Ein Fest der Farben: Indiomarkt in Otavalo

Ein Fest der Farben: Indiomarkt in Otavalo

Selten war ein Silvestertag so voll gepackt wie dieses Jahr. Zuerst besuchten wir den berühmten Indiomarkt samt Viehmarkt in Otavalo, anschließend wurden uns drei lokale Handwerksbetriebe vorgestellt, danach kehrten wir beim örtlichen Schamanen ein, und abends haben wir mit der ganzen Dorfbevölkerung von Tunibamba ins neue Jahr gefeiert. Aber alles der Reihe nach.

Wir wurden schon um 8 Uhr morgens von einem Fahrer abgeholt und zum Indiomarkt in Otavalo gefahren. Der samstägliche Markt ist der bedeutendste in Südamerika. Händler von Nah und Fern bieten neben Obst, Gemüse, Gewürzen und Fleisch vor allem auch farbenfrohe Webwaren, Schmuck und Keramik an. Von 6 bis 10 Uhr morgens findet in Otavalo außerdem der größte Viehmarkt Südamerikas statt. Dort setzte uns der Fahrer ab, und wir erhielten knappe vier Stunden „Freigang“.

Tierisches Vergnügen: Der Viehmarkt

Verkauf von Meerschweinchen

Verkauf von Meerschweinchen (cuy): In Ecuador landen die Tierchen auf dem Speiseteller.

Die Eindrücke prasselten nur so auf uns ein. Als erstes erblickte ich einen Mann, der ein laut gackerndes Huhn an den Füßen hielt und locker über seine Schulter geworfen trug. Dahinter kamen die ersten Viehstände zum Vorschein: In Käfigen, Körben und Säcken wurden unzählige Meerschweinchen feil geboten. Natürlich, die stehen in Ecuador ja auf dem Speiseplan. Gleich daneben reihten sich Käfige auf, in denen sich Hühner, Gänse oder Kaninchen stapelten. Nicht zu vergessen die Kisten voller kleiner, gelber, flauschiger, piepender Küken. Ein europäischer Tierschützer bekäme hier sicherlich in null Komma nichts einen Herzkasper, aber wie heißt es doch gleich? Andere Länder, andere Sitten. Wir schlenderten zwischen den Ständen hindurch und beobachteten, wie die Einheimischen miteinander feilschten, ihre Geschäfte abwickelten und mit Tüten, Säcken oder Kisten voller Kleintiere von dannen zogen.

Kuhhandel

Hier wird Kuhhandel betrieben, im wahrsten Sinne des Wortes.

Im hinteren Bereich des Marktplatzes wurden die größeren Tiere gehandelt: Kühe, Pferde und Schweine. Passend dazu waren farbige Seile erhältlich. In Ecuador gibt es keine eingezäunten Weiden für das Vieh. Die Vierbeiner bekommen einfach ein Halfter umgelegt und werden angebunden – an einem Pflock hinter dem Haus, an einem Baum am Straßenrand oder im Zweifel auch auf dem grünen Mittelstreifen der 6-spurigen Schnellstraße nach Quito rein.

Neben dem Viehmarkt waren eine Handvoll Essensstände aufgebaut, an denen wir neugierig vorbei schlenderten, allein essen wollten wir dort nicht. Den Einheimischen schien die Kost sichtlich zu munden, aber ich konnte mich einfach nicht zum Probieren durchringen. Ich mag es schon nicht, wenn Oma „Lunge & Herz“ kocht, hier aber wurden sämtliche Innereien in den Kochtopf geschmissen. Nein, danke.

Glasverzierungen in Otavalo

Die Straßenlaternen sind mit bunten Glasfiguren aus traditionellen Symbolen geschmückt: Kolibris, Blüten, Masken…

Vom Viehmarkt aus pilgerten wir den Massen hinterher in Richtung Otavalo Innenstadt. Der Aufgang zur Stadt war sehr schön heraus geputzt: Bunte Glasfiguren zierten die Straßenbeleuchtung.

Bunt, bunt, bunt: Der Handwerksmarkt

Indiomarkt in Otavalo

Farbenfrohe Webwaren aller Art werden hier angeboten: Schals, Mützen, Tücher, Hosen…

Wir bogen zunächst rechts ab und gelangten auf den Obst- und Gemüsemarkt. Neben selbigen wurden auch Kräuter und Gewürze angeboten. Über einen Durchgang gelangten wir in einen großen Innenhof, in dem wieder Essensstände untergebracht waren. Als wir den Innenhof auf der gegenüber liegenden Seite verließen, erreichten wir den Handwerksmarkt. Ich war fasziniert von den farbenfrohen Ponchos, Schals und Wollmützen, von den bunten Stoffhosen, den gestreiften Hängematten und den bestickten Blusen, von den aufwendig gestalteten Wandteppichen, den verzierten Keramiken und bemalten Holzfiguren. Ich hätte am liebsten unsere halbe Reisekasse in Souvenirs umgesetzt, hielt mich jedoch zurück, weil wir schließlich noch knapp vier Wochen mit allem Gekauften im Gepäck hätten herumlaufen müssen. Ich ärgere mich im Nachhinein darüber, denn wir hätten unsere Beute sicherlich in unserem Hotel in Quito zwischenlagern können, das wir auf unserer Reise schließlich immer wieder angesteuert haben. Schade.

Ecuadorianisch essen

Gegen Mittag erwartete uns Antonio am Büro von Runa Tupari, das zentral an der Plaza de los Ponchos liegt. Bevor wir unsere Dörfertour antraten, gingen wir noch gemeinsam in einem Restaurant an der Plaza de los Ponchos essen. Als Vorspeise wurde uns eine Suppe serviert, die Antonio gleich mit „Aji“ verfeinerte. Aji ist eine scharfe Soße, die in Ecuador mit fast jedem Gericht serviert wird. Schmeckt super, man sollte sie aber vorsichtig dosieren. Die Suppe selbst schmeckte lecker, allerdings hatte ich mit den teils glibberigen Fleischstückchen darin meine Probleme. Auf meine Frage, was das für Fleisch sei, antwortete Antonio: „Oveja. Diferentes partes de la oveja.“ („Schaf. Verschiedene Teile vom Schaf.“) Na super. Was wir gerade an den Marktständen noch verschmäht hatten, befand sich nun auf unseren Tellern. Und da wir nicht unhöflich sein wollten, aßen wir brav auf. Ich verfolgte die Taktik „nur schlucken, nicht kauen“. Als Hauptspeise stand Hühnchen mit Reis und Gemüse auf der Karte, zum Nachtisch wurde ein großes Glas frisch gepresster Saft gereicht. Beides war vorzüglich. Frisch gestärkt machten wir uns auf zu unserer Dörfer-Tour.

Mehr lesen...

Interessant? Dann gerne teilen!   Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone