Autopanne im Ausland - was nun? Erfahrungen, Tipps & Hilfen

Autopanne im Ausland – was nun? Erfahrungen, Tipps & Hilfen

Wer mir auf Facebook oder Instagram folgt, hat vielleicht mitbekommen, dass unsere Dänemark-Reise etwas holprig geendet ist. Unser Camper hatte einen Hinkefuß, so dass wir noch in Dänemark Pannenhilfe in Anspruch nehmen mussten. Hier die ganze Story, inklusive Tipps, was man bei einer Autopanne besser machen kann 😉

19.00 Uhr: Reifenpanne auf der Autobahn

Nach einem herrlich sonnigen Strandtag – unserem einzigen leider – , machten wir uns am Freitag Abend ab Vejers gut gelaunt und entspannt auf in Richtung Heimat. Nach einer knappen Stunde Fahrt begann unser Nugget plötzlich, extremst zu ruckeln und zu schlingern. Erschrocken bremste Jan runter, bis sich unser Camper wieder stabilisierte. Was war das? Ein Blick in die Seitenspiegel verriet uns – nichts: Kein platter Reifen, kein Rauch, nichts. Wir entschieden uns, mit verminderter Geschwindigkeit bis zur nächsten Raststätte weiterzufahren. Brrrrr! Wieder fing der Nugget an zu ruckeln und zu schlingern. Mein Puls preschte hoch, Jan bremste noch weiter runter. Mit 50 km/h zuckelten wir über die E20 und waren heilfroh, als die nächste Raststätte in Sicht kam. Wir hielten und checkten die Lage. Der Geruch von verschmorrtem Gummi stieg mir in die Nase. Außerdem hatte der rechte Hinterreifen eine auffällige Beule, und ich entdeckte ein paar Klekse Flüssigkeit unter dem Wagen, direkt neben dem verbeulten Reifen. Mist! Was nun?

19.20 Uhr: Hiiiilfe! – Anruf bei den „Gelben Engeln“

Zum Glück sind wir ja ADAC-Mitglied, dachte ich, schnappte mir Jans Mitgliedsausweis und rief die Pannenhotline an. „Leider sind Sie kein ADAC-Plus-Mitglied, Sie sind also nur bei einer Autopanne innerhalb Deutschlands abgesichert“, teilte mir die Dame am anderen Ende der Leitung mit. Echt jetzt? Gut, dass wir letztes Jahr zwei Monate durch Frankreich und Spanien getingelt sind, im guten Glauben, bei Unfällen und Pannen über den ADAC Hilfe zu bekommen. Die Dame durchbrach mein fassungsloses Schweigen mit einem netten und hilfreichen Tipp: „Falls Ihr Fahrzeug noch jünger ist, gilt vielleicht noch die Mobilitätsgarantie des Herstellers.“ Aber ja, natürlich, unser Nugget besaß eine verlängerte Mobilitätsgarantie bis zum 5. Jahr! Erleichtert notierte ich die Telefonnummer der Ford Assistance, die die hilfsbereite ADAC-Dame mir freundlicherweise nannte.

Tipp #1
Sinnvoller Weise sollte man sich VOR der Reise über seine bestehenden Auslandsschutzbriefe, die Leistungsumfänge und Hotline-Nummern informieren sowie alles griffbereit im Handschuhfach mit sich führen (siehe Fazit).

19.30 Uhr: Anruf bei der Ford Assistance

Ich rief also bei der Ford Assistance an, die zu meiner Erleichterung tatsächlich helfen konnte. Wo wir uns aktuell befänden, wollte die Dame an der Hotline wissen. Auf der E20 in Richtung Kolding, auf einer Raststätte kurz vor dem Abzweig auf die E45. Soweit, so gut, der Pannendienst benötigte aber natürlich unseren exakten Standort. Verdammt! Am Eingang der Raststätte konnte ich keine Adresse ausfindig machen, und auch das Personal konnte mir keine Anschrift nennen. Grrr! Jan ermittelte schließlich per Handy unsere GPS-Koordinaten. Was für eine schwere Geburt…
Nun hieß es abwarten und Tee trinken. Beziehungsweise teures Raststättenfutter konsumieren. Uns wurde nämlich aus Kostengründen ein Abschleppdienst aus Flensburg organisiert, der uns im Zweifel nach Deutschland schleppen sollte. Zum Glück besaß die Raststätte einen schönen Kinderspielbereich sowie einen Spielplatz draußen, so dass wir Lottas Laune bis zum Eintreffen des Pannendienstes mit spielen und essen einigermaßen aufrecht halten konnten.

Tipp #2
Vor dem Anruf bei der Pannenhilfe sollte man seinen genauen Standort herausfinden (z.B. Adresse, Streckenkilometerangabe der Autobahn bzw. Landstraße, GPS-Koordinaten).

Unser Nugget fährt nach einer Autopanne Huckepack.

Unser Nugget fährt Huckepack.

21.45 Uhr: Rettung in Sicht

Es war bereits kurz vor zehn, als der Abschleppdienst Joost eintraf. Da unserer Camper vermeintlich Bremsflüssigkeit verlor, stufte unser Pannenhelfer Uwe eine Weiterfahrt mit Ersatzreifen als zu gefährlich ein, und lud unseren Nugget auf seinen Anhänger. Wir nahmen im Abschlepper Platz, wo Lotta zum Glück unverzüglich erschöpft einschlief.

23.15 Uhr: Ankunft in Flensburg – und was nun?

Um kurz nach elf erreichten wir die Fordwerkstatt Nehrkorn in Flensburg, wo unserer Nugget übernachten sollte. Und wir? Ich rief erneut bei der Ford Assistance an, wo mir eine weniger freundliche Dame klar machte, dass das nicht ihr Problem sei. Die Ford Assistance käme bei Reifenschäden ohnehin maximal für das Abschleppen auf, nicht aber für Übernachtungs- oder Mietwagenkosten. Ich war baff, hatte mir dir erste Dame schließlich versichert, dass für alles gesorgt würde. Wir könnten doch im Camper schlafen, war ihr glorreicher Einfall. Wildcampen ok, aber auf dem Parkplatz einer Fordwerkstatt? Sollte ich nachts etwa in den Gulli pinkeln? Zum Glück half uns Uwe vom Abschleppdienst weiter: Er notierte uns die Adresse eines Hotels, die Nummer eines Taxiunternehmens, ebenso wie die Nummer der Ford-Werkstatt, damit wir direkt am nächsten Morgen Kontakt aufnehmen konnten. Danke, Uwe!

23.45 Uhr: Herbergssuche à la Weihnachtsgeschichte

Wir packten notdürftig etwas Wechselwäsche, Schlafklamotten, Kulturtaschen und Wickelzeug in Jutebeutel, klemmten uns den sperrigen Kindersitz und Lotta unter den Arm und fuhren mit dem Taxi zum genannten Hotel. Ausgebucht. Ebenso das Nachbarhotel und das Hotel gegenüber. Erschöpft und für den Moment ratlos ließen wir uns in der Hotellobby nieder. Um uns herum herrschte ein buntes Treiben. Eine Gruppe Mitzwanziger versammelte sich mit Bierkannen in den Händen für die gemeinsame Partynacht. Eine Riege älterer Damen und Herren, geschätzt ein Kegelclub, kippte sich unter lautem Geschnatter und schrillem Gelächter Cocktails und Schnäpse hinter die Binde. Und mittendrin saßen wir: Eine Schwangere mit müdem und verwirrtem Kleinkind auf dem Schoß samt Mann mit diversen Jutebeuteln und Autokindersitz im Schlepptau. Was für ein Bild.
Wir versuchten, über das Internet einen Schlafplatz für die Nacht ausfindig zu machen, stellten allerdings schnell fest, dass die Buchungsportale nach Mitternacht bereits auf den Folgetag umgestellt sind. Verzweiflung machte sich breit, und irgendwie war da auf einmal das Bild von Maria und Josef und ihrer nächtlichen Herbergssuche in meinem Kopf. Bevor wir notfalls doch hätten im Stall Camper nächtigen müssen, klingelte ich meine Mutter aus dem Bett, mit der Bitte, die Flensburger Hotels nach einem Zimmer für uns abzutelefonieren. Nach zig vergeblichen Anrufen wurde sie fündig, allerdings sollte das Zimmer 155 Euro die (mittlerweile nur noch halbe) Nacht kosten. Uff. Unsere Müdigkeit und Erschöpfung siegten am Ende.
Es war fast halb zwei, als wir endlich unser Zimmer in dem noblen Hotel bezogen. Für die völlig erschöpfte Lotta hatte uns der Nachtportier ein Babybettchen besorgt – etwas widerwillig, aber bei dem Preis wollte ich den bestmöglichen Schlaf für uns drei herausholen. Lotta schlief sofort ein, während wir noch einige Minuten brauchten, bis die Anspannung langsam von uns abfiel und wir uns unserer Müdigkeit ergaben.

Tipp #3
Neben dem Abschleppen sollte man auch die Übernachtungsfrage (oder in anderen Situationen die Organisation der Weiterreise, z.B. Mietwagenbuchung oder Bahntickets) direkt mit der Pannen-Hotline abklären.

09.00 Uhr: Betteln bei der Fordwerkstatt

Trotz des turbulenten Vorabends waren wir überraschend fit, genossen die luxuriöse Dusche und machten uns bereit für das Frühstücksbuffet. Vorher rief ich bei Ford an. An diesem Samstag wäre nur ein Mann als Notbesetzung da, also könne man sich unseren Camper voraussichtlich Montag oder Dienstag mal anschauen. Wie bitte? Ich wies vorsichtig darauf hin, dass wir nach Dortmund weiterfahren mussten, und erhöhte die Dringlichkeit durch das Ausspielen der Schwangeren-mit-Kleinkind-Karte. Sie würde sehen, was sie tun kann, versicherte mir die Dame und versprach mir einen Rückruf.
Mangels Alternativen enterten wir erst mal das Frühstücksbuffet, das in einem chicen Salon eingenommen wurde. Die Art von Salon, wo ich normalerweise weder im Freizeit-Outfit noch mit Kleinkind frühstücken würde. Egal, die fünf Gäste, die mit uns speisten, mussten sich mit uns gestrandeten Campern arrangieren. Gegen 11 Uhr erreichte uns der rettende Anruf: Wir konnten unseren Nugget fahrtüchtig abholen. Und das sogar auch noch ohne weitere Kosten, schließlich hätte man ja nur Pannenhilfe geleistet. Halleluja!

12.00 Uhr: On the road again!

Der nette Herr Notbesetzung hatte festgestellt, dass ein Profilbruch für die Beule in unserem Reifen verantwortlich war. Und die Beule wiederum hat den Stoßdämpfer beim Fahren malträtiert, bis dieser geplatzt ist. Sehr misslich. Die ausgelaufene Flüssigkeit, die ich unter dem Camper entdeckt hatte, war dafür lediglich etwas Öl aus dem geplatzten Stoßdämpfer, keine Bremsflüssigkeit oder Ähnliches. Aus diesem Grunde konnten wir unsere Fahrt mit dem Reserverad und dem defekten Stoßdämpfer fortsetzen. Jippie!
Überraschender Weise war unsere sonst so autofahrmuffelige Lotta trotz dieser turbulenten Ereignisse hervorragend drauf. Und auch der Verkehr floss flüssig vor sich hin. Glück im Unglück, heißt es doch so schön: Ohne weitere Zwischenfälle kamen wir am frühen Abend zu Hause an.

Die Nachwehen: Reparatur unseres Nuggets

Im Nachgang dieser Reise kam natürlich noch allerhand Aufwand auf uns zu. Und Kosten. Wir brachten unseren Nugget in die Fordwerkstatt unseres Vertrauens, wo wir trotz Mitleidsrabatt noch knappe 400 Euro für zwei neue Hinterreifen und einen neuen Stoßdämpfer ließen. Grrr.

Unverhoffter Geldregen: Die HUK24 kommt für Kosten auf

Dafür prasselte an anderer Stelle ein kleiner Geldregen auf uns nieder. Mein Vater hatte die blendende Idee, dass wir bei unserer Autoversicherung sicherlich einen Auslandsschutzbrief abgeschlossen hätten. Jawohl, hatten wir! Bei der HUK24 kostet dieser schließlich nur 7 Euro Jahresgebühr, wer sagt da schon nein? Wir meldeten der HUK24 also unsere Autopanne, reichten unsere Hotel- und Taxi-Quittungen ein und bekamen problemlos unsere Ausgaben in Höhe von 176 Euro erstattet – perfekt!

Tipp #4
Man sollte sich unbedingt für alle Auslagen und Kosten eine Quittung geben lassen (Hotelübernachtung, Taxifahrten, Mietwagenrechnung etc) sowie die Fahrscheine für öffentliche Verkehrsmittel aufbewahren.

Die Abschleppgebühren hat zum Glück die Ford Assistance übernommen, dahingehend hatten wir nach den unterschiedlichen Aussagen der Hotline-Damen etwas gebibbert. Hätten wir diese Kosten privat tragen müssen, wären wir nämlich – inklusive Nachtzuschlag – über 500 Euro losgeworden!! Im Rahmen des Auslandsschutzbriefes der HUK24 sind Abschleppkosten übrigens ebenfalls abgedeckt, allerdings nur bis zu einer Höchstgrenze von 200 Euro.

Fazit: Besser rüsten fürs nächste Mal

Um beim (hoffentlich nicht eintretenden) nächsten Mal nicht wieder so dumm dazustehen, habe ich mir jetzt einen Überblick über unseren bestehenden KFZ-Auslandsschutz samt eingeschlossener Leistungen und Hotline-Nummern verschafft. Und wo ich gerade dabei war, habe ich auch gleich noch alles Wissenswerte zu unserer Auslandsreise-Krankenversicherung recherchiert. Last but not least habe ich wichtige Eckdaten und Sperrnummern meiner Bankkarten notiert – auch nicht unwichtig auf Reisen. Die Übersicht liegt nun griffbereit im Camper.

Zu guter Letzt werden wir noch einen unnötigen Kostenfaktor eliminieren: Wir werden Jans ADAC-Basis-Mitgliedschaft kündigen und damit 49 Euro jährlich einsparen. Für den weltweiten Schutz hätte Jan Plus-Mitglied werden müssen und dafür 84 Euro jährlich (bzw. 109 Euro für die ganze Familie) berappen müssen. Zwar bietet der ADAC einiges an zusätzlichem Schnickschnack, letztlich aber nichts für uns Wesentliches, was nicht bereits durch den viel günstigeren Auslandsschutzbrief der HUK24 oder unsere Auslandsreise-Krankenversicherung bei der Allianz abgedeckt ist.

Tipp #5
Um auf Reisen bei Autopannen, Unfällen und Krankheiten gerüstet zu sein, halte ich einen Auslandsschutzbrief für das Auto bzw. den Camper sowie eine Auslandsreise-Krankenversicherung für essentiell. Bei Pauschalreisen oder Flugbuchungen sollte man – je nach Höhe der Kosten und Vorlauf zur Reise – den Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung abwägen (sehr empfehlenswert auch bei Reisen während der Schwangerschaft!). Um immer „flüssig“ zu sein, empfehle ich, mindestens zwei verschiedene Kreditkarten mitzuführen und diese an unterschiedlichen Orten aufzubewahren (eine hat mein Mann, eine habe ich, dazu besitzt jeder eine Girokarte).

Hattet ihr auch schon mal eine Autopanne im Ausland? Wie ist es gelaufen? Welche Versicherungen habt bzw. empfehlt ihr? Welche sonstigen Tipps und Ergänzungen könnt ihr beisteuern?

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