Nördliche Costa Brava

Costa Brava: Wo die wilde Küste ihrem Namen alle Ehre macht

Wer meinen letzten Blog-Beitrag gelesen hat, weiß, dass ich schon zig Mal an der Costa Brava Urlaub gemacht habe. Ich kenne also alle spannenden Winkel dieser Region – dachte ich jedenfalls!

Die wildesten Ecken der wilden Costa Brava

Die Costa Brava erstreckt sich über ca. 220 km von der französisch-spanischen Grenze bis zum knapp 60 km vor Barcelona gelegenen Blanes. Ihr Name bedeutet übersetzt „wilde Küste“, und das ist nicht übertrieben! Besonders wild und romantisch finde ich die „Calas“ (Buchten) am Montgrí-Massiv (nur zu Fuß oder per Boot erreichbar) und die Landschaft rund um das Cap de Begur (über kurvenreiche, enge Sträßchen zugänglich – zumindest waren sie vor 20 Jahren noch recht abenteuerlich). Für immer unvergessen bleibt mir dank des „Bananen-Milchshake-Zwischenfalls“ auch die kurvenreiche und zu der Zeit nur teilweise gesicherte Küstenstraße von Sant Feliu de Guíxols bis nach Tossa de Mar. Mein Bruder, damals vielleicht zehn Jahre alt, bestellte sich einen Vanille-Milchshake, bekam jedoch einen Bananen-Milchshake serviert. Bäh, mochte er nicht. Mein Vater, gerade etwas genervt vom Nachwuchs, nötigte meinen Bruder, das unliebsame Getränk trotzdem zu konsumieren. Doofe Idee. Der Milchshake landete – zum Glück! – in meiner (zuvor entleerten) Einkaufstüte. Den Gestank, den wir bis zur nächsten und gefühlt ewig entfernten Haltebuch aussitzen mussten, vergesse ich nie! Also: Bananen-Milchshake weglassen und die herrliche Küstenstraße unfallfrei genießen.

Cadaqués: Ein (fast) ursprüngliches Fischerdorf

Dieses Mal haben wir uns den nördlichsten Zipfel der Costa Brava vorgenommen, bis dato für mich noch ein weißer Fleck auf der Spanien-Landkarte. Welch Schande, muss ich im Nachhinein sagen!

Ausblick auf Cadaqués

Zwischen Olivenhainen schlängelt sich die Gebirgsstraße hinunter nach Cadaqués.

Unser erstes Ziel lautete Cadaqués, das nur über eine etwa 15 km lange Stichstraße durchs Gebirge von Roses aus erreichbar ist. Das ehemalige Fischerdorf ist ein Traum in weiß! Die hübsche Ortschaft schmiegt sich gemütlich um die geschützte Bucht und strahlt, trotz großer Besuchermengen, noch eine gewisse Ursprünglichkeit aus. Die kilometerlange Küstenpromenade lädt herrlichst zum Flanieren ein. Immer wieder haben wir an einer der lauschigen Bänke pausiert, um den Ausblick auf Cadaqués zu genießen. Oder wir sind eine kleine Treppe hinunter zum Meer gefolgt, die den Sprung in das glasklare Wasser ermöglicht. Strandfans sei an dieser Stelle gesagt, dass man feine Sandstrände in Cadaqués vergeblich sucht, man muss mit Steinstränden und felsigen Buchen Vorlieb nehmen – die dafür in absolut malerischer Kulisse.

Abendlich beleuchtetes Cadaqués

Blick von der Küstenpromenade zurück auf das abendlich beleuchtete Cadaqués.

Im Ortskern von Cadaqués laden viele kleine und größere, günstige und chicere Bars und Restaurants zu allerlei kulinarischen Genüssen ein. Wer kann da schon nein sagen? Wir nicht, und während wir gespeist haben, haben die freundlichen Kellner mit Lotta geschäkert – perfekt! Natürlich gehört auch ein Bummel durch die Altstadt zum Pflichtprogramm, die allerhand urige Läden mit Kunsthandwerk und sonstigen Schätzen zu bieten hat. Mit Kinderwagen war das natürlich mal wieder eine Schnapsidee – selbst nach sieben Reisewochen zeigten wir uns immer noch lernresistent. Um es aber positiv zu formulieren: Jan hat ein ordentliches Fitnessprogramm genossen, während Lotta tierischen Spaß an der Rüttelei auf dem Kopfsteinpflaster und den Treppenstufen hatte 🙂

Blick von der gotischen Kirche Santa Maria

Blick von der gotischen Kirche Santa Maria auf die Bucht von Cadaqués.

Vielleicht ist es euch schon aufgefallen: Ja, ich habe mich in Cadaqués verliebt! Ich hätte viel, viel länger dort verweilen können. Die Ruhe und Idylle genießen. Die Küste entlang wandern. Das Dalí-Museum in Port Lligat besuchen (unbedingt vorab reservieren!). Ich ergänze Cadaqués also auf meiner immer länger werdenden „ich muss da nochmal hin“-Liste.

Camping in Cadaqués
Wer wie wir mit dem Camper unterwegs ist, ist mehr oder weniger alternativlos dem Camping Cadaqués ausgeliefert. Der Platz ist eher spartanisch gehalten, und die Sanitärs sind nicht sonderlich modern oder gepflegt, trotzdem ist die Gebühr relativ hoch – Lage ist alles. Zwar erscheint der Campingplatz bei der Anfahrt recht weit ab vom Schuss, ist er aber gar nicht. Ein steiler, aber direkter Fußweg führt in guten fünf Minuten hinunter ins Zentrum.
Noch ein Hinweis: Wildcamping ist im Naturpark Cap de Creus unter Androhung von 250 € Bußgeld strengstens verboten!

Wild, rau, kraftvoll: Cap de Creus

Von Cadaqués aus ist ein Besuch des phantastischen Cap de Creus ein absolutes Muss! Das Kapp, das 10 km weit ins Mittelmeer hinein reicht, bildet den östlichsten Punkt der iberischen Halbinsel. Hier fallen die Ausläufer der Pyrenäen in die tosende Brandung des Mittelmeers hinab. Ok, normalerweise genießt das Mittelmeer eher einen ruhigeren Ruf, bei unserem Besuch am Cap de Creus zeigte es sich jedoch von seiner turbulenten Seite. Eine überwältigende Szenerie!

Landschaft am Cap de Creus

Der Wind, der diese raue Landschaft geformt hat, peitschte auch heute das Meer auf.

Am liebsten wäre ich natürlich zum Kapp gewandert. 14 km Wegstrecke hin und zurück, ca. 450 Höhenmeter, etwa vier Stunden Gehzeit. Mit Lotta in der Babytrage: No way! Warm, windig, kein Schatten, und das Fräulein mochte ohnehin nicht mehr gerne in der Trage sitzen. Notgedrungen also mit dem Nugget. Aber Halt! Ein dickes Wohnmobil-Verbotsschild prangte an der Straße. Verdammt! Zählte unser Nugget als Wohnmobil oder waren nur die großen Schlachtschiffe gemeint? Am Campingplatz konnte uns niemand Auskunft geben. Die Touristeninformation hatte geschlossen. Die Betreiber der Bimmelbahn, die Touristen für teures Geld zum Kapp tuckert, waren NATÜRLICH der Meinung, dass wir mit dem Nugget die Straße NICHT befahren dürften. Zu guter Letzt befragte ich die Polizei, und die gab uns grünes Licht. Großartig, auf zum Cap de Creus!

Sicherlich sind die Ausblicke bei der Wanderung durch den Naturpark nochmals um einiges herrlicher, aber auch die Autofahrt zum Kapp war wirklich lohnenswert! Der Andrang war gar nicht so extrem wie befürchtet, wobei die Nebensaison und das stürmische Wetterchen bestimmt ihren Beitrag leisteten. Wir konnten jedenfalls nach Lust und Laune am Straßenrand stoppen, aussteigen, gucken und Fotos machen. Immer wieder zogen schroffe Felsformationen unsere Blicke auf sich, die von den launischen Tramuntana-Winden geformt wurden. Da muss man nicht mal Salvador Dalí hießen, um in den Felsen die Gestalten von Kamelen, Adlern, Kaninchen oder Schildkröten zu entdecken.

Felsformation Kamel

Unverkennbar! Mitten in der Landschaft liegt ein Kamel herum.

Am Leuchtturm Cap de Creus angekommen unternahm ich eine kleine Rundwanderung, die mich zwischen den bizarren Felsen zu verschiedenen kleinen Calas und Aussichtspunkten führte. In einer Bucht peitschten die Wellen wütend gegen die Felsen, in der nächsten wiegte das fast spiegelglatte Meer sanft auf und ab. Extremste Gegensätze nur wenige Meter voneinander entfernt, Luv und Lee mal sehr anschaulich von der Natur dargestellt.
Passend dazu kommt mir ein Zitat von Alexander von Humboldt in den Sinn:

Die Natur muss gefühlt werden.

Haben wir. Die volle Stärke des Windes bekam ich zu spüren, als ich Lotta im Buggy die Straße zum Leuchtturm hinauf schob. Ich stoppte kurz zum Fotografieren, als Lotta schon mal alleine vor rollte – bergauf! Nach dem ersten Schrecken fanden wir das so lustig, dass Lotta für einen kleinen Videodreh herhalten musste (übrigens auch nicht so leicht bei dem Wind). Tadaa! Ich präsentiere „Lotta fährt mit Windenergie“.


Anschließend flüchteten wir uns flott zum Restaurant, wo wir es uns auf der windgeschützten Aussichtsterrasse gemütlich machten. Hier hätte ich mir auch ganz wunderbar ein leckeres Abendessen bei Rotwein im Sonnenuntergang vorstellen können. Vielleicht nächstes Mal…

Jetzt hieß es Abschied nehmen. Vom Cap de Creus. Von der Costa Brava. Von Spanien. Unsere Reise näherte sich unaufhaltsam dem Ende entgegen, so dass wir langsam aber sicher den Rückweg antreten mussten. Mit einem Seufzer fuhren wir los in Richtung Frankreich, auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz.

Platja Grifeu: Noch ein letztes Mal Strand

Da die Campingplätze entweder saisonbedingt bereits geschlossen hatten oder aber ziemlich teuer waren, suchten wir uns einen Stellplatz in freier Wildbahn. Fündig wurden wir nach einiger Suche erst hinter Llançà an der Platja Grifeu. Übermäßig einladend sah der Parkplatz direkt an der Durchgangsstraße nicht aus, aber vor allem im Hinblick auf die fortgeschrittene Uhrzeit fehlten uns die Alternativen. Wir blieben – und bereuten es so ganz und gar nicht!
Wir wurden von schönstem Sonnenschein geweckt. Und wo wir schon direkt an einem Strand standen, legten wir spontan einen halben Badetag ein. Herrlich!

„Nordkatalonien“: Wo Kultur und Sprache grenzübergreifend ist

Am Nachmittag trennte ich mich schweren Herzens von der Platja de Grifeu. Der Mann drängelte… Die tollen Aussichten, die sich hinter jeder Kurve boten, hellten meine Stimmung zum Glück schnell wieder auf.

Ausblick auf das französische Cerbère

Ausblick auf das französische Cerbère


Beim Passieren der spanischen Grenzstadt Portbou stach mir der riesige Bahnhof samt Rangierflächen ins Auge. Ein ähnliches Bild bot sich uns im französischen Grenzort Cerbère. Scherzhaft spekulierten wir, dass es womöglich keine direkte Zugverbindung zwischen Spanien und Frankreich gebe, sondern die Menschen in dem einen Ort aussteigen und mit Sack und Pack hinüber bis zum Bahnhof des anderen Landes laufen müssen, von wo aus sie ihre Fahrt erst fortsetzen können. Überraschender Weise lagen wir gar nicht sooo weit daneben. Die Passagiere müssen tatsächlich in Portbou oder Cerbère umsteigen (ebenso muss die Fracht umgeladen werden), denn in Frankreich fahren Normalspurbahnen, während in Spanien Breitspurbahnen zum Einsatz kommen. Die fußläufige Grenzüberquerung ist aber natürlich nicht nötig.

Ohne das Grenzschild wäre der Länderwechseln völlig an mir vorbeigegangen. Ich hörte weiterhin mehr Catalan als Französisch, und auch tapas standen immer noch auf der Speisekarte. Kein Wunder, denn der südlichste Zipfel der französischen Mittelmeerküste, das Département Pyrénées-Orientales, wird auch als „Nordkatalonien“ bezeichnet. Über Jahrhunderte gehörte diese Region zum Fürstentum Katalonien und stand demnach unter spanischer Flagge. Erst im 17. Jahrhundert, im Zuge des Pyrenäenfriedens, traten die Spanier diese Gebiete an Frankreich ab. Die Katalanen wurden zweigeteilt – natürlich ohne gefragt zu werden. Wie gut, dass eine gemeinsame Geschichte und Kultur auch grenzübergreifend zusammenschweißt!

Collioure: Ein allerletztes Mal Strand

Und da ich mich gefühlt noch immer in Spanien befand, packe ich unseren allerletzten Stopp an der französischen Côte Vermeille auch noch in diesen Beitrag. Wir sind durch das Örtchen Collioure (katalanisch: Cotlliure) geschlendert, das nochmals mediterranes Urlaubsfeeling bei mir aufflammen ließ. Davon abgesehen hat Collioure vor allem für historisch Interessierte einige spannende Bauwerke zu bieten, z.B. die Wehrkirche (wie wird eine Kirche in Frankreich wohl heißen?) Notre-Dames-des-Anges, das Altstadtviertel Vieux Quartier du Mouré und die Königsburg Château Royal. Die Mischung aus Badeort und historischer Altstadt, die buchstäblich bis ins Meer hinein reicht, verleiht Collioure einen unvergleichlichen Charme. Kein Wunder, dass berühmte Maler wie Henri Matisse und Pablo Picasso hier ihren Pinsel geschwungen haben.

Collioure

Collioure – Historische Stadt an der Côte Vermeille.


In Collioure gibt es übrigens eine ganz spannende Installation des Künstlers Marc-André 2 Figuères. Entlang des Küstenspazierwegs sind zwölf Rahmen aufgestellt, durch die sich – je nach Blickwinkel – immer andere und neue Aussichten auf den Glockenturm der Wehrkirche ergeben. Fotografen können hier ihrer Phantasie freien Lauf lassen! Und für alle anderen gibt es bei Points 2 Vue etwas Inspiration.

Rahmen um Kirchturm

In diesem Rahmen kann sich der Betrachter selbst sein persönliches Kunstwerk erschaffen.

Jetzt kenne ich aber wirklich schon alle spannenden Ecken der Costa Brava. Oder habt ihr noch weitere (Geheim-)Tipps auf Lager? Lasst einfach einen Kommentar hier, danke!

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