Jotunheimen Etappe 1

Jotunheimen, Etappe 1: Spiterstulen – Glitterheim

Um 7 Uhr klingelte unser Wecker. Ich fühlte mich besser, das ließ hoffen. Da ich kein Trommeln auf der Zeltplane vernahm, regnete es wohl nicht. Vorsichtiger Optimismus stieg in mir auf. Als ich ins Freie krabbelte und von Sonnenstrahlen begrüßt wurde, die über die Berggipfel ins Visdalen schienen, war sie dann da: Gute Laune! Beschwingt machten wir uns startklar. Ein klitzekleines bisschen Sorge kehrte allerdings zurück, als ich die rauschenden Wassermassen des Flusses Visa erblickte. Am Vorabend war der Wasserstand noch deutlich niedriger gewesen…
Egal. Los geht`s. Jotunheimen, wir kommen!

Los ging’s: Auftakt unserer 3-tägigen Tour

Wir verließen Spiterstulen über die Zugangsstraße, über die wir tags zuvor mit dem Bus gekommen waren, und zweigten bald nach rechts ab. Da! Rentiere! Damit war mein guter Morgen perfekt.

Rentiere im Jotunheimen

Erste Sonnenstrahlen, ein paar morgendliche Dunstwolken und eine friedlich grasende Rentier-Herde. Was will man mehr?

Der Weg wurde steiler. Prustend und keuchend arbeiteten wir uns gute 400 Höhenmeter hinauf, immer wieder kurze Verschnaufpausen einlegend. Sehnsüchtig blickte ich hinüber zum Galdhøpiggen. Eigentlich wollten wir ja von Spiterstulen aus eine Tagestour zum Gipfel von Norwegens höchstem Berg unternehmen. Das Unterfangen hatten wir aufgrund des Wetters und meiner Erkältung leider gestrichen. Nächstes Mal!

Skautflye: Dieser Weg wird steinig und schwer…

Die nächsten Stunden (!) wanderten wir über die Skautflye, eine steinige und schwer zu laufende Hochebene. Der Blick auf den Veobreen-Gletscher, auf den wir langsam aber stetig zuwanderten, war ganz nett, darüber hinaus gab es allerdings nur Steine, Steine und noch mehr Steine. Wir hielten uns mit dem Tiere-Spiel bei Laune. Das kennt ihr nicht? Einfach einen Buchstaben aussuchen und abwechselnd Tiere mit diesem Anfangsbuchstaben nennen. Wem keines mehr einfällt, der hat verloren. Das ist gar nicht so albern, wie der ein oder andere jetzt denken mag. Probiert`s mal aus 😉

Nicole und Jan

Kurzer Gute-Laune-Check: Ja, passt noch!

Freudig überrascht war ich, dass wir nur einen größeren Fluss durchfurten mussten, die Skauta. Wir balancierten und hüpften von Stein zu Stein und waren am Ende stolz, ohne Fehltritt komplett trockenen Fußes das andere Ufer erreicht zu haben.

Fluss Skauta und Hochebene Skautflye

Die Skauta musste durchfurtet werden, anschließend zog sich der Weg durch die steinige Hochebene Skautflye.

Aber wo waren die sieben Flüsse vom Vortag hin? Ich vermutete, dass der Dauerregen am gestrigen Tage die Sturzbäche erzeugt hat, und dass die Wassermassen heute bereits abgeflossen und für den hohen Wasserpegel der Visa verantwortlich waren. In solchen Momenten wird mir einmal mehr bewusst, wie gewaltig die Natur sein kann.

Kein Ende in Sicht…

Es wurde windiger und damit kälter, und irgendwann setzte auch wieder Regen ein. Wie hatte ich den schon vermisst… Fast fünf Stunden waren wir bereits unterwegs, als wir die drei Seen unterhalb des Veslgupen erreichten. Ein Blick in die Wanderkarte zauberte Sorgenfalten auf meine Stirn: Fünf Stunden Gehzeit waren laut Karte für die gesamte Strecke vorgesehen, ein Drittel des Wegs hatten wir jetzt noch vor uns. Au Backe! Wir zogen das Tempo an, wurden aber direkt wieder ausgebremst. Das mit Moos bewachsene Blockgestein, über das wir die drei Seeufer entlang balancierten, war durch den Regen höllisch rutschig geworden. Halsbrecherisch!


Eine Stunde lang stellte der Weg höchste Ansprüche an unsere Konzentration, Trittsicherheit und unser Gleichgewicht (das körperliche und das seelische!), bevor wir endlich einen ersten Blick ins benachbarte Veodalen werfen konnten. Jetzt sollte es nicht mehr allzu lange dauern, dachte ich, und hatte wieder weit gefehlt. Dem steilen Abstieg von guten 150 Höhenmetern folgte noch ein recht langer Abschnitt durch das Veo-Tal, bevor wir glücklich und k.o. nach fast neun (!) Stunden Gehzeit die Hütte Glitterheim erreicht hatten.

Glitterheim, Jotunheimen

ENDLICH angekommen – nach neun statt der angegebenen fünf Stunden Wanderzeit.

Glitterheim: Etappenziel erreicht

Wir schlugen unser Zelt auf und krochen anschließend zum Kochen in die kleine Steinhütte beim Zeltplatz. Anders als am Vorabend war diese äußerst spartanisch gehalten. Immerhin hatte sie ein Dach, das uns vor dem Regen schützte, Wände, die allerdings nur bedingt den Wind abgehalten haben, und ein paar lose Steine, die uns als (wenig bequeme) Sitzgelegenheit dienten. Wir beschränkten uns daher heute auf die Hauptspeise, ein weiteres Nudelgericht aus der „Knorr Spaghetteria“, und verlegten die Nachspeise in den Aufenthaltsraum der Glitterheim-Hütte.

Zeltplatz bei der Hütte Glitterheim

Zeltplatz bei der Hütte Glitterheim. Die Steinhütte diente als Unterstand beim Kochen.


Nach der verdienten heißen Dusche lümmelten wir uns an den Kamin und knabberten leckere norwegische Chili-Nüsse und die gute Freia Vollmilchschokolade. Dazu machten wir uns einen heißen Tee, der auch für uns Zeltgäste gratis war. So ließ es sich aushalten.

Zahlen & Fakten
Start: Spiterstulen   −   Ziel: Glitterheim (DNT)
17 km   −   fast 9 h (5 h laut Karte)   −   ↑ 583 m   −   ↓ 320 m
Steinige Etappe. Weg durch die Skautflye ist eintönig und zieht sich. Die Alternativroute führt über Norwegens zweithöchsten Gipfel, den Glittertind.

Tagesfazit & Vorbereitung für Etappe 2

Um uns für den nächsten Tag zu rüsten, warfen wir noch einen kurzen Blick in die Wanderkarte. Ich schluckte. Sieben Stunden veranschlagte die Karte für unsere nächste Etappe. Für heute waren fünf Stunden Wanderzeit genannt, wir hatten jedoch neun gebraucht. Auch die vier Heidelberger Jungs, die wir auf dem Zeltplatz getroffen haben, waren acht Stunden unterwegs gewesen (gut, sie waren noch schwerer bepackt als wir, da sie sogar ein dickes Kofferradio mit durch die norwegische Bergwelt schleppten). Mir schwante, dass die Zeitangaben auf fitte Norweger mit leichtem Gepäck bei gutem Wetter zugeschnitten waren, nicht aber auf untrainierte Flachland-Deutsche mit schwerem Rucksack bei Regenwetter. Ich rechnete die veranschlagten sieben Stunden hoch und bestimmte, dass wir am nächsten Morgen verdammt früh losgehen mussten…

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