Ausblick auf Madeiras Hochgebirge

Kleine Insel, große Vielfalt: Wandern auf Madeira (1)

Da ich nicht alleine auf wandern wollte, hatte ich mich im Internet nach geführten Touren erkundigt und bin dabei auf Christa gestoßen. Ihre Webseite hat mich direkt angesprochen und gehalten, was sie versprochen hat. Christa bringt großen Enthusiasmus mit: Sie erzählt begeistert von der Insel, ihrer Flora und Fauna, den Menschen und dem Leben auf Madeira. Alle vier Touren haben ganz unterschiedliche Facetten von Madeira gezeigt, außerdem haben wir an allen Tagen immer die Wolkenlücke auf der Insel erwischt. Ein dickes Dankeschön an Christa für die tolle Führung!

Paúl da Serra

Juchu, der erste Wandertag war da! Neben den Froschreisenden waren noch einige weitere Zubucher wie ich am Start. Vorteil: Christa konnte einen Bus samt Fahrer mieten, so dass unsere Wanderungen unterschiedliche Start- und Endpunkte haben und wir somit mehr sehen konnten. Nachteil: Bei einer großen Gruppe kommt man einfach langsamer voran. Man kann halt nicht alles haben.
Ziel des ersten Wandertags war die Westseite von Madeira. Auf einer Höhe zwischen 1.300 – 1.500 m, oberhalb des Baumheide- und Lorbeerwaldgebiets Laurisilva, liegt die karge Hochebene Paúl da Serra.

Gipfelfoto Pico Ruivo do Paúl da Serra, Madeira

Gipfelfoto: Christina, ich und Sabine auf der Kuppe des Pico Ruivo do Paúl da Serra (1.639 m).

Am Nordrand der Hochmoorlandschaft befindet sich ihre höchste Erhebung, der Pico Ruivo do Paúl da Serra (1.639 m), zu dessen Kuppe wir aufgestiegen sind. Der Wanderweg war ganz einfach zu laufen, einzig der wunderschön gelb blühende Stechginster war etwas fies, wenn man nicht aufgepasst hat. Von der Kuppe aus konnten wir eine wunderbare Aussicht genießen: Richtung Norden blickten wir auf die Nordküste mit der Kleinstadt São Vicente, im Osten erstreckte sich Madeiras Hochgebirge und im Süden und Westen öffneten sich die Weiten des Hochmoors. Herrlich!

Die Madeirenser nutzen die geografischen Gegebenheiten ihrer Insel clever aus: Die Winde, die über die Hochebene wehen, treiben seit 1993 Windkraftwerke an.

Levada auf Madeira

Entlang der Levadas lässt es sich herrlich wandern, auch wenn das nur ein angenehmer Nebeneffekt der künstlichen Wasserläufe ist.

Beim Abstieg wählte Christa die Route entlang der Levada der roten Quellen, den Fontes Ruivas. Auch die Levadas sind eine findige Lösung der Madeirenser: Die künstlichen Wasserläufe transportieren das Lebenselixier zum Teil über viele Kilometer aus dem niederschlagsreichen Norden hin zu den Anbauflächen im Süden der Insel. Die ersten Bewässerungskanäle wurden bereits im 15. Jahrhundert angelegt, unter anderem wurden arabische und afrikanische Sklaven für die Bauarbeiten eingesetzt. Heute werden neben der Wasserversorgung der Felder auch drei Elektrizitätswerke durch die Wasser der Levadas angetrieben. Darüber hinaus sind die Wege der Levadeiros, die die Wasserkanäle pflegen und instand halten, heute von Touristen als Wanderwege benutzt. Auch unsere nächste Wanderung führte entlang einer dieser schönen Levadas.

Auflug ins Hochgebirge: Pico Ruivo

Ausblick in Richtung Nordküste

Ausblick in Richtung Nordküste

Der zweite Wandertag stand ganz im Zeichen der drei Grundfarben: Rotes Vulkangestein eingebettet in grüne Vegetation, darüber blauer Himmel und am Horizont das Meer.
Vom Parkplatz Achada do Teixeira aus sind wir zum Gipfel von Madeiras höchstem Berg, dem Pico Ruivo (1.862 m), gelaufen. Die „rote Spitze“ macht ihrem Namen alle Ehre: Der Berg besteht größtenteils aus rotem Lavagestein.

Ausblick auf das Hochgebirge Madeiras

Ausblick auf den Pico do Arieiro und den Pico das Torres.

Unterwegs boten sich immer wieder tolle Ausblicke auf den den Pico das Torres (1.851 m) und den Pico do Arieiro (1.818 m) mit seiner Radarstation. Weitere Highlights waren die unzähligen, skurrilen Baumformen, ein gespenstisch wirkender, toter Baumerika-Wald, verursacht durch einen Waldbrand, sowie eine spannende Formation von Basaltgestein, die allen Umwelteinflüssen getrotzt hat. Vom Gipfel aus konnten wir die zerklüftete, bizarre Felslandschaft von Madeiras Hochgebirge bewundern und einen Blick in das geschützte Nonnental (Curral das Freiras) werfen, das den Nonnen aus Funchal im 16. und 17. Jahrhundert immer wieder als Zufluchtsort vor Piraten diente.

Wir hatten den Gipfel gerade noch rechtzeitig erreicht, bevor uns die von Süden heraufziehenden Wolken die wunderbare Aussicht verstellen konnten. Leider war die Überschreitung vom Pico Ruivo über den Pico das Torres bis hin zum Pico Arieiro nicht möglich, da der Weg auf halber Strecke durch Erdrutsche beschädigt war. Sehr schade. Dafür krochen während unseres Rückwegs die Wolken langsam über die Kämme in die Täler hinein und gaben der Landschaft ein vollkommen neues Gesicht.

Santana

Auf der Rückfahrt machten wir Halt in Santana. Der Ort an der Nordküste ist für seine strohgedeckten historischen Holzhäuser bekannt.

Historische Holzhäuser in Santana, Madeira

Historische Holzhäuser in Santana

Früher haben Familien in solchen Häusern gelebt: Unten befanden sich ein Bett, eine Sitzgelegenheit sowie eine Waschstelle, im Spitzdach, das nur über eine Luke von außen erreichbar war, schliefen die Kinder. Im Zentrum von Santana können einige solcher Häuser besichtigt werden.

Gegenüber fand ein kleiner Bauernmarkt statt, wo Christa uns die verschiedenen für Madeira typischen Früchte wie Ananasbananen, Baumtomaten und Cherimoya gezeigt hat. Die Händler ließen uns freundlichst probieren, und wir deckten uns mit Tagesproviant für die nächsten Wandertage ein. Das Obst war hier nicht nur viel günstiger als auf dem Markt in Funchal, sondern auch frischer. Zudem kommt der Erlös hier direkt den Bauern aus der Umgebung zu Gute.

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