São Lourenço

Kleine Insel, große Vielfalt: Wandern auf Madeira (2)

Nachdem wir die letzten beiden Tage in den höheren Regionen verbracht hatten, ging es am dritten Wandertag zum Ostkapp von Madeira, dem Naturpark Ponta de São Lourenço. Nach nur einer knappen halben Stunde Fahrt erreichten wir den Ausgangspunkt unserer Wanderung. Schon die ersten Ausblicke verrieten, dass wir heute ein komplett anderes Gesicht von Madeira kennen lernen würden.

Zeuge des vulkanischen Ursprungs: Ponta de São Lourenço

Farbenprächtige Steilküste an Madeiras Ostkapp

Steil stürzen die farbenprächtigen Klippen ins Meer hinab.

Der Madeira-Archipel ist durch mehrere Phasen vulkanischer Aktivität entstanden und geformt worden. Nirgendwo sonst auf der Insel wird das so deutlich wie auf der Halbinsel Ponta de São Lourenço. An jeder Wegbiegung tun sich neue Aussichten auf spektakuläre Gesteinsformationen auf: Felsnadeln aus erstarrter Lava ragen steil aus dem Meer auf, braune, rote und orange farbene Felswände fallen fast senkrecht ins türkis-blaue Meer ab, grüne Gräser und Pflanzen komplettieren das Farbenspiel. Traumhaft!
Inklusive der beiden kleinen Inseln Ilhéu da Cevada und Ilhéu do Farol ist die Ponta de São Lourenço 9 km lang und 2 km breit. Letztere Insel beherbergt den ältesten Leuchtturm Madeiras (1870). Um die einzigartige Flora und Fauna sowie das geologische Erbe Madeiras zu schützen, wurde die Halbinsel im Jahr 1982 zum Naturreservat erklärt.

Steilküste der Ponta de São Lourenço auf Madeira

Phantastischer Ausblick auf die Steilküste der Ponta de São Lourenço

Unsere Wanderung führte uns bis an den östlichsten Zipfel mit seinem 125 m hohen Aussichtspunkt Ponta do Furado, was „durchlöcherte Spitze“ bedeutet. Der Name ist Programm: Wasser und Wind haben das Lavagestein der Erhebung über die Jahre ordentlich zerklüftet.

Ausblick von der Ostspitze Madeiras

Ausblick vom Ostzipfel der Landzunge

Vom Aussichtspunkt hatten wir eine tolle Sicht auf die beiden vorgelagerten Felsinseln, die nur von Wissenschaftlern betreten werden dürfen, sowie die bis zu 500 m hohen Ilhas Desertas („verlassene Inseln“), die 1995 zum Schutz der dort lebenden, sehr seltenen Mönchsrobben zum Naturreservat erklärt wurden.

Sprung in die rauen Fluten Madeiras

Mindestens ein Mal wollte ich im Meer schwimmen gehen, der freie Nachmittag nach der Ostkapp-Wanderung bot sich dafür perfekt an. Die Sonne schien, es war angenehm warm – und das im Dezember! Ein Traum.
Sabine, Elke und ich stiegen die Felsstufen hinab zur Hotel eigenen Felsküste. Verdammt, die rote Flagge war gehisst. Die Brandung war ziemlich stark heute. Die kleinere der beiden Buchten hatte sich in eine einzige, weiße Schaumkrone verwandelt. Ein Blick in die größere Bucht ließ jedoch Hoffnung aufkeimen. Auf meinen fragenden Blick hin schlenderte der Bademeister zu uns herüber und begutachtete die Wellenlage. „Are you a good swimmer?“, fragte er mich. Auf mein „yes“ entgegnete er dann: „Ok, you can swim here. You can jump.“ Ich zögerte. Springen? Der Wasserpegel bewegte sich zwei bis drei Meter auf und nieder. In mir stieg ein leicht mulmiges Gefühl auf. Schließlich dachte ich: „Jetzt oder nie!“ und entschied mich für jetzt. Ich nahm zwei Schritte Anlauf und sprang – ein irres Gefühl! Sabine folgte meinem Beispiel, und auch Elke konnte sich zum Sprung in die Fluten durchringen. Es war herrlich, und wir drei Frauen waren mächtig stolz auf unseren Wagemut. Mittlerweile hatten wir auch Publikum bekommen: Mehrere Personen lehnten am Geländer der Capueira-Bar und verfolgten unseren Badespaß von oben. „Don’t swim too close to the rocks“, ermahnte uns der Bademeister. Wir waren folgsam. Spannend wurde es allerdings, als wir wieder an Land gehen wollten. War der Wasserpegel gerade unten, hing die Leiter quasi unerreichbar in der Luft. „One after another“, lotste uns der Bademeister. „The wave will push you.“ Wir schwammen einzeln auf die Leiter zu und ließen uns von der nächsten Welle nach oben tragen. Ein beherzter Griff, dazu schnell die Füße auf die Trittstufe gebracht, als das Wasser auch schon wieder den Rückzug antrat. Geschafft! Und zum Glück, oder zum Bedauern unseres Publikums, hatte unsere Badekleidung der Brandung stand gehalten. Zum Abschluss sprangen wir noch kurz in den kleinen Meerwasserpool, während die Sonne hinter uns am Horizont langsam ins Meer eintauchte.

Wandern entlang der Levada do Norte

Unsere letzte Wanderung führte uns entlang der Levada do Norte, vorbei an Gemüsebeeten, Kartoffeläckern und Weinanbauflächen. Die Wanderung war recht leicht, wir umrundeten das Tal auf so ziemlich gleichbleibender Höhe. Um nicht den gleichen Weg zurückkehren zu müssen, stiegen wir auf der anderen Seite ab ins Tal, wo wir uns eine kleine Kaffeepause gönnten. Wo es runter geht, geht es natürlich wieder rauf: Über Treppen gelangten wir zurück zur Levada, der wir nicht mehr weit bis zu unserem Parkplatz folgen mussten.

Levada do Norte auf Madeira

Die Levada do Norte führt einmal um das Tal herum. Wir sind ihr gefolgt und konnten viele, spannende Eindrücke sammeln.

Während dieser landschaftlich wieder sehr reizvollen Wanderung erhielten wir auch einen Einblick in das Leben der bäuerlichen Bevölkerung Madeiras. Die Madeirenser sind Meister des Terrassenbaus. Es bleibt ihnen auch kaum etwas anderes übrig, schließlich gibt es, abgesehen vom Hochmoor Paúl da Serra, kaum eine größere, ebene Fläche auf der Insel. Entsprechend wird jeder fruchtbare Zentimeter als Ackerfläche verwendet, sei er auch noch so abschüssig gelegen.

Süßkartoffelernte (Levada do Norte)

Süßkartoffelernte entlang der Levada do Norte: Jeder Zentimeter wird ausgenutzt.

Die Arbeit auf den Äckern ist müßig. Landwirtschaftliche Fahrzeuge sind zum einen zu teuer, zum anderen kommen sie mangels von Zufahrtsstraßen oder -wegen gar nicht ans Ziel und zu guter Letzt sind die Abhänge viel zu steil für die Fahrzeuge. Die Bauern verwenden also einfachste Geräte wie Spaten und Spitzhacke für die Feldarbeit. Die Ernteerzeugnisse bringen sie auf ihren Schultern nach Hause, teils über mehrere Kilometer. Wir haben einen Mann getroffen, der eine Kiste Süßkartoffeln mit 20-25 kg Gewicht geschultert hatte. Der Verkaufspreis dafür beträgt im Übrigen etwa 12 Euro.

Die gesammelten Eindrücke des Tages lassen sich am besten in Form von Fotos beschreiben:

Cabo Girão

Da wir alle noch fit waren, wanderten wir weiter bis zum Cabo Girão, das mit seinen 580 m zu den höchsten Steilklippen Europas zählt. Hier gibt es eine gläserne Aussichtsplattform, die den freien Blick nach unten erlaubt. Klasse! Wir waren gerade noch rechtzeitig vor den zwei TUI-Bussen dort, so dass wir in Ruhe Fotos machen konnten. Timing ist alles.

Cristo Rei

Cristo Rei Statue in Garajau, Madeira

Cristo Rei Statue in Garajau

Auf der Rückfahrt legten wir noch einen Stopp in Garajau ein, um uns die Christus-Statue Cristo Rei aus der Nähe anzuschauen.
Den besten Blick hatten wir, als wir die Stufen hinter zu einer kleinen Landzunge gestiegen sind. Der Weg ist steil, aber lohnenswert. Neben dem tollen Blick auf die Cristo Rei Statue kann man auch toll zur einen Seite nach Funchal und zur anderen nach Caniço de Baixo schauen.
Als krönenden Tagesabschluss haben wir uns am Fuße des Cristo Rei noch eine frische Poncha gegönnt. Mmmh, lecker!

Danke, liebe Frösche!

Zum Schluss möchte ich gerne noch ein dickes DANKESCHÖN loswerden: Liebe Frösche, es war toll mit euch! Ich hatte großen Spaß während der Woche: Beim Wandern, beim Schwimmen und Saunieren (mit Youri) und natürlich auch beim Poncha-Trinken (mit Wallis Geschichten). Ganz liebe Grüße an euch!

Die Wander-Frösche

Die Wanderflösche: Ilka, Regine, unsere Wanderführerin Christa, ich, Waltraud, Sabine, Elke und unser „Quotenmann“ Thomas. Die Weihnachtssterne haben wir von einem netten Madeirenser geschenkt bekommen.

 

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