und wechselnde Beleuchtung durch farbige LEDs sorgten für eine märchenhafte Atmosphäre. Wir hatten die gesamte Ausstellung für uns und konnten nach Herzenslust fotografieren. Plötzlich flog die Eingangstür auf, und eine Gruppe von Hurtigruten-Touristen fiel laut schnatternd und mit grellem Blitzlichtgewitter ein. Uns blieb nur die Flucht an die Eisbar. Wir bestellten uns Drinks, die natürlich stilecht in Eisbechern serviert wurden, und beobachteten die Meute aus sicherer Entfernung. So plötzlich, wie sie eingefallen waren, so schnell waren sie zum Glück auch wieder weg. Ich kann trotzdem nur jedem empfehlen, den Besuch von Magic Ice außerhalb der Anlegezeit der Hurtigrutenschiffe zu legen.

Es gibt eine Vielzahl weiterer Unternehmungsmöglichkeiten, die wir – teils aus Zeit-, teils aus Wettergründen – nicht nutzen konnten, z.B. Winterkayaking, Adler-Safaris oder Bootstouren in den Trollfjord, Besuch des Polarlightcenter (nur niederländische Vorträge in der Zeit) oder des Walzentrums Ocean Sounds (wegen Renovierung geschlossen). Grundsätzlich geben die Touristeninformationen Auskunft über das aktuelle Ausflugsprogramm, allerdings haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir die hilfreicheren Informationen von der lokalen Bevölkerung (z.B. von unserer Gastwirtin Anne Gerd) erhalten haben.

Lofoten im Winter

Rørvik Strand: Südsee-Flair meets Eis & Schnee

I`ll be back

Wenn mich jetzt nochmals jemand fragt, wie ich zu einem Lofoten-Urlaub im Winter stehe, dann antworte ich mit „Jederzeit wieder!“. Man muss sich die Informationen zum Winterangebot und vor allem zu den saisonalen Öffnungszeiten zwar leider mühsam zusammenpuzzeln, dafür erlebt man die Lofoten außerhalb des Touristenrummels UND man hat gute Chancen auf ein phantastisches Himmelsfeuerwerk, das einfach nur süchtig macht. Trotzdem möchte ich gerne nochmals im Frühjahr oder Herbst wiederkommen, denn ich bin mir sicher, dass diese tolle Gegend zu jeder Jahreszeit ihren eigenen Charme besitzt.

Tusen takk!
Herzlichen Dank an das Wikingermuseum, das Aquarium in Kabelvåg, Magic Ice und natürlich Visit Norway für die Unterstützung.

Mehr lesen...

Interessant? Dann gerne teilen!   Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone