Sturm auf Madeira

Naturgewalten: Starke Unwetter auf Madeira

An meinem letzten Urlaubstag herrschte Sturmwarnung. Morgens wehte zwar ein frischer Wind, aber die Sonne schien, und bei all dem Wetterglück, das ich bisher hatte, konnte ich mir nicht vorstellen, dass es wirklich so schlimm werden sollte. Weit gefehlt!

Riesenwellen in Caniço de Baixo

Wellen überfluten die Badebucht

Hohe Wellen überfluten die Hotel eigene Badebucht.

Am Vormittag zogen dunkle Wolken auf und der Wind legte ordentlich zu. Er wirbelte das Meer auf, peitschte hohe Wellen gegen die Küste, so dass diese von weißer Gischt gesäumt wurde. Ich war fasziniert von dieser Naturgewalt!
Ich stieg die Stufen entlang der Küste hinab, um Fotos von dem Spektakel zu schießen. Gar nicht so leicht, bei dem Sturm die Kamera ruhig zu halten. Außerdem war die Linse binnen kürzester Zeit von feinsten Tröpfchen gesprenkelt, selbst dann noch, als ich weit oberhalb der Badebucht auf der Aussichtsterrasse stand. Hier einige Impressionen von der rauen Natur:

Vorkehrungen im Hinblick auf das Unwetter

Im Laufe des Tages trafen die Madeirenser verschiedenste Sicherheitvorkehrungen im Hinblick auf das Unwetter: Das Außenmobiliar wurde geschützt, Absperrungen errichtet, Wege mit Sandsäcken gesichert etc.. Im Hafenbereich von Funchal waren mehrere Bagger im Einsatz, die provisorische Schutzgräben und -wälle errichteten, während die Wellen bereits gegen und über die Hafenmauern peitschten.

Wellen im Hafen von Funchal

Wellen peitschten gegen die Hafenmauern in Funchal. Im Hintergrund sprühte die Gischt höher als die vor Anker liegende AIDA.

Das Unwetter wütet über der Insel

Abends erreichten schwere Unwetter Madeira. Starkregen prasselte auf die Insel nieder, während der Wind orkanartige Züge annahm. Wir Hotelgäste wurden gebeten, das Hotel nach Möglichkeit nicht zu verlassen und Türen und Fenster geschlossen zu halten. War ich am Vormittag noch beeindruckt von den Naturgewalten, flößten sie mir jetzt gehörigen Respekt ein. An Schlaf war nicht zu denken. Der Wind peitschte den Regen unaufhörlich gegen die Fensterscheiben. Die Palmen raschelten und knarrten im Sturm. Die Brandung der Wellen war zu einem lauten Getöse herangewachsen. In solchen Momenten wird einem so richtig bewusst, wie stark die Natur und wie klein der Mensch im Gegensatz dazu doch ist.

Sturm wirbelt Flugplan durcheinander

Flugausfall

Cancellado. Mein Flug fällt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

Um kurz nach drei Uhr morgens wurde ich abgeholt und zum Flughafen gebracht. Natürlich waren aufgrund des Unwetters sämtliche Flüge gestrichen. Juchu…
Ich legte mich auf die unbequemen Holzbänke des Flughafens und döste eine Weile vor mich hin. Irgendwann öffnete ein Flugschalter und alle Passagiere konnten sich die Tickets für ihre Ersatzflüge abholen. Ich sollte um 10.35 Uhr nach Lissabon fliegen, von dort um 14.05 Uhr nach München und schließlich um 19.00 Uhr nach Düsseldorf. Vor 22.30 Uhr war ich somit niemals zurück in Dortmund. Ärgerlich, aber nicht zu ändern. Blöderweise musste ich am nächsten Morgen auch gleich wieder arbeiten.

Das Highlight des Tages ereignete sich in München. Auf Madeira hatte ich nur die Tickets bis München erhalten, das Ticket für den Weiterflug nach Düsseldorf sollte ich in München bekommen, da mich ab dort eine andere Airline beförderte. Die Ticketbeschaffung sollte aber noch eine Herausforderung werden…
Wir landeten an Terminal A, während der Weiterflug an Terminal B startete, natürlich am entlegensten Gate. Bis zum Abflug blieb uns weniger als eine Stunde, ich hatte die Zeitverschiebung gar nicht auf dem Schirm gehabt. Mist. Ich schloss mich einer Kleingruppe an, die bereits Weisungen von der Stewardess erhalten hatten. Gemeinsam rannten wir zum Bus, der uns zum anderen Terminal fuhr. Dort angekommen sprinteten wir los: Wir stürmten quer über den dortigen Christkindlmarkt, hinein in die Abflughalle, vorbei an allen Gates bis ganz ans Ende. Abgehetzt erklärten wir dem Flughafenpersonal, dass wir noch mit an Bord der bereits startklaren Maschine wollten. Zwei von uns Vieren konnten noch eingebucht werden, bevor der Flug im System geschlossen wurde. Panik! Ein Anruf bei der nächst höheren Instanz sorgte dafür, dass auch wir anderen Zwei noch mitdurften. Damit auch unser Gepäck richtig durchgeroutet wurde, rannten wir mit unseren Gepäckschnipseln zum nächsten Schalter, um diese scannen zu lassen. Zu guter Letzt hetzten wir in die Maschine, wo wir uns erleichtert in die Sitze fallen ließen. Sportliche Leistung.

Um halb 11 war ich endlich zu Hause, völlig geschreddert, aber mit vielen spannenden Eindrücken einer grandiosen Insel im Gepäck. Madeira, ich komme wieder!

Bilanz des Unwetters

Einige Tage nach dem Urlaub recherchierte ich im Internet, welche Ausmaße das Unwetter auf Madeira hatte: Ein Toter, einige Verletzte, Erdrutsche, Überflutungen und reichlich Verwüstung. Das löst auch nachträglich noch ein mulmiges Gefühl aus und flößt Respekt vor der Natur ein.

Mehr lesen...

Interessant? Dann gerne teilen!   Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone