Nordspanien: Zwischen Atlantik und Kantabrischer Kordillere

Nordspanien: Zwischen Atlantik und Kantabrischer Kordillere

In Spanien habe ich so oft Urlaub gemacht wie in keinem anderen Land. Ganze 15 Mal war ich an der Costa Brava, ich bin durch die Pyrenäen, nach Südspanien, auf die Balearen (Mallorca und Menorca) und die Kanaren (Teneriffa, Gran Canaria und Lanzarote) gereist. Ich kannte Spanien – oder doch nicht?

Nordspanien ist anders. Erstaunlich bergig. Erfrischend grün. Enorm abwechslungsreich. Und extremst vielfältig. Jede Region hat ihren eigenen, unverwechselbaren Charakter: Kleine und größere kulturelle, kulinarische, landschaftliche und sogar sprachliche Besonderheiten, die mich immer wieder aufs Neue überrascht und fasziniert haben.

Baskenland: Das Pintxos-Paradies

Fast hätten wir das Baskenland nur eilig durchquert, wies doch der Reiseführer ständig auf die viele hässliche und dreckige Industrie in der Region hin. Ich wollte unsere Zeit schließlich nicht im Ruhrpott Spaniens verplempern. Rein faktisch ist das Baskenland tatsächlich industriell geprägt und gehört zu den dicht besiedeltsten Regionen Spaniens. Wir haben aber auch bzw. vor allem die andere Seite des Baskenlandes kennen gelernt: Sehr lange und breite Sandstrände, die sich mit wilder Küste abwechseln, eingerahmt von grünen Hügeln und Bergen, die ein leichtes Schweiz-Feeling aufkommen lassen. Das absolute Highlight des Baskenlandes ist jedoch seine Küche. Die Basken kochen die besten tapas des Landes, die auf baskisch übrigens pintxos heißen. Mmmmh! Mir läuft jetzt schon wieder das Wasser im Mund zusammen 🙂

Ausblick auf die baskische Küste

Ausblick auf die baskische Küste

Unsere Stationen im Baskenland:
Donostia-San Sebastián, Zarautz, Mundaka & Umgebung, Bilbao.

link-Symbol Zum ausführlichen Baskenland-Bericht…

Kantabrien: Karibische Strände, englisches Wetter

Unser Kantabrien-Aufenthalt ist leider so ziemlich ins Wasser gefallen. Eine Woche lang begleiteten uns ein kühler Wind, dunkle Wolken und Regenschauer, so dass wir leider keine echte Gelegenheit hatten, die wunderschönen Sandstrände der Region zu nutzen. NORDspanien halt, da kann der Sommer auch schon mal englisch ausfallen…

Playa El Regatón

Playa El Regatón

Laredo
In Laredo haben wir nicht viel mehr gesehen als die Aussicht von unserem Campingplatz auf die Ría del Asón. Normalerweise kann man direkt vom Campingplatz aus toll am Ufer des Flusses entlang spazieren, dank der Regenfälle standen die Wege jedoch unter Wasser. Zu blöd. Auch den Ausflug zum Naturpark Dunas de Liencres haben wir regenbedingt gestrichen. Sehr, sehr schade, denn dort hätte ich mich mit meiner Kamera bestens austoben können. So blieb mir nur der Abendspaziergang am Strand des Campingplatzes, bevor nachts Gewitter, Sturm und Starkregen über uns herein brachen:


Gewitter über den Bergen

Noch donnerte und blitzte es in der Ferne über den Bergen.

Kathedrale von Santander

Kathedrale von Santander

Santander
Stadtbesichtigungen sind auch bei wechselhaftem Wetter immer ganz gut machbar, daher haben wir als nächstes das Seebad Santander angesteuert. Besonders viele Sehenswürdigkeiten hat die Stadt allerdings nicht zu bieten, da die Altstadt 1941 einem Großbrand zum Opfer gefallen ist.
Das große Plus von Santander sind die Kilometer langen und herrlich breiten Sandstrände. Ein Traum – wäre da nur nicht dieses englische Wetter… Wir spazierten also die sehr chice, mit vielen Aussichtsterrassen gespickte Strandpromenade entlang, immer einen wehmütigen Blick hinunter zu den karibisch-weißen Ständen werfend. Nur gucken, nicht baden. Seufz.

Spazieren ist aber ja auch schön, und dazu eignen sich auch die Halbinsel La Magdalena sowie die Küste beim Leuchtturm Cabo Mayor, wo wir gecampt haben.

Santillana del Mar
Nachdem mir die französischen Mittelalterstädte schon so gut gefallen haben, gehörte das mittelalterliche Santillana del Mar zum Pflichtprogramm. Die im 5. Jahrhundert gegründete Stadt mit ihren Kopfsteinpflastergassen, Steingebäuden und Fachwerkhäusern steht seit 1943 komplett unter Denkmalschutz. Auch wenn sich hier wieder scharenweise Touristen tummeln, sollte man Santillana wenigstens einen Kurzbesuch abstatten. Wir haben uns auf dem örtlichen Campingplatz einquartiert, so dass wir abends gemütlich durch die Altstadt bummeln konnten, nachdem die Touristenbusse das Feld geräumt hatten. Sehr atmosphärisch! Sonnenanbeter sollten sich übrigens nicht vom Namen irreführen lassen, die Stadt liegt nämlich nicht am Meer.

In der Gegend um Santillana gibt es auch einige prähistorische Höhlen, allen voran Altamira, das spanische Pendant zum französischen Lascaux. Natürlich ebenso frequentiert und ausgebucht. Auch unser Versuch, uns die asturische Cueva del Pindal anzusehen, ist gescheitert: Kindern unter 6 Jahren ist der Zutritt zur Höhle nämlich nicht gestattet (angeblich zu allen spanischen Höhlen).

Unsere Stationen in Kantabrien:
Laredo, Santander, Santillana del Mar.

Asturien: Mini-Meere, Bufones und Zweieinhalbtausender

Wir haben zwar nur den östlichsten Zipfel von Asturien bereist, dennoch hat mir diese Region am besten gefallen. Warum? Ich liebe die Berge, ich liebe das Meer, hier hatte ich beides dicht bei dicht.

Hafen von Llanes mit Sierra de Cuera

Direkt hinter Llanes erhebt sich die Sierra de Cuera, an die sich die Picos de Europa nahtlos anschließen.

Die Costa Verde (grüne Küste) lädt herrlich zum Wandern ein. Neben wilden Klippen und idyllischen Sandbuchten erwarten den Wanderer aber noch ganz andere, skurrile Phänomene: Bufones und playas interiores.

Playa de Gulpiyuri bei Llanes, Kantabrien

Playa de Gulpiyuri: Minimeer mit Strand, mitten auf der grünen Wiese.

Unser Basislager in Asturien war Llanes.

link-Symbol Mehr über die wilde Küste mit ihren Naturphänomenen und natürlich viele Sehnsuchtsfotos folgen!

Picos de Europa: Wildes Hochgebirge im Dreiregioneneck

Am liebsten wäre ich ja bis zum äußersten Zipfel von Galizien gereist, was realistisch mit (unserem) Baby aber nicht machbar war. Mindestens bis zu den Picos de Europa wollte ich aber kommen – das hat geklappt.

Blick auf die Picos de Europa

Blick vom Südrand auf die Picos de Europa

40 km lang, 20 km breit, etwa 200 Gipfel über 2.000 m – und das alles nur etwa 20 km vom Meer entfernt. Die Picos de Europa bilden den höchsten und wildesten Abschnitt der Kantabrischen Kordillere. Und sicherlich einen der schönsten. Natürlich bieten die Picos de Europa reichlich Wandermöglichkeiten, die mein Herz haben höher schlagen lassen. Mit Baby sind die spannendsten Touren aber nun mal nicht machbar, daher haben wir uns für die Umfahrung des Gebirges entschieden: Vom asturischen Arenas de Cabrales über Gangas de Onís nach Posada de Valdeón (Kastilien-León) bis zum kantabrischen Potes. Ein herrlicher Roadtrip durch wilde Schluchten, über aussichtsreiche Pässe und vorbei an bizarren Gipfeln.
Eine Wanderung habe ich aber dennoch unternommen, da mir meine Lieben einen freien Tag geschenkt haben: Die Ruta del Cares, der unangefochtene Klassiker in den Picos. 24 km, fünfeinhalb Stunden, gigantische Aussichten – herrlich!

Nicole auf der Ruta del Cares

Die Wanderung durch die Cares-Schlucht hält viele Naturspektakel bereit.

Unsere Stationen und Unternehmungen in den Picos de Europa:
Arenas de Cabrales, Ruta del Cares, Potes, Umfahrung der Picos de Europa.

link-Symbol Zum Tourenbericht der Cares-Wanderung samt Fotos

Kastilien-León: Burgos und der Jakobsweg

Wenigstens eine der chicen Städte am Jakobsweg wollte ich mir gerne anschauen, Burgos ist es geworden. Wenn auch nur im Schnelldurchlauf. Zwar behauptete der Reiseführer ganz richtig, dass der hiesige Campingplatz Bus-Anschluss an die Altstadt hat, dass der Bus aber nur zwei Mal vormittags und dann erst wieder spätnachmittags fährt, blieb unerwähnt. Als wir mittags eintrafen, blieb uns jedenfalls nur noch der Fußweg, der uns in guten 45 Minuten – immerhin ganz nett am Fluss entlang – bis zur Altstadt führte.

Promenade mit Kathedrale in Burgos

Über die Promenade am Fluss entlang näherten wir uns Burgos.

Wie wohl bei allen Pilgerstädten ist auch in Burgos die Kathedrale DAS dominierende Gebäude, ein wirklich beeindruckendes Exemplar mit herrlichen Details. Sie ist die drittgrößte Kathedrale ganz Spaniens und wurde von der UNESCO zum Welterbe der Menschheit erklärt.

Kathedrale von Burgos

Die Kathedrale von Burgos ist die drittgrößte des ganzen Landes.

Die weiteren Sehenswürdigkeiten lassen sich ganz gut in einem etwa dreistündigen Rundgang „abklappern“. Wir sind an den beiden Kirchen San Esteban und San Nicolás vorbei geschlendert, bevor wir den Aussichtshügel mit dem Castillo erklommen haben. An der Aussicht auf Burgos fand ich den Fakt besonders spannend, dass die Stadt einfach abrupt aufhört und Feldern und Brachland Platz macht.

Eine Besichtigung der Burg lohnt sich im Übrigen sehr, auch wenn die Ruinen selbst nicht sonderlich interessant erscheinen. Spannend ist die Führung ins Innere des Castillo (3,70 €), die durch unterirdische Gänge und zum tiefsten Wasserbrunnen aus dem Mittelalter (über 60 m) führt. Unser Guide hat uns die Geschichte rund um die Burg spannend und humorvoll näher gebracht.

Geschichte des Castillo von Burgos
Der Bau des Castillo im Zuge der Reconquista im Jahre 884 war die Geburtsstunde der Stadt Burgos. Im Jahre 1809 fragten Napoleons Truppen freundlich an, ob sie auf ihrem Weg nach Portugal im Castillo Station machen dürften. Sie blieben – ganze fünf Jahre. Um die Franzosen zu vertreiben, wollte die Bevölkerung von Burgos ihnen das Wasser abdrehen: Sie gruben Tunnel zur Burg, um den Brunnen zu zerstören. Die Franzosen entlarvten den Plan und gruben ihrerseits Tunnel dagegen. Dort, wo die Tunnel sich trafen, krachte es. Im Jahre 1813 wollten die Franzosen die Burg schließlich verlassen, aber getreu dem Motto „Wenn ich die Burg nicht haben darf, soll sie auch kein anderer haben“ wollten Napoleons Tuppen die Burg nach ihrem Abzug sprengen. Leider flog die Burg bereits im Morgengrauen in die Luft, und mit ihr alle französischen Besatzer. Unfall? Sabotage? Wer weiß das schon…

Eindrücke vom kastilischen Hochplateau
Die autonome Region Kastilien-León ist flächenmäßig etwas größer als Portugal. Während im Mittelalter die Schafzucht und Tuchfabriken der Region großen Reichtum bescherten, so kämpft Kastilien-León heute gegen den verpassten Strukturwandel und die Abwanderung der Bevölkerung an. Die weitläufige Steppenlandschaft auf dem kastilischen Hochplateau (500-1000 m Höhe) dient in erster Linie dem Getreideanbau sowie der Schaf- und Rinderzucht.
Da viele Felder bereits abgeerntet waren, als wir durch Kastilien-León gefahren sind, wirkte die Region schon sehr öde auf mich. Aber: Die Region ist groß, und laut Reiseführer gibt es neben der öden Mondlandschaft vielfältige Sehenswürdigkeiten und Unternehmungsmöglichkeiten dort. Ein paar zufällige Lichtblicke hatten wir bei unserer zügigen Durchfahrt aber auch:

Sonnenuntergang über dem Stausee

Traumhafter Sonnenuntergang am Embalse de Aguilar, wo wir wild gecampt haben.


Meine Eindrücke vom Camino Francés und Camino del Norte
Für die Strecke von Burgos nach Logroño haben wir statt der Autopista die Nationalstraße N120 gewählt, an der über weite Teile der Jakobsweg entlang führt. Meine Wanderlust hielte sich da ja in Grenzen, dennoch kamen uns zahlreiche Peregrinos entgegen. Man hört ja häufig, dass der Camino Francés überlaufen ist – es stimmt! Und es war bereits Mitte September, also nicht mal Hochsaison.
Wir sind während unseres Roadtrips ja immer mal auf die Küstenvariante des Jakobswegs, den Camino del Norte, getroffen. Auch hier habe ich Peregrinos gesichtet, allerdings längst nicht so viele. Landschaftlich spannender scheint mir die Küstenvariante ohnehin, wobei das ständige Auf und Ab sicherlich auch weitaus anstrengender ist. Ich hätte auf jeden Fall mal Lust, den ein oder anderen Abschnitt des Camino del Norte zu laufen. Irgendwann.

Unsere Stationen in Kastilien-León:
Embalse de Aguilar, Burgos.

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