Baskenland

Baskenland: Natur und (Essens-)Kultur in Spaniens Norden

Ballungsgebiete, hässliche Industrie, Umweltverschmutzung: Das Baskenland wird gerne als der Ruhrpott Spaniens abgetan. Völlig zu unrecht! Wie unser Ruhrgebiet übertrifft auch das Baskenland die Erwartungen der Besucher – sogar um Längen!
Ja, das Baskenland ist industriell geprägt und gehört zu den dicht besiedeltsten Regionen Spaniens. Aber es beeindruckt auch durch seine wilden Küsten, herrlichen Sandstrände, gefragten Surfer-Hotspots, grünen Hügellandschaften, unberührten Naturschutzgebiete, spannende Architektur, interessante Kultur und vor allem seine kulinarischen Köstlichkeiten. Ich bin heilfroh, dass wir nicht wie geplant einfach durch geheizt, sondern anderthalb Wochen geblieben sind.

Traumhafte Aussichten im Baskenland

Traumhafte Aussichten im Baskenland

7 interessante Fakten über das Baskenland

  1. Das Baskenland liegt an der nordspanischen Atlantikküste, genauer gesagt am Golf von Biskaya, direkt an der Grenze zu Frankreich.
  2. Das Baskenland ist schwierig einzugrenzen. Politisch gesehen ist es eine von 17 Autonomen Gemeinschaften in Spanien. Im kulturellen Sinne zählen auch die spanische Provinz Navarra und das nördliche Baskenland in Frankreich dazu.
  3. Baskisch (Euskara) ist eine eigene Sprache, die mit ihren vielen „x“ nicht nur der reinste Zungenbrecher, sondern auch mit keiner anderen Sprache auf der Welt verwandt ist („isolierte Sprache“).
  4. Die „Vaskonische Hypothese“ behauptet sogar, dass Europa nach der letzten Eiszeit vom Baskenland aus besiedelt wurde und daher drei Viertel aller Europäer genetisch mit den Basken verwandt seien. Vielleicht auch du?
  5. Während der Franco-Diktatur (1939–1975) waren die baskische Sprache und Kultur strengstens verboten. Im Jahr 1959 gründeten Studenten daher die allseits bekannte ETA (Euskadi Ta Askatasuna = Baskenland und Freiheit), die gegen die Unterdrückung der Basken kämpfte, leider auch mit Waffengewalt. Seit 1975 dürfen die Basken ihre Sprache und Kultur zum Glück wieder leben. Baskisch wird heute an allen Schulen unterrichtet.
  6. Die baskische Küche ist der absolute Hit! An jeder Ecke gibt es unheimlich leckere Tapas, die im Baskenland Pintxos (Pintschos gesprochen) heißen. Auch die Fans der feinen Küche kommen im Baskenland voll auf ihre Kosten, denn es wimmelt dort nur so von Michelin Sternen, allen voran in Donóstia-San Sebastián. On dagizuela! Guten Appetit!
  7. Auch wenn der Name es vermuten lässt, stammt die Baskenmütze nicht aus dem Baskenland, sondern aus dem benachbarten, französischen Béarn.

Donóstia-San Sebastián: Seebad in einer Traumbucht

Unseren ersten Kurzstopp legten wir in Donóstia-San Sebastián ein, knapp 20 km hinter der französischen Grenze. Donóstia ist der baskische Name der Stadt, San Sebastián die spanische Bezeichnung des Seebads, das zur Kulturhauptstadt Europas des Jahres 2016 gewählt wurde. Dieser Fakt allein verrät, dass die Stadt einiges zu bieten hat – herrliche Sandstrände, enge Altstadtgassen, abwechslungsreiches Kulturprogramm und kulinarische Köstlichkeiten. Bei unserem kleinen Stadtbummel haben wir die Möglichkeiten Donóstia-San Sebastians leider nur marginal angekratzt, das kann man sicherlich besser machen. Immerhin haben wir leckere Pintxos gegessen.

Über ein Versäumnis ärgere ich mich besonders, und zwar dass wir uns Donóstia-San Sebastián nicht von oben angeschaut haben. Der Ausblick vom Monte Igueldo auf die muschelförmige Bucht La Concha mit den Ausläufern der Pyrenäen im Hintergrund muss atemberaubend sein.

Saint sebastien 2006 05

Bahía de la Concha, Donóstia-San Sebastián
Bildquelle: Monster1000 (Own work), via Wikimedia Commons

Zarautz: Das Hawaii des Baskenlands

Am Abend steuerten wir den Nachbarort Zarautz an, wo wir eigentlich nur übernachten wollten. Herrlicher Sonnenschein und eine grandiose Aussicht animierten uns zum Bleiben – für drei volle Tage.

Ausblick vom Grand Zarautz Camping

Ausblick vom Grand Zarautz Camping hinunter auf Zarautz mit seinem 2,5 km langen und 80 m breiten Strand. Herrlich, oder?

Wir faulenzten, (sonnen-)badeten am Strand, beobachteten die vielen Surfer, spazierten entlang der trubeligen Strandpromenade von Zarautz, schlenderten durch die Altstadt und erkundeten die Umgebung des Campingplatzes. Ja, auch die hatte etwas zu bieten. Nur ein paar Gehminuten entfernt liegt die alte Eisenerz-Verladestation Mollarri. Zwischen 1906 und 1925 wurde aus dem etwa 20 km entfernten Asteasu Eisenerzt mit dem Zug hierher transportiert und per Lastenseilbahn auf Schiffe verladen. Die Anlage hielt dann dem Wettbewerb und auch den Fluten nicht mehr Stand. Heute ist sie kostenfrei für Besucher zugänglich, allerdings gibt es nur spanische und baskische Erklärungstafeln – trotzdem sehr interessant!

Eisenerzverladestation Mollarri

Mollarri: Hier wurde zwischen 1906 und 1925 Eisenerz auf Schiffe verladen.

Zum krönenden Abschluss erlebten wir jeden Abend vor den Toren des Campingplatzes wunderschöne, ja fast schon kitschige Sonnenuntergänge. Urlaubsfeeling pur!

Sonneuntergang über Zarautz

Überall auf der Wiese vor dem Campingplatz saßen Leute, die den Sonnenuntergang beobachteten.

San Juan de Gaztelugatxe: Ein magischer Ort

Eine Reisebekanntschaft hatte mir von Mundaka und dem Biosphären-Reservat Urdaibai vorgeschwärmt, was wir direkt zu unserem nächsten Ziel machten. Mundaka selbst ist ein nettes, kleines Städtchen an der Mündung des Río Oka. Besonders die Gegend um den Hafen besitzt ein tolles Flair, das mit ein paar Pintxos sogar noch toller war.

Mündungsgebiet des Río Oka

Das Mündungsgebiet des Río Oka wartet mit herrlichen Sumpfgebieten, ebenso wie mit schönen Stränden auf.



Leider war der hiesige Campingplatz, der einzige im näheren Umkreis, ausgebucht. Oder zum Glück, denn an der Küstenstraße zwischen Bermeo und Bakio fanden wir den perfekten Spot zum Wildcampen.

Dinner bei Sonnenuntergang an der baskischen Küste

Dinner bei Sonnenuntergang: So kann man es aushalten!

Von Mitcampern bekamen wir den unschlagbaren Tipp, das nahe gelegene Inselchen Gaztelugatxe zu besuchen, auf dessen Klippen sich das ehemalige Kloster San Juan de Gaztelugatxe befindet. Wie eine Festung thront die kleine Kirche 50 Meter hoch auf der Felseninsel, die nur über eine Steinbrücke mit dem 200 Meter entfernten Festland verbunden ist.

San Juan de Gaztelugatxe

Altes Kloster und heutige Pilgerstätte: San Juan de Gaztelugatxe.

Auch wenn mein Reiseführer dieses Highlight an der baskischen Küste nur in einem Nebensatz nennt, ist der heutige Pilgerort kein Geheimtipp mehr. Ausflügler wie auch Peregrinos, die auf der Küstenvariante des Jakobswegs unterwegs waren, machten sich mit mir auf diese herrliche Kurzwanderung.
Vom Parkplatz aus schlängelte sich der Weg zunächst bergab bis zu der Steinbrücke, anschließend begann der steile Aufstieg auf die Felseninsel. Die 241 Stufen ließen bei mir die ein oder andere Schweißperle rollen, der Ausblick von oben auf die Küste hat mich dafür aber mehr als entschädigt.

241 Treppenstufen zur Felseninsel Gaztelugatxe

241 Treppenstufen schlängeln sich die Felseninsel Gaztelugatxe hinauf.

Oben angekommen sollte man übrigens die Glocke der Kapelle drei Mal läuten und sich dabei etwas wünschen. Von diesem uralten Brauch habe ich leider erst im Nachhinein erfahren – schade, den ein oder anderen Wunsch hätte ich ja schon gehabt.

Unbedingt empfehlenswert ist übrigens auch ein Abstieg von der Steinbrücke hinunter zum Meer. Die Felsformationen selbst sind spannend, und der Blick hinauf zum Kloster ist noch einen Tick imposanter als von der Brücke aus.

Gaztelugatxe vom Meeresniveau aus

Gaztelugatxe vom Meeresniveau aus gesehen.

Nach der Wanderung fuhren wir zum Strand Playa San Antonio in Sukarrieta, der bei Ebbe und Flut ständig seine Form verändert. Neben einem netten Strandtag war unser Hintergedanke, dass wir dort endlich mal wieder duschen konnten ☺

Bilbao: Von der grauen Industriestadt zum Kulturzentrum

Nach so viel Natur wollten wir nun etwas Großstadtluft schnuppern und fuhren Richtung Bilbao. Als Ausgangspunkt für die Stadtbesichtigung wählten wir den einzigen Campingplatz mit U-Bahn-Anbindung nach Bilbao aus, das Camping Sopelana (nicht sonderlich gepflegt, dafür teuer).

In Bilbao angekommen steuerten wir als erstes das berühmte Guggenheim-Museum an. Ich zähle nicht gerade zu den größten Kunstfans, und die Geduld unserer damals 9 Monate alten Tochter war auch begrenzt. Dafür liebe ich interessante Architektur und Lotta das spazieren gehen. Also schauten wir uns das imposante Bauwerk von außen an, aus allen Perspektiven und Blickwinkeln.

Guggenheim-Museum Bilbao

Blick auf das Guggenheim-Museum von der Brücke Salbeko Zubia aus.


Natürlich wollten wir gerne noch etwas mehr von Bilbao sehen als nur das Guggenheim-Museum. Da aber gerade die Semana Grande gefeiert wurde, war das gar nicht so einfach. Während der großen Festwoche herrscht Ausnahmezustand in Bilbao. In der Altstadt und am Ufer der Ría del Nervión finden Konzerte, Straßenumzüge und verschiedenste Wettbewerbe statt, die tausende von Menschen anlocken. Und mittendrin: Wir.

Wettbewerb im Rahmen der Semana Grande von Bilbao.

Wettbewerb im Rahmen der Semana Grande von Bilbao.

Eine Top-Sehenswürdigkeit konnten wir uns dennoch anschauen, da sie etwas außerhalb von Bilbao liegt: Die berühmte Biskaya-Brücke (auch Puente de Portugalete oder Puente Colgante, also hängende Brücke).

Biskaya-Brücke

in 2006 wurde die Biskaya-Brücke zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt.

Die Hochbrücke besteht aus zwei 45 Meter hohen Stahlfachwerktürmen mit einem 160 Meter langen horizontalen Traggerüst dazwischen, über welches Fußgänger die Brücke mit einer tollen Aussicht überqueren können. Unter der Hochbrücke pendelt eine Transportbarke zwischen den beiden Ortschaften Getxo und Protugalete, die bis zu sechs PKW sowie einige Fußgänger fasst. Sie verkürzt den 20 km langen Umweg auf schlanke anderthalb Minuten Überfahrt.

Die 1893 eingeweihte Schwebefähre ist die älteste Schwebefähre der Welt. Sie wurde im Jahre 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Die spannende Konstruktion hat sich übrigens ein Schüler Gustave Eiffels einfallen lassen, der im französischen Baskenland geborene Ingenieur und Architekt Alberto Palacio. Die Gründe waren ganz pragmatischer Natur: Die Hochbrücke erlaubt den Schiffen die freie Durchfahrt in die Ría del Nervión, gleichzeitig ist sie platzsparend, weil keine langen Rampen erforderlich sind. Genial!

Baskenland: Mein persönliches Fazit

Industrie, Umweltverschmutzung, hässliche Ballungsgebiete? Sorry, aber von all dem habe ich im Baskenland nichts gesehen. Ich habe das Baskenland als grünes Naturparadies kennen gelernt. Als Mekka für Surfer. Als durchaus Badeurlaub-tauglich. Als Heimat der Gaumenfreuden. Als architektonisch interessant. Und noch vieles mehr. Mal sehen, wann ich es schaffe, nochmals dorthin zu reisen, aber eine kleine Baskenland-Bucketlist habe ich schon parat. Ein Punkt darauf ist der bemalte Wald von Oma. Eine Form der Kunst, die sogar einen Kunstbanausen wie mich interessiert.

Wer hat noch Erfahrungen mit dem Baskenland? Vielleicht noch irgendwelche (Geheim-)Tipps? Immer her damit!

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