Wegweiser in Nordschottland

Vom Reisen, Fotografieren und Bloggen.

In den letzten Wochen habe ich viel und oft in meinen Urlaubsfotos, Reisenotizen und diversen Reiseführern geblättert und meine ersten Blog-Beiträge hier veröffentlicht. Dabei sind mir allerlei Gedanken zum Reisen, Fotografieren und Bloggen durch den Kopf geschossen. Meine erste große Feststellung ist, dass so ein Blog echt mit Arbeit verbunden ist – Überraschung… Meine nächste und noch größere Erkenntnis ist aber, dass es mir unheimlich viel Spaß macht, gedanklich und bildlich nochmals in die verschiedenen Reisen einzutauchen, um daraus wiederum ein Stückchen Schwung und gute Laune mit in den Alltag zu nehmen. Oder um es mit den Worten des römischen Dichters Martial zu sagen:

Doppelt lebt, wer auch Vergangenes genießt.

Schreiben will gelernt sein.

Ich quatsche gerne. Und viel. Die einen mögen meine Geschichten, andere wiederum sind froh, wenn ich auch mal meinen Schnabel halte. Ich hatte angenommen, dass es mir ähnlich leicht fallen sollte, meine Urlaubserzählungen zu verschriftlichen. Weit gefehlt. Seit ich mit dem Blog begonnen habe, hat die Backspace-Taste meines Laptops ordentlich leiden müssen. Ich formuliere Sätze unzählige Mal um, ohne die Aussagekraft entscheidend zu erhöhen. Ich ringe nach Ausdrücken und Formulierungen, die mir einfach nicht einfallen wollen. Dabei bin mir sicher, zu Schulzeiten einen umfangreicheren Wortschatz gehabt zu haben. Aber jetzt? Jetzt bin ich Software-Entwicklerin. Und daher bin ich eigentlich schon froh, dass meine Berichte nicht so aussehen:

20-08-2011 find location 'Norwegen'
20-08-2011 Enter Mode ('TREKKING')
20-08-2011 core.fireEvent('laufen')
20-08-2011 core.fireEvent('fotos machen')
20-08-2011 core.fireEvent('weiter laufen')
...

Ich vertraue (oder hoffe) mal darauf, dass Übung wie so oft den Meister macht und mir das Schreiben von Bericht zu Bericht leichter von der Hand gehen wird.

Multitaskingfähigkeit hat ihre Grenzen.

In den letzten fünf Jahren haben sich bei mir einige spannende, lustige, anstrengende, chaotische, außergewöhnliche Reiseerlebnisse angesammelt, über die ich gerne in diesem Blog schreiben möchte. Am liebsten über alle gleichzeitig. Ich habe also damit begonnen, die Routenbeschreibungen von verschiedenen Reisen online zu stellen, quasi als Teaser für euch Leser. Beim Texten der Routenbeschreibungen sind mir dann so viele Begebenheiten eingefallen, die einen eigenen Beitrag verdienen, dass ich zig Beiträge angefangen habe, die nun alle unvollendet in der Datenbank schlummern. Bevor ich in meinem Beitragswirrwarr bald die Geysire in die Pyrenäen, das Amphitheater nach Island und unsere Raftingtour nach Tunesien verlege, werde ich in nächster Zeit besser nicht ganz so chaotisch weitertexten.

Fotos: Beweis, Erinnerungsstütze oder Kunst?

Wenn ich meine Urlaubsfotos durchstöbere, denke ich häufiger: „In Wirklichkeit sah es dort viel schöner aus als auf dem Foto.“ Oder: „Die Dimensionen kommen auf dem Bild überhaupt nicht richtig zur Geltung.“ Oder: „Schade, dass ich von der Stelle überhaupt kein (brauchbares) Foto habe.“ Ich ärgere mich über meine Fotoausbeute und beneide tolle Aufnahmen, die ich in anderen Blogs oder auf Reiseseiten erspähe.
Schluss damit! Erstens bin ich kein Fotografierprofi, sondern zähle bestenfalls zu den fortgeschrittenen Anfängern. Zweitens bin ich keine Reisefotografin, sondern eine fotografierende Reisende. Und drittens bin ich durchaus lernfähig. Statt mich also weiter über meine Anfängerfehler zu ärgern, versuche ich lieber, mir Tipps und Ideen für das Fotografieren bei meinen kommenden Reisen zu holen. Zum Beispiel: Nicht immer nur frontal auf das Motiv draufhalten, sondern mehr mit der Perspektive und Tiefenschärfe spielen. Oder: Nicht ständig die Totale wählen, sondern auch mal einen Detailausschnitt fotografieren.

Meerechse auf Galápagos

Meerechse schräg von oben fotografiert. Stil: Besseres Beweisfoto.


Meerechse: Detailfoto

„Portrait“ einer Meerechse auf Augenhöhe fotografiert. Damit kann man doch schon etwas anfangen!

Bei meinen bisherigen Reisen habe ich eigentlich immer ein paar (Glücks-?)Treffer gelandet. Und ansonsten gilt: Auch wenn ich keine perfekte Fotoserie vorweisen kann, so war ich dennoch live an all den wunderbaren Orten auf der Welt. Die Erinnerungen bleiben, auch ohne Beweisfoto. Dazu passen wohl auch die Worte von Franz Grillparzer:

Monde und Jahre vergehen, aber ein schöner Moment leuchtet das Leben hindurch.

Die „goldene Reiseroute“ gibt es nicht!

Sobald das nächste Reiseziel feststeht, steigen bei mir Vorfreude und Planungswut gleichermaßen. Ich wälze Reiseführer, durchstöbere das Internet und habe in meiner Begeisterung schnell eine Wunschliste mit 100 Must-Sees zusammen. Natürlich sind all meine Wunschstationen niemals in einer, zwei oder drei Urlaubswochen zu schaffen, schon gar nicht, wenn die Orte meiner Begierde hunderte von Kilometern auseinander liegen. Was nun? Ich habe meist krampfhaft versucht, eine Art „goldene Route“ auszuarbeiten, auf der wir so viele Wunschziele wie möglich „abarbeiten“ können. Ergebnis: Urlaubsstress. Oder wie der dänische Philosoph und Theologe Søren Kierkegaard schon erkannte:

Die meisten Menschen jagen so sehr dem Genuss nach, dass sie an ihm vorbeilaufen.

In einem ersten Anflug von Altersweisheit habe ich begriffen, dass es viel angenehmer ist, eine kleinere Fläche zu bereisen und weniger feste Programmpunkte einzuplanen, die aber dafür intensiver zu erleben. Ich möchte die Sehenswürdigkeiten, die Natur, die Aktivitäten genießen. Und zum Genießen gehört Zeit. Mein großer Wunschtraum ist es, einmal ohne festen Zeitrahmen zu verreisen. Mich ohne besondere Vorausplanung nach Lust und Laune treiben zu lassen. Vielleicht ergibt sich ja irgendwann auch dafür mal eine Möglichkeit… Bis dahin übe ich mich in „gemäßigter Planung“.

Zum Glück sind Geschmäcker verschieden.

Viele Menschen begegnen mir und meiner Reiseart mit völligem Unverständnis:
„Du schleppst einen 18kg-Rucksack durch die Berge? Das wäre mir viel zu anstrengend. Im Urlaub will ich schließlich entspannen.“
– „Das IST Entspannung für mich. Die Berge, die Natur und die Ruhe machen meinen Kopf frei.“

Oder:
„Island? Lappland? Und das auch noch im Winter? Warum fliegst du nicht lieber irgendwohin in die Sonne?“
– „Klar, Sonne und Strand sind super. Aber auch Meter hoher Schnee, Nordlichter, schroffe Steilküsten, nebelige Hochmoore etc. haben ihren Reiz. Die Abwechslung macht`s.“

Oder aber:
„Ich hätte ja keine Lust, in so einer kleinen Campinghütte oder im Zelt zu übernachten. Im Urlaub möchte ich schon mehr Komfort als zu Hause haben.“
– „Mir reicht das völlig aus, schließlich bin ich nur zum Schlafen dort.“

Gerne auch:
„Ich würde ja nicht so viel Geld nur für einen Urlaub ausgeben.“
– „So hat jeder seine Prioritäten. Ich würde nicht so viel Geld für ein Auto, eine Stereoanlage oder ein iPhone ausgeben.“

Mir persönlich ist es durchaus recht und sogar lieb, dass die große Mehrheit lieber am Strand in der Sonne brutzelt. So bleiben meine favorisierten Reiseziele von den Touristenmassen verschont und behalten etwas von ihrer Authentizität.

Finnische Schäreninsel Smörskar.

Ruhe und Abgeschiedenheit: Ausflug auf die finnische Schäreninsel Smörskar.

Reisen erweitert den Horizont.

Seit ich vorwiegend individuell reise, habe ich unheimlich viel gelernt. War Erdkunde zu Schulzeiten noch alles andere als mein Glanzfach, so kenne ich mittlerweile zumindest die von mir bereisten Gebiete recht gut. Auch über die Geschichte, Kultur, Wirtschaft, Flora und Fauna sowie die Menschen der bereisten Länder durfte ich Einiges erfahren. Vor allem aber habe ich bei meinen Reisen sehr viel über mich selbst gelernt, über meine Vorlieben, meine Stärken und Schwächen. Ich habe eine neue Sicht auf so Manches erlangt, gewichte Dinge anders und kann das Wesentliche vom Unwichtigen unterscheiden. Der französische Schriftsteller und Philosoph Albert Camus hat das sehr schön ausgedrückt:

Das Reisen führt uns zu uns zurück.

Zurück im Alltag geraten so manche meiner Reise-Erkenntnisse leider in den Hintergrund. Irgendwann lasse ich mich wieder von Terminen, To-do-Listen, Stress und Hektik beherrschen. Dann wird es höchste Zeit, die nächste Reise zu planen.

Vom Suchen und Finden des nächsten Reiseziels.

Wohin soll die nächste Reise gehen? Lieber Trekking, Aktivurlaub oder eine Rundreise? Auf meiner Wunschliste stehen Argentinien, Chile, Neuseeland, Kanada, Nordspanien, Irland, Schottland, Wales…
Die Reisezielfindung läuft bei mir zum Beispiel so ab: Ich werde von einem Newsletter, einer Zeitschrift oder einer TV-Dokumentation angefixt, im aktuellen Fall (mal wieder) von Chile. Wir wollen aber nicht schon zu Jahresbeginn den halben Jahresurlaub verballern, womit eine Fernreise ausfällt. Nächste Idee: Skiurlaub. Endlich habe ich Jan dafür gewinnen können, leider haben meine üblichen Skiurlaubsmitstreiter aber eine Fahrt gebucht, bei der kein Anfängerkurs angeboten wird. Idee gestrichen. Da Jan im letzten Jahr so begeistert von den Nordlichtern war, bringt er nochmals finnisch Lappland ins Rennen. Beim Gedanken an einen Abklatsch des Vorjahresurlaubs will bei mir der Funke noch nicht so recht überspringen.
Plötzlich macht es „klick“ und das Ziel steht fest: Wir machen eine Winter-Rundreise auf die Lofoten und die Vesterålen! Schnee, (hoffentlich) Nordlichter, die geniale Kombination aus Bergen und Meer, vielleicht eine Teilstrecke mit den Hurtigruten… Die Planung kann beginnen!

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