Insel Bartolomé, Galápagos

Galápagos: Evolutionsgeschichte hautnah erleben (Teil 1)

Vier Jahre ist es nun schon her, seit ich eines der letzten Paradiese auf unserem Planeten bereist habe: Die Galápagos-Inseln. Von all den wunderbaren Orten der Welt ist diese traumhafte und exotische Inselwelt (bisher) mein persönliches Highlight. Es wird daher höchste Zeit, dass ich mich gedanklich mal wieder dorthin träume – und euch nehme ich gleich mit!

Galápagos: Abgelegene Inselgruppe im Ostpazifik

Der Besuch der Galápagos-Inseln war der krönende Abschluss unserer Ecuador-Rundreise. Die abgeschiedene Inselgruppe liegt im Ostpazifik, etwa 1.000 km vor der Küste Ecuadors. Kein Wunder also, dass die Inseln erst im Jahre 1535 zufällig von ein paar dort gestrandeten Spaniern entdeckt wurden. Im 17. Jahrhundert dienten die „verzauberten Inseln“ (Islas Encantadas) Piraten als Versteck, bevor sie am 12. Februar 1832 von General José María Villamil für Ecuador in Besitz genommen und besiedelt wurden. Fünf der 13 größeren Inseln (über 10 km²) sind heute bewohnt: Santa Cruz, San Cristóbal, Isabela, Floreana (nur ca. 100 Einwohner) und Baltra (nur Militärstützpunkt). Daneben umfasst der Archipel über 100 kleine bis winzigste Inseln.

Galapagos Islands topographic map-de
By Eric Gaba (Sting – fr:Sting), via Wikimedia Commons

Baltra & Santa Cruz: Bienvenidos a Galápagos!

Von Ecuadors Hauptstadt Quito aus sind wir via Guayaquil nach Baltra geflogen. Per Bus und Boot ging es hinüber nach Santa Cruz, quer durchs Hochland bis zur Hauptstadt Puerto Ayora, wo unser Guide Milton uns in Empfang nahm. Und dann ging es auch schon los. Mit dem Besuch der Charles Darwin Station tauchten wir direkt in die Geschichte, Geologie und Biologie der Galápagos-Inseln ein.

Charles Darwin Station auf Santa Cruz

Charles Darwin Station auf Santa Cruz

Durch ihre geografische Abgeschiedenheit kommen auf den Galápagos-Inseln sehr viele endemische Tier- und Pflanzenarten vor, also Arten, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Dieser Fakt hat Charles Darwin Mitte des 19. Jahrhunderts zu seiner Evolutionstheorie verholfen. Er hatte beobachtet, dass die Finken auf den verschiedenen Inseln unterschiedliche Schnabelformen besitzen, die an die jeweilige Hauptnahrungsquelle der Vögel angepasst sind. Auch die Panzer der Riesenschildkröten, den Namensgebern für die Galápagos-Inseln (galápago = ‚Wulstsattel‘), sind von ihrer Form her an die Gegebenheiten der jeweiligen Inseln angepasst. Die Natur ist schon genial genial, oder?

Darwin-Fink

Mit seinem Schnabel kann der Darwin-Fink an der Kaktusblüte naschen.


Leider ist das ökologische Gleichgewicht der Galápagos-Inseln durch die ersten Siedler empfindlich gestört worden. Mitgebrachte Tiere und Pflanzen, eingeschleppte Parasiten und natürlich die Jagd bedrohten das Ökosystem, so dass einige Arten leider ausgestorben sind oder akut vom Aussterben bedroht sind. Hier setzt die Charles Darwin Station an: Neben ihrer wichtigen Forschungsarbeit ergreift sie unterschiedlichste Maßnahmen zum Klima- und Artenschutz auf den Galápagos-Inseln. In ihrer Aufzuchtstation wachsen beispielsweise auf den Inseln eingesammelte Schildkröten-Babys heran, bis sie nach drei bis fünf Jahren überlebensfähig sind und wieder auf ihre Herkunftsinsel zurück gebracht werden. Durch diese Methode konnte der Schildkrötenbestand auf den Inseln erhöht und einige Unterarten der Riesenschildkröten vor dem Aussterben gerettet werden. Nicht allerdings die Pinta-Riesenschildkröten: Ihr letzter Vertreter, der berühmte Lonesome George, ist am 24.06.2012 im geschätzten hohen Alter von über 150 Jahren leider gestorben.

Rábida: Die rote Insel

Neuer Tag, neue Insel! Über Nacht sind wir nach Rábida geschippert. Wenn ich auch sonst morgens eher von der gemütlichen Sorte bin, so hüpfte ich während der Kreuzfahrt jeden Morgen freiwillig und voller Vorfreude aus den Federn. Wann wird man auch sonst schon allmorgendlich mit einen neuen Ausblick überrascht? An diesem Tag sah ich rot. Die 5 km² kleine Insel erhält ihre außergewöhnliche Farbe durch den hohen Eisenoxidgehalt der Lavaasche.

Roter Strand von Rábida

Unser Boot, die Galápagos Vision, vor Anker vor dem roten Strand von Rábida.

Nach dem Frühstück wurden wir mit dem Dinghy zum roten Strand von Rábida gebracht, wo eine große Seelöwenkolonie lebt. Mein erster hautnaher Kontakt mit wild lebenden Seelöwen!! Die Tiere hatten überhaupt keine Scheu. Einige dösten in der Morgensonne, andere genossen ihr Morgenbad, und die Kleinen tollten ausgelassen herum. Und mittendrin waren wir. Wir spazierten am Strand entlang, staunten, freuten uns wie die Kinder, fotografierten und stürzten uns neben den Seelöwen in die Fluten. Anschließend unternahm Milton eine kleine Rundwanderung mit uns, auf der er uns alles Wissenswerte über Rábida und ihre Flora und Fauna erzählte.

Santiago: Die klassische Vulkaninsel

Am Nachmittag sah ich nicht mehr rot, sondern schwarz: Wir besuchten die klassische Vulkaninsel Santiago, die mit 585 km² die viertgrößte Galápagos-Insel ist. In der felsigen Bucht bei Puerto Egas (oder James Bay) wimmelte es nur so von Meerechsen, roten Klippenkrabben, Seelöwen und Perlzrobben. Bei der geballten Action wusste ich gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte!

Meerechsen, Klippenkrabben und Seelöwen

Wimmelbild: Meerechsen, Klippenkrabben und Seelöwen

Die wechselwarmen Meerechsen fühlen sich auf dem schwarzen, Wärme speichernden Lava-Gestein übrigens pudelwohl. Bis zu einer halben Stunde können sie im Meer tauchen, um an den Felsen Tang und Algen abzuweiden. Danach müssen sie in der Sonne wieder aufheizen. Das mit der Nahrung aufgenommene Salz scheiden sie – hatschi! – durch ihre Nasenlöcher wieder aus.

Das Landesinnere von Santiago bietet leider ein etwas trostloses Bild. Die Überweidung durch eingeführte Haustiere wie Esel, Ziegen und Schweine führte zu einer starken Erosion des Bodens. Durch gezielte Tötung der Tiere und Einzäunung einiger Gebiete erholt sich die Landschaft ganz allmählich etwas.

Schwarzer Vulkankegel auf Santiago

Schwarzer Vulkankegel inmitten der zerstörten Insellandschaft.

Bartolomé: Bekanntes Postkarten-Motiv

Tag drei im Paradies bricht an. An diesem Morgen wurde ich mit dem Ausblick auf DAS geologische Wahrzeichen von Galápagos begrüßt: Den Pinnacle Rock. Die 45 m hohe Felsnadel ist wahrscheinlich der Überrest eines kollabierten Tuffkegels.

Pinnacle Rock, Isla Bartolomé

Bartolomé mit dem Pinnacle Rock vom Wasser aus gesehen.

Die nur 1,2 km² kleine und geologisch junge Insel Bartolomé lässt den vulkanischen Ursprung des Archipels so richtig greifbar werden. Bei brütender Hitze sind wir die 300 Holzstufen hinauf auf den 114 m hohen Vulkangipfel geächzt, wo wir mit einem gigantischen Ausblick auf die fast schon surreale Vulkanlandschaft von Bartolomé und der gegenüber liegenden Insel Santiago belohnt wurden. Schwarze Lavafelder, braun/rot/gelbe Schlackenkegel, grüne Vegetationsinseln und weiße Sandstrände vor türkis- und azurblauem Meer – wow, was für Kontraste!
Bartolomés Flora und Fauna ist hingegen etwas bescheidener als auf den anderen Inseln. Inmitten dieser Mondlandschaft begegneten uns hier und da ein Lavakaktus oder ein Lavalizard. Am Fuße der Insel tummelt sich noch eine kleine Attraktion, nämlich die nördlichste Pinguinart der Welt, der kleine Galápagos-Pinguin. Süüüß!

Seymour Norte: Vogelparadies auf einem Lavaplateau

Am Nachmittag gingen wir in Seymour Norte an Land, einer 1,9 km² kleinen Insel unmittelbar nördlich unserer Ankunftsinsel Baltra. Beide Inseln sind Plateaus aus unterseeischer vulkanischer Lava, die sich im Laufe von Millionen Jahren aus dem Meer erhoben haben.

Seymour Norte

Seymour Norte: Rötlich-braunes Vulkangestein, silbrige Balsambäume.

Die Vegetation auf Seymour Norte ist einigermaßen karg. Auf dem rötlich-braunen Lavagestein wachsen in der Hauptsache silbrige Balsambäume, in denen eine der größten Kolonien von Prachtpregattvögeln lebt. Prachtfregattvögel sind echte Poser: Die Männchen besitzen einen schlabberigen, roten Kehlsack, den sie während der Balz wie einen Ballon aufblasen, um den Weibchen zu imponieren. Bei mir hat es funktioniert 🙂

Prachtfregattvogel

Ein Prachtfregattvogelmann zeigt, was er zu bieten hat.

Am Ende unseres Spaziergangs über das Vulkanplateau gelangten wir an den Sandstrand von Seymour Norte, wo sich eine große Seelöwenkolonie in der Abendsonne räkelte. Die untergehende Sonne tauchte die Landschaft in ein goldenes Licht und ließ das rote Galápagos-Teppichgras nochmals feuerrot aufglühen. Unzählige Gabelschwanzmöwen zogen friedlich ihre Kreise in der Wärme der letzten Sonnenstrahlen des Tages. Mein Gott, was war das doch für ein Paradies!

Seelöwe in der Abendsonne

Keine Paparazzi! Dieser Seelöwe wollte bei seinem Sonnenbad nicht gestört werden.


Plaza Sur: Bunte Vielfalt auf Miniinsel

Neuer Tag, neues Lavaplateau. Mit den ersten Sonnenstrahlen besuchten wir die Miniinsel Plaza Sur, die trotz ihrer geringen Größe von nur 13 ha eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren beherbergt. Die Eindrücke von unserem Morgenspaziergang zeige ich euch in Bildform (mit Beschriftung):

Drusenkopf

Ich liiiiebe Drusenköpfe!! Sehen die kleinen Drachen nicht unheimlich freundlich und absolut weise aus?


Santa Fé: Baumopuntien & Landleguane

Die 24 km² große Insel Santa Fé wartet mit zwei Besonderheiten auf. Zum einen können die Baumopuntien hier bis zu 6 m hoch werden! Zum anderen lebt dort der endemische Santa Fé Landleguan, der sich mit seiner besonders ausgeprägten Gelbfärbung sowie einem stärker ausgebildeten Rückenkamm von seinen Verwandten auf den Nachbarinseln unterscheidet. Nach dem ganzen Rot, Braun und Schwarz der letzten Tage freute ich mich auf Santa Fé außerdem über unseren ersten feinen, weißen Sandstrand, an dem es noch dazu von Seelöwen wimmelte.

Natürlich musste ich mich an diesem idyllischen Ort dringend gemeinsam mit den Seelöwen fotografieren lassen. Ab in die Hocke, in die Kamera lächeln und – huch, was war das? Neben mir ertönte lautstarkes Gebrüll.

Seelöwen-Bulle

Ups, da hatte ich doch glatt den Bullen übersehen. Das hätte böse enden können!

Ein Seelöwenmännchen richtete sich auf und robbte mit drohenden Gebärden und überraschend schnell auf mich zu. Erschrocken sprang ich auf und suchte das Weite. Gut so, denn die 2,50 bis 2,70 m großen Bullen mit ihrem Kampfgewicht von 250 kg können gefährlich zubeißen! Ich bin wohl seinem Harem zu nahe gekommen, so etwas mögen die Herren überhaupt nicht. Von daher: Haltet euch fern von Seelöwen-Männern! Die Seelöwinnen sind übrigens daran zu erkennen, dass sie mit ihren 1,50 bis 1,70 m und nur 60 bis 100 kg deutlich kleiner sind als die Bullen.

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Mehr Infos & Fotos von den Galápagos-Inseln gibt es es hier:

Wart ihr schon mal auf den Galápagos-Inseln, speziell den nord-westlichen? Was waren eure Highlights dort? Und falls der Archipel noch auf eurer Wunschliste steht, was ist euer Hauptgrund, auf die Galápagos-Inseln zu reisen?

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