Profi-Tipps zu Winterurlaub mit Kindern im hohen Norden

Profi-Tipps zu Winterurlaub mit Kindern im hohen Norden

Wir haben es richtig gut. Wir lieben Schnee, unsere Kinder auch. Und wir haben sogar die Gelegenheit, in Schnee sichere Gebiete nach Skandinavien zu fahren – großartig! Was ist aber nun, wenn du den Schnee so sehr liebst wie wir, du aber Zweifel hast, dass deine Kleinen das auch tun? Oder dein Partner die Dunkelheit im Norden nicht so schätzt oder befürchtet, dass es womöglich zu kalt sei?

Pluspunkte der Skigebiete in Skandinavien

Ja, in Skandinavien ist es im Winter kalt und früh dunkel. Aber auch Schnee sicher und romantisch. Was wir weiterhin an den skandinavischen Skigebieten lieben:

  • Kinder bis sieben Jahren fahren fast überall mit Helm umsonst, benötigen keinen Skipass
  • Die Picknickplätze mit Grillstelle, die immer angeheizt ist, am Fuße der Pisten
  • Eine Värmestuga, ein Raum der geheizt ist, in dem man auch picknicken kann und sich aufwärmen kann
  • Entspannte Leute in nicht überfüllten Skigebieten
  • Kein Anstehen am Lift
Würstchengrillen in Finnland

Morten und Merle grillen Würstenchen in Vuokatti, Finnland   [ © nordicfamily ]

Winter bei Geertje und der Nordicfamily

Für ein Ostseekind aus der damaligen Zone ist es keineswegs normal, dass es Skifahren kann. Ich habe gerade mal in den Fotos gekramt und mich das erste Mal auf Skiern mit meiner Freundin Silke im tschechischen Erzgebirge gesehen. Gleich auf der Seite danach sieht man uns Freundinnen mit zwölf auf den Eisschollen der zugefrorenen Ostsee rumturnen. Die Winter schienen damals doch kälter gewesen zu sein.

Inzwischen haben wir Familie. Unserer Tochter ist Skifahren jetzt mit neun Jahren fast zu langweilig. Snowboarden findet sie inzwischen interessanter. Ich erinnere mich, dass ich sie mit zwei dreiviertel auf ihre ersten Skier gestellt habe und sie den Berg runtergerutscht ist. Dann habe ich sie ein Stück den Berg hochgeschleppt und wieder runterfahren lassen, bis ich völlig durchgeschwitzt war. Nach diesen zwei Stunden Sport habe ich mir dann noch zwei Stunden Snowboardfahren gegönnt und nachmittags eine Langlauftour. Der totale Stress aus heutiger Sicht, aber ich wollte den Tag nutzen, die wenigen Wintertage und den fantastischen Ort.

Natürlich ist auch ein gewisser Druck dahinter, wenn man einigermaßen Geld für die Reise ausgegeben hat und weiß, dass es das einzige Mal in dem Jahr sein wird, Wintersport zu betreiben. Zum Glück habe ich einen sehr entspannten Mann, was das angeht. Er freut sich in einer gemütlichen Hütte vor dem Kamin zu sitzen und ein zwei Stunden am Tag für sich Ski zu fahren oder mit den Kids im Schnee zu toben. Schwer vorzustellen, wenn beide Eltern diesen „Wintersportdruck“ haben und dann womöglich auch nochmal gemeinsam auf die Piste wollen.

Winterurlaub mit Kindern: Geertjes Tipps

Nun zu meinen oder unseren Tipps, was den Skiurlaub mit kleinen Kindern anbelangt:

1. Planung

Zu deutliche Wunschvorstellungen würde ich beim ersten Skiurlaub mit Kind zunächst ablegen. Wenn es welche gibt, dann gut mit dem Partner besprechen, was realistisch umzusetzen ist. Eventuell muss man sogar ein bisschen verhandeln: Heute darfst du zwei Stunden in die Loipe, dafür darfst du morgen auf die Piste.

In Skandinavien gibt es in den Skigebieten meist viele Möglichkeiten, aktiv zu sein, und das direkt von der Hüttentür aus. So kann man auch verschiedene Vorlieben unter einen Hut kriegen. Langlauf, Alpin, Schlittschuhfahren, Skikurse. In einigen Hüttendörfern gibt es ein zentrales Gebäude oder Hotel, wo es eventuell ein kleines Schwimmbad und einen Raum zum Spielen gibt. Falls einem die Hüttendecke mal auf den Kopf zu fallen droht, trifft man hier auch andere Kinder außerhalb der Piste in warmer gemütlicher Umgebung.

Rodelspaß in Vuokatti, Finnland

Rodelspaß in Vuokatti, Finnland   [ © nordicfamily ]

Eventuell lohnt es sich auch mit einer befreundeten Familie gemeinsam zu reisen, so dass die Aufteilung zwischen Familien und Kindern und den verschiedenen Aktivitäten noch besser klappt. Wir haben auch damit gute Erfahrungen gemacht.

2. Skikurse

Unserer Erfahrung nach sind die Skikurse auch eine gute Möglichkeit, schon a) die Kleinsten etwas zu bespaßen und b) für ein bis zwei Stunden als Paar etwas zu unternehmen. Außerdem scheint es, oh Wunder, viel besser zu klappen mit dem Skifahren lernen, als bei Mama, wo viel mehr rumgequengelt wird als beim Skilehrer.

Im vergangenen Jahr hatte unser kleinster mit 4 Jahren an drei aufeinander folgenden Tagen Einzelunterricht, was mehr Zufall war, weil alle anderen in der Gruppe schon älter waren und er daher der kleinste in der Gruppe war. Der Skilehrer Niklas, ein ambitionierter Skispringer, der sich selbst in Morten sah, als er noch klein war, bat uns sogar, während des Unterrichts ein bisschen außer Sichtweite zu bleiben, damit der Kleine konzentriert dabei bliebe. Hat funktioniert! Nach den drei Tagen konnte Morten den einfachen Hang runterkurven und alleine Tellerlift fahren. Die Schwester kurvte mit einer etwas älteren Truppe und einem Lehrer sogar etwas off pist herum. Von Aktionen, mit einer Fangleine um den Bauch der kleinen Skifahrer den Berg runter zu fahren wurde uns mehrfach abgeraten. Haben wir dann auch nicht probiert.

3. Langlauf als Familie

In Skandinavien ist es mehr als normal, dass man als Familie auf Langlauftour geht. Sobald man laufen kann, bekommt man Skier angeschnallt. Es gilt als gemeinsame Unternehmung und Sonntagsausflug mit Picknick, Thermoskanne und Rentierfell.

In allen Skigebieten gibt es dementsprechende Ausrüstung auch für die Kleinen. Für den Transport von sehr kleinen Kindern benutzten wir oft eine Pulka. Das ist ein Schlitten, den man an Stangen an der Hüfte zieht und in dem ein Kind wunderbar zum Mittagsschlaf in Felle und Schlafsack einpacken kann. So habe ich die eine oder andere Mittagsrunde gedreht. Ein gutes Training.

Skilanglauf mit Kind in der Pulka

Skilanglauf mit Kind in der Pulka   [ © nordicfamily ]

Aber auch bei Langlauftouren mit Familie gilt, die Ziele bzw. Erwartungen nicht zu hoch zu stecken. Wenn es nur ein paar hundert Meter geht, ist es auch ok, es soll ja Spaß machen und nicht die Kids vergraulen. Meist ist ein in Aussicht gestelltes Picknick ein Wundermittel.

4. Ausrüstung der Familie

In Skandinavien kann es im Januar und Februar schon mal empfindlich kalt werden. Man sagte uns, dass es besser ist, ab minus 20 Grad mit den Kids nicht mehr all zu lange rauszugehen. Die Gefahr von Erfrierungen besonders im Gesicht besteht tatsächlich, besonders, wenn es etwas windiger wird. Ohne Wind ist die trockene Kälte bei -20°C im Norden gefühlt weniger schlimm als -2°C in Deutschland in der Nähe eines Sees. Es ist immer gut, eine wasserfreie (!) Fettcreme auf unsere und die Kinderhaut aufzutragen.

Skimasken / Baklava aus Fleece oder Wolle sind bei uns Pflicht und total praktisch. Ebenso eine Skibrille und Helm beim Alpinski. Eine Skibrille kann man sich gut schon im Herbst oder frühen Winter im Discounter besorgen. Im Skigebiet selbst ist solche Ausrüstung immer gleich etwas teurer.

5. Warme und wetterfeste Kleidung

Hier in Deutschland achten wir meist darauf, dass alle Wintersachen zunächst wasserdicht sind, da es ja hier meist nasskalt ist. Im Norden ist die Kälte eher trocken. Hier ist es am wichtigsten, dass durch ein lockeres Zwiebelschalenprinzip die Luftschichten gut erwärmt werden und die Wärme halten.

Gute Kleidung und das Zwiebelprinzip sind die Basis für einen ungetrübten Winterurlaub mit Kindern.

Gute Kleidung und das Zwiebelprinzip sind die Basis für ungetrübten Schneespaß.
[ © nordicfamily ]

Ein Beispiel, was wir für nachahmenswert halten, ist:

  • Baselayer: lange Merinowoll Unterwäsche, zB das Ullfrottee von Woolpower, großzügige Wollschlingen bilden hier ein schönes Luftpolster.
  • Dann kann man bei kleinen Kindern, die sich nicht so viel bewegen, eine Fleecehose, Jogginghose oä. drüber ziehen.
  • Oben ziehen wir den Kindern gerne auch noch eine Woolpowerweste und dann eine Fleecejacke oder Wollstrickjacke an.
  • Über diese zwei Schichten kommt dann der Schneeoverall. Solange es einen Overall gibt, würde ich den Einer der Zweier-Kombi vorziehen, da kein Schnee im Hüftbereich eindringen kann. In einer normalen Skijacke sorgt meist ein Schneefang mehr oder weniger zuverlässig dafür, dass kein Schnee eindringt.
  • An den Füßen geht es mit Wollsocken weiter, nicht die von Oma, die immer so kratzen, nein Woolpower Socken, die es in verschiedenen Wolldichten gibt. Es macht unserer Erfahrung nach tatsächlich einen Unterschied, ob es sich um Baumwolle, Synthetikgemisch oder eben echte Wolle handelt. Echte Wolle gewinnt immer.

Unsere Erfahrung hat auch gezeigt, dass man nur zwei Garnituren für die Kids mitnehmen muss. Eigentlich muss man die lange Skiunterwäsche nicht waschen, denn Wolle riecht nicht so schnell. Bei uns war sie eher mal vom Essen vollgekleckert oder vollgepullert. Dann hat man gewechselt und kurz mit der Hand durchgewaschen. Wir Erwachsenen haben auch nur eine Garnitur Wollwäsche dabei und kommen damit gut eine Woche oder zehn Tage aus.

Bei Winterstiefeln haben wir uns nicht lumpen lassen. Wasserdicht und mit Innenschuh zum Rausnehmen und Trocknen war uns wichtig. Skandinavische Marken sind da immer zu empfehlen. Zugegebener Maßen, das klingt alles nach teuren Anschaffungen für ein paar Wintertage. Jedoch vertrauen wir den Marken, die dort entwickelt werden, wo es wirklich so kalt ist. Außerdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass diese Ausrüstung entweder mehr als eine Saison hält, weil sie mitwächst (Verlängerung der Bein und Armlängen ist im Anzug schon angelegt.) wie bei „Isbjörn of sweden“ oder einen hohen Wiederverkaufswert hat oder für das Geschwisterkind noch einmal benutzt wird. Die Qualität der Ausrüstung ist so hoch, dass mindestens 3 bis 4 Generationen von Kindern darin Skifahren lernen können. Außerdem fragen wir gezielt Bekannte oder Freunde, ob sie uns das eine oder andere Kleidungsstück für den Urlaub leihen können oder schauen schon rechtzeitig bei ebay und co. nach den gewünschten Marken.

Winterurlaub mit Kindern: Fazit

Ob ich eine Winterprobetour empfehlen kann, damit man sich sicher sein kann, ob das Kind die Kälte mag? Ehrlich gesagt ist es meiner Meinung nach die Ausstrahlung der Eltern. Wenn sie Lust haben auf Winter und dies authentisch leben und rüberbringen, warum soll das Kind das dann nicht mögen? Wenn die Kids von Anfang an selbstverständlich bei allen Winteraktivitäten dabei sind oder mit einbezogen werden in Planung und Vorbereitung, was könnte sie dann noch zweifeln lassen?

Selbstverständlich hat es auch für uns immer höchste Priorität gehabt und hat es immer noch, die Kinder vor arger Kälte zu schützen und Abhilfe zu schaffen, wenn sie frieren. Auch wenn die beste Medizin meist Bewegung ist, bedarf es viel Vorturnerei und Action, damit das akzeptiert wird. Zur Not hatte ich auch immer diese Knick-Pads eingesteckt, die Wärme erzeugen, wenn man sie knickt.

Winterspaß hat viele Gesichter

Winterspaß hat viele Gesichter   [ © nordicfamily ]

Auf keinen Fall versuchen wir die Geduld der Kids überzustrapazieren, wenn Schluss ist und die Luft raus ist, mussten wir das manchmal auch schmerzlich akzeptieren und am nächsten Tag einfach wieder frisch durchstarten. Dann gibt es auch jede Menge Alternativen, die Sauna, die in Skandinavien einfach dazugehört, Schneemann bauen oder Huskies streicheln.

Mehr lesen auf nordicfamily.de

Wir freuen uns, wenn wir ein bisschen von unseren Erfahrungen weitergeben können und zum Reisen in den richtigen Winter anregen. Dazu gibt es viele Blogposts über Winterreisen der nordicfamily nach Norwegen, Schweden und Finnland. Wintereisen nach Norden haben wir eigentlich von Anfang an unternommen. Ob die Kinder davon etwas mitnehmen oder sich irgendwann daran erinnern, ist vielleicht nicht so wichtig, wie der Fakt, dass man eine gute Zeit mit Freude in der Natur als Familie hat.

Dies ist ein Gastartikel von Geertje (Nordicfamily)
Toller Schlusssatz! Danke, liebe Geertje, für diesen wunderbaren Gastartikel. Trotz eigener Winterbegeisterung hatte ich Bedenken, ob und wie eine Winterreise in den Hohen Norden mit meinen Mädels möglich sein kann. Dein Bericht macht Mut und gibt Ansporn, danke für die tollen und hilfreichen Tipps! Ich hoffe jedenfalls sehr, dass wir Vier nächsten Winter Richtung Norden aufbrechen werden.

Und? Konnte Geertje Eure Bedenken und Sorgen in Bezug auf einen Winterurlaub mit Kindern auch zerstreuen? Oder reist Ihr mit Eurem Nachwuchs im Winter schon gen Norden?

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