Killarney Nationalpark

Killarney Nationalpark: Idyllische Natur mit kulturellen Highlights

Unser erstes Etappenziel war der Killarney Nationalpark, der im Jahr 1981 von der UNESCO zum Biosphärenreservat ernannt wurde. Von Dublin aus fuhren wir, abgesehen von einem kurzem Zwischenstopp in Limerick zum Beine vertreten und Mittag essen, direkt durch bis nach Killarney (irisch: Cill Airne).

Killarney: Touristisches Zentrum des Killarney Nationalparks

Was auf der Landkarte nach einem netten, kleinen Städtchen aussah, entpuppte sich als lebhafte, ja sogar trubelige Touristenhochburg. Kein Wunder eigentlich, denn Killarney ist nicht nur Ausgangspunkt für Ausflüge in den Killarney Nationalpark, sondern auch für Tagestouren über den Ring of Kerry, die Dingle-Peninsula oder die Beara-Halbinsel. Zudem finden hier in den Sommermonaten zahlreiche Veranstaltungen statt, so auch bei unserer Ankunft.
Etwas überrascht schlenderten wir durch Killarneys Zentrum und versuchten, die bunte Szenerie zu fassen. Es wimmelte nur so von aufgestylten Frauen, die sich in knallbunte Kleider gezwängt und ihre Hochsteckfrisuren mit Tüll-Hüten oder -Haarschmuck verziert hatten. Dabei hatten die Ladys keine Modesünde ausgelassen: Speckröllchen wurden gekonnt betont, und nur wenige der Damen konnten sich auf ihren viel zu hohen Highheels auch nur einigermaßen elegant fortbewegen. Zu späterer Stunde wurden die Schühchen ohnehin in der Hand Gassi geführt, häufig oblag diese Aufgabe der Herrenwelt. Willkommen beim Lady’s Day, der im Zuge des lokalen Pferderennens gefeiert wurde – eine wirklich lustige und bunte Veranstaltung.

Lady's Day in Killarney

Beim Lady’s Day in Killarney geht’s im wahrsten Sinne des Wortes bunt zu.

Nicht nur die Ladys, auch Killarney selbst war bunt geschmückt, da gleichzeitig noch ein Musikfestival (irisch: fleadh cheoil) stattfand. Die Straßenzüge wurden von Flaggen geziert, und auf mehreren Bühnen spielten Livebands. Vor einer Bühne blieben wir ein Weilchen hängen, denn hier wurde getanzt, und zwar folkloristische Gruppentänze. Die Tänze scheinen regional geprägt zu sein, denn bei jedem angekündigten Tanz wechselten die Paare auf der Tanzfläche. Ich mag ja solche Traditionen und Kultur, davon haben wir in Deutschland viel zu wenig.

Granda Charlies Auld Sweet Shop in Killarney

Granda Charlies Auld Sweet Shop in Killarney

Wo wir gerade bei Traditionen sind: Wer nach Killarney kommt, sollte unbedingt bei „Granda Charlies Auld Sweet Shop“ traditionelle, handgemachte Bonbons probieren. Die Auswahl ist riesig. Ich persönlich bin absoluter Fan von diesen super-sauren roten und dunkelroten Bonbons geworden. Im ersten Moment zog sich alles, wirklich alles in meinem Mund zusammen (auch jetzt wieder allein beim Gedanken daran!), und Tränen stiegen mir in die Augen. War der erste Sauerschock überstanden, schmeckten die kleinen Biester einfach nur noch lecker. Vorsicht, nichts für Weicheier!

Hängende Fahrräder über Killarneys Straßen

Hängende Fahrräder über Killarneys Straßen

Ein Kuriosum konnte ich übrigens nicht ergründen, vielleicht wisst ihr ja mehr. Über einer Straße waren lauter Fahrräder aufgehängt. Warum? Hat das etwas damit zu tun, dass von Killarney aus viele Leute zu Radtouren im Killarney Nationalpark aufbrechen? Oder gab es womöglich zeitlich auch noch ein Fahrradfestival? Ich bin gespannt, ob ihr das Geheimnis lüften könnt, und freue mich schon auf eure Kommentare.

Aufstieg auf den Mangerton Mountain

Am nächsten Tag hatten wir uns die Wanderung Nr. 15 aus dem Rother Wanderführer vorgenommen: Wir wollten den 839 m hohen Mangerton Mountain bezwingen 😉
Wir machten uns also per Auto auf zum Ausgangspunkt der Tour. Die richtige Straße hatten wir flott gefunden, welcher Parkplatz gemeint war, war uns jedoch ein Rätsel, da es keine Beschilderung gab. Zum Glück wurden wir von einem Iren aufgegriffen: „I am looking for something, you seem to be looking for something. Maybe we can help each other.“ Zumindest er konnte uns helfen, denn wie es der Zufall wollte, arbeitete er als Guide und kannte die Wanderung selbstredend. Wir parkten also auf einem kleinen Platz, der sich kurz vor einer Rechtsbiegung der Straße befindet, die kurz danach bei einigen wenigen Häusern endet. Von dort aus machten wir uns startklar, nicht ohne noch ein paar gute Tipps und Hinweise von unserem irischen Guide mit auf den Weg zu bekommen.

Ausblick auf den Killarney Nationalpark

Aufstieg zum Mangerton Mountain: Erster Ausblick auf den Killarney Nationalpark.

Die Wanderung begann recht moderat. Der gut sichtbare Weg führte uns über grüne Wiesen und kleinere Wasserläufe, vorbei an Farnen, Heidekräutern, Wollgras und natürlich Schafen. Bald konnten wir erste tolle Ausblicke auf den Lough Leane, den mit ca. 19 km² größten der drei Seen im Killarney Nationalpark, genießen. Die schnell ziehenden Wolken sorgten dabei für eine ständig wechselnde Stimmung und verliehen der Landschaft eine besondere Schönheit: Mal sonnig und freundlich, mal dunkler bis bedrohlich.

Pause am Devil's Punchbowl

Pause am Devil’s Punchbowl: Zeit für ein paar Vitamine.

Als wir den Bergsee Devil’s Punchbowl erreichten, legten wir eine kleine Verschnaufpause ein, um nochmals Kräfte für den Gipfelsturm zu sammeln. Über einen steilen Bergrücken erklommen wir schließlich die letzten 170 Höhenmeter bis zum Gipfelplateau. Ein mühevoller Anstieg, der sich lohnt! Wir umrundeten den See entlang seiner Abbruchkanten und konnten dabei immer wieder wunderbare Ausblicke auf den Killarney Nationalpark, das steile Nachbartal Horses Glen sowie natürlich den Devil’s Punchbowl selbst genießen. Mir fehlt zwar der Vergleich mit anderen Wanderungen, aber ich wage zu behaupten, dass die Tour auf den Mangerton Mountain sicherlich zu den reizvollsten der Gegend zählt.

Blick ins Nachbartal Horses Glen

Blick ins Nachbartal Horses Glen: Es geht gefährlich steil bergab, man sollte nicht versuchen, dort hinunter zu steigen (Warnung des irischen Guides).

Der Abstieg erfolgte schließlich über den gleichen Weg wie der Aufstieg. Als wir vom See Richtung Tal abbogen, kam uns ein älterer Herr entgegen, der – ich traute meinen Augen kaum – den Berg im Laufschritt hinauf eilte. Respekt! Zum Wandern war der Weg zwar recht gut, aber bei seinem Eiltempo musste er schon gehörig auf Steine, matschige Stellen und sonstige Unebenheiten achten. Wir hatten etwa dreiviertel des Wegs hinab zurückgelegt, da überholte uns derselbe Mann erneut. Unglaublich, vor allem in dem Alter! Ich bewunderte den Mann, während ich gleichzeitig ein klitzekleines bisschen grummelig war, dass er mit seinem Trailrun unsere Wanderleistung schmälerte.

B&B, Pub, Live-Musik & Tanz

Zufrieden mit uns und froh, dass der angesagte Regen ausgeblieben ist, begaben wir uns auf B&B-Suche. Auf der Hinfahrt hatten wir mehrere B&Bs passiert, davon steuerten wir nun einfach eines an. Wir landeten im Mangerton Lodge B&B, einem niedlichen Haus mit drei Gästezimmern, Gemeinschaftsbad und einem leckeren Frühstück.

Liveband im Molly Darcys

Liveband im Molly Darcys: Die drei Mädels spielten und sangen irische Melodien.

Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, spazierten wir die Mangerton Road hinunter bis zur Hauptstraße, wo wir auf Empfehlung unserer netten Gastwirtin im Molly Darcys zu Abend aßen. Das Irisch Stew ist absolut empfehlenswert!
Dazu gab es passendes Unterhaltungsprogramm, weil wir zufällig den „irischen Abend“ erwischt hatten: Live-Musik mit Einlagen von typisch irischem Stepptanz. Es war schon faszinierend, in welchem Tempo und mit welcher Körperbeherrschung die beiden Tänzer über das Parkett steppten.

Irischer Stepptanz

Beim irischen Stepptanz wechseln sich die Tänzer meist ab. Hier steppt gerade die Dame, während der Herr zum Rhythmus klatscht.

Abendspaziergang bei der Muckross Abbey

Nach dem Essen legten wir noch einen kleinen Abendspaziergang bei der nah gelegenen Muckross Abbey ein. Die 1340 von Franziskanern gegründete Abtei liegt idyllisch in ein Park-ähnliches Gelände am Lough Leane eingebettet. Wir kamen gerade rechtzeitig, um einen phantastischen Sonnenuntergang über dem Kloster mitzuerleben. Ich habe selten ein solches Farbspektakel bewundern können, vor allem über einer solch friedlichen Kulisse. Herrlich!

Spektakulärer Sonnenuntergang über der Muckross Abbey

Spektakulärer Sonnenuntergang über der Muckross Abbey.

Mit einsetzender Dämmerung erreichten wir die von einem Friedhof umgebene Abtei. Außer uns war keine Menschenseele mehr dort – die Atmosphäre war fast ein wenig gespenstisch. Wir streiften zwischen den erstaunlich gut erhaltenen Gemäuern umher und bestiegen den Vierungsturm. Sicherlich hätten wir bei Tageslicht mehr sehen und die verschiedenen Baustile der einzelnen Epochen bewundern können, dafür hätten wir dann nicht diese herrliche Stille und Atmosphäre aus längst vergangenen Zeiten in uns aufsaugen können. Ein absolut lohnenswerter Abendspaziergang!

Muckross House & Torc Wasserfall

Bevor wir zum Ring of Kerry aufbrachen, legten wir noch einen Halt am berühmten Muckross House ein. Der herrschaftliche Ansitz liegt im Bourn Vincent Memorial Park, der mit seiner herrlichen Blumenpracht zum Schlendern einlädt. Da das Wetter gerade mitspielte, verzichteten wir auf den Museumsbesuch und zollten dem Muckross House nur von außen Respekt.

Muckross House

Das Muckross House gilt als Herzstürck des Killarney Nationalparks.

Stattdessen spazierten wir zum nicht weit entfernten Torc Wasserfall. Leider hatte eine riesige Gruppe von mehr als 100 italienischen Schülern den gleichen Plan, so dass unser Spaziergang zur Hetzjagd ausartete. Eilig knipsten wir ein paar Fotos, bevor der Wasserfall von der Meute belagert und als Kulisse unzähliger Handy-Selfies benutzt wurde. Wir schlenderten entlang des Sees zurück, doch jeder Fotostopp ließ unseren Vorsprung vor der italienischen Schülergruppe schrumpfen. Sicherlich ist die Gegend rund um das Muckross House selten einsam und idyllisch, DAS war aber eindeutig zu viel für uns. Wir kapitulierten, auch wenn das Muckross Anwesen sicherlich noch viel mehr zu bieten gehabt hätte.

Weitere Sehenswürdigkeiten in der Region

In der Gegend um Killarney hätte ich auch gut noch länger verweilen können, die Flyer im B&B und die Tipps unserer Gastwirtin klangen jedenfalls verlockend. Sollte ich nochmals in die Gegend kommen, steht die Schlucht Gap of Dunloe ganz oben auf meiner Wunschliste. Außerdem bieten die Macgillycuddy’s Reeks, Irlands höchster Gebirgszug, noch diverse schöne Wandertouren. Nicht zuletzt möchte ich mir auch die nah gelegene Beara-Halbinsel ansehen, die weniger touristisch, aber nicht weniger schön als der Ring of Kerry sein soll.

Habt ihr vielleicht Erfahrungen mit den genannten Sehenswürdigkeiten? Oder habt ihr noch andere Vorschläge für Unternehmungen in der Killarney-Region? Ich freue mich über eure Tipps!

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