Wandern in der Eifel

Camper-Test in der Nordeifel, dem Natur- und Wanderparadies in NRW

Wandern in NRW? Na, und ob! Der Nähe wegen war ich bisher meist im hiesigen „Rentnergebirge“ unterwegs, also auf dem Rothaarsteig im Sauerland. Zur Abwechslung fuhren wir am verlängerten Fronleichnam-Wochenende in die Eifel. Zwar ist die Eifel mit ihren maximal 746,9 m über NHN noch knappe 100 Meter niedriger als das Rothaargebirge, aber in puncto landschaftliche Vielfalt geht die Eifel eindeutig als Sieger hervor. Und eigentlich waren wir ja gar nicht primär zum Wandern hin gefahren, sondern um unseren Camper einzuweihen und einem ersten Praxistest für unsere große Tour im Sommer zu unterziehen. Mit Erfolg!

Camper-Tetris: Wie packe ich am besten?

Am Dienstag hatten wir unseren Camper in Empfang genommen, am Donnerstag ging`s bereits los. Wir waren etwas ziemlich unvorbereitet, aber gespannt und aufgeregt wie zwei Kinder am Nikolaustag. Was packen wir alles ein? Was brauchen wir unbedingt? Was ist unnötiger Ballast? Und die Frage aller Fragen: Wie und wo verstauen wir das ganze Zeug sinnvoll?
Wir begannen damit, alles uns nützlich Erscheinende im Flur zu stapeln. Kleidung für uns, vornehmlich unsere Outdoor-Sachen, die sind am praktischsten und am bequemsten. Wanderstiefel und Trekkingsandalen. Handtuch und Hygieneartikel. Kleidung, Wickelutensilien, Spielzeug, Kinderwagen, Babytrage und Babyschale für Lotta. Uff. Campinggeschirr, dazu ein paar Küchenutensilien wie Sieb, Pfannenwender, Schneidebretter, Küchenrolle und Gewürze. Babyteller und -löffel, Trinklernflasche, Lätzchen, Spucktücher und Waschlappen für Lotta. Essen und Getränke für uns, Gläschen für Lotta. Schlafsäcke plus Kissen. Tagesrucksack, Picknickdecke, Fotoausrüstung. Puh, das läpperte sich.
Das Verstauen im Camper war letztlich einfacher als erwartet: Jedes Teil ordnete sich fast von selbst an seinen logisch sinnvollen Platz. Das war aber auch erst Level 1. Auf unserer großen Tour werden wir mehr Gepäck mitnehmen: Mehr Wechselkleidung, etwas Entertainment (Spiele, Bücher, Laptop), Campingtisch und -stühle sowie ein paar mehr Utensilien (Faltschüssel, Handfeger etc.). Das wird Camper-Tetris für Fortgeschrittene…

Campingplatz Perlenau in Monschau

Nach guten zwei Stunden Fahrt bezogen wir Quartier auf dem gemütlichen und naturbelassenen Campingplatz Perlenau in Monschau, direkt am munter plätschernden Perlbach. Dauer-Camper gab es dort zum Glück gar nicht, stattdessen allerhand buntes Volk aus halb Europa, darunter ein paar echte Originale.

Mit dem Camping-Trekker in die Nordeifel

Mit 25 km/h von Oberhausen in die Nordeifel – und das Gefährt ist noch cooler als das von Trekker-Willi!

Der Campingplatz liegt ca. 1,5 km von der Monschauer Altstadt entfernt und direkt am Eifelsteig – die perfekte Ausgangslage für unser langes Wochenende.

Ein Dank an dieser Stelle an den Rand-Eifelaner Michael Waschkau für den tollen Campingplatz-Tipp! In Michaels Blog gibt es übrigens Fotos und Routeninfos samt GPS-Daten zu Wanderungen in der Eifel.

Eifel: Grünes Mittelgebirge in Deutschlands Westen

Nun aber erst mal ein paar Backgroundinfos zur Region. Die Eifel wird von Aachen im Norden, Koblenz im Osten und Trier im Süden eingerahmt. Das über 5.300 km² große Mittelgebirge mit seinen Natur- und Geoparks erstreckt sich neben NRW auch über das Bundesland Rheinland-Pfalz sowie Teile von Belgien und Luxemburg. Geografisch wird das Gebiet grob in Nordeifel und Südeifel unterteilt, wobei es unzählige weitere naturräumliche Untergliederungen gibt. Die berühmte und immer noch vulkanisch aktive Vulkaneifel mit ihren Maaren, Kratern und Lavaströmen liegt in der Südeifel. So sehr mich diese Vulkan-Landschaft fasziniert und interessiert hätte, für unser erstes Testwochenende mit dem Camper haben wir uns für die näher gelegene Nordeifel entschieden.

Aussichtspunkt am Eifelsteigs

Aussichtspunkt entlang des Eifelsteigs zwischen Perlenau und Monschau

Auf dem Eifelsteig zur Monschauer Altstadt

Am Freitag begrüßte uns bestes Sommerwetter. Es kitzelte in meinen Füßen, ich hatte Hummeln im Hintern, ich musste einfach auf die Piste! Ob Lotta wohl wandertauglich ist? Probieren geht über studieren. Wir beschlossen, klein anzufangen und nach Monschau zu laufen, allerdings nicht auf direktem Weg, sondern mit einem kleinen Schlenker über die umliegenden Hügel samt ihrer Aussichtspunkte. Jan nahm Lotta in die Babytrage, während ich den Tagesrucksack aufsetzte. Los ging`s!

Jan und Lotta vorm Perlbach

Wanderauftakt: Vom Campingplatz direkt auf den Eifelsteig


Über eine kleine Brücke gelangten wir vom Campingplatz direkt auf den Eifelsteig. Wir folgten dem Weg nach rechts entlang des Perlbachs bis nach Perlenau. Der Name rührt übrigens aus vergangenen Zeiten, als es im Bach noch Kolonien von Flussperlmuscheln gab, von denen manche eine Perle enthielten.

Aufstieg am Eifelsteig

Eifelsteig: Über Stock und Stein ging es bergan.


Am Hotel Perlenau bogen wir links ab und stiegen im Schatten der hohen Fichten (oder Tannen?) bergan. Unzählige Wurzeln bildeten tückische Stolperfallen, vor allem für Jan, der mit Lotta im Beutel nicht sehen konnte, wo er hin trat. Zwischendurch passierten wir felsige Teilstücke – klar, die Eifel ist ja Teil des Rheinischen Schiefergebirges.

Nach einer Weile Bergan-durch-den-Wald-Lauferei hatten wir plötzlich den Waldrand erreicht. Gleißendes Sonnenlicht blendete uns von außerhalb des dichten Blätterwerks.

Gleißendes Sonnenlicht hinter dem Wandrand

Hinter dem Wald begrüßte uns gleißendes Sonnenlicht.


Nachdem wir den schattigen Wald verlassen hatten, trauten wir unseren Augen nicht: Wir standen vor einer riesigen Wildblumenwiese!

Wildblumenwiese

Unten Wald, oben Wiese – damit hatten wir nicht gerechnet.


Wahrscheinlich sind wir – im Pollenrausch – falsch abgebogen, denn wir machten einen kleinen Schlenker über eine Siedlung, bevor wir über einen Parallelweg wieder zurück in den Wald gelangten. Egal. Nun krähte Lotta zur Pause. Bis dato war sie übrigens höchst kooperativ, hat sich interessiert die Bäume und ihre Licht/Schatten-Spiele angeschaut und zwischendurch auch mal genickt. Wir breiteten unsere Picknickdecke aus, so dass Lotta zunächst futtern und anschließend etwas strampeln und spielen konnte.

Weiter ging`s auf dem Eifelsteig, zunächst wieder bergan, schließlich aber zielstrebig bergab hinunter nach Monschau. Dort schlenderten wir quer durch die wunderschöne Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und vielen kleinen und urigen Geschäften. Am Marktplatz ließen wir uns ein Weilchen nieder und gönnten uns ein erfrischendes Eis aus eigener Herstellung – lecker!

Einfach herrlich :)

Einfach herrlich diese Szene, oder?!


Wir machten uns auf den Rückweg, wieder über einen Teil des Eifelsteigs. Es ging vorbei am Teufelsley

Teufelsley bei Monschau

Am Teufelsley, Ley ist das alte rheinländische Wort für Schieferfelsen. Aber was hat der Teufel damit zu tun?


… gefolgt vom Engelsley.
Engelsley bei Monschau

Der Gegenpol zum Teufel: Das Engelsley.


Kurz darauf brachte uns der Weg hinunter zu einem alten Wehr des Perlenbachs und von dort direkt zurück zum Campingplatz. Eine nette kleine Runde, perfekt als Wandertauglichkeitstest für Lotta – den sie trotz ungewohnter Sommerwärme übrigens mit Bravour gemeistert hat!

Ausflug zur Greifvogelstation und Wildfreigehege Hellenthal

Am Samstag wollten wir Lotta (und unseren Rücken) eine Pause gönnen und einen Kinderwagen-tauglichen Ausflug machen. Wir entschieden uns für das Wildfreigehege Hellenthal, das auch mit einer großen Greifvogelstation aufwartete.

Bussard-Dame Bea

Bussard-Dame Bea

Die Greifvogelstation Hellenthal setzt sich aktiv für den Greifvogel- und Naturschutz ein. Mehrere Falken-, Bussard-, Adler- und Geierarten sowie Uhus und diverse Eulenarten werden unter artgerechten Bedingungen gezüchtet, um im Zuge von Auswilderungsprogrammen geschwächte Populationen in der freien Natur zu stärken.
Ich bin ein absoluter Vogelfan, besonders große Vögel und ihre anmutigen Flug- und Segelkünste liebe ich! Meine Fotos von den anderen Tieren erspare ich euch, aber ein paar Bilder der Flugshow muss ich euch einfach zeigen.

Weißkopfseeadler

Anmutig und stolz: Der König der Lüfte, der Weißkopfseeadler.


Während der Flugshow erzählte der Falkner einiges zu den Herrschern der Lüfte und rund um die Arbeit der Greifvogelstation. Ein Bussard hatte an der vorherrschenden Thermik richtigen Spaß gefunden und sah es überhaupt nicht ein, dem Feierabendwunsch des Falkners nachzukommen. Ob auch schon mal Tiere ausgebüchst seien, fragte ich. Es komme durchaus vor, sagte der Falkner, dass ein Vogel mal einen mehrtägigen Ausflug mache. Schlimm sei das nicht, schließlich hat die Greifvogelstation genug Tiere, so dass die Flugshows trotzdem stattfinden können. In der Regel kommen die Tiere von alleine wieder, nur manchmal müssen die Vögel vom Falkner abgeholt werden. Der weiteste Ausflug eines Adlers führte nach Paris. Nur elf Vögel seien in den letzten 47 Jahren nicht zurückgekehrt. Ein ausgebüchster Bussard habe an der Ostsee eine Partnerin gefunden und lebe nun dort.

Wanderung ins Hohe Venn: Die Stuffeltroute

Der gemütliche Samstag war schön und gut, aber am Sonntag musste wieder gewandert werden. Unbedingt! Ich hatte mich durch die Broschüre Wanderland Eifel 2015 geblättert und war völlig angefixt von den schönen und vielfältigen Tourmöglichkeiten. Zähneknirschend bremste ich mich, denn mit Lotta war einfach keine 6-Stunden-Wanderung drin. Man kann nicht alles haben. Ich wählte schließlich die 9,7 km lange Stuffeltroute in Roetgen aus, für die 3 Stunden veranschlagt wurden und die als „leicht“ gekennzeichnet war.

Hochmoorlandschaft Hohes Venn

Hochmoorlandschaft Hohes Venn

Die Wanderung war wunderschön abwechslungsreich: Hochmoorlandschaft, Wald, Wiesen, Bäche, Furten, Talsperren – alles dabei. Insgesamt waren wir – mit Fütter-, Wickel- und Spielpausen für Lotta – knapp 5 Stunden unterwegs. Hier gibt`s die Tour in Bildern mit Untertiteln:

Fazit

Ein lehrreiches Wochenende liegt hinter mir! Hier sind meine Erkenntnisse (und offene Fragen) zur Nordeifel, zum Nugget sowie zum Campen und Wandern mit Baby:

  • Nordrheinwestfalen ist viel abwechslungsreicher und cooler, als ich je gedacht hätte.
  • Unser „Goldstück“ war eine gute Wahl! Sein Zweiraumkonzept (Sitzbereich vorne, Küche im Heckbereich) hat sich bewährt. Dank der guten Einweisung durch die BerglandGruppe sind wir mit dem Camper sehr gut klar gekommen.
  • Nun überlegen wir, welches Zubehör wir für den Nugget noch gebrauchen können. Moskitogitter? Seitenteile/Windschutz für die Markise? Was könnte sonst sinnvoll sein?
  • Auch im Juni sind die Nächte noch kühl bzw. eine Standheizung ist dazu da, sie einzuschalten. Nachdem ich in der ersten Nacht fröstelnd aufgewacht bin, werden wir den Fehler kein zweites Mal machen – hoffentlich.
  • An unserem Equipment für Lotta müssen wir noch feilen. Der Kinderwagen ist eindeutig zu sperrig und ständig im Weg, ein reisetauglicher Faltbuggy muss her. Ggf. brauchen wir noch einen Campinghochstuhl für gemeinsame Mahlzeiten, eine Kraxe statt der Babytrage (komfortabler aber sperriger…) sowie wind- und wetterfeste Kleidung.
  • Auch unsere Campingausrüstung benötigt ein Upgrade: Mindestens ein Tisch plus Stühle muss her. Teilweise neue Outdoorkleidung kann auch nicht schaden.
  • Lotta hat sich auf dem Campingplatz pudelwohl gefühlt und sich viele Freunde gemacht. Auch das Schlafen im Camper (mit mir zusammen im Hochbett) hat ihr nichts ausgemacht. Wichtig war, dass wir das untere Bett wegen des Lärms ausklappten, bevor wir die Kurze oben zum Schlafen hingelegt haben.
  • Wandern mit Baby ist möglich! Man muss sich viel mehr Zeit nehmen und sich bei den Pausen völlig nach dem Baby richten, dann haben alle Beteiligten am meisten Spaß bei der Sache.
Kinderwagen auf Beifahrersitz

Während der Fahrt stand der Kinderwagen in der Küche, vor Ort draußen vorm Camper und nachts auf dem Beifahrersitz.

Wir können eure Tipps gebrauchen! Welche/s Ausrüstung/Zubehör empfehlt ihr uns für den Nugget, für Lotta und für uns? Wovon ratet ihr uns unbedingt ab?

Werbung/Empfehlung
Interesse an einer Campingreise im Ford Nugget? Die BerglandGruppe verleiht die Goldstücke. Wer über einen Kauf nachdenkt: Am Ende der Saison werden die Mietcamper abverkauft. Beratung, Service und Qualität sind (Stand jetzt) super. Wir haben unseren Nugget am Standort Remscheid erworben, die weiteren Standorte sind Wipperfürth, Radevormwald, Leverkusen, Hennef (Sieg), Gevelsberg, Nordhausen und Frankfurt (Oder).

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