Etappe 2: Glitterheim - Memurubu

Jotunheimen, Etappe 2: Glitterheim – Memurubu

Am nächsten Morgen wurden wir von bestem Wanderwetter begrüßt. Das hob doch gleich die Motivation für die bevorstehende längste Etappe!
Wir frühstückten ausgiebig: Es gab Müsli und mein heiß geliebtes Polarbrot mit Nugatti, der norwegischen Nutella-Variante. Anschließend packten wir zusammen und schlüpften in unsere Wanderstiefel, die dank Trockenraum nicht nur trocken, sondern auch angenehm warm waren. Der gute Vorsatz mit dem verdammt früh losgehen hatte nur bedingt geklappt, dank unserer (üblichen) Trödelei kamen wir erst um neun Uhr los.

Veodalen und Glitterheim

Blick zurück auf die Hütte Glitterheim, das Veodalen und den Gletscher Veobreen

Bei Sonne und guter Laune durchs Veodalen

Die Etappe begann recht locker: Wir wanderten gut gelaunt in einem großen Bogen um den See herum und überquerten den Veo-Fluss über eine komfortable Hängebrücke.

Brücke über den Fluss Veo

Die Brücke über den Fluss Veo ist die komfortabelste der ganzen Wanderung.

Auf der anderen Flussseite führte uns der Weg wieder zurück in südliche Richtung durchs Veodalen, wobei sich uns immer wieder grandiose Ausblicke bei bestem Sonnenschein boten. Der Weg führte uns zuerst langsam, dann immer stetiger bergauf. Gute 300 Höhenmeter mussten wir über steiniges Gelände aufsteigen, bis wir die Scharte unterhalb des Vestre Hestlægerhøe auf knapp 1.700 m Höhe überquerten.

Weiter ging`s, zunächst über Geröll, bald aber auf einem gut begehbaren Weg, der uns zur Schlucht des Blåtjønnåe führte. Eine schmale und einigermaßen wackelige Hängebrücke führte über die Wassermassen, die einige Meter tiefer in der Schlucht tosten. Wir entschieden uns dazu, die Brücke einzeln nacheinander zu überqueren – wer weiß schon, welche Last dieses Konstrukt tragen konnte. Etwas mulmig war mir dabei ja schon zumute.

Russvatn: Wandern mit (mehr oder weniger) Seeblick

Wir liefen weiter bis hinunter zum Russvatn, an dessen Ufer wir die nächsten etwa 5 km entlang wanderten. Durch die vielen Regenfälle in den letzten Tagen – eigentlich in diesem ganzen Sommer – war die komplette Uferregion ordentlich aufgeweicht, teils fast schon morastig. Wir versuchten, die größten Pfützen (bzw. Teiche) zu umgehen, indem wir von Stein zu Stein hüpften sowie Pflanzen und Wurzeln als Tritthilfen nutzten. Von Genusswandern mit Seeblick keine Spur! Letzteren konnten wir nur bei kurzen Pausen genießen, ansonsten waren unsere Augen stur auf den Weg bzw. das, was davon übrig war, gerichtet. Auf Dauer, sprich 5 km Länge, war das ganz schön anstrengend – und nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Zur Nässe von unten und dem Schweiß von innen gesellte sich irgendwann auch wieder die Dusche von oben. Ein Traum…

Trinkpause am Russvatn

Trinkpause am Russvatn. Der Wanderweg glich eher einem Bach denn einem Weg.

Unterwegs wartete die dritte und letzte Brücke auf uns, dieses Mal eine Art Steg ohne Geländer. Die Enden der Holzbrücke waren mit Steinen beschwert, über die wir kraxeln mussten – dank Rucksack und damit verändertem Körperschwerpunkt eine hochgradig wackelige Angelegenheit!

Brücke über Russvatn-Zufluss

Diese Brückenüberquerung war fast schon ein kleiner Drahtseilakt!

Talwechsel: Hinüber ins Memurudalen

Nachdem wir den Russvatn passiert hatten, mussten wir „nur noch“ den Kamm überqueren, um ins nächste Tal zur Memurubu-Hütte zu gelangen. Gute 200 Höhenmeter ging es bergan, zuerst moderat, dann immer steiler bis hin zur Kraxelei über allerhand loses Gestein. Passend zum Anstieg blies uns ein kalter und ziemlich lästiger Gegenwind ins Gesicht. Nach fast acht Stunden Wanderzeit war es da nicht leicht, die Stimmung hochzuhalten.

Endlich waren wir oben angekommen und konnten einen ersten Blick auf den fjordähnlichen Gjende-See werfen. So schön! Zu unserer Rechten erstreckte sich das Memurudalen mit dem Gletscherfluss Muru, nach links zweigte der Weg zum Besseggen ab, dem Highlight unserer morgigen Etappe. Solche Ausblicke drängen doch direkt die vorausgegangenen Anstrengungen in den Hintergrund.

Blick ins Memurudalen

Blick ins Memurudalen. Dahinter erstreckt sich der türkisblaue Gjendesee.
(Leider habe ich kaum brauchbare Fotos von den herrliche Aussichten…)

Heute stiegen wir aber erst mal ab zur Memurubu-Hütte. 400 Höhenmeter ging`s hinunter – 400 Höhenmeter, die wir am nächsten Morgen auch wieder hoch laufen mussten. Schnell schob ich diesen Gedanken wieder an die Seite und konzentrierte mich lieber auf den Abstieg. Zwar war der Weg an sich gut begehbar, aber nach einem langen Wandertag waren meine Knochen müde und die 18 kg Gepäck auf dem Rücken drückten beim bergab Laufen ordentlich auf die Knie. Nach etwa neun Stunden Gesamtwanderzeit hatten wir unser Etappenziel erreicht.

Zahlen & Fakten
Start: Glitterheim (DNT)   −   Ziel: Memurubu
19 km   −   9 h (7 h laut Karte)   −   ↑ 600 m   −   ↓ 986 m
Lange, abwechslungsreiche und landschaftlich schöne Etappe.
Wenn es nicht so nass ist, kommt man um Einiges schneller voran. Zudem kann man überall am Seeufer zelten und sich den steilen Abstieg nach Memurubu sparen, den man am nächsten Tag wieder hochlatschen muss. Stattdessen kann man direkt über den Besseggen nach Gjendesheim wandern.

Nachtlager in Memurubu

Als Belohnung für die heutige Anstrengung wollten wir uns ein richtiges Bett samt Essen gönnen. Ja, wir memmten rum! Wir hatten schlichtweg keinen Bock mehr, das Zelt aufzubauen und zu kochen. Leider, leider wurde aus unserem Plan nichts. Mehrere Schulklassen okkupierten die Hütte, so dass die Schlafsäle komplett ausgebucht waren. Für schlappe 150 Euro hätten wir im 4-Bett-Zimmer übernachten können, inklusive Abendessen und Frühstück. Unser Geiz siegte über unser Rumgememme. Wir entschieden uns für einen Kompromiss: Zelten mit Halbpension. Der Spaß kostete immer noch umgerechnet 83 Euro.
Auf der Wiese zwischen See und Hütte schlugen wir unser Zelt auf, als uns plötzlich ein paar Kühe auf den Pelz rückten. Nicht, dass die nachts über uns und unser Zelt stolperten! Als hätte er unsere Gedanken gelesen, eilte der zugehörige Bauer herbei und vertrieb die Tiere in Richtung Seeufer. Anschließend huschten wir hinüber zum Speisesaal, wo uns ein reichhaltiges Buffet erwartete. Mein Magen machte einen Freudenhüpfer! Wir schlugen uns so richtig die Bäuche voll. Danach sprangen wir noch kurz unter die heiße Dusche (zusammen mit lauter kreischenden Schülern), bevor wir satt und zufrieden in unser Zelt krabbelten und den Abend ausklingen ließen.

Tagesfazit & Vorbereitung für Etappe 3

Heute hatten wir neun statt der laut Karte veranschlagten sieben Stunden benötigt – im Verhältnis zur ersten Etappe war das eigentlich gut. Für morgen standen sechs Gehstunden auf dem Plan. Da sich unsere Knochen nach diesen zwei Wandertagen ordentlich geschreddert anfühlten, wollten wir es uns am nächsten Tag etwas leichter und angenehmer machen. Für 50 NOK (ca. 6 Euro) konnten wir unsere Rucksäcke mit dem Boot nach Gjendesheim transportieren lassen. Diese Option wollten wir unbedingt wahrnehmen!

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