Arctic SnowHotel in Rovaniemi

Schneehotel: Schlummern unter arktischen Bedingungen

„Once in a lifetime experience“ oder einfach nur den Allerwertesten abfrieren für eine Stange Geld? Wir wollten es wissen und haben eine Nacht im Arctic SnowHotel im finnischen Rovaniemi verbracht.

Der Shuttlebus setzte uns direkt vor dem Schneehotel ab. Ein großer, weißer Klotz. Von außen erst mal nicht sonderlich spektakulär. Etwas pappig. Der Schnee war bereits mehrfach angetaut und wieder gefroren – kein Wunder, wir hatten ja auch schon Ende März. Nicht mehr lange, und das ganze, mühselig errichtete Gebäude würde samt Inventar der Frühlingssonne zum Opfer fallen. Noch stand das Schneehotel aber.

Führung durch das Schneehotel

Durch einen riesigen Torbogen, in den eine ganz normale Tür eingelassen war, betraten wir das Innere des Schneehotels. Ein langer weißer Gang erstreckte sich vor uns, und mehrere tausend Tonnen Schnee umgaben uns. Die Schneeblöcke wurden aus einem nahe gelegenen See geschnitten. Wir bogen in den nächsten Gang ab, rechts und links davon befanden sich die Hotelzimmer. Ledervorhänge ersetzten die Eingangstüren. Beim Betreten der Zimmer mussten wir unsere Köpfe etwas einziehen, denn das Schneehotel war Jahreszeit bedingt bereits etwas in sich zusammen gesackt. „Keine Sorge, die Stabilität hat dabei nicht gelitten“, gab unser Guide Entwarnung.

Suite im Arctic SnowHotel in Rovaniemi

Erstes Probesitzen: Jan testet das Bett einer der kleineren Suiten an.

Es gab kleine Räume, die hauptsächlich aus einem eisigen Doppelbett bestanden, und es gab Suiten, die mit kunstvoll verzierten und illuminierten Dekorationen und Schneemöbelstücken aufwarteten. Einige Zimmer besaßen Eisfenster, aus denen man zwar nicht heraus schauen konnte, durch die aber bunt schillerndes Tageslicht einfiel. Sehr atmosphärisch.

Neben den Schlafgemächern hatte das Schneehotel all das zu bieten, was Hotels üblicherweise so im Angebot haben. Nur eben eine Spur „cooler“. Dinieren konnte man im Schneerestaurant, natürlich auf Eistischen und -bänken. Rentierfälle sorgten für warme Popos, und Holzbrettchen verhinderten, dass das Eisgeschirr am Tisch fest fror.

Restaurant des Schneehotel in Rovaniemi

Heiß auf Eis: Ein cooles Restaurant mit leckeren, heißen Speisen.

Anschließend konnte man einen Absacker in der Eisbar einnehmen, einer kuppelförmigen Halle mit Stehtischen und -hockern aus Eis, in der Discomusik aus den Lautsprecherrn tönte. Doofe Musik, aber ein perfekter Sound.

Eisbar im Schneehotel

„Ice Ice, Baby!“ Die Eisbar lud zum Trinken und Tanzen ein.

Natürlich hatte das Schneehotel auch Wellness zu bieten. Im Außenbereich konnte man sich in ein Jacuzzi fläzen oder wahlweise die Eissauna besuchen. Eis-SAUNA? Ja, richtig gelesen. Einige Treppenstufen führten in eine kleine Eiskammer, in deren Boden ein Kessel eingelassen war. Unser Guide kippte einen Schwung Wasser in den Kessel, und in Sekundenschnelle füllte sich die kleine Eissauna mit heißem Wasserdampf. Ich ergriff umgehend die Flucht, Sauna in Skiklamotten war nämlich alles andere als entspannend. Nach jedem Saunagang muss die Sauna wieder vollständig auskühlen, logisch, sonst könnte der eisige Schwitzraum nicht lange überleben.

Heiß auf Eis: Schwitzen in der Eissauna

Heiß auf Eis: Schwitzen in der Eissauna

Wem das alles jetzt noch nicht besonders, exotisch und ausgefallen genug war: Im Schneehotel kann man auch heiraten. Das Arctic SnowHotel besitzt eine kleine Eiskapelle, in der die Verliebten sich ihr frostiges Ja-Wort geben können.

Eiskapelle im Schneehotel

„Ja, ich will.“ Jan und ich haben schon mal für den Ernstfall geprobt.

Am Ende der Führung mussten wir zugeben: Der von außen unscheinbare Schneeklotz war von innen ganz schön beeindruckend. Während die anderen Besucher von dannen zogen, blieben wir. Denn wir wollten keine halben Sachen machen.

Landestypisches Essen in der Kota

Zugegeben, das Dinner im Schneerestaurant war uns zu teuer. Wir hatten alternativ den Kota-Abend gebucht. Gemeinsam mit einer kompletten Busladung Asiaten genossen wir in der kuschelig warmen Kota unser Abendessen. Das permanente Geschnatter nervte mich zwar etwas, aber als der über dem offenen Feuer gegrillte Lachs aufgetischt wurde, war mir plötzlich alles egal. Es war ja sooo lecker!!

Abendessen in der Kota: Lachs, Folienkartoffel, Gemüse und Brot

Ich habe selten sooo gut gegessen!

Voll gefuttert machten wir es uns noch eine Weile im kuscheligen Kaminraum des Hauptgebäudes gemütlich. Immer wieder huschte ich kurz zur Tür, um draußen nach Nordlichtern Ausschau zu halten. Es war unsere letzte Chance, die Aurora zu beobachten, bevor wir am kommenden Tag zurück nach Helsinki fliegen würden. „You needn’t go outside to check for the northern lights. You can hear the aurora“, belehrte mich ein Hotelangestellter. Ich blickte den Mann fragend an, der daraufhin grinsend ergänzte: „A bus load of Japanese will start screaming.“ Das Geschrei bliebt leider aus.

Hinein ins eisige Vergnügen

Irgendwann wurde die Bettzeit eingeläutet. Draußen herrschten mittlerweile eisige -13 Grad, das Schneehotel selbst hatte eine konstante Innentemperatur von -5 Grad Celsius. Es fühlte sich fast schon warm an, als wir von draußen eintraten. Ein Hotelangestellter erklärte uns alle notwendigen Details und wies uns unser Zimmer zu. „Ich wecke euch morgen früh. Gute Nacht“, verabschiedete er sich. Darauf hoffte ich allerdings auch.

Im an das Schneehotel angeschlossenen, beheizten Container machten wir uns bettfertig. Wir behielten lediglich unsere lange Skiunterwäsche an und zogen unsere Skijacken über, die restliche Kleidung schlossen wir in einem Spint ein. Mit einem Thermoschlafsack und einem Fleece-Inlet bewaffnet eilten wir in unser Zimmer. Die Kälte war schneller. Bibbernd stopfte ich meine Schuhe und Jacke ins Fußende des Thermoschlafsacks. Ich selbst kletterte in das Fleece-Inlet und anschließend samt Inlet in den Thermoschlafsack. Geschafft! Ich kuschelte mich auf die Rentierfelle, die als isolierende Schicht auf dem Eisbett auslagen. Bequem ist anders. Wie zwei Mumien lagen Jan und ich nebeneinander auf dem harten Schneeb(r)ett. Noch ein Eskimo-Kuss und dann versuchten wir, zu schlafen. Das war aber gar nicht so leicht. Ich drehte mich auf meine Schokoladenseite, doch ein eisiger Hauch hielt mich vom Schlafen ab. Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, dass mein Atem von der kühlen Zimmerwand eisig zu mir zurückprallte. Grummelnd drehte ich mich wieder auf die andere Seite. Nun fröstelte ich am Hintern. Ich brauchte wieder einige Minuten, um zu merken, dass mein Hinterteil direkt auf dem Eisbett statt auf den Rentierfellen lag. Irgendwann hatte ich mich soweit zurecht gerückt, dass ich endlich einschlummern konnte.

Pipi – der natürliche Feind im Schneehotel

Mitten in der Nacht wachte ich auf. Nicht vor Kälte, nein, ich hatte ein anderes Problem: Ich musste Pipi. Verdammt. Ich kämpfte eine Weile mit mir, bis ich mir eingestehen musste, dass meine Blase niemals bis zum morgendlichen Wecken durchhalten würde. Fluchend wühlte ich mich aus Schlafsack und Inlet, schlüpfte in meine Schneestiefel und zog meine Skijacke an. Ich eilte durch die kalten Hotelgänge, flitze durch die noch kältere Winternacht, und atmete erleichtert auf, als ich das warme Haupthaus erreichte. Noch erleichterter war ich nach dem Toilettengang. Als Schwangere im Schneehotel übernachten? Was für eine dumme Idee. Da ich mich vor dem erneuten Gang durch die Kälte scheute, setzte ich mich für ein Weilchen an den Kamin. Sollte ich den Rest der Nacht hier bleiben? Alternativ gab es ja auch noch die Notfall-Stockbetten in dem Container, wo wir unsere Kleidung eingeschlossen hatten. Nein, ich wollte nicht kapitulieren. Tapfer kehrte ich in unser Zimmer zurück und legte mich wieder ins Schneebett. Und ehe ich es mich versah, war ich auch schon wieder eingeschlafen.

Kaminzimmer im Schneehotel

Der kuschelige Kaminraum kann ganz schön verlockend sein…

Diplom-Vergabe am nächsten Morgen

„Guten Morgen“, weckte uns eine freundliche Stimme. Ein süßer Duft von Moltebeerentee lag in der Luft. Ich nahm das Heißgetränk dankbar entgegen und genoss die Wärme, die meinen Körper und meine Seele belebte. Wir stiefelten in den Container hinüber und kleideten uns an. Nach einem kurzen Umweg über das Bad im Haupthaus setzten wir uns an den Frühstückstisch im selbigen und schlemmten mit einem Grinsen im Gesicht. Wir hatten es tatsächlich geschafft: Wir hatten eine Nacht unter arktischen Bedingungen verbracht. Verrückt. Und sehr cool. Ein „once in a lifetime“-Erlebnis. Ich bin wirklich froh, dass wir uns dieses teure Vergnügen (155 Euro pro Person Ü/HP) nicht haben entgehen lassen. Und nicht nur deshalb, weil ich meiner Sammlung nun ein Diplom beifügen kann, dass mir eine erfolgreiche Übernachtung unter arktischen Bedingungen bescheinigt 🙂

Rovaniemi
Um dieses Erlebnis mitnehmen zu können, sind wir von Salla aus mit dem Linienbus nach Rovaniemi gefahren. Rovaniemi selbst ist auch unbedingt einen Besuch wert. Die kleine Innenstadt lädt zum Bummeln ein, der zugefrorene Kemijoki ermöglicht verschiedenste Wintersportvergnügen, und das moderne Museum Arktikum informiert den Besucher über die arktischen Regionen. Was wir nicht besucht haben, ist das berühmte Weihnachtsmanndorf, um das wir bei einem nächsten Besuch dank unserer Töchter sicherlich nicht herum kommen werden.

Spaziergang am gefrorenen Kemijoki in Rovaniemi

Spaziergang am gefrorenen Kemijoki in Rovaniemi

Habt ihr auch schon mal ein Schneehotel besichtigt oder darin übernachtet? Wie hat es euch gefallen? Oder steht das Erlebnis noch auf eurer Wunschliste? Oder vielleicht auch gerade nicht?

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