Kurzurlaub in Norddeich: Mit Baby und Kleinkind an die Nordseeküste

Kurzurlaub in Norddeich: Mit Baby und Kleinkind an die Nordseeküste

Lotta ist mit ihren nichtmals zwei Jahren schon reichlich reiseerprobt: Zwei Monate Frankreich und Nordspanien, eine Woche Cuxhaven und zwei Wochen Dänemark. Jetzt durfte auch Leni mit ihren drei Monaten das erste Mal ein wenig Reiseluft schnuppern.

Hallo Reiselust: Beim 2. Kind erwacht die früher

Beim ersten Kind hatte ich gar nicht so schnell das Verlangen nach einer Reise verspürt, Abenteuer hatte ich zu Hause ja genug. Alles war spannend und aufregend, jeder Pups wurde gefeiert. Beim zweiten Kind ist das anders. Man betritt halt kein Neuland mehr, zudem läuft der Alltag rund um Kind Nummer 1 gnadenlos weiter. Es bleibt gar nicht die Zeit dazu, Kind 2 genauso exklusiv zu bewundern, bestaunen und betüddeln. Und woher kommt eigentlich diese bescheuerte Behauptung, dass das zweite Kind „einfach so mitläuft“? Laufen kann Leni noch nicht, und auch sonst hat ein Säugling ganz andere Vorstellungen von einem erfüllten Tag als ein Kleinkind. Als Mama darf ich also einen Spagat zwischen den unterschiedlichen, aber selbstverständlich zeitgleich angemeldeten Wünschen meiner beiden Zwerge hinlegen. In kürzester Zeit habe ich gelernt, Leni zu stillen, während Lotta auf meinem Schoß sitzt und sich ein Bilderbuch von mir vorlesen lässt. Geht alles. Ist aber anstrengend. Kein Wunder also, dass nach der Geburt der zweiten Tochter ganz schnell ein akutes Urlaubsbedürfnis in mir aufstieg.

Sonnenuntergang in Norddeich

Sonnenuntergang in Norddeich: Ich will wieder an die Nordsee…

Entlastung für die Mama: Urlaub mit den Großeltern

Gedacht, geplant, gebucht! Da Lotta in Dänemark so viel Spaß hatte („Meer! Meer!“), wollten wir wieder an die Nordsee, dieses Mal aber „nur“ an die deutsche Küste. Als Verstärkung und Entlastung sind die Großeltern mitgekommen (eigentlich war es anders herum, ich habe mich und die Mädels bei meinen Eltern eingeklinkt). Lange Jahre hatte ich mir nicht vorstellen können, nochmals gemeinsam mit meinen Eltern zu verreisen, zu unterschiedlich waren doch zwischenzeitlich unsere Reisevorstellungen. Kinder bzw. Enkelkinder bringen aber wieder einen gemeinsamen Nenner. Und vier helfende Hände, das war für mich eine willkommene Entlastung.

  • Weniger schlechtes Gewissen
    Zu Hause gibt es immer wieder Momente, in denen ich eins der beiden Kinder schreien lassen muss, weil ich gerade mit dem anderen beschäftigt bin, es zum Beispiel wickle. Auch wenn sich das manchmal nicht vermeiden lässt, habe ich trotzdem ein schlechtes Gewissen. Und natürlich Stess. Im Urlaub haben sich die Großeltern um das „vernachlässigte“ Kind gekümmert und damit so manche Woge geglättet.
  • Geregelte Mahlzeiten
    Muttis kennen das: Die eigenen Bedürfnisse werden hinten angestellt. Ich skippe beispielsweise häufig die Hauptmahlzeiten und schiebe stattdessen irgendwelchen Schund in mich hinein. Der kurzzeitige Stimmungsaufheller drückt dann auf der Hüfte und am Ende auf die Laune. Im Urlaub gab es geregelte Mahlzeiten – welch Luxus!
  • Exklusivzeit für Lotta
    Während Lotta bei der Tagesmutter ist, kann ich mich ganz auf Leni konzentrieren. Für Lotta hingegen bleibt nur selten Exklusivzeit. Im Urlaub haben meine Eltern Leni durch die Gegend geschuckelt, so dass Lotta und ich mal wieder ein paar ungestörte Mutter-Tochter-Momente erleben konnten. Ich habe das sehr genossen, und Lotta sowieso. Sie ist (verständlicherweise) noch nicht darüber weg, dass sie mich jetzt mit ihrer Schwester teilen muss.
  • Zeit für mich
    Wahnsinn! Ich konnte im Urlaub mal wieder in Ruhe und vor allen Dingen alleine duschen gehen. Ich hatte sogar Zeit für ein Hobby, das Fotografieren. Zu Hause schleppe ich die Kamera gar nicht erst mit, wenn ich mit Kinderwagen plus Kleinkind an der Hand nebst übervoller Wickeltasche unterwegs bin.
Möwe im Flug

Fotoerfolg: Erstmals habe ich ordentlich eine Möwe im Flug erwischt.

  • Keine Todo-Listen
    Seit Wochen platzt mein Terminkalender aus allen Nähten, ich hechte ständig von A nach B oder prüddel irgendetwas. Den ganzen Alltagskram habe ich zu Hause gelassen. Herrlich!
  • Abendprogramm
    Die fehlenden Todo-Listen haben sogar dazu geführt, dass ich abends Zeit für etwas Schönes hatte. Entspannt Friesentee trinken und mit meinen Eltern beim „Phase 10“-Spielen zanken zum Beispiel.

Norddeich: Ein tolles Familien-Reiseziel

Nun aber zu unserem Reiseziel Norden-Norddeich. Das Nordseeheilbad hat eine Menge Programm für Groß und Klein zu bieten. Bei gutem und weniger gutem Wetter. Und natürlich ist alles fußläufig erreichbar.

Seehundstation Nationalpark-Haus

Unser Highlight war ganz klar die Seehundstation. Lotta hat interessiert die Fütterung der Tiere beobachtet, ihnen am großen Unterwasserpanoramafenster beim Schwimmen zugeschaut und völlig begeistert einen ausgestopften Seehund gestreichelt. Neues Lieblingswort und -tier: Robbe.

Seehunde in der Seehundstation Norddeich

Die Seehunde haben Lotta nachhaltig beeindruckt.


Mir hat die Seehundstation ebenso gut gefallen, da sie nämlich kein Zoo ist, sondern Aufzuchtstation und Informationscenter. Hier werden „Heuler“, also verwaiste Seehundwelpen, versorgt, aufgezogen und wieder zurück in ihren natürlichen Lebensraum, die Nordsee, gebracht. Die 6 Euro Eintritt sind also sinnvoll investiert.

Abenteuerspielplatz Wattenmeer

Im Matsch buddeln, in Pfützen herum trampeln, Krebse und Muscheln suchen. Was gibt es für ein Kleinkind Schöneres, als im Watt zu spielen? Für diesen tollen Abenteuerspielplatz braucht es lediglich warme Kleidung, einen guten Regenanzug, Gummistiefel und natürlich eine Schaufel. Es hat mir riesigen Spaß gemacht, Lotta bei ihrem Watterlebnis zuzuschauen. Okay, zugegeben, ich fand es toll, auch selbst mal wieder im Watt herum zu matschen.

Buddeln im Watt

Watt’n Spaß! Lotta und mein Vater im Watt. Der Regenschirm ist stilecht, oder? 🙂

Hafen und Hafenmole

Der drittgrößte Personenhafen Deutschlands (nach Puttgarden und Rostock) bietet sich für einen kleinen Spaziergang an. Von hier aus legen die Fähren zu den Inseln Norderney (regelmäßig) und Juist (tidenabhängig) ab. Wenn man die Mole bis ans Ende entlang spaziert, fahren die Fähren direkt vor der Nase her.

Norderney-Fähre in Norddeich

Im Hafen Norddeich läuft gerade eine Norderney-Fähre ein.


Spaziergang entlang der Hafenmole

Spaziergang entlang der Hafenmole

Spielplätze, Grünanlagen & Kinderspielhaus

Kinderspielplätze gibt es in Norddeich wie Sand am Meer. Normale Spielplätze, einen Wasserspielplatz, welche in direkter Strandlage, andere in den Grünanlagen bei der Seehundstation – für alle Altersklassen ist etwas dabei.

Spielplatz am Strand von Norderney

Lotta düst in den Sonnenuntergang 🙂


Die Grünanlagen bieten für Kinder auch sonst einiges zum Entdecken: Wasserstrudel, Wasserläufe und – ganz hoch im Kurs bei Lotta – eine Seilfähre. Wenn das Wetter mal arg zu schlecht war, haben wir mit Lotta das Kinderspielhaus geentert. Das Highlight dort ist die große Röhrenrutsche, daneben gibt es einen Kletterparcours, eine Rutsch- und Kletterlandschaft für die Kleinsten, riesige Bausteine und und und. For free im Übrigen!

Restaurants, Teeläden & Krimskrams-Geschäfte

Ein paar Dinge gehören für mich bei einem Urlaub an der Nordsee immer dazu: 1. Fisch essen, 2. Tee kaufen und 3. Krimskrams und Souvenirs erstehen. Check, check und check. Leckeren Fisch haben wir uns im urigen Restaurant Seestern gegönnt, die für Lotta natürlich auch einen „Räuberteller“ und einen Kinderstuhl parat hatten. Teeläden und Krimskrams-Geschäfte habe ich zur Genüge an der Norddeicher Straße sowie dem Dörper Weg gefunden (und leider auch geplündert). Kennt ihr die Nordsee-Comics von Hösti? Ich finde die saulustig und habe daher Platzdeckchen und Brettchen erstanden, die nun unseren Abendbrottisch zieren.

Besuch der Stadt Norden

Lohnend soll auch ein Besuch der Stadt Norden sein. Wir waren zwar dort, aber viel gesehen von der angeblich schnuckeligen Innenstadt haben wir nicht, denn es tobte gerade der Norder Beestmarkt, eine Kirmes samt Viehmarkt. Für Lotta war das auch okay, zumindest so lange, bis ich ihr verklickern musste, dass sie für den Musik-Express noch zu klein ist. Autsch…

Weitere Sehenswürdigkeiten in Norddeich

Norddeich hat noch Vieles mehr zu bieten, was mit unseren beiden Zwergen oder einfach saisonbedingt nicht machbar war. Hier ein kurzer Überblick:

  • Wattwanderungen
    Ich war als Kind so oft an der deutschen Nordseeküste, aber nie ist jemand mit mir Watt wandern gewesen. Das muss Lotta bald ausbaden *gg*. Ein bisschen muss Lotta dafür noch wachsen, aber dann geht es ab ins Watt! In Norddeich werden verschiedene, geführte Touren angeboten, unter anderem auch eine 1,5-stündige Familien-Wattwanderung, die ich für unseren nächsten Besuch schon vorgemerkt habe.
  • Fähren
    Von Norddeich aus kann man Tagesausflüge zu den Inseln Norderney und Juist unternehmen. Außerdem werden je nach Saison Minikreuzfahrten im Wattenmeer, zum Beispiel zu den Seehundbänken, angeboten.
  • Erlebnisbad Ocean Wave
    Da das Meer ja gerne mal abhaut, haben die klugen Ostfriesen in Norddeich das Erlebnisbad Ocean Wave gebaut, wo man tidenunabhängig seinem Badespaß und natürlich auch Sauna und Wellness frönen kann.
  • Erlebnispark Norddeich
    Der Erlebnispark Norddeich bietet Abenteuer Golf, einen Heckenirrgarten und das Märchenschiff, ein Erzähltheater am Lagerfeuer.
  • Waloseum
    Knappe 5 km von Norddeich entfernt befindet sich das Waloseum. Hauptattraktion ist das 15 Meter lange Skelett eines Pottwals. Ansonsten informiert das Museum über die Unterwasserwelt sowie die Vogelwelt der Nordseeküste.
  • Teemuseum in Norden
    Als absoluter Tee-Fan wäre ein Besuch des Ostfriesischen Teemuseums in Norden für mich quasi Pflicht gewesen. Sehen wir der Tatsache ins Auge: Mit den Zwergen im Schlepptau wäre es nicht sonderlich ergiebig geworden. Nächstes Mal.
Pfützenlaufen im Sonnenuntergang

Manchmal ist kein großes Programm nötig. Pfützen für Lotta, Kamera und Sonnenuntergang für mich. Passt!

Ostfriesland: Etwas Landeskunde…

Für alle Nicht-Ostfriesland-Kenner habe ich zum Abschluss noch ein paar wichtige (Verhaltens-)Tipps für die nächste Reise in den Norden.
In Ostfriesland begrüßt und verabschiedet man sich mit „Moin“, und zwar zu jeder Tag- und Nachtzeit. Hat ein Ostfriese ganz besonders gute Laune oder ist er gerade sehr redselig, hört man auch schon mal ein „Moin moin“. Ich persönlich liebe den dort gesprochenen Dialekt, das Friesisch-Platt. Worte wie Schietwedder (Mistwetter), tüdelig (unbeholfen) oder Dösbaddel (Dummkopf) hören sich doch viel charmanter an als die Hochdeutschen Pendants, oder? Und die Formulierung „um zu gehen“, wenn man um etwas herum gehen soll, finde ich großartig. Das hat meine Großtante aus Hooksiel früher immer gesagt.
Das Nationalgetränk der Friesen ist Schwarzer Tee, natürlich nur eine echte Ostfriesenmischung, der gerne vier Mal täglich konsumiert wird: Morgens zum Frühstück, um 11 Uhr mit einem Keks dazu, nachmittags zur Kaffeezeit und nochmals abends gegen 21 Uhr. In die Teetasse kommt ein Kluntje (ein großer, weißer Kandis), aber unbedingt BEVOR der Tee eingeschenkt wird, damit es schön knistert. Eigentlich gehört auch noch ein Klecks Sahne in den Tee, aber an der Stelle muss ich persönlich passen. Ach ja, wichtig zu wissen: Wenn ihr keinen weiteren Tee nachgeschenkt bekommen möchtet, lasst euren Löffel in der Tasse stehen, andernfalls bekommt ihr Tee bis zum Abwinken.

Disclaimer: Nein, das ist kein Sponsored Post. Auch wenn ich hier etwas Werbung für Norddeich mache, so wurde ich von keinem dazu angestiftet. Die Reise wurde allein durch meine Eltern gesponsert. Danke, ihr seid die Besten!!

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