Jotunheimen

Jotunheimen: Wanderung durch das „Heim der Riesen“

Das Gebirge mit dem klangvollen Namen „Heim der Riesen“ macht seinem Namen alle Ehre. Das höchste Gebirge Skandinaviens beheimatet die beiden höchsten Gipfel Norwegens, den Galdhøpiggen (2.469 m) und den Glittertind (2.464 m inklusive Gletscherhaube). Darüber hinaus kann man im Jotunheimen den grandiosen Besseggengrat überqueren. Keine Frage, da musste ich hin!

Anreise: Über die Rv55 nach Lom

Von Jostedal aus nahmen wir den Bus nach Gaupne, wo wir in den Bus nach Lom umstiegen. Die 108 km lange Fahrt führte uns über die Nationale Touristenroute Sognefjellet, die phantastische Ausblicke auf das Jotunheimen preisgibt – sofern Regen und Nebel nicht die Sicht trüben.


Ab Fortun schraubt sich der Riksvei 55 in mehreren Serpentinen stetig weiter in die Höhe. Dem Ächzen nach zu urteilen, schien der steile Anstieg ein mittelschwerer Kraftakt für Bus und Fahrer zu sein. Kein Wunder, passierten wir doch den höchsten Gebirgspass Nordeuropas (1.434 m ü.d.M.)! Leider konnten wir nur hier und da ein paar kurze Ausblicke auf die Gebirgswelt erhaschen, da die Scheiben ständig Regen überströmt und/oder beschlagen waren. Ich muss diese Strecke daher unbedingt nochmals fahren, dann aber am liebsten mit dem Auto, um nach Herzenslust Fotostopps einlegen zu können, und vielleicht kurz nach der Wintersperre, um die sich am Straßenrand auftürmenden Schneemassen bestaunen zu können.

Zwischenhalt in Lom

In Lom stockten wir als erstes unsere Proviant-Reserven auf, ums für die bevorstehende Jotunheimen-Wanderung gerüstet zu sein. Anschließend blieb sogar noch Zeit für ein wenig Kultur: Wir schauten uns die Stabskirche von Lom an, die sich nur unweit unseres Campingplatzes befand.

Stabskirche in Lom

Stabskirche in Lom

Wenige Tage zuvor hatten wir für eine Nacht eine Campinghütte gebucht, um vor unserer Wanderung noch eine trockene Übernachtung genießen zu können. Weise Entscheidung eigentlich, aber auch das trockene Bett hat mich nicht vor der heraufziehenden Erkältung bewahrt. Als ich morgens aufwachte, fühlte ich mich, wie vom LKW überrollt. An unsere Wanderung war nicht zu denken. Mist!

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

Notgedrungen legten wir einen Pausentag ein. Wir fragten nach, ob wir unsere Hütte noch für eine weitere Nacht buchen könnten – das war kein Problem. Weiter fragten wir, ob der Bus hoch ins Jotunheimen am nächsten Tag um dieselbe Uhrzeit fuhr. „Nein, heute Nachmittag fährt der letzte Bus für dieses Jahr hoch.“ Hatte ich richtig gehört, für dieses JAHR? Hatte ich. Wir hielten Kriegsrat, wogen unsere Optionen ab und entschieden uns schließlich dafür, diesen letzten Bus zu nehmen. Pobacken zusammen kneifen und durch. Bis zur Abfahrt des Busses lungerten wir im Aufenthaltsraum des Campingplatzes herum, wo ich versuchte, meine Gesundung durch möglichst viel Schlaf, mein Allheilmittel Aspirin Complex und das Lutschen unzähliger Zitronenbonbons voranzutreiben. Am späten Nachmittag riss zum Glück der sintflutartige Dauerregen für eine Weile ab, und wir fuhren mit einem Hoffnungsschimmer im Gepäck hinauf zur Hütte Spiterstulen.

Hütte Spiterstulen

Die Hütte Spiterstulen (1.100 m ü.d.M.) liegt im Visdalen, am nördlichen Ende des Jotunheimen-Gebirges.

Alternativer Einstieg ab Rv55
Im Grunde ist es gar nicht nötig, zuerst bis nach Lom zu fahren.
Es ist auch möglich, an der Rv55 kurz hinter der Jotunheimen Fjellstue auszusteigen und von dort nach Leirvassbu zu laufen. Vier ältere Damen haben das gemacht, der Busfahrer hat sie direkt am Einstieg zur Wanderroute aussteigen lassen.

Spiterstulen: Ausgangspunkt für unsere Jotunheimen-Wanderung

Spiterstulen ist riesig: 200 Betten, Tagungsräume und sogar ein Schwimmbad plus Sauna gibt es dort. Aufgrund meines Gesundheitszustands, des unbeständigen Wetters und der fortgeschrittenen Uhrzeit hatten wir unseren Plan, im Zuge des Jedermannsrecht wild zu campen, über Bord geworfen und schlugen unser Zelt auf der Campingfläche von Spiterstulen auf.

Zeltplatz bei Spiterstulen

Der Zeltplatz der Hütte Spiterstulen befindet sich auf der gegenüber liegenden Flussseite.

Kaum stand unser Zelt, setzte der nächste Regenschauer ein. Flott flüchteten wir uns ins einige Meter entfernte Servicehaus, wo wir im Trockenen zu Abend essen konnten. Mehr noch, die Hütte war mit Tischen und Stühlen und sogar mit einem Zweiplattenkocher ausgestattet. Den Umstand nutzten wir direkt aus und zauberten uns ein edles Trekking-3-Gang-Menü: Tütensuppe, ein Nudel-Gericht aus der „Knorr Spaghetteria“ plus einen „Süßer Moment“ Schokopudding als Nachspeise – mmmh!

Vorbereitung für Etappe 1

Satt gefuttert wechselten wir hinüber in den Aufenthaltsraum im Hauptgebäude und setzten uns an den kuscheligen Kamin. Soooo gemütlich! Ich kam mit einem Pärchen ins Gespräch, das gerade die Etappe gegangen war, die uns am nächsten Tag erwartete. Nass, nass, nass, war ihr Fazit. Von oben und von unten. Sieben teils sehr breite Flüsse mussten sie überqueren. Anfangs hatten sie noch versucht, sich einen trockenen Weg über das Blockgestein zu bahnen, ab dem dritten Fluss sind sie stur hindurch gestapft. Nasser als nass geht eh nicht. Oha, dachte ich mir, das konnte ja heiter werden. Mit einem Bierchen versuchten wir, uns etwas Mut für morgen anzutrinken. Jaaa, es war teuer – aber in manchen Momenten spielt Geld einfach keine Rolle…

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