Die majestätische Snøhetta

Besteigung der Snøhetta: Tageswanderung im Dovrefjell

Die beiden Hauptattraktionen des Dovrefjells sind ohne Zweifel die dort lebenden Moschusochsen sowie die majestätische Snøhetta. Bei unserem kurzen Zwischenstopp im Dovrefjell war uns Fortuna hold: Bei bestem Sonnenschein bestiegen wir den höchsten Gipfel außerhalb von Jotunheimen, und auch die zotteligen Moschusochsen zeigten sich uns bereitwillig.

Wir schlugen unser Zelt auf dem Campingplatz der Hjerkinn Fjellstue auf. Angestachelt von ausnahmsweise herrlichstem Sonnenschein hatten wir uns unterwegs in Dombås mit einem Einweggrill und Grillfleisch eingedeckt. Keine sonderlich gute Idee. Abends frischte der Wind dermaßen auf, dass wir dem Grill nicht mehr als ein müdes Glimmen entlocken konnten (nicht weiter verwunderlich in 1.000 m Höhe). Nach einer knappen Stunde erklärten wir unser Grillvorhaben offiziell für gescheitert und schmissen unserer Grillfleisch in der Campingküche in die Pfanne. Auch lecker.

Shuttlebus nach Snøheimen

Am nächsten Morgen wurden wir wieder von herrlichem Sonnenschein geweckt – perfektes Wetter für unsere Gipfeltour. Wir fuhren die paar Meter hinüber zum Hjerkinnhus, wo wir für 50 NOK unser Auto parkten. Fünf Mal täglich fährt von dort ein Shuttlebus hinauf zur DNT-Hütte Snøheimen, dem Startpunkt der Snøhetta-Besteigung (120 NOK p.P. hin und zurück, Fahrplan). Gut gelaunt stiegen wir in den Bus und genossen die knapp halbstündige Fahrt hinauf ins Dovrefjell. Die Piste Richtung Snøheimen wand sich gemütlich durch grüne Täler, die allmählich einer steinigen Hochebene wichen. Am Horizont erhob sich bereits die Snøhetta, majestätisch und Respekt einflößend.

Hurra! Moschusochsen!

Moschusochsen

Moschusochsen: Zu mehr als einem Schnappschuss aus dem fahrenden Bus reichte es leider nicht.

„Schaut mal nach links, zum Fluß“, rief der Busfahrer und drosselte das Tempo. Mochusochsen! Ich konnte mein Glück kaum fassen. Drei der zotteligen Urzeittiere grasten friedlich entlang des Flusslaufs. Im Zuge der letzten Eiszeit sind die Moschusochsen in Europa ausgestorben, jedoch wurden die 225 – 400 kg schweren Kolosse zwischen 1932 und 1959 aus Grönland eingeführt und im Dovrefjell ausgewildert. Heute leben ca. 200 Tiere im Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark.

Die Snøhetta ruft.

Blick von Snøheimen auf die Snøhetta

Blick von Snøheimen auf die Snøhetta – Auf geht`s!

An der DNT-Hütte Snøheimen (1.474 m) angekommen, machten wir uns Startklar für unsere Tagestour. Der Aufstieg auf die Snøhetta gehört zu den beliebtesten Wanderungen im Dovrefjell, entsprechend trubelig ging es auf den ersten Metern der Tour zu. Die Wanderermassen entzerrten sich aber einigermaßen flott: Nach einer knappen Stunde genossen wir bereits die Stille und Weite des Dovrefjell, die nur gelegentlich durch ein „Hei“ von entgegenkommenden Wanderern durchbrochen wurde.

Die Route ist bestens markiert. Wir liefen über die steinige Hochebene, die durch den Moosbewuchs im Sonnenschein grau-grünlich schimmerte. Nach einer halben Stunde passierten wir die ersten, kleineren Altschneefelder. Etwa 20 Minuten später erreichten wir den Fluss, der sich ganz bequem mit etwas Steinchenhüpferei queren ließ. Der Fluss ist übrigens die letzte Gelegenheit, die Wasservorräte aufzufüllen! Wir haben das natürlich nicht gemacht, was sich bei der steigenden Hitze später noch rächen sollte…

Flussquerung: Ab hier beginnt allmählich der Aufstieg.

Flussquerung: Ab hier beginnt allmählich der Aufstieg.

Ausblick auf das Dovrefjell

Nach der Flussquerung begann der steinige Anstieg, der recht schnell immer steiler wurde. Teils stolperten wir über lockere Geröllpassagen, teils kraxelten wir mühevoll über großes Blockgestein. Gutes Schuhwerk und ein gewisses Maß an Trittsicherheit sollten für diese Wanderung unbedingt vorhanden sein. Die Wanderstöcke kann man hingegen getrost weglassen, wir haben die Stöcke jedenfalls die meiste Zeit nur spazieren getragen.

Ausblick auf den Gletschersee Istjørni

Türkis-blau schimmert der Gletschersee Istjørni in der Sonne.

Mit zunehmender Höhe konnten wir einen tollen Ausblick auf den türkisfarbenen Gletschersee Istjørni werfen. Ringsum erstreckten sich die weiten, von Flüssen und Seen durchzogenen Hochebenen des Dovrefjell, aus denen sich viele verschieden hohe Gipfel emporhoben. Leider wurde es immer diesiger, so dass wir den viel gelobten Weitblick bis hinüber ins benachbarte Jotunheimen nicht erleben konnten. Macht nichts, auch diese Perspektive hatte ihren Reiz.

Gipfelerlebnis

Lang gezogenes Schneefeld zum Gipfel

Die letzten Meter bis zum Gipfel führten uns über ein lang gezogenes Schneefeld.

Die Mittagshitze wurde immer drückender, umso glücklicher war ich, als der Gipfel endlich in Sicht kam. Die Kuppe der Snøhetta war von einer großen, weißen Schneehaube bedeckt, die die Namensgeberin des höchsten Bergs im Dovrefjell ist (snø = Schnee und hetta = Haube). Durch die Sonne war der Schnee bereits recht sulzig, daher stapften wir neben der bereits ausgetretenen Spur bergauf. Nach knapp 4 Stunden (inkl. vieler Fotostopps), 7 km zurückgelegter Strecke sowie 800 Höhenmetern erreichten wir den 2.286 m hohen Stortoppen, den „großen Gipfel“ der Snøhetta. Ein wahrlich erhebendes Gefühl!

Wir verbrachten eine knappe Stunde auf dem Dach des Dovrefjell. Im Schatten der Radiostation der Norwegischen Armee vertilgten wir unsere Lunchpakete, bevor wir noch ein wenig auf dem Kamm der Snøhetta entlang spazierten und die Ausblicke auf uns wirken ließen. Die Snøhetta besitzt insgesamt vier Gipfel. Vom Stortoppen bewegten wir uns auf dem Kamm auf den nur unwesentlich niedrigeren Midttoppen (2.278 m) zu. Dahinter befindet sich der nur schwer zugängliche Hettpiggen (2.261 m). Den spitz aufragenden Vesttoppen (2.253 m) erreicht man über die Westflanke, links vorbei am Gletschersee Istjørni.

Die Gipfel der Snøhetta

Blick vom Stortoppen auf die drei anderen Gipfel der Snøhetta: Midttoppen, Hettpiggen und Vesttoppen (v.r.).


Abstieg

Der Abstieg begann mit einer lustigen Schlitterpartie über den mittlerweile noch sulzigeren Schnee. Anschließend erwartete uns wieder reichlich Kraxelei über Block und Stein. Ich bin kein großartiger Fan davon, den gleichen Weg zurück gehen zu müssen, aber bei Tagestouren bleibt einem nun mal meistens nichts anderes übrig. Immerhin kamen wir recht flott voran, natürlich auch deshalb, weil die Fotostopps entfielen, nachdem ich beim Aufstieg bereits ausgiebig fotografiert hatte. Wir mussten uns aber bemühen, konzentriert zu bleiben, denn wackelige Steine stellten immer wieder gemeine Stolperfallen dar.

Blick flussabwärts ins Dovrefjell

Blick flussabwärts ins Dovrefjell

Daneben wurde ein anderes Problem immer dringender: Durst! Unsere Wasservorräte waren bei der Hitze schnell zur Neige gegangen, und weit und breit gab es keine Möglichkeit, unsere Flaschen aufzufüllen. Schlimmer noch: Es gab Wasser, wir konnten es gluckern und rauschen hören, allerdings sickerte das Schmelzwasser unterhalb der Felsbrocken bergab – es gab kein Herankommen. Folter pur! Die nächste Trinkmöglichkeit bot erst wieder der Fluss am Fuße der Snøhetta.

Den nächsten Bus würden wir ohnehin nicht mehr rechtzeitig erreichen, daher gingen wir das Reststück ganz gemächlich an.

Blick auf die DNT-Hütte Snøheimen.

Fast geschafft: Im Hintergrund liegt die DNT-Hütte Snøheimen.


Nach knapp 2,5 Stunden erreichten wir Snøheimen, wo wir bei Cola & Keksen in der Abendsonne chillten und auf den Bus warteten. Ein herrlicher Tag ging zu Ende.

Snøhetta in der Abenddämmerung.

Friedlich schlummert die Snøhetta in der heraufsteigenden Abenddämmerung.

Ein weiteres Highlight sollte noch folgen (nein, ich meine jetzt nicht die wohlverdiente Dusche): Auf der Busfahrt zurück nach Hjerkinn hatten wir nochmals das Glück, Moschusochsen zu sehen. Der Busfahrer hielt sogar kurz an, damit wir die Tiere für einen Moment in aller Ruhe beobachten konnten. Ein perfekter Abschluss für einen phantastischen Tag!

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