Ausblick auf Sete Cidades

Mein Hoch auf die Azoren: Tipps & Lieblingsorte auf São Miguel

Warum die Azoren als Reiseziel für Familien perfekt geeignet sind, habe ich ja schon lang und breit erzählt. Jetzt möchte ich euch gerne noch meine persönlichen Lieblingsorte auf der Insel São Miguel vorstellen.

São Miguel ist die größte der neun Azoren-Inseln und bietet eine ungeheure landschaftliche Vielfalt: Berge, Vulkankessel, Kraterseen, Meer, helle und schwarze Strände, schroffe Küsten, grüne Wiesen, subtropische Vegetation, heiße Quellen, Fumarolen und andere Zeugnisse der andauernden vulkanischen Aktivität. Alles dicht bei dicht. Von unserer „Homebase“ in Ribeira Grande, das mittig an der Nordküste von São Miguel liegt, konnten wir alle Winkel der Insel binnen 20 bis 45 Minuten Fahrtzeit ansteuern. Perfekt!

Nun aber zu meinen persönlichen Favoriten und Empfehlungen. Und ja, es sind einige geworden, denn São Miguel hat einfach so viel Tolles zu bieten.

Sete Cidades

Die schönsten Flecken São Miguels befinden sich im Inselwesten, allem voran die Caldera Sete Cidades mit den beiden Seen Lagoa Azul und Lagoa Verde. Eine Wanderung auf dem Kraterrand sollten sich selbst hartgesottene Nicht-Wanderer auf keinen Fall entgehen lassen: Auf der einen Seite schaut man auf die beiden Kraterlagunen hinab, auf der anderen Seite verliert sich der Blick in den Weiten des Atlantiks, dessen Blau sich am Horizont mit dem Himmelsblau vermischt. Einfach nur schööööön!

Ausblick auf die Nordwestküste São Miguels

Ausblick auf die Nordwestküste vom Kraterrand aus

Herrlich empfand ich auch die absolute Ruhe, die einen umgibt, sobald man sich von dem zweifelsohne königlichen, aber rappelvollen Aussichtspunkt Vista do Rei entfernt. Ein Muss ist dieser dennoch.

Ausblick vom Vista do Rei auf Sete Cidades

Ausblick vom Vista do Rei auf Sete Cidades

Hotel-Ruine Monte Palace

Direkt am Aussichtspunkt Vista do Rei liegen die schaurig-schönen Überreste des ehemaligen 5-Sterne-Hotels Monte Palace, dem ich bereits einen eigenen Blog-Beitrag gegönnt hatte. Wer auf Lost Places steht, kann sich hier frei austoben. Frei ist wörtlich zu nehmen, denn Zäune, Absperrungen & Co. gibt es hier nicht (mehr).

Gang im Monte Palace

Die Worte Konkurs, Fehlplanung und Versagen geistern leise durch die Gänge des Monte Palace.

Miradouro da Boca do Inferno

Bleiben wir im Inselwesten. Auf dem Weg nach Sete Cidades passiert man diverse Aussichtspunkte, die unterschiedliche Blickwinkel auf den riesigen Vulkankrater mit seinen Seen freigeben. Lohnenswert sind alle. Mir persönlich hat der Miradouro da Boca do Inferno am besten gefallen, den man vom Parkplatz am Lagoa do Canário aus in etwa 15 Gehminuten erreicht. Warum? Man hat dort einfach alles auf einmal: Den großen Krater mit mehreren kleineren Kratern samt Seen darin, eingerahmt vom Meer. Traum!

Viel fotografiert: Die letzten Meter zum Miradouro da Boca do Inferno, …

Viel fotografiert: Die letzten Meter zum Miradouro da Boca do Inferno, …


..., bevor sich diese herrliche Aussicht auf den Inselwesten auftut.

…, bevor sich diese herrliche Aussicht auf den Inselwesten auftut.

Lagoa do Fogo

Nicht nur der Inselwesten kann mit Kraterseen aufwarten, nö, auch in der Mitte gibt es einen sehr hübschen. Inmitten des knapp 1.000 m hohen Schichtvulkans Água de Pau glitzern die Wasser des Lagoa do Fogo in der Sonne. Ein halbstündiger Abstieg, der jedoch nicht zu unterschätzen ist, bringt einen an den weißen Sandstrand des Feuersees. Echt idyllisch! Häufig versteckt sich die Kraterlagune allerdings auch unter einen dicken Nebelhaube. Als Faustregel gilt: Wenn die Sendemasten des 947 Meter hohen Pico Barrosa in Wolken gehüllt sind, lohnt die Auffahrt nicht.

Lagoa do Fogo

Wie könnte ein Kratersee wohl passender heißen als „Feuersee“?


Lagoa do Fogo

In 30 Minuten sind wir hinunter zu dem Strand auf der Halbinsel gelaufen. Anstrengend, aber lohnenswert!

Caldeira Velha

Nach der überraschend Schweiß treibenden Wanderung zum Ufer des Lagoa do Fogo gönnten wir uns einen Sprung ins kühle Nass. Ähm… ins warme Nass. Wir steuerten die Caldeira Velha an, heiße Quellen, die etwa auf der Hälfte des Wegs hinunter nach Ribeira Grande liegen. Völlig skurril empfand ich den Vegetationswechsel, der sich binnen weniger Autominuten vollzogen hat, denn die verlockenden, warmen Quellen sprudeln inmitten einer subtropischen Szenerie aus Farnen, Palmen und endemischem Lorbeerwald. Zack! Mal eben in den Nebelwald gebeamt.

Lagoa das Furnas & Terra Nostra Park

Auch im Furnas-Tal gibt es einen Kratersee, ebenso sprudeln dort heiße Quellen. Während der Lagoa das Furnas nicht unbedingt mit den anderen Kraterlagunen mithalten kann, belegen die heißen Quellen inselweit die pole position. Im Parque Terra Nostra haben wir es uns in dem 39 Grad warmen Wasserbecken so richtig gut gehen lassen. Der riesige Park bietet aber weit mehr als „nur“ den lauschigen Badespaß. Man sollte sich auf jeden Fall ausreichend Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang durch die Grünanlage nehmen. Alternativ zum Terra Nostra Park kann man in Furnas auch die Thermalbecken Poça da Dona Beija besuchen.

Der Furnas-See ist nichtsdestotrotz auch ein obligatorischer Programmpunkt, denn an seinem Ufer kann man zahlreiche Fumarolen und Solfataren bestaunen, in denen unter anderem auch die Inselspezialität, der Eintopf cozido, gegart wird.

Teeplantagen

Teeplantagen gibt es nur in Indien, Sri Lanka und anderen fernen Ländern? Falsch! Auch in Europa wird Tee angebaut, der Golfstrom macht’s möglich. Zwei der drei Teeanbaugebiete Europas befinden sich an der Nordküste von São Miguel: Chá Porto Formoso und Chá Gorreana. Nummer drei namens Tregothnan liegt übrigens im englischen Cornwall.

Teeplantage Chá Porto Formoso

Teepflanzen soweit das Auge reicht an der Nordküste von São Miguel

Chá Gorreana ist der größte europäische Teeproduzent, dessen Produkte auch exportiert werden und online bestellt* werden können, falls jemand von euch mal europäischen Schwarz- oder Grüntee kosten möchte. Den Tee der kleinen Plantage Chá Porto Formoso gibt es nur exklusiv auf den Azoren – ein guter Grund, lieber die kleine Nachbarin von Chá Gorreana zu besichtigen.

Teeplantage Chá Porto Formoso an der Nordküste von São Miguel

Teeplantage Chá Porto Formoso an der Nordküste von São Miguel

Führungen werden während der Öffnungszeiten immer spontan nach Bedarf angeboten – kostenlos im Übrigen. Nach einem kurzen Informationsfilm wurden wir durch die Produktionsräume geführt, wo uns die Funktionsweise der alten Maschinen und die produzierten Teesorten erläutert wurden. Anschließend durften wir im angeschlossenen Salon eine Kostprobe des Azorentees genießen – lecker! Und völlig bio. Auf den Azoren gibt es nämlich keine Schädlinge, die die Teepflanzen befallen könnten, daher sind beim Teeanbau keine Pestizide vonnöten. Am Ende unseres Besuchs haben wir uns im Shop mit einigen Packungen Orange Pekoe, Pekoe und Broken Leaf (je nur 2 oder 3 Euro!) eingedeckt – für den Eigenbedarf und natürlich als Souvenirs.

Nordküste: Steile Klippen und sanfte, grüne Hügel

Die Nordküste von São Miguel hat bei mir teilweise Irland-Erinnerungen geweckt. Von Steinmauern eingerahmte, grüne Hügel, auf denen Schafe weiden. Schroffe Klippen, an denen sich die Brandung austobt. Ein stetiger Wind, der mit meinen Haaren spielt. Und düstere Wolken, die der Szenerie einen Hauch von Dramatik verleihen. Mindestens allen Irland-Fans rate ich daher, mit dem Auto die Küstenstraße zwischen Maia und Nordeste abzufahren, die parallel zur Schnellstraße verläuft. Es gibt dort unzählige Aussichtspunkte, die herrliche Blicke auf die Küste freigeben. So gut wie jeder lohnt einen kurzen Stopp oder Abstecher. Mein Favorit ist der Miradouro Santa Íria, der allerdings unverfehlbar an der Schnellstraße liegt.

Ein Hauch von Irland, oder? Ausblick vom Miradoura Santa Íria.

Ein Hauch von Irland, oder? Ausblick vom Miradoura Santa Íria.

Bei gutem Wetter laden die Aussichtspunkte zum Picknick oder Grillen ein. Mein Favorit für einen munteren Grillnachmittag ist der Miradouro dos Barreiros kurz hinter dem Abzweig nach Furnas.

Sonnenuntergang am Miradouro dos Barreiros

Miradouro dos Barreiros: Herrlicher Grillplatz mit Aussicht.

Praia dos Moinhos

Für echten Strandurlaub sollte man am besten im Juli oder August auf die Azoren reisen, aber ein paar gemütliche Strandstunden bei überraschend lauschigen Temperaturen konnten wir sogar Anfang März schon genießen.
Wunderschön zwischen Felsen eingeschlossen liegt der Praia dos Moinhos bei Porto Formoso. Oberhalb des schwarzen Sandstrands befindet sich die kleine Snackbar O’Moinho, in der man sich gut und günstig stärken kann. Vom Parkplatz aus kann man übrigens auch eine nette kleine Rundwanderung starten (ausgeschildert), mindestens aber die drei Gehminuten bis zu dem kleinen Wasserfall lohnt es sich zu opfern.

Snackbar O`Moinho

Unverhoffter Sommertag am Praia dos Moinhos samt Snackbar O`Moinho.

Praia Santa Bárbara & Tuká-Tulá Bar

DER Surfer-Sport schlechthin auf São Miguel ist der lange, schwarze Sandstrand Santa Bárbara mit seiner wuchtigen Brandung. Natürlich kann man auch einfach nur den Surfern zusehen und sich in der Sonne aalen. Auf jeden Fall empfehle ich einen Snack in der Tuká-Tulá Bar, der Steak-Burger ist phantastisch!

Feel the rush am Praia Santa Bárbara

Feel the rush am Praia Santa Bárbara


Inselhauptstadt Ponta Delgada

Ein Besuch der Inselhauptstadt Ponta Delgada darf nicht fehlen, wie ich finde. Besonders groß ist sie ohnehin nicht, da ist man flott durchgeschlendert. Was man auf jeden Fall auf seinem Rundgang mitnehmen sollte, ist der Jardim Botânico Antonio Borges, der mit seinen Tunneln und verschlungenen Gängen einfach eine tolle Atmosphäre ausstrahlt.

Jardim Botânico Antonio Borges

Herrlich zum Schlendern und Entdecken: Der Jardim Botânico Antonio Borges.

Herzen von Yves Decoster

Ganz São Miguel ist mit Herzen überzogen. Der belgische Künstler Yves Decoster verziert Häuserwände und Gartenmauern mit seinen Herzchen-Motiven, oft verbunden mit floralen Elementen oder Tierfiguren. Die Motive sollen die Liebe zur Natur und zu den Men­schen ausdrücken – klappt, wie ich finde. Über 300 Herzen zieren die Insel bereits, 1000 sollen es werden. Es lohnt jedenfalls, bei der Inselerkundung die Augen offen zu halten.

Herzbild von Yves Decoster

Geherzte Häuserwand auf dem Weg zum Praia dos Moinhos.


Berge, Meer, Natur, Kultur, wandern, Entspannung…. eigentlich müsste für jeden etwas dabei gewesen sein. Zum Abschluss habe ich noch ein paar weitere Impressionen von São Miguel für euch:

Und? Lust auf die Azoren bekommen? Welche Sehenswürdigkeit reizt euch besonders an São Miguel?

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