Quito: Plaza Grande

Quito: Ankunft in der höchsten Hauptstadt der Welt

Endlich! Nach 18 Stunden Flug und 24 Stunden auf den Beinen sind wir um 21 Uhr Ortszeit in Quito gelandet. „Nur noch ins Bett“, dachte ich. „Nur noch eben durch die Einreisekontrolle“, entgegnete Jan, der die kilometerlange Warteschlange schon entdeckt hatte. Verdammt. Auf die Warterei bei der Einreise in die USA war ich ja gefasst, aber hier auch noch mal? Damit hatte ich nicht gerechnet. Es dauerte über eine Stunde, bis wir den Stempel im Pass hatten, aber dann konnte das Abenteuer ‚Ecuador‘ endlich beginnen.

Straßenverkehr in Quito

Zu Stoßzeiten rollen riesige Blechlawinen über Quitos Asphalt, begleitet von einem Ohren betäubenden Hupkonzert.

Das erste Abenteuer kam promt: Die Taxifahrt zum Hotel. Direkt am Ausgang des Flughafens wurden wir von mehreren Taxifahrern angefallen, die um uns als Gäste buhlten. Etwas überfordert folgten wir dem erst besten Fahrer zu seinem Taxi, das allerdings außerhalb des Flughafenparkplatzes abgestellt war. Ob das so gut war? Laut Reiseführer sollte man unbedingt nur offizielle Taxen nehmen. Natürlich versicherte uns der Fahrer, dass sein Taxi ganz legal und offiziell sei. Wir ergaben uns und stiegen ein. Der Fahrer startete und drückte gleich mächtig auf die Tube. Er überholte mal links, mal rechts, natürlich ohne Vorankündigung (wer braucht schon einen Blinker?). Ich war schlagartig wach. Um noch etwas mehr Dramatik in die Szene zubringen, wechselte der Fahrer auf die Busspur, die in der Mitte der mehrspurigen Fahrbahn verlief, baulich getrennt mit hohen Bordsteinen zu beiden Seiten. Natürlich tauchte just in dem Moment ein Bus aus der Gegenrichtung auf, und natürlich gab unser Taxifahrer bei dessen Anblick noch mehr Gas. Ich krallte mich am Sitz fest und schickte ein leises Stoßgebet gen Himmel. Ich wurde erhört: Auf der rechten Seite tat sich eine Ausfahrt auf, über die wir die Busspur verließen. Meine Nerven! Ich war froh, als wir unser Hotel, das Fuente de la Piedra II im Stadtteil Mariscal, schließlich erreichten. Das gemütliche Hostal mit seinem kolonialen Stil konnte ich allerdings erst später so richtig würdigen, jetzt wollte ich nur noch eins: Schlafen.

Von Mariscal ins Zentrum

Historisches Zentrum von Quito

Calle Venezuela: Rechts liegt das Kloster Carmen Bajo, hinten links ragt die Basílica del Voto National auf.

Am nächsten Vormittag starteten wir unsere Stadtbesichtigung. Wir bewaffneten uns mit einem Stadtplan und spazierten zum etwa 3,5 km entfernten historischen Zentrum von Quito. Quito liegt in einem schmalen Andenbecken auf 2.850 m Höhe und ist damit vor der bolivianischen Hauptstadt Sucre die höchstgelegene Hauptstadt der Welt. Die Stadt ist an den meisten Stellen nicht breiter als 2-3 km, während sie sich in Längsrichtung über mehr als 30 km erstreckt. Das Herz Quitos ist seine koloniale Altstadt, die mit ihrer Basilika, dem Präsidentenpalast sowie den Kirchen, Konventen und Profanbauten zum UNESCO Weltkulturerbe zählt.

Basílica del Voto National

Die 140 m lange und 35 m breite Basílica del Voto National ist die größte neo-gotische Basilika in Südamerika.

Wir schlenderten gemütlich durch Quitos Straßen und ließen die Stadt auf uns wirken. Im Ejido-Park durchstöberten wir einen kleinen Handwerksmarkt, im Alameda-Park, dem ältesten Park der Stadt und Erholungsoase für die Einwohner, legten wir eine Verschnaufpause an der Lagune ein. Anschließend besichtigten wir die Basílica del Voto Nacional – leider nur von außen, da gerade ein Gottesdienst stattfand. Von den 115 m hohen Türmen der neu-gotischen Kirche soll man einen tollen Ausblick auf die Stadt und die umgebende Landschaft genießen können.

Plaza Grande

Über die Calle Venezuela schlendern wir weiter zur Plaza de la Independencia, auch Plaza Grande genannt, DEM zentralen Platz in Quito. Um den Platz säumen sich mit dem Präsidentenpalast, der Kathedrale Metropolitana, dem Bischofspalast und dem Rathaus das „Who is Who“ der Machtzentralen. In seiner Mitte ragt das neoklassizistische Monument der Unabhängigkeit auf, das für die Befreiung Ecuadors von den spanischen Konquistadoren (1822) steht. Wir ließen uns auf einer Parkbank im Schatten nieder und beobachteten das bunte Treiben auf der Plaza Grande: Während die einen Quitenos den Platz auf ihrem Weg zur Arbeit schnellen Schrittes passieren, treffen sich andere hier zum Plaudern; Touristen bestaunen die Prachtbauten, während ihnen kleine ecuadorianische Jungs mit großen Kulleraugen ihre Dienste als Schuhputzer anbieten – notfalls mit Druck auf die Tränendrüse. Hier prallen Gegensätze aufeinander, was diesen Platz zu einem der spannendsten Orte in Quito macht.

Wir entschieden uns, hier eine Mittagspause einzulegen. An den Platz grenzt ein Einkaufszentrum, das in einem dreistöckigen, kolonialen Gebäude mit Innenhof untergebracht ist. Im obersten Geschoss befinden sich mehrere Restaurants, wo wir ein leckeres Mittagessen einnahmen. Gestärkt setzten wir unsere Stadtbesichtigung fort.

Quitos koloniale Altstadt

Fotoausstellung an der Plaza de San Fransisco

Fotoausstellung auf der Plaza de San Fransisco. Im Hintergrund liegt die Kirche La Compañía de Jesús.

Nach wenigen Metern erreichten wir den Platz von San Fransisco, auf dem eine Art Fotoausstellung aufgebaut war. Leider hatten wir keine weiterführenden Informationen dazu erhalten, aber anscheinend thematisierte die Ausstellung die Veränderungen im Leben, der Kultur und der Mode über die letzten Jahre. Da waren sie wieder, diese Kontraste. Oder wie Heraklit sagte:

Die schönste Harmonie entsteht durch Zusammenbringen der Gegensätze.

Weitere Fotos begegneten uns auf dem Boulevard 24 de Mayo. Hier stolperten wir außerdem in Festivitäten hinein, die offenbar zur Vorbereitung auf den Jahreswechsel gehörten. Überdimensionale, bunte Figuren und Autos säumten die Straße, die mit Blumen und Fahnen geschmückt war. Für die musikalische Untermalung sorgten Livebands. Auch wenn wir wieder nicht genau wussten, was hier vor sich ging, beobachteten wir das rege Treiben und saugten die positive Jahresendstimmung auf, die förmlich in der Luft lag.

Bus? Taxi!

So langsam waren wir k.o. An diesem Tag waren viele Eindrücke auf uns eingeprasselt. Quito ist laut, hektisch, modern, kolonial, international, bunt, vielseitig, kontrastreich, schön. Und heiß! Statt der üblichen Tagestemperatur von etwa 20°C kletterte das Thermometer auf über 30°C. Wir liefen in T-Shirts herum, während wir unsere für abends gedachten Fleece-Pullover und die Jacken den kompletten Tag im Rucksack Gassi führten. Dank der intensiven Sonneneinstrahlung, die die Höhenlage nun mal mit sich bringt, verbrannten wir uns gleich am ersten Urlaubstag kräftig den Pelz. Selber Schuld.
Müde, aber zufrieden traten wir den Rückweg zum Hotel an. Eigentlich wollten wir einen Bus nehmen, das war aber gar nicht so einfach. Wir fanden zwar so etwas Ähnliches wie eine Bushaltestelle, nur gab es weder Busfahrpläne, noch hielt ein Bus. Die Busse fuhren einfach nur langsamer und ein Mann, der auf der Eintrittsstufe stand, rief die Fahrtrichtung des Busses aus. Wer mitfahren wollte, musste aufspringen. Dummerweise hatten wir keine Ahnung, welche der gerufenen Begriffe eine Station darstelle, die in unserer Richtung lag. Auf Experimente hatten wir keine Lust mehr, also nahmen wir ein Taxi zurück zum Hotel. Ein toller erster Tag ging zu Ende. Jetzt freute ich mich auf die nächste Station unserer Reise: Das Otavalo-Tal.

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